Marktkommentar von Dr. Ulrich Kater

Jede Woche lesen Sie hier den aktuellen Marktkommentar von Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank.

Dr. Ulrich Kater

Dr. Ulrich Kater studierte Volkswirtschaftslehre an den Universitäten Göttingen und Köln. 1995 promovierte er am Finanzwissenschaftlichen Seminar der Universität Köln und übte gleichzeitig eine Lehr- und Forschungstätigkeit an der Universität Köln, der Fachhochschule Köln und der European Business School aus. Von 1995 bis 1999 war Herr Kater im Stab der „fünf Wirtschaftsweisen“ für die Themen Geldpolitik und Kapitalmarkt verantwortlich.
Von 1999 an arbeitete er am Aufbau der Volkswirtschaftlichen Abteilung der DekaBank mit. Seit 2004 bekleidet er die Position als Chefvolkswirt der DekaBank und ist seit 2006 auch Vorsitzender der Kommission für Wirtschaft und Finanzen im Verband Öffentlicher Banken. Darüber hinaus folgte er Lehraufträgen an der Universität Witten-Herdecke, der Zeppelin University Friedrichshafen sowie an der Hochschule der S-Finanzgruppe. Nebenbei ist Ulrich Kater auch als Autor zahlreicher Veröffentlichungen über Geldpolitik, Währungspolitik, internationale Kapitalmärkte, Finanzpolitik, Alterssicherungs-
systeme und Globalisierung in Erscheinung getreten.

25.09.2017, Kommentar zur Bundestagswahl von Dr. Ulrich Kater

Diese Wahl ist als Bettvorleger gestartet und als Tiger gelandet: Denn nun ist klar, auch in Deutschland wandelt sich die politische Landschaft schneller als im Wahlkampf erwartet. Die neuen Herausforderungen, von den sozialen Fragen bis hin zur Einwanderung, polarisieren auch hierzulande. Regieren in Deutschland wird dadurch nicht einfacher.

Das Wahlergebnis hat die Erwartungen an den Finanzmärkten nicht bestätigt und Unsicherheit ist keine gute Umgebung für die Aktienmärkte. Das Gespenst der Unregierbarkeit wird verunsichern und an den Finanzmärkten kann zunächst auch das Szenario von Neuwahlen eine Rolle spielen. Allerdings ist die Jamaica-Konstellation das wahrscheinlichere Ergebnis. Den Chancen von neuen Politikoptionen in Wirtschafts- und Sozialpolitik stehen die Risiken einer gegenseitigen Blockade gegenüber. Deutschland fährt politische in unbekannte Gewässer. Eine zügige Entscheidung über eine Regierungskoalition ist nun entscheidend.

Das europäische Super-Wahljahr 2017 neigt sich mit der Bundestagswahl langsam dem Ende zu. Obwohl die politische Stabilität in Europa bewahrt bleibt, zeigen sich mit den sozialen Herausforderungen der Digitalisierung und den gesellschaftlichen Problemen der Migration zwei neue Megathemen, die die politische Landschaft in den kommenden Jahren weiter umwälzen können.

22.09.2017, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Aktienmärkte sind mit sich im Reinen

Abermals schließt eine Woche mit dem bemerkenswerten Fazit, dass Aktienmärkte und Unternehmen mit sich im Reinen sind. Aktienindizes befinden sich in unmittelbarer Nähe ihrer Höchststände. Einkaufsmanagerindizes in Euroland und in den USA konnten unlängst noch weiter zulegen. Dies findet statt, obwohl Unsicherheiten unübersehbar sind: Wie wirken sich die tropischen Wirbelstürme auf die Konjunkturdaten aus? Wie lösen sich die politischen Risiken (Nordkorea, Brexit, etc.) auf? Diesen Unsicherheiten begegnen Notenbanken bezeichnenderweise mit dem angekündigten Ausstieg aus der ultraexpansiven Geldpolitik. So hat die amerikanische Notenbank (Fed) in der zurückliegenden Woche angekündigt, ab Oktober ihre aufgeblähte Zentralbankbilanz wieder langsam schrumpfen zu lassen. Diese ruhige Hand der Notenbanken stützt die Börsen und die Stimmung bei Unternehmen.

