Dr. Ulrich Kater, Chefvolswirt der DekaBank

Marktkommentar von Dr. Ulrich Kater

Lesen Sie jede Woche den aktuellen Marktkommentar von Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank.

Dr. Ulrich Kater studierte Volkswirtschaftslehre an den Universitäten Göttingen und Köln. 1995 promovierte er am Finanzwissenschaftlichen Seminar der Universität Köln und übte gleichzeitig eine Lehr- und Forschungstätigkeit an der Universität Köln, der Fachhochschule Köln und der European Business School aus.

Von 1995 bis 1999 war Herr Kater im Stab der „fünf Wirtschaftsweisen“ für die Themen Geldpolitik und Kapitalmarkt verantwortlich. Von 1999 an arbeitete er am Aufbau der Volkswirtschaftlichen Abteilung der DekaBank mit. Seit 2004 bekleidet er die Position als Chefvolkswirt der DekaBank und ist seit 2006 auch Vorsitzender der Kommission für Wirtschaft und Finanzen im Verband Öffentlicher Banken.

Darüber hinaus folgte er Lehraufträgen an der Universität Witten-Herdecke, der Zeppelin University Friedrichshafen sowie an der Hochschule der S-Finanzgruppe. Nebenbei ist Ulrich Kater auch als Autor zahlreicher Veröffentlichungen über Geldpolitik, Währungspolitik, internationale Kapitalmärkte, Finanzpolitik, Alterssicherungssysteme und Globalisierung in Erscheinung getreten.

21.01.2022, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Zinssorgen an den Aktienmärkten

Zinssorgen an den Aktienmärkten

Die Aussichten auf steigende Zinsen setzten die Aktienmärkte in der abgelaufenen Handelswoche weltweit unter Druck. Neue Informationen aus den USA zeigten, dass die Inflationsentwicklung weiterhin angespannt bleibt und dass damit die US-Geldpolitik restriktiver werden wird. An den Märkten für Rohöl und Erdgas stiegen die Preise ebenfalls weiter. Beim Erdgas spielen auch die Spannungen zwischen Russland und der Ukraine sowie der NATO eine Rolle. Erdöl dagegen wird deswegen teurer, weil trotz einer Fördererhöhung der OPEC-Länder das Angebot an Rohöl mit der Nachfrage nicht Schritt hält. Es bestätigen sich Aussagen, dass Rohöl eher knapper wird, da der Ausbau der nachhaltigen Energieerzeugung zu langsam voranschreitet, um die steigende Energienachfrage zu bedienen. Gleichzeitig wird nicht mehr in neue Lagerstätten investiert, da deren Zukunft langfristig ungewiss ist. Alles zusammen hält die Energiepreise hoch und verdüstert den Inflationsausblick. Zwar werden die Inflationsraten ab Januar wieder sinken, aber die Teilnehmer an den Finanzmärkten werden sehr genau hinschauen, in welchem Tempo dies geschieht. Selbst wenn im Euroraum keine Zinssteigerungen wie in den USA anstehen, wird auch die Europäische Zentralbank ihre Liquiditätsbereitstellung herunterfahren. Das müssen die Aktienmärkte erst einmal verkraften. Ein Lichtblick dabei ist jedoch, dass viele Unternehmen mit den Kostensteigerungen umgehen können. Die ersten Ergebnisse der laufenden Berichtssaison zeigten, dass außerhalb des Technologiesektors Preisüberwälzungen an die Verbraucher möglich sind und dabei sogar die Gewinnmargen der Unternehmen teilweise gestiegen sind.

14.01.2022, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Aktionäre im Bann der Inflation

Aktionäre im Bann der Inflation

Aktien bleiben teuer. In der abgelaufenen Handelswoche gingen die großen Indizes in Europa und in den USA zwar seitwärts, dies aber auf hohem Niveau. Im vergangenen Jahr waren die Kurse noch je nach Region 15 bis 30 Prozent angestiegen. Aber es rumort im Maschinenraum der Finanzmärkte. Dabei geht es vor allem um die Leitzinsen. Ein Teil der guten Entwicklung an den Aktienmärkten in den letzten Jahren ist auf die niedrigen Zinsen zurückzuführen. Niedrige Zinsen auf dem Sparbuch und bei Bundesanleihen trieben viele Marktteilnehmer in Anlagen mit besseren Aussichten. Diese erfüllten etwa deutsche Aktien allein schon mit der Dividende, die im Durchschnitt etwa drei Prozent beträgt, Kurssteigerungen waren da eher ein zusätzlicher Bonus.

 

Ob die Zinsen auch weiterhin so niedrig bleiben können, wird von immer mehr Akteuren angezweifelt. Treiber für das Zinsniveau sind die Notenbanken, selbst wenn auch diese nicht allmächtig sind und nicht jeden beliebigen Zinssatz wählen können. Notenbanken werden danach beurteilt, ob sie ihren Auftrag erfüllen, den Geldwert stabil zu halten. Zurzeit ist dies nicht der Fall, wie die in dieser Woche veröffentlichten US-Inflationsdaten von 7 Prozent eindrücklich zeigen. Allgemein wird die Bereitschaft der Notenbanken, etwas gegen zu hohe Inflation zu tun, an ihren Leitzinsen abgelesen. Zu starke Inflation verlangt nach höheren Zinsen. Angeführt von der US-Notenbank werden die Leitzinsen in Europa in diesem und wahrscheinlich auch im kommenden Jahr steigen. Wieviel, das hängt von der Beruhigung bei der Inflation ab. An den Aktienmärkten wird daher die Inflationsrate zum wichtigsten Wirtschaftsindikator in diesem Jahr.

07.01.2022, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Jahresstart mit Hindernissen

Jahresstart mit Hindernissen

Der Jahresstart an den Kapitalmärkten hat es in sich. Bereits im abgelaufenen Jahr hatte man die Inflation als neue Bedrohung für Wirtschaft und Kapitalmärkte ausgemacht. Jetzt fangen die Marktteilnehmer an, sich mit den Konsequenzen auseinanderzusetzen. Eine dieser Konsequenzen ist, dass die Zinssätze schneller ansteigen könnten als erwartet. Die US-Notenbank hat in dieser Woche bei der Veröffentlichung ihrer jüngsten Sitzungsprotokolle deutlich gemacht, wie ernst sie das Thema nimmt. Nun kommt auch noch ein technisches Problem hinzu. Zinserhöhungen wirken nur dann, wenn gleichzeitig auch die enorme Liquidität wieder abgeschöpft wird, die in den vergangenen Jahren geschaffen worden ist.

 

Höhere Zinsniveaus und schrumpfende Geldmengen sind nicht der Stoff, aus dem weitere Kurssteigerungen gemacht werden. Folgerichtig zogen sich die Kurse an den Aktienmärkten in der zweiten Wochenhälfte wieder zurück, nachdem sie in den ersten Geschäftstagen des Jahres noch Kurs auf neue Höchststände genommen hatten. Interessant ist auch, was unter der Oberfläche der breiten Indizes wie DAX oder Dow Jones stattfindet. Technologieaktien reagieren aufgrund der hohen Bewertungen am empfindlichsten auf steigende Zinsen, wogegen Bankaktien am Beginn einer großen Renaissance stehen könnten.

 

Dass in der zweiten Wochenhälfte dann aus Deutschland Inflationszahlen kamen, die entgegen aller Hoffnungen für den Dezember nochmals einen leichten Anstieg der Teuerung anzeigten, zahlte auf die Skepsis vieler Marktteilnehmer weiter ein. Die Inflation ist der Schlüssel zur Kapitalmarktentwicklung des Jahres 2022.

 



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