Marktkommentar von Dr. Ulrich Kater

Marktkommentar von Dr. Ulrich Kater

Jede Woche lesen Sie hier den aktuellen Marktkommentar von Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank.

Dr. Ulrich Kater studierte Volkswirtschaftslehre an den Universitäten Göttingen und Köln. 1995 promovierte er am Finanzwissenschaftlichen Seminar der Universität Köln und übte gleichzeitig eine Lehr- und Forschungstätigkeit an der Universität Köln, der Fachhochschule Köln und der European Business School aus. Von 1995 bis 1999 war Herr Kater im Stab der „fünf Wirtschaftsweisen“ für die Themen Geldpolitik und Kapitalmarkt verantwortlich.
Von 1999 an arbeitete er am Aufbau der Volkswirtschaftlichen Abteilung der DekaBank mit. Seit 2004 bekleidet er die Position als Chefvolkswirt der DekaBank und ist seit 2006 auch Vorsitzender der Kommission für Wirtschaft und Finanzen im Verband Öffentlicher Banken.

Darüber hinaus folgte er Lehraufträgen an der Universität Witten-Herdecke, der Zeppelin University Friedrichshafen sowie an der Hochschule der S-Finanzgruppe. Nebenbei ist Ulrich Kater auch als Autor zahlreicher Veröffentlichungen über Geldpolitik, Währungspolitik, internationale Kapitalmärkte, Finanzpolitik, Alterssicherungssysteme und Globalisierung in Erscheinung getreten.

06.04.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Achterbahnfahrt

Die Osterwoche brachte den internationalen Aktienbörsen einen weiteren Looping in der Kurs-Achterbahn. Der Handelsstreit zwischen den USA und China spitzte sich weiter zu. Und so brachten Ankündigungen und Gegenankündigungen von Zöllen die Aktienkurse zunächst wieder auf Talfahrt, bevor erneut eine kräftige Gegenbewegung einsetzte. Ob die Europäer in diesem Konflikt eine ausgleichende Rolle einnehmen können, ist fraglich. Zusätzlich sorgt wachsende Kritik an der gesellschaftlichen Verträglichkeit der Geschäftsmodelle großer Internetfirmen für Unsicherheit. Auch von der Konjunktur kommt gegenwärtig wenig Unterstützung. Die Stimmungsindikatoren für März haben weltweit mit Ausnahme Lateinamerikas spürbar nachgegeben, besonders in den Industrieländern. Dies alles deutet darauf hin, dass sich die Märkte noch für eine Weile wie Wackelpudding verhalten werden.

Ein Hingucker bei den Wirtschaftsdaten der kommenden Woche werden die US-Verbraucherpreise sein. Die Inflation dürfte im März gegenüber dem Vormonat energiepreisbedingt gesunken sein. Aber die Kernrate, bei der Energie und Lebensmittel außen vor gelassen werden, dürfte einen Sprung nach oben machen. In Deutschland steht die Industrieproduktion im Fokus. Die „harten“ Konjunkturindikatoren für die deutsche Wirtschaft haben in diesem Jahr durchweg enttäuscht. Nach einem äußerst schwachen Februar zogen die Auftragseingänge im März nur geringfügig an, und das auch nur dank weniger Großaufträge. Wenn die kommenden Daten keine Aufhellung bringen, wird es eine herbe Wachstumsenttäuschung in Deutschland im ersten Quartal geben.

29.03.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Märkte bleiben zögerlich

Spektakuläre Bewegungen an den Aktienmärkten gab es selbst in der österlich verkürzten Handelswoche: Um fast drei Prozent stiegen US-Aktien zu Wochenbeginn. Den Hintergrund bildeten die Verhandlungserfolge der Europäischen Union im Handelsstreit mit den USA. An dieser Stelle zeigen sich die Vorteile des europäischen Zusammenhalts, denn gemeinsam bilden die EU-Mitgliedsländer eine Marktgröße ab, die ihnen in internationalen Verhandlungen ausreichend Gewicht verleiht. Allerdings ist das letzte Wort in dieser Diskussion noch längst nicht gesprochen. Denn zunächst sind die von US-Präsident Trump angedrohten Zölle nur vorübergehend auf Eis gelegt. Und weiterhin stehen Maßnahmen gegen China aus, das die US-Regierung zunehmend als unfairen Konkurrenten auf der Bühne des Welthandels sieht. Daher geht die Erholung bei Aktien insgesamt auch nur zögerlich vonstatten. Eine Bereinigung des Kursgefüges hat noch nicht ausreichend stattgefunden, was auch an den fortgesetzten Diskussionen um die Technologiewerte deutlich wird.

Die in der Osterwoche erwarteten Inflationsdaten in Euroland werden wenig Anlass zu Marktreaktionen bieten. Die Kerninflation wird wohl vorübergehend auf immer noch niedrige 1,1 Prozent steigen, die Gesamtrate einschließlich der Energiepreise läge dann bei 1,3 Prozent. Produktionszahlen aus der deutschen Wirtschaft werden Aufschluss geben, ob der schleppende Konjunkturverlauf anhält. Das stärkste Interesse wird zum Wochenende der US-Arbeitsmarktbericht hervorrufen. Nachdem der Beschäftigungsaufbau in den USA vor einem Monat überraschend stark ausfiel, werden die März-Zahlen wohl nicht an diese hohe Dynamik anknüpfen können. Die vorliegenden Frühindikatoren sowie witterungsbedingte Verzerrungen deuten eine Abschwächung des Jobaufbaus an, allerdings zeigt die Kurve neuer Arbeitsplätze in der US-Wirtschaft immer noch nach oben.

23.03.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Stimmung getrübt

Vorsicht zieht ein an den Aktienbörsen: Steigende US-Leitzinsen, ein drohender Handelskrieg und die Eintrübung der Stimmungsindikatoren in Europa ließen Anleger ihre Risikopositionen spürbar verringern und die Kurse sinken. Hingegen stiegen sichere Anlagen wie Bundesanleihen und US-amerikanische Treasuries, obwohl die Fed einen recht klaren Plan zur weiteren Anhebung der Leitzinsen vorgelegt hat. Bei Aktien ist wohl erstmal die Luft raus, viele Indizes handeln nahe wichtiger Unterstützungslinien. Beschleunigt wurde die Talfahrt dadurch, dass die Stimmungsindikatoren noch etwas stärker zurückgekommen sind als erwartet. Es sind keine echten Konjunktursorgen, die die Märkte hier bewegen, sondern wohl schlicht die Erkenntnis, dass der Höhepunkt konjunktureller Überraschungen überschritten ist und die Unterstützung durch Notenbanken auf Sicht zurückgefahren wird.

Die Konjunktur in Euroland läuft dennoch gut. Das Economic Sentiment, das das Wirtschaftsvertrauen in Euroland misst, dürfte zwar im März eine Eintrübung anzeigen, aber gleichzeitig weiterhin auf sehr hohem Niveau ein klares Wachstumssignal geben. Sowohl in Euroland als auch in den USA werden Inflationszahlen veröffentlicht – derzeit das wichtigste Datum für die Kapitalmärkte. Mit einem leichten Anstieg wird gerechnet, stärkere Werte könnten die Spirale des Misstrauens an den Aktienmärkten weiter drehen. Weiter hält der Streit um den Welthandel die Märkte in Atem: Nachdem die EU von den US-Zollplänen ausgenommen wurde, ist nun die Frage, ob auch China eine Verhandlungslösung erreichen kann.

16.03.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Wirtschaftsdaten stützen Börsen

Gute Wirtschaftsdaten haben in dieser Woche das protektionistische Störfeuer aus den Vereinigten Staaten abgefangen und damit die Aktienmärkte unterstützt. Die extrem guten US-Arbeitsmarktdaten noch aus der Vorwoche mit weiterhin kräftigem Arbeitsplatzaufbau bei gleichzeitig kaum ausgeprägtem Lohndruck sind ideal für die Aktienmärkte. In dieser Woche zeigte sich die Inflationsentwicklung in den Vereinigten Staaten unauffällig und linderte damit vorerst die größten Ängste an den Finanzmärkten – etwa vor deutlichen Preissteigerungen, auf die dann wiederum die Notenbanken mit einer konjunkturschädlichen Straffung der Geldpolitik reagieren müssten. Aber auch aus dieser Ecke kam eher Entwarnung, denn der Präsident der Europäischen Zentralbank äußerte sich in dieser Woche eher vorsichtig über einen Kurswechsel in der Geldpolitik.

Woche der Wahrheit für die europäische Industrie: Hat der Streit um den Welthandel Auswirkungen auf die Stimmung der Unternehmen? Aufschluss darüber werden die Umfrageergebnisse des ifo Instituts sowie der europäische Einkaufsmanagerindex geben. Im Euroraum hat sich die Stimmung seit Jahresanfang leicht verschlechtert. Jedoch liegen die Indikatoren weiter auf sehr hohem Niveau, so auch der Einkaufsmanagerindex und seine zwei Teilindizes für Industrie und Dienstleister. Mit den Daten für März dürften diese Indizes in der kommenden Woche leicht zurückgehen. Eine spürbare konjunkturelle Abkühlung ist damit aber nicht verbunden. Die Protektionismus-Debatte mag auf die Stimmung drücken, ein Rezessionsgrund ist sie aber keineswegs.