Vor uns liegen erneut wichtige Abstimmungen, Konjunkturdaten und Notenbankreden, die vermutlich bestätigen, dass die Märkte mit sich im Reinen bleiben. Die Bundestagswahl dürfte wenig Marktbewegung am Montag auslösen. Die zuvor befragten Unternehmen könnten das ifo-Geschäftsklima auf ein neues Allzeithoch heben. Verschiedene Reden von US-Notenbankern sollten das Bild erhärten, dass sich die Niedrigzinswelt nur ganz allmählich auflöst. Diese geldpolitischen Leitplanken helfen sicherlich auch im Hinblick auf das wahrscheinlich am 1. Oktober stattfindende Referendum im spanischen Katalonien. Gravierende Auswirkungen für die Kapitalmärkte werden hier nicht gesehen.

15.09.2017, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Störfaktoren ebben ab

Keine neuen Horrormeldungen aus Geopolitik, Wettervorhersage oder von der Währungsfront bereiteten in dieser Woche ein gutes Umfeld für eine weltweite Börsenerholung. Nach dem Abebben der Störfaktoren wurden in den USA sogar neue Höchststände beim Dow-Jones erreicht. Die dortige Inflation gab mit den August-Zahlen auch wieder Lebenszeichen von sich, so dass die Serie von irritierenden Rückgängen bei den Verbraucherpreisen nunmehr gebrochen wurde. Zu niedrige Inflationsraten sind an der Börse nicht willkommen. Die Konjunktur in Europa ist weiterhin gut unterwegs, allerdings auch nicht so überschäumend, dass mit heftigeren Gegenreaktionen der Notenbanken zu rechnen wäre, als ohnehin erwartet. Generell ist dies ein stützendes Umfeld für die Aktienmärkte.

Allein vollmundige Ankündigungen auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) zur künftigen Bedeutung der heimischen Fahrzeugbranche werden den Autoaktien nicht wieder auf die Beine helfen. Hier ist das Vertrauen angeschlagen, und die Börse will Ergebnisse sehen. Diese lassen sich jedoch nicht in wenigen Wochen aus dem Hut zaubern. Daher konzentriert sich die Börse in der kommenden Woche auf die US-Notenbank, die den Plan zur Rückführung ihrer Bilanz veröffentlichen will. Die Ankündigung sollte an den Märkten bereits bekannt und damit in den Kursen verdaut sein, aber eine Restunsicherheit bleibt bei diesem Thema immer erhalten.

08.09.2017, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Unruhiges Börsenumfeld

Ein unruhiges Umfeld belastet die Finanzmärkte in Europa. Die negativen Meldun-gen reichen von den Zuspitzungen im nordkoreanischen Atomstreit über die Auf-wertung des Euro mit ihren Beeinträchtigungen des Exportgeschäfts bis hin zu einer der heftigsten Hurrikan-Saisons seit Jahren. Es handelt sich hierbei um sehr unterschiedliche und auch temporäre Einflussfaktoren. Aber sie können dennoch für eine Weile die eigentlichen Bestimmungsgründe der Börsenentwicklung, näm-lich die ökonomischen Daten, überlagern. Und diese fallen mit niedrigen Zinsen und guter Konjunktur weiterhin sehr positiv aus. Der Dax schaffte es denn auch, diesem Sumpf der schlechten Nachrichten zu entkommen. Dazu trug auch bei, dass in den USA der Streit um die Finanzierung des Haushalts erst einmal bis Ende des Jahres verschoben wurde.

 

In der kommenden Woche liegt das Augenmerk der Börsianer – wieder einmal – auf der Inflation. In den USA werden die Verbraucherpreise gemeldet, die als wich-tiger Kompass für die Zinspolitik der Notenbank Fed dienen. Allerdings könnten diesmal die Zahlen nach oben verfälscht sein – durch Preissteigerungen bei Benzin. Dies fiele dann unter die Datenkapriolen, die regelmäßig nach Naturkatastrophen vom Ausmaß eines oder gar mehrerer Hurrikans auftreten. Bis sich diese Makroda-ten wieder normalisiert haben, dauert es erfahrungsgemäß mindestens zwei bis drei Monate.

