ROUNDUP: Bau neuer Windräder an Land ist 2019 eingebrochen

Datum: 11.01.20
Uhrzeit: 12:35

BERLIN (dpa-AFX) - Der Bau neuer Windräder an Land ist im vergangenen Jahr in Deutschland auf den tiefsten Stand seit mehr als 20 Jahren eingebrochen. Nach vorläufigen Zahlen wurden nur 276 neue Windenergieanlagen in Betrieb genommen mit einer Gesamtleistung von 940 Megawatt. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies bei der Leistung ein Rückgang von mehr als 60 Prozent, im Vergleich zum Durchschnitt des Zubaus der vergangenen fünf Jahre ein Minus von 77 Prozent. Das geht aus einer Auswertung der Fachagentur Windenergie an Land hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Die meiste Leistung ging demnach im vergangenen Jahr in Brandenburg ans Netz mit 57 Anlagen und rund 194 Megawatt (MW), gefolgt von Niedersachsen mit 54 Anlagen und 181 Megawatt sowie Nordrhein-Westfalen mit 38 Anlagen und 127 Megawatt. Im flächenmäßig größten deutschen Bundesland Bayern gingen gerade einmal sechs neue Windenergieanlagen in Betrieb mit einer Leistung von rund 18 Megawatt. In Bayern gilt bundesweit die schärfste Regelung für den Abstand von Windrädern zur Wohnbebauung. Im grün-schwarz regierten Baden-Württemberg kamen gerade einmal 5 neue Windenergieanlagen mit einer Leistung von rund 17 Megawatt dazu, im schwarz-grün regierten Hessen vier mit einer Gesamtleistung von rund 14 Megawatt.

Historisch betrachtet lag der Jahreszubau laut Fachagentur zuletzt im Jahr 1998 unterhalb von 1000 Megawatt. Weil auch 69 Anlagen stillgelegt wurden, lag der sogenannte Nettozubau 2019 bei nur 854 Megawatt. Der Einbruch hatte sich im Jahresverlauf bereits angedeutet. Hauptgründe sind lange Genehmigungsverfahren, zu wenig ausgewiesene Flächen und viele Klagen. Vor Ort haben sich viele Bürgerinitiativen gegen den Bau von Windrädern gebildet.

Die Branche schlägt Alarm. "Der politisch verursachte Zubaueinbruch im Jahr 2019 birgt enorme Gefahren für die Erreichung der deutschen Klimaschutzziele und gefährdet darüber hinaus das Wertschöpfungsnetzwerk der deutschen Windenergiebranche", sagte der Präsident des Bundesverbands Windenergie, Hermann Albers, der Deutschen Presse-Agentur. Branchenverbände hatten im Juli noch mit einem Zubauvolumen von rund 1500 Megawatt für 2019 gerechnet.

Dabei würden Erneuerbare Energien dringend benötigt. "Die Bundesregierung muss jetzt schnell in die Umsetzung des 18-Punkte-Arbeitsplans aus dem Bundeswirtschaftsministerium gehen", sagte Albers. Dieser sieht etwa vor, mehr Rechtssicherheit bei der Regionalplanung zu schaffen und Genehmigungen zu beschleunigen.

"Nur so kann der Zubau der Windenergie an Land wieder stabilisiert werden. Gelingt das nicht, droht Deutschland in eine Ökostromlücke zu laufen", sagte Albers. Er verwies auf eine Analyse des Instituts EWI Köln. "Eine solche Unterversorgung mit Erneuerbaren Energien gefährdet die Investitionsentscheidungen der deutschen Industrie, etwa im Bereich der Elektromobilität."

Strom aus Windkraft ist neben Solarstrom eine tragende Säule der erneuerbaren Energien. Die Bundesregierung hat sich das Ziel gesetzt, bis 2030 den Anteil von Ökostrom in Deutschland am Bruttostromverbrauch auf 65 Prozent zu steigern. 2019 waren es nach Zahlen des Energieverbandes BDEW 43 Prozent. 2022 geht das letzte Atomkraftwerk vom Netz, bis spätestens 2038 soll mit dem Strom aus Kohle Schluss sein.