09.03.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Im Bann der Schutzzölle

Eine Woche voller Politik: die internationalen Aktienmärkten standen vollständig im Bann der protektionistischen Ankündigungen durch US-Präsident Donald Trump. Ausgehend von den Vereinigten Staaten sollten erstmals nicht nur einzelne Länder bestraft werden, sondern mit dem Stahl- und Aluminiumsektor ganze Branchen durch neue Zölle geschützt werden. Die Angst vor einer Ausweitung der Handelshemmnisse durch sich aufschaukelnde Gegenmaßnahmen ließ die Aktienkurse zu Beginn der Woche noch einmal empfindlich einknicken. Aufgrund der politischen Reaktionen weltweit und in den USA selbst machte die US-Regierung im Laufe der Woche Konzessionen bei Ausnahmen von den geplanten Zöllen. Dies wurde an den Märkten als zumindest vorläufige Entwarnung vor einem weltweiten Handelskrieg gesehen, was in der zweiten Wochenhälfte eine Erholung in Gang setzte. Eine Rezession kann durch einzelne Zölle nicht ausgelöst werden. Die Diskussion fällt jedoch in ein Umfeld, in dem die Konjunktur sowieso etwas nachlässt und die Notenbanken weiter an Zinserhöhungen arbeiten. Alles zusammen erklärt die Schwankungen an den Börsen.

Nach den wichtigen Arbeitsmarktzahlen vom Freitag geht es in der kommenden Woche weiter mit Wirtschaftsdaten aus den USA. Die US-Inflation dürfte im Februar auf 2,3 Prozent ansteigen. Ausschlaggebend sind hierfür die Energiepreise. Dies sollte die Sorgen der Märkte vor weiteren Renditeanstiegen nicht dämpfen können. Weiterhin wird auch die Handelspolitik von den Marktteilnehmern aufmerksam verfolgt werden, insbesondere welche Ausnahmen nach der Ankündigung des Präsidenten zur Erhebung von Zöllen auf Stahl und Aluminium gemacht werden. Und Mitte der Woche werden die Einzelhandelsumsätze einen Hinweis darauf geben, wie die US-Verbraucher auf die Steuererleichterungen reagieren, die die Börsen in den vergangenen Monaten so stark bejubelt haben.

02.03.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Börse: Für Spannung ist gesorgt

Das Jahr 2017 hatte uns gezeigt, dass politische Risiken an der Weltkonjunktur und mithin an den Kapitalmärkten quasi abperlen können. In diesen Tagen erleben wir das gegenteilige Phänomen: US-Präsident Donald Trump verschaffte sich mit seiner Ankündigung von Strafzöllen auf Stahl- und Aluminiumimporte Gehör. Dies geht nicht spurlos an den Kapitalmärkten vorbei. Auch wenn diese Zölle weit unter der – zu seinem Amtsantritt angedrohten – 45 Prozentmarke liegen sollten, dürften sie mit Gegenmaßnahmen von Europa und anderen Teilen der Welt beantwortet werden. Das Risiko eines breiten Handelskonflikts nimmt also zu. Auch innerhalb Europas verschafft sich die Politik Aufmerksamkeit und deren Finanzmärkte halten leicht den Atem an. So steht am Sonntag der Ausgang italienischen Wahlen an und hierzulande verkündet die SPD das Ergebnis der Mitgliederbefragung zur Großen Koalition. Die zurück gekommene Unsicherheit an den Aktienmärkten war auch vor diesen Hintergründen in der zurückliegenden Woche spürbar.

Sollte der Wahlsonntag ohne negative Überraschungen überstanden werden, bleibt es wohl beim kurzen Aufbäumen der politischen Risiken und die Kurse an den Kapitalmärkten hätten eine Chance auf Beruhigung. Dann kann der Marktfokus wieder auf die Notenbanken fallen. Bereits am Donnerstag steht die EZB-Ratssitzung an, in der jedoch keine geldpolitischen Entscheidungen anstehen und daher die komplette Aufmerksamkeit auf die Kommunikation hinsichtlich der künftigen Notenbankpolitik gerichtet sein wird. Zum Wochenschluss erhalten wir Auskunft darüber wie es um den US-Arbeitsmarkt bestellt ist. Vor einem Monat hatten stärkere Lohnzuwächse die Börsenkorrektur mit ausgelöst. Für Spannung ist also gesorgt.

 

23.02.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Keine positiven Überraschungen mehr

Ernüchterung machte sich diese Woche breit. Der Grund: Sowohl der vorläufige Euroland-Einkaufsmanagerindex als auch der ifo-Geschäftsklima-Index für Deutschland überraschten im Februar. Dieses Mal jedoch nicht positiv. Vielmehr geht die Tendenz nach unten. Doch: Das absolute Niveau der wirtschaftlichen Stimmung bleibt sehr hoch. Von Rezession kann also keine Rede sein. Aber es hagelt eben keine positiven Überraschungen mehr, und die Konjunktur eilt nicht mehr von Rekord zu Rekord. Aus Marktsicht dürfte sich damit der Eindruck verfestigen, dass das Wachstum seinen Höhepunkt erst einmal überschritten hat. Dementsprechend beruhigte sich der Zinsanstieg bei Anleihen. Die Aktienmärkte nahmen es gefasst auf, denn an den grundsätzlich robusten Wachstumsaussichten hat sich nichts geändert.

In der kommenden Woche blickt die Finanzwelt in die Vereinigten Staaten: Jerome Powell darf erstmals als neuer US-Notenbank-Chef dem Bankenausschuss des Senats Rede und Antwort stehen. Trotz zuletzt turbulenter Aktienmärkte haben in den vergangenen Wochen die Spekulationen an den Finanzmärkten darüber zugenommen, dass die Federal Reserve in diesem Jahr nicht nur drei-, sondern sogar viermal ihr Leitzinsintervall anheben könnte. Jegliche Hinweise Powells, die diese Spekulationen unterstützen, dürften an den US-Rentenmärkten mit entsprechenden Renditesteigerungen begleitet werden.

 

16.02.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Durchatmen an den Aktienmärkten

Die Nervosität an den Aktienmärkten scheint wieder verflogen zu sein. Dax & Co erholten sich in der zurückliegenden Woche – nach den großen Kursverlusten Anfang Februar – wieder, und selbst die höher als erwartet ausgefallene Inflation in den Vereinigten Staaten konnte die Aktienmärkte davon nicht abhalten. Dabei war es gerade die Anfang des Monats gemeldete Lohnentwicklung, die die Korrektur an den Aktienmärkten auslöste. Doch jetzt alles auf die gestiegenen Gehälter zu schieben, erscheint allerdings nur als eine vorgeschobene Erklärung. Plausibler ist vielmehr, dass die Aktienmärkte in diesem Jahr erst einmal eine generelle Normalisierung des Zinsniveaus verkraften müssen. Außerdem sollten wir nicht vergessen, dass die Kurse im vergangenen Jahr eigentlich nur eine Richtung kannten, die nach oben. Eine Konsolidierung war längst nötig. Unwahrscheinlich also, dass die Märkte jetzt schnell wieder an ihre Aufwärtstrends der vergangenen Jahre anschließen.

In der nächsten Woche kommen mit den Stimmungsindizes wichtige Hinweise darauf, ob die ausgezeichnete wirtschaftliche Lage weiter anhalten wird. Ein leichter Rückgang der Werte aus der Einkaufsmanager-Umfrage oder des ifo-Geschäftsklima-Index im Februar dürfte dabei weniger an den Finanzmarktturbulenzen der vergangenen Wochen oder den bevorstehenden italienischen Parlamentswahlen liegen. Es dürfte vielmehr erneut einiges für eine leichte Korrektur nach der vergangenen guten Entwicklung der Stimmungsindikatoren sprechen.

 

09.02.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Aktienmarkt: Korrektur mit Ansage

Korrektur mit Ansage

Es kam dann doch schneller als es ohnehin erwartet worden war. Ausgehend von den USA verzeichneten die globalen Aktienmärkte zuletzt deutliche Rückgänge. Der S&P 500-Index brach im Tagesverlauf des 5. Februar um über 4 % ein und steht damit jetzt auch seit Jahresanfang im Minus. In Asien setzte sich am 6. Februar die Verkaufswelle fort, und auch die europäischen Märkte, die bereits am 5. Februar unter Verkaufsdruck gestanden hatten, verzeichnen am 6. Februar erneut spürbare Abschläge. Mit dem Kurssturz geht ein sprunghafter Anstieg der Nervosität der Marktteilnehmer einher. Überraschend kommt dieser nicht. Denn nach der ungewöhnlich schwankungsarmen Marktentwicklung der vergangenen Monate war es nur eine Frage der Zeit, dass eine stärkere Nervosität an die Märkte zurückkehrt. Daran dürfte sich so schnell nichts ändern. In den kommenden Wochen muss zunächst weiter mit stärkeren Kursschwankungen gerechnet werden, die dann aber wieder moderater werden und den Weg für eine Konsolidierung der Aktienkurse frei machen.

Kein konkreter Anlass – viele Ursachen

Der Kurseinbruch hatte keinen konkreten Anlass. Die neuen Höchstkurse, die der US-Aktienmarkt seit Anfang des Jahres hervor-gebracht hatte, waren noch im Zusammenhang mit der US-Steuerreform und der daraus resultierenden Konjunkturstimulierung zusehen. Doch bereits diese Kurse standen unter dem Damoklesschwert der steigenden Zinsen: Mit dem Fortschreiten des kon-junkturellen Booms kommt inzwischen die Lohnentwicklung ins Rollen. Das schürt Ängste vor weiteren kräftigen Leitzinsanhe-bungen durch die US-Notenbank Fed. Dies wäre für Konjunktur und Aktienmärkte keine günstige Perspektive, denn stärkere Zinsanstiege können leicht den Aufschwung abbremsen bzw. sogar zu einem Abschwung führen. Dazu kommen mehr und mehr Zweifel am langfristigen Erfolg der derzeitigen US-Wirtschaftspolitik. Die jüngste US-Steuerreform ist neben der Stärkung des Standortes USA auch ein Aufruf zum weltweiten Steuerwettbewerb und eine Absage an eine wirtschaftliche Kooperation der Volkswirtschaften. In die gleiche Richtung gehen die Regierungsäußerungen zum Außenwert des US-Dollar, die vor allem in Europa als möglicher Auftakt eines Währungskrieges gesehen wurden. Dies vermiest die Stimmung, was die langfristige weltwirtschaftliche Entwicklung angeht.