 

 

01.09.2017, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Warten auf Inflation

Zum Wochenausklang hat sich die Risikowahrnehmung an den Finanmärkten wieder reduziert. Die weltweit stabilen Konjunkturdaten beruhigten wieder – nach dem zwischenzeitlichen Aufruhr rund um Raketentests in Nordkorea oder Hurrikan Harvey in den USA. Die Stimmung bei Unternehmen und Konsumenten erweist sich als nach wie vor robust. Indes läuft es bei der Inflationsentwicklung nicht rund. Vor allem die großen Notenbanken warten da-rauf, dass sich die Preissteigerungen nachhaltig auf ihre Zielgrößen erhöhen. Dies ist derzeit eine der wichtigsten makroökonomischen Entwicklungen für die Märkte, hängt doch daran die Perspektive für den geldpolitischen Exit, also den Ausstieg der Notenbanken aus ihrer ultraexpansiven Politik. Absehbar sind im weiteren Jahresverlauf nur moderate Inflationsraten, also ein durchaus marktfreundliches Umfeld.

In der kommenden Woche werden die Märkte ihr Hauptaugenmerk auf den Donnerstag richten, wenn in Frankfurt der EZB-Rat tagt. Wahrscheinlich wird es keine konkreten geldpolitischen Entscheidungen geben. Aber auf der Pressekonferenz könnte EZB-Präsident Draghi erstmals explizit darauf hinweisen, dass das monatliche Volumen der Wertpapierkäufe ab Januar nächs-ten Jahres flexibel und in Einklang mit den Inflationsaussichten angepasst wird. Marktbewegungen könnte es geben, wenn Draghi mit seinen Erläuterungen die Erwartungen an die künftige EZB-Politik wie gewünscht oder auch unerwünscht – verändert.

25.08.2017, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Politisches Grummeln an den Börsen

Es grummelt am Horizont. Nach einer ausgedehnten Sommerpause machen sich die Marktteilnehmer nun wieder an die Arbeit, und dabei fallen all die Probleme wieder auf, die die Märkte umgeben und in Atem halten. So steht zum Beispiel in den USA das Thema Finanzplanung ganz oben auf der Agenda. Der Haushalt muss verabschiedet werden, sonst müssen ab Oktober die Behörden geschlossen werden. Schwieriger noch wird die Erhöhung der Schuldenobergrenze im US-Haushalt. Schlimmstenfalls droht hier ein Zahlungsausfall des weltgrößten staatlichen Schuldners im Oktober. In Italien wirft die nahende Parlamentswahl ihre Schatten voraus, dort werden bereits im Vorwahlkampf die Säbel mächtig gegen den Euro gerasselt. Das sind Unsicherheitsfaktoren, die jedoch die wirtschaftlich gute Entwicklung von Unternehmen und Volkswirtschaften nicht dauerhaft überdecken können.

Die nächste Handelswoche wird wohl ganz im Zeichen der Verarbeitung von Signalen stehen, die die Marktteilnehmer aus dem kleinen Ort Jackson Hole in Wyoming erwarten. Dort kommen am Wochenende die Spitzen der großen Notenbanken zu ihrem geldpolitischen Meeting zusammen. Die wichtigsten Wirtschaftsdaten der nächsten Woche kommen von den Arbeitsmärkten. Euroland meldet am Donnerstag die Arbeitslosenquote, einen Tag später kommt der monatliche Arbeitsmarktbericht aus den USA.

18.08.2017, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: US-Regierung wird zur Belastung

Die Beruhigung im Atomstreit mit Nordkorea brachte den Aktienmärkten Aufwind. Auch die gestoppte Aufwertung des Euro werteten die Marktteilnehmer als positives Signal für europäische Aktien. Allerdings zog schnell ein neues politisches Tief aus den USA über die Märkte hinweg: Der Rückzug von Unternehmern aus wirtschaftpolitischen Beratungsgremien signalisiert nachlassende Unterstützung aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft für die Trump-Administration. Das bereitete den Märkten gegen Ende der Woche zunehmend Sorgen. Nicht nur weil nun auch die letzten verbliebenen Hoffnungen auf wirtschaftliche Impulse der neuen Regierung schwinden. Mehr und mehr wird die US-Politik insgesamt als möglicher Störfaktor für die Weltwirtschaft gewertet, etwa wenn in den kommenden Wochen über den US-Haushalt und die Schuldenobergrenze verhandelt werden muss.