In der schwarz-roten Koalition gibt es seit Wochen Streit über den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien. Dabei geht es vor allem um die Frage, wie die Akzeptanz in der Bevölkerung für Windparks erhöht werden kann. Im ursprünglichen Entwurf des Kohleausstiegsgesetz enthalten war eine Regelung für einen Mindestabstand von 1000 Metern von Windrädern zur Wohnbebauung - umstritten ist in der Koalition vor allem, dass der Mindestabstand schon bei mehr als fünf Häusern greifen soll.

Daneben debattiert die Politik darüber, wie Bürger und Gemeinden künftig für Windräder in ihrer Umgebung belohnt werden können, um die Akzeptanz für Windparks zu steigern. Wie genau das aussieht, soll eine Arbeitsgruppe bis Ende März erarbeiten./hoe/DP/zb

Quelle: dpa-AFX
Name Kurs Datum Zeit Handelsplatz
NORDEX SE 7,38 EUR 03.04.20 17:35 Xetra
SIEMENS GAMESA RENEWABLE ENERGY S.A.. 13,38 EUR 03.04.20 22:26 Tradegate
VESTAS WIND SYSTEMS A/S 76,74 EUR 03.04.20 17:35 Xetra
Zurück zur Übersicht
Hinweis:
Hinsichtlich weiterer Informationen und einer gegebenenfalls erforderlichen Offenlegung potenzieller Interessenkonflikte der für die Erstellung der zugrunde liegenden Finanzinformationen oder Analysen verantwortlichen Unternehmen wird auf das Informationsangebot dieser Unternehmen (Internetseite und andere Informationskanäle) verwiesen. Die S Broker AG & CO. KG unterliegt der Aufsicht der Europäischen Zentralbank und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Sie erstellt zurzeit keine eigenen Publikationen der vorliegenden Art („Finanzanalysen“), sondern gibt solche lediglich inhaltlich unverändert weiter und hat vor deren Weitergabe durch den Ersteller keinen Zugang zu diesen Publikationen. Es können folgende Interessenkonflikte bei der S Broker AG & Co. KG auftreten:
  • aus dem Besitz einer Netto-Kaufposition oder Netto-Verkaufsposition, die die Schwelle von 0,5% des gesamten emittierten Aktienkapitals des Emittenten überschreitet,
  • aus einer Stellung als Marktmacher („Market Maker“) in den Finanzinstrumenten des Emittenten,
  • aus einer Federführung/Mitführung bei der öffentlichen Emission von Finanzinstrumenten des Emittenten in den vorangegangenen zwölf Monaten,
  • aus einer Vereinbarung mit dem Emittenten in den vorangegangenen zwölf Monaten über die Erbringung von Wertpapierdienstleistungen bzw. einer darauf beruhenden Verpflichtung zur Zahlung oder zum Erhalt einer Entschädigung,
  • aus einer Vereinbarung mit dem Emittenten über die Erstellung von Finanzanalysen wie der vorliegenden,
  • daraus, dass natürliche Personen, die für die S Broker AG & Co. KG tätig sind und an der Weitergabe der Finanzanalyse beteiligt waren, Anteile des Emittenten vor ihrer öffentlichen Emission erhalten bzw. erworben haben könnten,
  • daraus, dass die Vergütung von Personen, die an der Weitergabe von Finanzanalysen wie der vorliegenden beteiligt waren, unmittelbar an Geschäfte bei Wertpapierdienstleistungen oder anderweitige Geschäfte, die von der S Broker AG & Co. KG selbst abgewickelt werden, gebunden sein könnte.
Auf Wunsch stellen wir Ihnen gerne Einzelheiten zu den vorgenannten etwaigen Interessenkonflikten zur Verfügung. Ergänzend verweisen wir auf die Darstellung zu möglichen Interessenkonflikten in der "Informationen über das Finanzinstitut, seine Dienstleistungen und zum Wertpapiergeschäft" unter AGB.

Diese Meldung an Freunde versenden:
E-Mail-Adresse des Empfängers: E-Mail-Adresse des Absenders:
Name des Empfängers (optional): Name des Absenders (optional):
Zusatztext (optional):