Längst überfällige Korrektur, aber kein Beginn des Bärenmarktes

Eine Korrektur der langen Aufschwungsbewegung war überfällig. Nachdem wir im letzten Jahr noch kurzfristige Spielräume nach oben gesehen hatten, war unser Ausblick auf 2018 gemischt. Mit einer Korrektur war zu rechnen, ohne dass wir hieraus einen Bärenmärkt mit dauerhaft sinkenden Kursen abgeleitet hätten. Bei dieser Einschätzung bleiben wir. Sowohl die konjunkturellen als auch die unternehmerischen Rahmenbedingungen sind intakt. Der für die Märkte so wichtige fundamentale Ankerpunkt ist durch die Kurskorrektur nicht ins Rutschen geraten. Dies spricht dafür, dass sich am Markt recht bald ein Boden ausbilden kann und Käufer wieder zurück an den Markt gelockt werden. Allerdings, und das zeigt die derzeitige Marktbewegung auch, nehmen die Unwägbarkeiten mit Blick auf das sich verändernde geldpolitische Umfeld und die Möglichkeit einer zumindest leichten Belebung der Inflation zu, was im gesamten Jahresverlauf 2018 zu erhöhten Schwankungen an den Märkten führen dürfte.

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26.01.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: 1799Fed-Chefin Yellen sagt Bye-Bye

Die letzte Sitzung von Janet Yellen an der Spitze der US-amerikanischen Notenbank (Fed) führte zu höheren Zinserwartungen in den Vereinigten Staaten. So wird zunehmend von den Marktteilnehmern angenommen, dass die Fed in diesem Jahr die Zinsen in vier Schritten anheben wird. Die 10-jährigen Renditen der Staatsanleihen jenseits und diesseits des Atlantiks reagierten mit einem deutlichen Anstieg. Gleichzeitig bewegte sich der Euro-Dollar-Kurs nur wenig. Die negative Reaktion der US-Aktienmärkte auf die steigenden Zinserwartungen wurde diese Woche durch die Anhebung der Gewinnerwartungen aufgrund der US-Steuerreform gedämpft. Europäische Aktien litten dagegen stärker, weil das Gewinnwachstum bei europäischen Unternehmen wohl zunehmend durch die Euro-Aufwertung belastet werden dürfte.

Im Vereinigten Königreich hat Handelsminister Liam Fox klargestellt, dass das Land nach dem Brexit nicht in der EU-Zollunion verbleiben könne. Insofern scheint es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis der Konflikt innerhalb der Konservativen Partei über den Brexit offen ausbricht. Die Bank of England kündigte derweil an, die jüngsten Entwicklungen in den Brexit-Verhandlungen näher in Augenschein zu nehmen. In der kommenden Woche stehen rund um den Globus Zinsentscheide an: Die australische, die polnische, die indische, die brasilianische, die mexikanische und die russische Notenbank werden über ihr jeweiliges Zinsniveau entscheiden.

19.01.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Anleihemarkt im Fokus: Renditen steigen

Die Schwäche an den globalen Anleihemärkten hält an. So testeten die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen jetzt die alten Höchststände von März 2017. Das starke globale Wachstum sowie die grundsätzlich weniger expansiv werdende Geldpolitik sind die Hauptgründe dafür. In den USA hinterlassen zudem die geringer werdenden Wertpapier-Käufe der Notenbank ihre Spuren. Bei einem solchen Umfeld bleiben weitere Renditeanstiege in Amerika aber auch an andern Orten der Welt in den kommenden Monaten wahrscheinlich. In diesem Maße sind europäische Staatsanleihen hiervon noch nicht betroffen. Ein Grund: Die bisherigen europafreundlichen Signale aus der deutschen Politik hatten positive Wirkungen auf die Staatsanleihen anderer EU-Länder.

Abseits von der weiteren Entwicklung zur Regierungsbildung in Deutschland werden die Aktienmärkte in der nächsten Woche überwiegend von den Quartalsergebnissen der Unternehmen weltweit beeinflusst. In den USA steht weiterhin im Vordergrund, wie die Aktienunternehmen ihre im Zuge der Steuerreform aus dem Ausland zurückgeführten Gewinne verwenden. Schließlich sollte Hierzulande das ifo-Geschäftsklima Aufschluss darüber geben, ob sich die gute Wirtschaftslage fortsetzt.

12.01.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Europas Börsen im Bann der Geldpolitik

Während US-Aktien neue Höchststände verzeichneten, gerieten europäische Aktien aufgrund von Kommentaren aus der Europäischen Zentralbank, die auf erste Diskussionen über eine Straffung der Geldpolitik hindeuten, unter Druck. Das beflügelte auch den Euro gegenüber dem US-Dollar. Weltweit konnten vor allem Bankaktien zulegen, weil die Renditekurven steiler verlaufen und somit höhere Erträge für die krisengebeutelte Branche möglich sind. An den Kapitalmärkten wird nun die Entwicklung der Inflation in den USA genau beobachtet: Sollten die beschlossenen Steuersenkungen zu einer Überhitzung der Wirtschaft führen, wird die Notwendigkeit von Zinserhöhungen zunehmen.

Mit den in den vergangenen Tagen vorgelegten Zahlen zum deutschen Bruttoinlandsprodukt für das Gesamtjahr 2017 machen die Konjunkturdaten erst einmal eine Pause. In der kommenden Woche blicken die Märkte zum einen nach China: Obwohl die chinesische Führung mit der Eindämmung des Schattenbankenmarktes und dem Abbau von Überkapazitäten in der Industrie eher restriktiv agiert, blieb die konjunkturelle Dynamik im vierten Quartal robust. Nach inoffiziellen Informationen soll das Wachstumsziel für 2018 erneut bei 6,5 Prozent liegen. Zum anderen werden die Marktteilnehmer aufmerksam die neuesten Quartalsergebnisse der Aktiengesellschaften registrieren, deren aktuelle Berichtsperiode jetzt beginnt.

 

05.01.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Glänzender Jahresauftakt an der Börse

Das Feuerwerk vom Jahreswechsel ist kaum verklungen, da zündet die Börse schon das nächste. In den USA hat der Dow Jones Index die Marke von 25.000 Punkten glatt nach oben durchbrochen. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass in den ersten drei Handelstagen des neuen Jahres jeweils ein neuer historischer Rekordstand erreicht wurde. Getrieben werden die Aktienkurse in den Vereinigten Staaten von guten Konjunkturnachrichten und vor allem der Hoffnung auf eine noch bessere Entwicklung aufgrund der großen Steuerreform. Gleichzeitig bleibt die Inflation überraschend niedrig, und die Notenbank Fed hält sich mit zinssteigernden Kommentaren zurück. Dies alles trägt dazu bei, dass sich die Rentenmärkte weiterhin sehr ruhig verhalten.

Auch der DAX ist im neuen Jahr locker wieder über die Marke von 13.000 Punkten gesprungen. Nach einer alten Börsenregel soll die Entwicklung in der ersten Handelswoche richtungsweisend für das ganze Jahr sein. Allerdings teilt diese Regel das Schicksal aller Börsenweisheiten: Sie stimmt nur in der Hälfte aller Fälle. Deshalb richten sich die Blicke der Marktteilnehmer doch lieber auf die harten Fakten: In der kommenden Woche werden die Inflationszahlen aus den USA zeigen, ob die laxe Haltung der Fed und der Märkte gegenüber Zinssteigerungen gerechtfertigt ist.

29.12.2017, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Optimismus begrüßt 2018

Die nachweihnachtlichen Handelstage waren von festtäglicher Ruhe geprägt. Auf der Währungsseite stand ein etwas stärkerer Euro gegenüber dem US-Dollar, der wiederum als einer der Gründe aufgeführt wird, warum der DAX zum Jahresschluss unter 13.000 Punkten notiert. Wir sollten jedoch nicht vergessen, dass sich die Verluste der zurückliegenden Tage in engen Grenzen hielten. Völlig unauffällig stieg hingegen der Ölpreis auf über 60 US-Dollar je Fass, immerhin ein Zweieinhalbjahreshoch. Deutlich spektakulärer war da die Entwicklung des Bitcoin, der Mitte Dezember sein Allzeithoch von über 20.000 US-Dollar je Bitcoin erreichte. Der an der CBOT in Chicago neuerdings gehandelte Future bewegte sich in den vergangenen Tagen im Bereich von 15.000 US-Dollar, ein Verlust von 25 Prozent gegenüber dem Höchststand. Wieder einmal zeigt sich: Die Kryptowährung ist nichts für schwachen Nerven.

Die ersten Tage im neuen Jahr warten mit nur wenigen Konjunkturdaten auf. Die deutschen Arbeitsmarktdaten für Dezember werden am kommenden Mittwoch veröffentlicht. Sie werden zum Ausdruck bringen, in welch glänzender Verfassung sich nicht nur der deutsche Arbeitsmarkt, sondern die gesamte hiesige Volkswirtschaft befindet, und das alles bei weiterhin sehr moderater Inflation. Auch in den USA, wo die entsprechenden Daten am Freitag bekanntgegeben werden, ist der Arbeitsmarkt leergefegt, ohne dass stärkerer Lohndruck aufkommt. In solch einem Umfeld stehen alle Signale auf Grün, das neue Jahr kann also mit Optimismus begrüßt werden.