In der kommenden Woche richten Politik, Wirtschaft und Kapitalmärkte ihre Augen auf das wirtschaftspolitische Symposium der US-amerikanischen Notenbank in Jackson Hole. Traditionell dient dieses jährliche Treffen hochrangiger Experten einer grundsätzlichen Aussprache über die internationale Geldpolitik. Daher gelten die Aussagen der Notenbankchefs bei dieser Konferenz als Richtschnur für die Geldpolitik der kommenden Monate. An den Märkten wird erwartet, dass die Notenbanken der etablierten Industriestaaten beim Thema Zinserhöhungen insgesamt wieder einen Gang zurückschalten.

11.08.2017, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Die Weltwirtschaft brummt weiter

Mit nur wenigen frischen Konjunkturindikatoren oder Neuigkeiten seitens der Notenbanken und unspektakulären Unternehmensberichten verlassen wir die zurückliegende Börsenwoche. Nichts müsste die Finanzmärkte also daran zweifeln lassen, dass die Weltwirtschaft weiter brummt. Wenn doch die wichtigsten Staatenlenker der Welt in ihren Sommerurlauben einfach nur wandern, angeln oder Golf spielen würden. Während sich Kanzlerin Merkel und Russlands Präsident Putin entsprechend volatilitätsdämpfend verhalten, rasselt US-Präsident Trump mit neuen Verbalkapriolen gegenüber Nordkorea. Das ebenso aggressive Echo von dort ließ nicht lange auf sich warten. Das Schreckgespenst einer militärischen Auseinandersetzung tut den Aktienmärkten nicht gut, gleichwohl reagierten die Marktteilnehmer besonnen.

Auch die Rentenmärkte blieben vom rhetorischen Säbelrasseln nicht gänzlich unbeeindruckt und reagierten mit leichten Renditeabschlägen. Weiterhin wird der Kursentwicklung des US-Dollars zum Euro viel Aufmerksamkeit geschenkt. Auf bis zu 1,19 kletterte unsere Währung gegenüber dem US-Dollar. In der zurückliegenden Woche bröckelte der Euro-Kurs wieder leicht, was an den europäischen Aktienmärkten die Sorgen vor einer Gewinndämpfung bei den Unternehmen mildert. Auch die preisdämpfenden Effekte des stärkeren Euro, die der Europäischen Zentralbank nicht gefallen, sollen sich hiermit in Grenzen halten.

 

04.08.2017, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Aufreger Auto

In der deutschen Automobilindustrie rumort es. Regelverstöße in der Vergangenheit und die Verwendung des Dieselmotors in der Zukunft sind akute Themen. Der Dieselgipfel am 2. August sollte Klarheit bringen über Bedingungen, unter denen die bisher gebauten Dieselfahrzeuge weiter gefahren werden dürfen. Dies ist jedoch nur halbherzig geschehen. Daher wird die Unsicherheit zu weiter sinkenden Diesel-Marktanteilen führen. Eine andere Frage ist die generelle Zukunftsfähigkeit der deutschen Vorzeigebranche, die immerhin etwa 5 Prozent der nationalen Wertschöpfung und 12 Prozent der Warenexporte ausmacht und von der viele mittelständische Zulieferbetriebe in den Regionen abhängen. Neben der Antriebstechnologie liegt der wesentliche Wettbewerbsvorteil der großen Autobauer im Zusammenführen einer Vielzahl von Einzeltechnologien wie Antrieb, Sicherheit, Elektronik in einer kostengünstigen und qualitätsvollen Produktion. Hier sind die deutschen Firmen nach wie vor gut positioniert.

 

An der Börse fielen die Querelen zusammen mit einem ohnehin saisonal lustlosen Geschäft. Während der marktbreite CDAX in den vergangenen Wochen um etwa 4 Prozent nachgab, waren Automobilwerte mit etwa 10 Prozent Rückgang stärker betroffen. Es sind weiterhin die Notenbanken, auf die die Märkte starren wie die Kaninchen auf die Schlange. Allerdings befinden sich die Schlangen zurzeit ebenfalls in der Sommerpause. Neue Impulse für Börse und Renditen dürfte es erst mit den Notenbanksitzungen im September geben.

 

 

28.07.2017, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Volumenreiche Nachrichten treffen geringen Umsatz

Es ist Sommerzeit, freilich weniger vom Wetter, als vielmehr an den Börsen. So finden die aktuellen Marktbewegungen bei dünnen Umsätzen statt. Insofern sollten die Kurs-Rückgänge vom DAX nicht überinterpretiert werden. Zudem sind insbesondere die Abstrafung der Automobiltitel auf der einen und die Sorgen um den gegenüber dem US-Dollar gestärkten Euro auf der anderen Seite eher hausgemacht, als globalen Schwächetendenzen geschuldet. Anders sieht es bei einem Blick über den Atlantik aus: Amerikanische Indizes verzeichnen teilweise neue Allzeithochs, obwohl die Unternehmensberichtssaison in den USA bislang sehr gemischt ausfällt.

 

Blick zurück nach Deutschland: Hier zeigen sich die Unternehmen aktuell extrem zuversichtlich. Anders als von vielen Experten erwartet, konnte das ifo-Geschäftsklima – einer der wichtigsten Stimmungsindikatoren – für Juli sein drittes Allzeithoch in Folge erzielen. Das ist bemerkenswert, wenngleich die tatsächliche Konjunkturdynamik offenkundig überzeichnet wird.

 

Die amerikanische Notenbank (Fed) hat sich auf ihrer jüngsten Sitzung in ihrer geldpolitischen Haltung kaum verändert gezeigt. Für die Märkte bleibt es dabei, dass sich die monetäre Stützung nur ganz allmählich verringern wird. Das stützt unter anderem die Anleihemärkte, vor allem bei Unternehmensanleihen. Auch Neuemissionen liefen gut: Sowohl AT&T, die drittgrößte Bondplatzierung aller Zeiten, als auch eine neue griechische Anleihe waren deutlich überzeichnet. Zinsaufschläge werden von Anlegern nach wie vor händeringend gesucht.

 

21.07.2017, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Kein Öl ins Feuer gießen

Die Top-Themen der zurückliegenden Börsenwoche fanden sich auf der Währungs- und Zinsseite. Der Euro wertete gegenüber dem US-Dollar weiter auf, worauf die hiesigen Aktien verschnupft reagierten. Der Dax verließ den Handel gegenüber dem Wochenstart mit einem leichten Minus. Wenn allein die unterschiedlichen Zinsniveaus in den USA und in Euroland den Ausschlag gäben, dann kann es nicht weit her sein mit der Aufwertung des Euro. Denn die Europäische Zentralbank gab sich in dieser Woche alle Mühe, Zinserhöhungsphantasien zu zerstreuen. EZB-Präsident Mario Draghi wollte kein Öl ins Aufwertungsfeuer seiner Währung gie-ßen. Trotzdem kümmerte sich der Wechselkurs anscheinend nicht um die Äuße-rungen der EZB-Spitze. In der Tat spricht auch die konjunkturelle und politische Stabilisierung im Euroraum für die europäische Gemeinschaftswährung.

 

Allzuweit sollte jedoch die Euro-Stärke nicht mehr tragen, wenn in der kommenden Woche die US-Notenbank (Fed) die weitere Straffung ihrer Geldpolitik erläutern wird. Dazu stehen in der bevorstehenden Woche jede Menge Wirtschaftsdaten an: sowohl in den USA als auch in Euroland werden die neuen Wachstumszahlen zum 2. Quartal bekannt gegeben. Zudem werden die aktuellen Stimmungswerte aus den europäischen Unternehmen veröffentlicht. Alles in allem eine brisante Mischung, die die Finanzmärkte durchrütteln kann.

 

14.07.2017, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Die beste aller Welten

Janet Yellen, die Präsidentin der US-Notenbank (Fed), hat es in ihrer Rede vor dem US-Kongress am zurückliegenden Donnerstag erneut bestätigt. Aus ökonomischer Sicht haben die USA derzeit wohl die „beste aller Welten“: solides Wachstum ohne Inflationsdruck bei anhaltend niedrigen Zinsen. Dennoch will die Fed auf dem Weg aus der ultralockeren, immer noch von der Finanzkrise geprägten, Geldpolitik langsam aber sicher voranschreiten. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) sendet vorsichtige Signale, dass der Ausstieg aus dem Krisenmodus naht.