22.12.2017, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Weihnachtsschlussverkauf statt Jahresendrallye

So kurz vor Weihnachten kam an den Kapitalmärkten keine Feierlaune auf. Den Aktienmärkten ist ein wenig die Luft ausgegangen, und an den europäischen Rentenmärkten herrschte Schlussverkaufsstimmung: Die Kurse gaben nach, entsprechend ist die 10-jährige Bundrendite über die Marke von 0,4 Prozent geklettert. Dazu passte, dass das diese Woche veröffentlichte ifo Geschäftsklima hinter den Erwartungen zurückblieb. Das Ergebnis der Regionalwahl in Katalonien am Donnerstag beschäftige die Kapitalmärkte kaum, obwohl die separatistische Koalition entgegen allen Wahlumfragen ihre absolute Mehrheit behaupten konnte. Damit dürfte der Konflikt um eine Abspaltung weiterschwelen, wobei sich die Separatisten zuletzt verhandlungsbereit über einen Verbleib im spanischen Staat gezeigt haben, sofern dieser Katalonien umfangreichere Souveränitätsrechte zugesteht.

Spektakuläre Aufmerksamkeit genossen jüngst die Kryptowährungen. Nun entwich rasch Luft aus der Preisblase, so ist der Bitcoin der gefallene Engel der Woche: Er verlor über 30 Prozent, nachdem er zuvor noch anlässlich der Futures-Einführung an der größten Derivatebörse der Welt in Chicago neue Rekorde erklommen hatte. Gemessen daran verspricht die letzte Woche dieses Jahres kaum noch Spannung. Einzig aus China werden mit den Einkaufsmanagerindizes nennenswerte Daten veröffentlicht. So stehen die Chancen gut, dass Anleger, die im Deutschen Aktienindex investiert sind, zum sechsten Mal in Folge das abgelaufene Jahr durchaus zufrieden verabschieden können.

08.12.2017, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Rückenwind aus der Politik

Rückenwind für die Märkte aus der Politik: Nach der Verabschiedung der Steuerreform in den USA hat das US-Repräsentantenhaus sogar noch die Finanzierung der Regierung für weitere zwei Wochen bis zum 22. Dezember sichergestellt, so dass es zunächst nicht zu einem Shut-Down kommt. In Europa einigten sich die Europäische Union und das Vereinigte Königreich auf Bedingungen zur Aufnahme von Verhandlungen über die Zeit nach dem Brexit, wobei hierfür wesentlich längere Übergangsfristen notwendig sind als bislang eingeplant. Starke Handelszahlen aus China sowie eine deutliche Aufwärtsüberraschung beim japanischen BIP für das dritte Quartal unterstreichen die hohe Dynamik beim globalen Wachstum zum Ende des Jahres. Das stabile und positive Makroumfeld ist der Grundpfeiler für die hohen Börsenbewertungen der Unternehmen.

In der kommenden Woche liegt der Fokus wieder einmal auf der Notenbankpolitik: Die dritte Zinserhöhung der US-Notenbank (Fed) in diesem Jahr ist hinreichend vom dortigen Zentralbankrat im Vorfeld angekündigt worden und dürfte keine Überraschung mehr sein. Das Hauptaugenmerk liegt hingegen auf dem weiteren Leitzinsausblick. Auch in der Eurozone tagt der Zentralbankrat. Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) bereits eine Verlängerung ihrer Wertpapierkäufe bis mindestens September 2018 angekündigt hat, ist auf dieser Ratssitzung mit keinen neuen Entscheidungen zu rechnen. Ein zentrales Thema der Pressekonferenz dürfte auch hier der makroökonomische Ausblick sein.

 

01.12.2017, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Einigkeit: Gute Ausblicke

Eine Woche der positiven Ausblicke: Reihenweise wurden in den letzten Tagen die wirtschaftlichen Ausblicke für das kommende Jahr veröffentlicht. Die Analysten und Konjunkturbeobachter sind sich einig: Die starke Wirtschaftslage wird auch in den kommenden Monaten anhalten. Zusammen mit wei-terhin niedrigen Zinsen erscheint das Börsengeschehen gerechtfertigt. Ob allerdings die Rekordjagd, die an den US-Aktienmärkten auch in dieser Woche ungebremst anhält, noch ausreichend in den Fundamentaldaten verankert ist, wird mehr und mehr hinterfragt. Eine jetzt doch möglich erscheinende Steuerreform in den USA kann zwar die Konjunktur weiter stärken, aber damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit von Zinssteigerungen.


Nachdem in der abgelaufenen Woche das Treffen der OPEC-Staaten das erwartete Ergebnis der Quotenverlängerung brachte, ist der Hingucker in der kommenden Börsenwoche der US-Arbeitsmarkt. Die Beschäftigungsdynamik in den Vereinigten Staaten war in diesem Jahr mit knapp 170.000 Stellen pro Monat schwächer als im Jahr zuvor. Gleichwohl schließt diese Abschwächung nicht aus, dass einzelne Monate deutlich höhere Zuwächse aufweisen. Für November ist mit solch einem Ausreißer zurechnen. So deutet die Mehrheit der bereits vorliegenden Frühindikatoren einen überdurchschnittlichen Beschäftigungsaufbau an. Zudem lagen in den Monaten August und September Hurrikan bedingte Belastungen vor, die mit dem starken Zuwachs im Oktober noch nicht vollständig wieder aufgeholt wurden.

 

24.11.2017, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Ohne Impulse

Der Deutsche Aktienindex DAX machte in der zurückliegenden Woche einen Ausflug deutlich über die Marke von 13.000 Punkten, obwohl die Jamaika-Sondierungsgespräche scheiterten. Allerdings fehlten dem hiesigen Aktienmarkt wiederum internationale Impulse. Zwar gab es auch in der zurückliegenden Woche weiter Jubelmeldungen aus der deutschen Wirtschaft, wie beispielsweise den gestern veröffentlichten ifo-Geschäftsklima. Doch von der anderen Seite des Atlantiks kam – nicht zuletzt wegen des Thanksgiving-Feiertags – aus den USA nur wenig Bewegendes. Eine solche Woche zeigt, dass die US-Börsen nach wie vor ein wichtiger Taktgeber für die weltweiten Aktienmärkte sind.

Nach wiederum äußerst guten Konjunkturdaten nehmen die Kapitalmarktteilnehmer immer intensiver die Inflationszahlen ins Visier. Für die deutsche Volkswirtschaft häufen sich die Signale, dass ihre Kapazitätsgrenzen erreicht sind. Für Notenbanker ist diese Kennzahl jedoch nicht die ausschlaggebende Größe. Das Augenmerk liegt vielmehr auf der gesamten Preisentwicklung im Euro-Währungsraum. Daher wird der Veröffentlichung der europäischen Inflationszahlen in der kommenden Woche hohe Aufmerksamkeit zuteil, die wiederum Auswirkung auf die weitere Kursentwicklung haben wird.

17.11.2017, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Gegenbewegung an der Börse

Heiß umkämpft war in der zurückliegenden Börsenwoche die 13.000-Punkte-Marke des Dax. Die fällige technische Gegenbewegung zum starken Indexanstieg im Oktober war von vielen Marktteilnehmern erwartet worden. Obwohl die Konjunkturbeobachter ihre Einschätzungen für die europäische Wirtschaftsentwicklung für 2017 schon mehrfach anheben konnten, wurden sie durch die jüngsten Zahlen zum deutschen Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal nochmals positiv überrascht. Das Konjunkturbild zeichnet weiterhin ein solides Fundament für die Aktienmärkte ab. Vor diesem Hintergrund reagieren die Marktteilnehmer auch nicht auf Nachrichten aus dem Sondierungsprozess für eine neue Bundesregierung – solange diese am Ende zum Erfolg führen.

Einen weiteren Einblick in die Stimmungslage bei den deutschen Unternehmen erhalten die Finanzmärkte in der kommenden Woche, wenn mit dem ifo-Geschäftsklimaindex und dem Stimmungsindex der Einkaufsmanager die beiden wichtigsten monatlichen Umfragedaten zur Wirtschaftslage veröffentlicht werden. Aber auch das Protokoll der Sitzung des EZB-Rates aus dem Oktober dürfte Interesse wecken. Während in den USA die Zeichen auf weitere Erhöhungen des Leitzinses im kommenden Jahr stehen, dürfte die Europäische Zentralbank weiterhin noch weit davon entfernt sein.

 

10.11.2017, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Holperige Börsenwoche

In der zurückliegenden Börsenwoche meldete sich seit langem mal wieder die Verunsicherung zurück. Vorschläge der Republikaner im US-Senat, die Einführung der Steuersenkungen für Unternehmen auf 2019 zu verschieben und das Ausmaß der Senkungen zu verringern, sorgten für Enttäuschung am US-Aktienmarkt und belasteten Unternehmenswerte. Auch die Anleiherenditen stiegen an; hier war allerdings keine andere Ursache zu erkennen, als dass der neuerliche Zinsrückgang nach der Ankündigung der Europäischen Zentralbank zur Neuauflage ihres Anleiheprogramms dann doch zu stark ausgefallen war. Neue Trends an Aktien- und Anleihemärkten sind jedoch auf kurze Frist nicht zu erkennen.

In der nächsten Woche heißt es wieder einmal „Fieber messen“ für die deutsche Volkswirtschaft: Die Wachstumsdaten für das dritte Quartal werden zeigen, dass die deutsche Konjunktur weiterhin auf hohen Touren läuft und eher in der Gefahr ist zu überhitzen als abzukühlen. Aus den USA kommen ebenfalls wichtige Zahlen für die Finanzmärke: Nachdem die US-Verbraucherpreise in diesem Jahr mehrfach und in Serie negativ überrascht haben, sollte nun die Inflation wieder leicht anziehen. Langsam haben sich nun auch die volkswirtschaftlichen Daten wieder normalisiert, die wegen der Herbststürme im Süden des Landes verzerrt waren.

 

03.11.2017, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Wenn´s läuft, dann läuft´s.

An den Aktienbörsen war es ein goldener Oktober mit einem Deutschen Aktienindex DAX von nun klar über 13.000 Punkten. Die Berichtssaison läuft gut, die Unternehmen weisen Gewinn- und Umsatzsteigerungen aus. Die Stimmung ist bestens: In Deutschland hat das ifo Geschäftsklima ein frisches Allzeithoch erreicht, und in Euroland stehen die Einkaufsmanagerindizes teilweise auf Mehrjahreshochs. Auch die privaten Haushalte sind in prächtiger Konsumlaune. Dazu passt, dass sich der langjährige konjunkturelle Aufschwung nun auch an den Arbeitsmärkten deutlicher bemerkbar macht. So sank die Arbeitslosenquote in der Eurozone im September auf unter 9 Prozent, was zuletzt im Januar 2009, also in der Anfangszeit der Finanz- und Wirtschaftskrise, der Fall war. Es läuft halt.

In der kommenden Woche stehen keine Konjunkturindikatoren aus der ersten Reihe zur Veröffentlichung an. So werden die Märkte einerseits der laufenden Berichtssaison ihr Augenmerk schenken. Andererseits bleiben die Inflationsperspektiven und mithin die Erwartungen an die künftige Geldpolitik im Fokus. In den USA hat Präsident Trump die Nachfolge für Fed-Chefin Janet Yellen angestoßen und Jerome Powell jüngst als Kandidaten benannt. Vermutlich wird dies an der geldpolitischen Ausrichtung nur wenig ändern, aber auch darauf müssen sich die Märkte einstellen. Apropos Trump: Dessen Asienreise könnte Nordkorea wieder auf die Risikolandkarte rücken und etwas Marktvolatilität zurückbringen.

 

27.10.2017, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Aktienmärkte frohlocken

Die Weltkonjunktur läuft rund. Der hiesige ifo-Geschäftsklimaindex hat ein frisches Allzeithoch erklommen. Sämtliche politischen Unsicherheiten, so auch die Separa-tionsbestrebungen Kataloniens, perlen ab. Da passt es prima, dass niemand etwas dagegen hat, dass sich die gesamtwirtschaftliche Expansionsphase fortsetzt, auch wenn diese schon etwas in die Jahre gekommen ist. Insbesondere Notenbanken sehnen sich nach höheren Inflationsraten und bleiben unterstützend. Die Europäi-sche Zentralbank (EZB) hat zurückliegenden Donnerstag zwar angekündigt das monatliche Volumen der Anleiheankäufe ab Januar 2018 auf 30 Mrd. Euro halbie-ren zu wollen. Die Beendigung des Programms ist gleicht aus Marktsicht eher einer Streckung, was mithin auch für Zinserhöhungserwartungen gilt. Spontan gab nach Bekanntgabe einen deutlichen Sprung des Deutschen Aktienindex (DAX) über die 13.000-Punkte-Marke.

 

Das grundsätzlich freundliche Marktumfeld mit extrem niedriger Schwankungsin-tensität wird ergänzend zu der geldpolitischen Unterstützung auch von der guten Gewinnentwicklung der Unternehmen genährt. Die Berichtssaison in den USA ver-läuft gut und in Europa ist der Start auch als gelungen zu bezeichnen. Wenn in der nächsten Woche die Wachstumszahlen für Euroland gemeldet werden, sollten die Gewinnerwartungen der Unternehmen gut unterfüttert werden. Ein echter Hingu-cker für die Finanzmärkte steht auch noch an: US-Präsident Trump legt sich fest, wer neuer Chef der amerikanischen Notenbank (Fed) werden soll.

 

20.10.2017, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Aktienmarkt unbeeindruckt von Politik

Die Berichtssaison in den USA ist eröffnet und die meisten der bisher berichteten Unternehmen konnten positiv überraschen. Kein Wunder also, dass das amerikani-sche Börsenbarometer, der Dow-Jones-Index, erneut mit einem neuen Rekordhoch über die Marke von 23.000 Punkten steigen konnte. Bei den europäischen Unter-nehmen fielen die bisher präsentierten Unternehmenszahlen dagegen eher ge-mischt aus. Deutsche Unternehmen leiden unter dem starken Euro, denn durch die im Ausland erzielten Erträge fallen diese Gewinne auf Eurobasis geringer aus. Ne-gative Begleitmusik bildet nach wie vor die selbst hervorgerufene Krise um die spa-nische Region Katalonien. Da allerdings auch die Position der Separatisten relativ schwach ist, rechnet der Finanzmarkt nicht mit der Abspaltung. Insgesamt ließ sich der Aktienmarkt jedoch nur kurzfristig irritieren und produzierte auch in dieser Wo-che neue Höchststände.

Aufschlussreiche volkswirtschaftliche Zahlen und Ereignisse stehen in der kom-menden Woche auf der Agenda. Das Ifo Geschäftsklimaindex könnte der Börse einen kleinen Dämpfer verpassen. Denn es steht weiterhin ein leichter Rücksetzer zu erwarten. Damit wäre der dritte Rückgang verbunden, was als konjunkturell negatives Signal gedeutet wird. Ferner ist die Berufung eines neuen Chefs an der Spitze der US-Notenbank durch US-Präsident Donald Trump zu erwarten, ebenso wie die Ankündigung des EZB-Präsidenten Mario Draghi zur Rückführung der An-leihekäufe im Euroraum.

 

13.10.2017, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Auf dem Weg nach oben

Die spanische Provinz Katalonien bestimmte in dieser Woche die Schlagzeilen des politischen Europas. An den Finanzmärken hat das Chaos um die Separatismusbewegung kaum Spuren hinterlassen. Lediglich die Anleihen der Re-gion selber kamen ein wenig unter die Räder. Die möglichen Unternehmensab-wanderungen bedeuten eher eine Umverteilung von Steuergeldern weg aus dieser zugunsten anderer spanischer Regionen. An den Aktienmärkten dominiert dage-gen die Stärke der weltweiten Konjunktur bei weiterhin kaum wahrnehmbarem Inflations- und Zinsdruck. Diese ungewöhnliche Konstellation führte dazu, dass auch in dieser Woche an den weltweiten Aktienmärkten wieder neue Höchststände aufgerufen wurden, und der Deutsche Aktienindex notierte am Donnerstag erst-mals über der Marke von 13.000 Zählern.

In der kommenden Woche wird zwar eine Reihe von Wirtschaftsdaten veröffent-licht, welche jedoch die positive Einschätzung der globalen Konjunktur kaum trü-ben sollten. Eine wichtige Entscheidung steht gleichwohl in den USA noch aus: Entgegen der Erwartungen wird Donald Trump nun wohl doch nicht die Nachfolge der US-Notenbank-Chefin Janet Yellen verkünden. Mögliche Veränderungen an der Notenbankspitze werden an den Kapitalmärkten mit Zinssteigerungserwar-tungen quittiert. Der Grund dafür: Alle in Frage kommenden Nachfolge-Kandidaten gelten als strenger als die aktuelle Präsidentin. Für die Aktienmärkte heißt das zumindest in der nächsten Woche, dass einer Fortsetzung der Rekord-jagd wenig entgegensteht.

 

06.10.2017, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Lotusblüteneffekt an den Börsen

Wenn der Deutsche Aktienindex (DAX) weiterhin auf hohem Niveau um die 13.000-Punkte-Marke notiert, dann muss doch alles zum Besten stehen, oder? Nun, mit Blick auf die politischen Risiken vielleicht nicht so ganz: Zusätzlich zum angespannten Verhältnis zwischen Nordkorea und den USA kommen gerade wieder Misstöne zwischen der Europäischen Union (EU) und dem Vereinigten Königreich in den wenig konstruktiven Brexit-Verhandlungen auf. In den kommenden Tagen wird es spannend sein zu beobachten, ob weitere Parlamentsmitglieder der britischen Premierministerin Theresa May den Rücken kehren. Ein Rücktritt würde die Risiken für einen harten EU-Austritt erhöhen. Neuerdings fällt der Blick auf der Risikolandkarte vermehrt auf die Abspaltungsbestrebungen der Katalanen in Spanien.

Mit Ausnahme spanischer Aktien und Anleihen haben die europäischen Finanzmärkte bislang kaum negativ reagiert. Insgesamt perlen die politischen Unsicherheiten an den Börsen indes wie an einer Lotusblüte ab. Die Risikofaktoren schlagen eben nicht durch. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Die Stimmung in den Unternehmen und bei den Konsumenten ist laut Befragungsindikatoren nach wie vor prächtig. Auch harte Konjunkturdaten, seien es die deutsche Industrieproduktion, die Warenausfuhr oder die amerikanischen Einzelhandelsumsätze, sollten in den nächsten Tagen stark ausfallen. Vor diesem Hintergrund schreiben die Aktienmärkte vielerorts neue Allzeithochs.