 

Die jüngsten Konjunkturdaten bestärken die Notenbanken auf diesem Weg. Denn nicht nur der amerikanische Arbeitsmarktbericht hat zuletzt gute Konjunkturnachrichten für Juni geliefert. Hinzu kamen auch starke Außenhandelsdaten für Deutschland und China sowie ein kräftiger Anstieg der Industrieproduktion im Euroland.

 

Vor diesem Hintergrund blicken wir gespannt auf den EZB-Zinsentscheid am kommenden Donnerstag. EZB-Präsident Mario Draghi wird wohl noch keine klaren Aussagen für das baldige Zurückfahren der Anleihekäufe machen. Vielmehr wird er versuchen, die am Anleihemarkt zu beobachtenden deutlichen Renditeanstiege mit der erneuten Bestätigung zu dämpfen, dass die Leitzinsen noch für sehr lange Zeit sehr niedrig bleiben werden. Die Aktienmärkte werden sich jetzt verstärkt der beginnenden Quartalsberichtssaison zuwenden. Die erwarteten soliden Gewinnanstiege sollten die jüngsten Kursanstiege unterstützen und damit die Aktienmärkte stabilisieren.

 

07.07.2017, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Sommerloch – Einstiegschancen nicht ausgeschlossen

Die Sommermonate gelten als traditionell schwache Aktienzeit. Nach der Dividendensaison ist das Interesse an Unternehmenswerten bis in den Herbst hinein schwach, bevor dann das Jahresende in den Blick kommt und damit der Wunsch nach höheren Aktienbeständen und -bewertungen. Allerdings sind saisonale Aspekte immer nur ein Einflussfaktor auf das Kursgeschehen, und sie werden schnell von wirtschaftlichen Themen überlagert. So in dieser Woche etwa durch die verstärkte Diskussion um den Zinskurs der Notenbanken. Mit weiterhin guter Konjunktur und dem mittlerweile hinreichend dokumentierten Willen der großen Zentralbanken zur Beendigung der geldpolitischen Sonderprogramme fragen sich die Investoren mehr und mehr, welche Auswirkungen dies auf ihre Märkte hat.

Dabei wird jedoch nach dem ersten Erkenntnisschock, dass „es“ – die geldpolitische Straffung – nun losgeht, auch wieder die Einsicht kommen, dass die Umkehr der Notenbankpolitik ein sehr langwieriges Geschäft ist. Eine schleppende Inflationsentwicklung auch in diesem Jahr wird erneut Zweifel an der Möglichkeit eines geldpolitischen Ausstiegs aus der Nullzinspolitik säen. Die Aktienmärkte sollten daher auch in der zweiten Jahreshälfte wieder sonnige Tage sehen. Und langfristig muss sich unter den Marktteilnehmern erst noch ein Konsens darüber bilden, wie weit denn die Zinsen überhaupt angehoben werden können. Solange sichere Anlagen einen negativen Realzins erwirtschaften, bleibt ein wichtiges Argument für Aktien bestehen.

 

30.06.2017, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Grummeln an den Aktienmärkten

Die Börse lebt: Endlich kam es zum Wochenschluss mal wieder zu substanziellen Bewegungen, wenn auch in die falsche Richtung – nach unten. Es lag weder an Wirtschaftsdaten, Inflationseinschätzungen oder Unternehmensgewinnen: Überall blieb die positive Einschätzung bestehen, etwa bei der Konjunktur, zu der die neueste Stimmungsauswertung von Unternehmen und Verbrauchern einen Rekordwert aufwies und damit auf weiteres Wachstum in Euroland hindeutete. Es waren vielmehr Äußerungen aus der Europäischen Zentralbank (EZB), die die Märkte ins Nachdenken brachten. EZB-Präsident Mario Draghi wies auf die gute wirtschaftliche Entwicklung in Euroland hin. Das reichte schon, um den Marktteilnehmern zu signalisieren, dass die geldpolitische Unterstützung nicht mehr ewig anhalten kann.