29.09.2017, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Gelassenheit nach den Wahlen

Die erste Woche nach der spektakulären Bundestagswahl war an den Finanzmärkten unspektakulär. Der Euro wertete gegenüber dem US-Dollar ein wenig ab, was allerdings mehr mit den wieder gestiegenen Hoffnungen auf eine konjunkturfreundliche Steuerreform in den USA zu tun hatte, als mit Ängsten vor einem vermeintlich europabremsenden FDP-Wirtschaftsminister. Die Vorschläge des französischen Präsidenten für Reformen in der Europäi-schen Union waren zu visionär und allumfassend, als dass sie eine Reaktion an den Devisenmärkten hätten hervorrufen können. Für die deutsche Wirtschaft bliebe es auch mit einer Jamaika-Koalition bei großer wirtschaftspolitischer Kontinuität.

Für die Aktienmärkte stehen die Vorzeichen in den kommenden Wochen gut, was sich etwa in dem hervorragenden Zeugnis ausdrückte, welche die Wirtschaftsforschungsinstitute der deutschen Konjunktur ausgestellt haben. Daher schweift der Blick in der kommenden Woche insbesondere in die USA, die am Freitag den allmonatlich von den Kapitalmärkten stark beachteten Arbeitsmarktbericht veröffentlicht. Allerdings könnten die Daten durch die Stürme in den südlichen Landesteilen etwas verzerrt werden, so dass die Reaktionen an den Finanzmärkten bei einem niedriger als erwartet gemeldeten Beschäftigungsaufbau nicht allzu dramatisch ausfallen sollten.

 

25.09.2017, Kommentar zur Bundestagswahl von Dr. Ulrich Kater

Diese Wahl ist als Bettvorleger gestartet und als Tiger gelandet: Denn nun ist klar, auch in Deutschland wandelt sich die politische Landschaft schneller als im Wahlkampf erwartet. Die neuen Herausforderungen, von den sozialen Fragen bis hin zur Einwanderung, polarisieren auch hierzulande. Regieren in Deutschland wird dadurch nicht einfacher.

Das Wahlergebnis hat die Erwartungen an den Finanzmärkten nicht bestätigt und Unsicherheit ist keine gute Umgebung für die Aktienmärkte. Das Gespenst der Unregierbarkeit wird verunsichern und an den Finanzmärkten kann zunächst auch das Szenario von Neuwahlen eine Rolle spielen. Allerdings ist die Jamaica-Konstellation das wahrscheinlichere Ergebnis. Den Chancen von neuen Politikoptionen in Wirtschafts- und Sozialpolitik stehen die Risiken einer gegenseitigen Blockade gegenüber. Deutschland fährt politische in unbekannte Gewässer. Eine zügige Entscheidung über eine Regierungskoalition ist nun entscheidend.

Das europäische Super-Wahljahr 2017 neigt sich mit der Bundestagswahl langsam dem Ende zu. Obwohl die politische Stabilität in Europa bewahrt bleibt, zeigen sich mit den sozialen Herausforderungen der Digitalisierung und den gesellschaftlichen Problemen der Migration zwei neue Megathemen, die die politische Landschaft in den kommenden Jahren weiter umwälzen können.

22.09.2017, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Aktienmärkte sind mit sich im Reinen

Abermals schließt eine Woche mit dem bemerkenswerten Fazit, dass Aktienmärkte und Unternehmen mit sich im Reinen sind. Aktienindizes befinden sich in unmittelbarer Nähe ihrer Höchststände. Einkaufsmanagerindizes in Euroland und in den USA konnten unlängst noch weiter zulegen. Dies findet statt, obwohl Unsicherheiten unübersehbar sind: Wie wirken sich die tropischen Wirbelstürme auf die Konjunkturdaten aus? Wie lösen sich die politischen Risiken (Nordkorea, Brexit, etc.) auf? Diesen Unsicherheiten begegnen Notenbanken bezeichnenderweise mit dem angekündigten Ausstieg aus der ultraexpansiven Geldpolitik. So hat die amerikanische Notenbank (Fed) in der zurückliegenden Woche angekündigt, ab Oktober ihre aufgeblähte Zentralbankbilanz wieder langsam schrumpfen zu lassen. Diese ruhige Hand der Notenbanken stützt die Börsen und die Stimmung bei Unternehmen.

Vor uns liegen erneut wichtige Abstimmungen, Konjunkturdaten und Notenbankreden, die vermutlich bestätigen, dass die Märkte mit sich im Reinen bleiben. Die Bundestagswahl dürfte wenig Marktbewegung am Montag auslösen. Die zuvor befragten Unternehmen könnten das ifo-Geschäftsklima auf ein neues Allzeithoch heben. Verschiedene Reden von US-Notenbankern sollten das Bild erhärten, dass sich die Niedrigzinswelt nur ganz allmählich auflöst. Diese geldpolitischen Leitplanken helfen sicherlich auch im Hinblick auf das wahrscheinlich am 1. Oktober stattfindende Referendum im spanischen Katalonien. Gravierende Auswirkungen für die Kapitalmärkte werden hier nicht gesehen.

15.09.2017, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Störfaktoren ebben ab

Keine neuen Horrormeldungen aus Geopolitik, Wettervorhersage oder von der Währungsfront bereiteten in dieser Woche ein gutes Umfeld für eine weltweite Börsenerholung. Nach dem Abebben der Störfaktoren wurden in den USA sogar neue Höchststände beim Dow-Jones erreicht. Die dortige Inflation gab mit den August-Zahlen auch wieder Lebenszeichen von sich, so dass die Serie von irritierenden Rückgängen bei den Verbraucherpreisen nunmehr gebrochen wurde. Zu niedrige Inflationsraten sind an der Börse nicht willkommen. Die Konjunktur in Europa ist weiterhin gut unterwegs, allerdings auch nicht so überschäumend, dass mit heftigeren Gegenreaktionen der Notenbanken zu rechnen wäre, als ohnehin erwartet. Generell ist dies ein stützendes Umfeld für die Aktienmärkte.

Allein vollmundige Ankündigungen auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) zur künftigen Bedeutung der heimischen Fahrzeugbranche werden den Autoaktien nicht wieder auf die Beine helfen. Hier ist das Vertrauen angeschlagen, und die Börse will Ergebnisse sehen. Diese lassen sich jedoch nicht in wenigen Wochen aus dem Hut zaubern. Daher konzentriert sich die Börse in der kommenden Woche auf die US-Notenbank, die den Plan zur Rückführung ihrer Bilanz veröffentlichen will. Die Ankündigung sollte an den Märkten bereits bekannt und damit in den Kursen verdaut sein, aber eine Restunsicherheit bleibt bei diesem Thema immer erhalten.

08.09.2017, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Unruhiges Börsenumfeld

Ein unruhiges Umfeld belastet die Finanzmärkte in Europa. Die negativen Meldun-gen reichen von den Zuspitzungen im nordkoreanischen Atomstreit über die Auf-wertung des Euro mit ihren Beeinträchtigungen des Exportgeschäfts bis hin zu einer der heftigsten Hurrikan-Saisons seit Jahren. Es handelt sich hierbei um sehr unterschiedliche und auch temporäre Einflussfaktoren. Aber sie können dennoch für eine Weile die eigentlichen Bestimmungsgründe der Börsenentwicklung, näm-lich die ökonomischen Daten, überlagern. Und diese fallen mit niedrigen Zinsen und guter Konjunktur weiterhin sehr positiv aus. Der Dax schaffte es denn auch, diesem Sumpf der schlechten Nachrichten zu entkommen. Dazu trug auch bei, dass in den USA der Streit um die Finanzierung des Haushalts erst einmal bis Ende des Jahres verschoben wurde.

In der kommenden Woche liegt das Augenmerk der Börsianer – wieder einmal – auf der Inflation. In den USA werden die Verbraucherpreise gemeldet, die als wich-tiger Kompass für die Zinspolitik der Notenbank Fed dienen. Allerdings könnten diesmal die Zahlen nach oben verfälscht sein – durch Preissteigerungen bei Benzin. Dies fiele dann unter die Datenkapriolen, die regelmäßig nach Naturkatastrophen vom Ausmaß eines oder gar mehrerer Hurrikans auftreten. Bis sich diese Makroda-ten wieder normalisiert haben, dauert es erfahrungsgemäß mindestens zwei bis drei Monate.

 

 

01.09.2017, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Warten auf Inflation

Zum Wochenausklang hat sich die Risikowahrnehmung an den Finanmärkten wieder reduziert. Die weltweit stabilen Konjunkturdaten beruhigten wieder – nach dem zwischenzeitlichen Aufruhr rund um Raketentests in Nordkorea oder Hurrikan Harvey in den USA. Die Stimmung bei Unternehmen und Konsumenten erweist sich als nach wie vor robust. Indes läuft es bei der Inflationsentwicklung nicht rund. Vor allem die großen Notenbanken warten da-rauf, dass sich die Preissteigerungen nachhaltig auf ihre Zielgrößen erhöhen. Dies ist derzeit eine der wichtigsten makroökonomischen Entwicklungen für die Märkte, hängt doch daran die Perspektive für den geldpolitischen Exit, also den Ausstieg der Notenbanken aus ihrer ultraexpansiven Politik. Absehbar sind im weiteren Jahresverlauf nur moderate Inflationsraten, also ein durchaus marktfreundliches Umfeld.

In der kommenden Woche werden die Märkte ihr Hauptaugenmerk auf den Donnerstag richten, wenn in Frankfurt der EZB-Rat tagt. Wahrscheinlich wird es keine konkreten geldpolitischen Entscheidungen geben. Aber auf der Pressekonferenz könnte EZB-Präsident Draghi erstmals explizit darauf hinweisen, dass das monatliche Volumen der Wertpapierkäufe ab Januar nächs-ten Jahres flexibel und in Einklang mit den Inflationsaussichten angepasst wird. Marktbewegungen könnte es geben, wenn Draghi mit seinen Erläuterungen die Erwartungen an die künftige EZB-Politik wie gewünscht oder auch unerwünscht – verändert.

25.08.2017, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Politisches Grummeln an den Börsen

Es grummelt am Horizont. Nach einer ausgedehnten Sommerpause machen sich die Marktteilnehmer nun wieder an die Arbeit, und dabei fallen all die Probleme wieder auf, die die Märkte umgeben und in Atem halten. So steht zum Beispiel in den USA das Thema Finanzplanung ganz oben auf der Agenda. Der Haushalt muss verabschiedet werden, sonst müssen ab Oktober die Behörden geschlossen werden. Schwieriger noch wird die Erhöhung der Schuldenobergrenze im US-Haushalt. Schlimmstenfalls droht hier ein Zahlungsausfall des weltgrößten staatlichen Schuldners im Oktober. In Italien wirft die nahende Parlamentswahl ihre Schatten voraus, dort werden bereits im Vorwahlkampf die Säbel mächtig gegen den Euro gerasselt. Das sind Unsicherheitsfaktoren, die jedoch die wirtschaftlich gute Entwicklung von Unternehmen und Volkswirtschaften nicht dauerhaft überdecken können.

Die nächste Handelswoche wird wohl ganz im Zeichen der Verarbeitung von Signalen stehen, die die Marktteilnehmer aus dem kleinen Ort Jackson Hole in Wyoming erwarten. Dort kommen am Wochenende die Spitzen der großen Notenbanken zu ihrem geldpolitischen Meeting zusammen. Die wichtigsten Wirtschaftsdaten der nächsten Woche kommen von den Arbeitsmärkten. Euroland meldet am Donnerstag die Arbeitslosenquote, einen Tag später kommt der monatliche Arbeitsmarktbericht aus den USA.

18.08.2017, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: US-Regierung wird zur Belastung

Die Beruhigung im Atomstreit mit Nordkorea brachte den Aktienmärkten Aufwind. Auch die gestoppte Aufwertung des Euro werteten die Marktteilnehmer als positives Signal für europäische Aktien. Allerdings zog schnell ein neues politisches Tief aus den USA über die Märkte hinweg: Der Rückzug von Unternehmern aus wirtschaftpolitischen Beratungsgremien signalisiert nachlassende Unterstützung aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft für die Trump-Administration. Das bereitete den Märkten gegen Ende der Woche zunehmend Sorgen. Nicht nur weil nun auch die letzten verbliebenen Hoffnungen auf wirtschaftliche Impulse der neuen Regierung schwinden. Mehr und mehr wird die US-Politik insgesamt als möglicher Störfaktor für die Weltwirtschaft gewertet, etwa wenn in den kommenden Wochen über den US-Haushalt und die Schuldenobergrenze verhandelt werden muss.

In der kommenden Woche richten Politik, Wirtschaft und Kapitalmärkte ihre Augen auf das wirtschaftspolitische Symposium der US-amerikanischen Notenbank in Jackson Hole. Traditionell dient dieses jährliche Treffen hochrangiger Experten einer grundsätzlichen Aussprache über die internationale Geldpolitik. Daher gelten die Aussagen der Notenbankchefs bei dieser Konferenz als Richtschnur für die Geldpolitik der kommenden Monate. An den Märkten wird erwartet, dass die Notenbanken der etablierten Industriestaaten beim Thema Zinserhöhungen insgesamt wieder einen Gang zurückschalten.

11.08.2017, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Die Weltwirtschaft brummt weiter

Mit nur wenigen frischen Konjunkturindikatoren oder Neuigkeiten seitens der Notenbanken und unspektakulären Unternehmensberichten verlassen wir die zurückliegende Börsenwoche. Nichts müsste die Finanzmärkte also daran zweifeln lassen, dass die Weltwirtschaft weiter brummt. Wenn doch die wichtigsten Staatenlenker der Welt in ihren Sommerurlauben einfach nur wandern, angeln oder Golf spielen würden. Während sich Kanzlerin Merkel und Russlands Präsident Putin entsprechend volatilitätsdämpfend verhalten, rasselt US-Präsident Trump mit neuen Verbalkapriolen gegenüber Nordkorea. Das ebenso aggressive Echo von dort ließ nicht lange auf sich warten. Das Schreckgespenst einer militärischen Auseinandersetzung tut den Aktienmärkten nicht gut, gleichwohl reagierten die Marktteilnehmer besonnen.

Auch die Rentenmärkte blieben vom rhetorischen Säbelrasseln nicht gänzlich unbeeindruckt und reagierten mit leichten Renditeabschlägen. Weiterhin wird der Kursentwicklung des US-Dollars zum Euro viel Aufmerksamkeit geschenkt. Auf bis zu 1,19 kletterte unsere Währung gegenüber dem US-Dollar. In der zurückliegenden Woche bröckelte der Euro-Kurs wieder leicht, was an den europäischen Aktienmärkten die Sorgen vor einer Gewinndämpfung bei den Unternehmen mildert. Auch die preisdämpfenden Effekte des stärkeren Euro, die der Europäischen Zentralbank nicht gefallen, sollen sich hiermit in Grenzen halten.

 

04.08.2017, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Aufreger Auto

In der deutschen Automobilindustrie rumort es. Regelverstöße in der Vergangenheit und die Verwendung des Dieselmotors in der Zukunft sind akute Themen. Der Dieselgipfel am 2. August sollte Klarheit bringen über Bedingungen, unter denen die bisher gebauten Dieselfahrzeuge weiter gefahren werden dürfen. Dies ist jedoch nur halbherzig geschehen. Daher wird die Unsicherheit zu weiter sinkenden Diesel-Marktanteilen führen. Eine andere Frage ist die generelle Zukunftsfähigkeit der deutschen Vorzeigebranche, die immerhin etwa 5 Prozent der nationalen Wertschöpfung und 12 Prozent der Warenexporte ausmacht und von der viele mittelständische Zulieferbetriebe in den Regionen abhängen. Neben der Antriebstechnologie liegt der wesentliche Wettbewerbsvorteil der großen Autobauer im Zusammenführen einer Vielzahl von Einzeltechnologien wie Antrieb, Sicherheit, Elektronik in einer kostengünstigen und qualitätsvollen Produktion. Hier sind die deutschen Firmen nach wie vor gut positioniert.

 

An der Börse fielen die Querelen zusammen mit einem ohnehin saisonal lustlosen Geschäft. Während der marktbreite CDAX in den vergangenen Wochen um etwa 4 Prozent nachgab, waren Automobilwerte mit etwa 10 Prozent Rückgang stärker betroffen. Es sind weiterhin die Notenbanken, auf die die Märkte starren wie die Kaninchen auf die Schlange. Allerdings befinden sich die Schlangen zurzeit ebenfalls in der Sommerpause. Neue Impulse für Börse und Renditen dürfte es erst mit den Notenbanksitzungen im September geben.

 

 

28.07.2017, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Volumenreiche Nachrichten treffen geringen Umsatz

Es ist Sommerzeit, freilich weniger vom Wetter, als vielmehr an den Börsen. So finden die aktuellen Marktbewegungen bei dünnen Umsätzen statt. Insofern sollten die Kurs-Rückgänge vom DAX nicht überinterpretiert werden. Zudem sind insbesondere die Abstrafung der Automobiltitel auf der einen und die Sorgen um den gegenüber dem US-Dollar gestärkten Euro auf der anderen Seite eher hausgemacht, als globalen Schwächetendenzen geschuldet. Anders sieht es bei einem Blick über den Atlantik aus: Amerikanische Indizes verzeichnen teilweise neue Allzeithochs, obwohl die Unternehmensberichtssaison in den USA bislang sehr gemischt ausfällt.

 

Blick zurück nach Deutschland: Hier zeigen sich die Unternehmen aktuell extrem zuversichtlich. Anders als von vielen Experten erwartet, konnte das ifo-Geschäftsklima – einer der wichtigsten Stimmungsindikatoren – für Juli sein drittes Allzeithoch in Folge erzielen. Das ist bemerkenswert, wenngleich die tatsächliche Konjunkturdynamik offenkundig überzeichnet wird.

 

Die amerikanische Notenbank (Fed) hat sich auf ihrer jüngsten Sitzung in ihrer geldpolitischen Haltung kaum verändert gezeigt. Für die Märkte bleibt es dabei, dass sich die monetäre Stützung nur ganz allmählich verringern wird. Das stützt unter anderem die Anleihemärkte, vor allem bei Unternehmensanleihen. Auch Neuemissionen liefen gut: Sowohl AT&T, die drittgrößte Bondplatzierung aller Zeiten, als auch eine neue griechische Anleihe waren deutlich überzeichnet. Zinsaufschläge werden von Anlegern nach wie vor händeringend gesucht.

 

21.07.2017, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Kein Öl ins Feuer gießen

Die Top-Themen der zurückliegenden Börsenwoche fanden sich auf der Währungs- und Zinsseite. Der Euro wertete gegenüber dem US-Dollar weiter auf, worauf die hiesigen Aktien verschnupft reagierten. Der Dax verließ den Handel gegenüber dem Wochenstart mit einem leichten Minus. Wenn allein die unterschiedlichen Zinsniveaus in den USA und in Euroland den Ausschlag gäben, dann kann es nicht weit her sein mit der Aufwertung des Euro. Denn die Europäische Zentralbank gab sich in dieser Woche alle Mühe, Zinserhöhungsphantasien zu zerstreuen. EZB-Präsident Mario Draghi wollte kein Öl ins Aufwertungsfeuer seiner Währung gie-ßen. Trotzdem kümmerte sich der Wechselkurs anscheinend nicht um die Äuße-rungen der EZB-Spitze. In der Tat spricht auch die konjunkturelle und politische Stabilisierung im Euroraum für die europäische Gemeinschaftswährung.