Trotz der jüngsten leichten Korrekturen an den Aktienmärkten stimmen die Aussichten weiter zuversichtlich. Die gute Verbraucherstimmung in Deutschland zeigt, dass der Aufschwung breit angelegt ist. In der kommenden Woche stehen mit den Arbeitsmarktzahlen aus den Vereinigten Staaten wichtige Konjunkturdaten an. Bisher deuten alle Anzeichen auf eine wieder kräftigere Dynamik. Die Arbeits-
losenquote ist in den vergangenen vier Monaten stets gesunken und erreichte mit 4,3 Prozent im Mai für US-Verhältnisse ein ungewöhnlich tiefes Niveau. Hier deuten die Indikatoren eine unveränderte Rate im Juni an. Eher enttäuschend war zuletzt die Lohndynamik

 

23.06.2017, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Schlecht geölt ist halb verunsichert!

In Ermangelung wichtiger Konjunkturindikatoren und außerhalb der Berichtssaison hat sich der Rohölpreis in den Vordergrund geschoben. Der Rückgang des Preises für ein Fass Rohöl auf ein Niveau unter die 50-US-Dollar-Marke hat ein bekanntes Reaktionsmuster ausgelöst: Die Inflationserwartungen gehen zurück, und die Renditen am Anleihemarkt erhalten einen Dämpfer. Der Konjunkturmotor könnte ja schlecht geölt sein, was mit Verunsicherung an den Märkten einhergeht. Indes ist der Preisverfall bei den Rohstoffen kein Signal für Nachfrageschwäche. Vielmehr liegt noch viel Rohöl auf Lager, und die US-Produktion ist hoch. Die OPEC, also die Organisation der Erdölexportierenden Länder, signalisiert Maßnahmen, um den Rohölpreis perspektivisch über 50 US-Dollar zu halten. So hielt sich die Verunsicherung in Grenzen, und die Aktienkurse blieben auf hohem Niveau.

Gegenüber dem Öl sind die politischen Ereignisse in den Hintergrund gerückt: So-wohl der erwartungsgemäße Sieg des Macron-Lagers bei den Parlamentswahlen in Frankreich als auch der Beginn der Brexit-Verhandlungen erreichten in dieser Woche keine Marktrelevanz. Indes brachte Präsident Emmanuel Macron frischen Wind auf den EU-Gipfel in Brüssel. Es scheint, dass die Märkte von politischer Seite zumindest vorübergehend weniger Attacken zu erwarten haben. So richten sich die Blicke an den Märkten auf die anstehende Veröffentlichung von Konjunkturindikatoren wie ifo Geschäftsklima und Euroland-Inflationsdaten.

 

16.06.2017, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Es geht doch

Na bitte, es geht doch: Trotz einiger schwächerer Wirtschaftsdaten hat die US-Notenbank in dieser Woche die Zinssätze – wie erwartet – weiter erhöht. Zudem wollen die Amerikaner bald damit beginnen, das Geld, das in den vergangenen Jahren in die Märkte gepumpt wurde, langsam wieder abzulassen. Im Euroraum werden wir trotz guter Wirtschaftsdaten dagegen noch länger mit den niedrigen Zinsniveaus umgehen müssen. Für die Aktienmärkte ist ein langsamer und moderater Zinsanstieg eine vernünftige Perspektive, denn ansonsten würden sich die Kurse wohl in immer weitere Höhen steigern, wie das neue Allzeithoch des DAX in dieser Woche wieder dokumentiert. Auch in anderen Regionen bewegen sich die Index-Stände auf hohen Niveaus.

Beim Treffen der Euro-Finanzminister gab es eine Einigung mit Griechenland über die Fortführung des Hilfsprogramms. Eine Entscheidung zu Schuldenerleichterungen wurde gleichwohl nicht getroffen, wobei den Griechen eine Verlängerung des Rückzahlungsprofils um weitere 15 Jahre in Aussicht gestellt wurde. Am Wochenende wird die zweite Wahlrunde zur französischen Nationalversammlung zeigen, wie groß der Reformspielraum für den neuen französischen Präsidenten wirklich ist. Unbenommen der politischen Ereignisse bleiben die Aussichten für die Unternehmen gut.

 



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