 

Allzuweit sollte jedoch die Euro-Stärke nicht mehr tragen, wenn in der kommenden Woche die US-Notenbank (Fed) die weitere Straffung ihrer Geldpolitik erläutern wird. Dazu stehen in der bevorstehenden Woche jede Menge Wirtschaftsdaten an: sowohl in den USA als auch in Euroland werden die neuen Wachstumszahlen zum 2. Quartal bekannt gegeben. Zudem werden die aktuellen Stimmungswerte aus den europäischen Unternehmen veröffentlicht. Alles in allem eine brisante Mischung, die die Finanzmärkte durchrütteln kann.

 

14.07.2017, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Die beste aller Welten

Janet Yellen, die Präsidentin der US-Notenbank (Fed), hat es in ihrer Rede vor dem US-Kongress am zurückliegenden Donnerstag erneut bestätigt. Aus ökonomischer Sicht haben die USA derzeit wohl die „beste aller Welten“: solides Wachstum ohne Inflationsdruck bei anhaltend niedrigen Zinsen. Dennoch will die Fed auf dem Weg aus der ultralockeren, immer noch von der Finanzkrise geprägten, Geldpolitik langsam aber sicher voranschreiten. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) sendet vorsichtige Signale, dass der Ausstieg aus dem Krisenmodus naht.

 

Die jüngsten Konjunkturdaten bestärken die Notenbanken auf diesem Weg. Denn nicht nur der amerikanische Arbeitsmarktbericht hat zuletzt gute Konjunkturnachrichten für Juni geliefert. Hinzu kamen auch starke Außenhandelsdaten für Deutschland und China sowie ein kräftiger Anstieg der Industrieproduktion im Euroland.

 

Vor diesem Hintergrund blicken wir gespannt auf den EZB-Zinsentscheid am kommenden Donnerstag. EZB-Präsident Mario Draghi wird wohl noch keine klaren Aussagen für das baldige Zurückfahren der Anleihekäufe machen. Vielmehr wird er versuchen, die am Anleihemarkt zu beobachtenden deutlichen Renditeanstiege mit der erneuten Bestätigung zu dämpfen, dass die Leitzinsen noch für sehr lange Zeit sehr niedrig bleiben werden. Die Aktienmärkte werden sich jetzt verstärkt der beginnenden Quartalsberichtssaison zuwenden. Die erwarteten soliden Gewinnanstiege sollten die jüngsten Kursanstiege unterstützen und damit die Aktienmärkte stabilisieren.

 

07.07.2017, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Sommerloch – Einstiegschancen nicht ausgeschlossen

Die Sommermonate gelten als traditionell schwache Aktienzeit. Nach der Dividendensaison ist das Interesse an Unternehmenswerten bis in den Herbst hinein schwach, bevor dann das Jahresende in den Blick kommt und damit der Wunsch nach höheren Aktienbeständen und -bewertungen. Allerdings sind saisonale Aspekte immer nur ein Einflussfaktor auf das Kursgeschehen, und sie werden schnell von wirtschaftlichen Themen überlagert. So in dieser Woche etwa durch die verstärkte Diskussion um den Zinskurs der Notenbanken. Mit weiterhin guter Konjunktur und dem mittlerweile hinreichend dokumentierten Willen der großen Zentralbanken zur Beendigung der geldpolitischen Sonderprogramme fragen sich die Investoren mehr und mehr, welche Auswirkungen dies auf ihre Märkte hat.

Dabei wird jedoch nach dem ersten Erkenntnisschock, dass „es“ – die geldpolitische Straffung – nun losgeht, auch wieder die Einsicht kommen, dass die Umkehr der Notenbankpolitik ein sehr langwieriges Geschäft ist. Eine schleppende Inflationsentwicklung auch in diesem Jahr wird erneut Zweifel an der Möglichkeit eines geldpolitischen Ausstiegs aus der Nullzinspolitik säen. Die Aktienmärkte sollten daher auch in der zweiten Jahreshälfte wieder sonnige Tage sehen. Und langfristig muss sich unter den Marktteilnehmern erst noch ein Konsens darüber bilden, wie weit denn die Zinsen überhaupt angehoben werden können. Solange sichere Anlagen einen negativen Realzins erwirtschaften, bleibt ein wichtiges Argument für Aktien bestehen.

 

30.06.2017, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Grummeln an den Aktienmärkten

Die Börse lebt: Endlich kam es zum Wochenschluss mal wieder zu substanziellen Bewegungen, wenn auch in die falsche Richtung – nach unten. Es lag weder an Wirtschaftsdaten, Inflationseinschätzungen oder Unternehmensgewinnen: Überall blieb die positive Einschätzung bestehen, etwa bei der Konjunktur, zu der die neueste Stimmungsauswertung von Unternehmen und Verbrauchern einen Rekordwert aufwies und damit auf weiteres Wachstum in Euroland hindeutete. Es waren vielmehr Äußerungen aus der Europäischen Zentralbank (EZB), die die Märkte ins Nachdenken brachten. EZB-Präsident Mario Draghi wies auf die gute wirtschaftliche Entwicklung in Euroland hin. Das reichte schon, um den Marktteilnehmern zu signalisieren, dass die geldpolitische Unterstützung nicht mehr ewig anhalten kann.

Trotz der jüngsten leichten Korrekturen an den Aktienmärkten stimmen die Aussichten weiter zuversichtlich. Die gute Verbraucherstimmung in Deutschland zeigt, dass der Aufschwung breit angelegt ist. In der kommenden Woche stehen mit den Arbeitsmarktzahlen aus den Vereinigten Staaten wichtige Konjunkturdaten an. Bisher deuten alle Anzeichen auf eine wieder kräftigere Dynamik. Die Arbeits-
losenquote ist in den vergangenen vier Monaten stets gesunken und erreichte mit 4,3 Prozent im Mai für US-Verhältnisse ein ungewöhnlich tiefes Niveau. Hier deuten die Indikatoren eine unveränderte Rate im Juni an. Eher enttäuschend war zuletzt die Lohndynamik

 

23.06.2017, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Schlecht geölt ist halb verunsichert!

In Ermangelung wichtiger Konjunkturindikatoren und außerhalb der Berichtssaison hat sich der Rohölpreis in den Vordergrund geschoben. Der Rückgang des Preises für ein Fass Rohöl auf ein Niveau unter die 50-US-Dollar-Marke hat ein bekanntes Reaktionsmuster ausgelöst: Die Inflationserwartungen gehen zurück, und die Renditen am Anleihemarkt erhalten einen Dämpfer. Der Konjunkturmotor könnte ja schlecht geölt sein, was mit Verunsicherung an den Märkten einhergeht. Indes ist der Preisverfall bei den Rohstoffen kein Signal für Nachfrageschwäche. Vielmehr liegt noch viel Rohöl auf Lager, und die US-Produktion ist hoch. Die OPEC, also die Organisation der Erdölexportierenden Länder, signalisiert Maßnahmen, um den Rohölpreis perspektivisch über 50 US-Dollar zu halten. So hielt sich die Verunsicherung in Grenzen, und die Aktienkurse blieben auf hohem Niveau.

Gegenüber dem Öl sind die politischen Ereignisse in den Hintergrund gerückt: So-wohl der erwartungsgemäße Sieg des Macron-Lagers bei den Parlamentswahlen in Frankreich als auch der Beginn der Brexit-Verhandlungen erreichten in dieser Woche keine Marktrelevanz. Indes brachte Präsident Emmanuel Macron frischen Wind auf den EU-Gipfel in Brüssel. Es scheint, dass die Märkte von politischer Seite zumindest vorübergehend weniger Attacken zu erwarten haben. So richten sich die Blicke an den Märkten auf die anstehende Veröffentlichung von Konjunkturindikatoren wie ifo Geschäftsklima und Euroland-Inflationsdaten.

 

16.06.2017, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Es geht doch

Na bitte, es geht doch: Trotz einiger schwächerer Wirtschaftsdaten hat die US-Notenbank in dieser Woche die Zinssätze – wie erwartet – weiter erhöht. Zudem wollen die Amerikaner bald damit beginnen, das Geld, das in den vergangenen Jahren in die Märkte gepumpt wurde, langsam wieder abzulassen. Im Euroraum werden wir trotz guter Wirtschaftsdaten dagegen noch länger mit den niedrigen Zinsniveaus umgehen müssen. Für die Aktienmärkte ist ein langsamer und moderater Zinsanstieg eine vernünftige Perspektive, denn ansonsten würden sich die Kurse wohl in immer weitere Höhen steigern, wie das neue Allzeithoch des DAX in dieser Woche wieder dokumentiert. Auch in anderen Regionen bewegen sich die Index-Stände auf hohen Niveaus.

Beim Treffen der Euro-Finanzminister gab es eine Einigung mit Griechenland über die Fortführung des Hilfsprogramms. Eine Entscheidung zu Schuldenerleichterungen wurde gleichwohl nicht getroffen, wobei den Griechen eine Verlängerung des Rückzahlungsprofils um weitere 15 Jahre in Aussicht gestellt wurde. Am Wochenende wird die zweite Wahlrunde zur französischen Nationalversammlung zeigen, wie groß der Reformspielraum für den neuen französischen Präsidenten wirklich ist. Unbenommen der politischen Ereignisse bleiben die Aussichten für die Unternehmen gut.

 



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