Dr. Ulrich Kater, Chefvolswirt der DekaBank

Marktkommentar von Dr. Ulrich Kater

Lesen Sie jede Woche den aktuellen Marktkommentar von Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank.

Dr. Ulrich Kater studierte Volkswirtschaftslehre an den Universitäten Göttingen und Köln. 1995 promovierte er am Finanzwissenschaftlichen Seminar der Universität Köln und übte gleichzeitig eine Lehr- und Forschungstätigkeit an der Universität Köln, der Fachhochschule Köln und der European Business School aus.

Von 1995 bis 1999 war Herr Kater im Stab der „fünf Wirtschaftsweisen“ für die Themen Geldpolitik und Kapitalmarkt verantwortlich. Von 1999 an arbeitete er am Aufbau der Volkswirtschaftlichen Abteilung der DekaBank mit. Seit 2004 bekleidet er die Position als Chefvolkswirt der DekaBank und ist seit 2006 auch Vorsitzender der Kommission für Wirtschaft und Finanzen im Verband Öffentlicher Banken.

Darüber hinaus folgte er Lehraufträgen an der Universität Witten-Herdecke, der Zeppelin University Friedrichshafen sowie an der Hochschule der S-Finanzgruppe. Nebenbei ist Ulrich Kater auch als Autor zahlreicher Veröffentlichungen über Geldpolitik, Währungspolitik, internationale Kapitalmärkte, Finanzpolitik, Alterssicherungssysteme und Globalisierung in Erscheinung getreten.

30.12.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Jahresende mit Börsenfeuerwerk

Das Beste kommt zum Schluss: Zum Jahresende sammelten sich noch einmal gute Nachrichten, sodass sich die Aktienmärkte erneut von ihrer freundlichen Seite gezeigt haben. Was den US-amerikanischen Indizes mit etwas Vorlauf gelang, vollzog jetzt auch der deutsche Aktienindex Dax: ein frisches Allzeithoch. Im Handelsverlauf am Dienstag sprang der Dax sogar kurz über 13.900 Punkte. Mitten im Lockdown zündete ein Börsenfeuerwerk. Dazu trug erstens der medienwirksame Beginn der Corona-Impfungen bei, zweitens, dass US-Präsident Trump das unlängst im Kongress beschlossene Konjunkturprogramm doch durchgewinkt hat, und, dass uns drittens ein ungeordneter Brexit zum Neujahr erspart bleibt. Durch die Corona-bedingt triste Konjunkturlage schauen die Marktteilnehmer durch, sie haben den Aufschwung 2021 fest im Blick.

2021: Mehr Ruhe zum Jahreswechsel

Nach einer – im wahrsten Sinne des Wortes – ruhigen, sprich böllerarmen, Silvesternacht richtet sich der Börsenblick auf die ersten Konjunkturdaten des neuen Jahres. Auf der Veröffentlichungsliste stehen die Einkaufsmanagerindizes aus China und den USA. Sie dürften von einem soliden Expansionstempo zeugen. Dahinter bleibt das Wirtschaftsvertrauen in der Eurozone zurück. Hier dämpfen die breit angelegten Lockdowns die Stimmung. Spannend wird es am Ende der Woche hinsichtlich der US-Arbeitsmarktdaten für den Dezember. Ein zwar nur geringer Arbeitsplatzaufbau wäre sicherlich keine gute Nachricht, die Marktteilnehmer würden diese Meldung gleichwohl eher unberücksichtigt lassen. Wichtiger ist für sie: Die expansive Geld- und Finanzpolitik bleibt erhalten und damit die konstruktiven Perspektiven für die Unternehmen im Jahr 2021.

23.12.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Corona-Mutations-Schreck währt nur kurz

Die Nachricht von einer noch weit ansteckenderen Mutation des Corona-Virus, die im Vereinigten Königreich vermehrt beobachtet wurde, hat Anfang dieser Woche die Märkte mächtig durchgeschüttelt. Doch der Schreck war nur von kurzer Dauer. Die Händler vertrauen auf die Wirkmacht der Impfungen sowie der weltweiten geldpolitischen und fiskalischen Unterstützung. In den USA hat sich der Kongress auf ein weiteres umfangreiches Corona-Hilfspaket geeinigt. Dieses könnte der Wirtschaft zusätzlichen Schwung verleihen. Allerdings ziert sich Präsident Trump zu unterschreiben. Derweil signalisieren regionale US-Stimmungsdaten wie auch die deutschen Umsatzsteuervoranmeldungen, dass zumindest die Industrie weiterhin ohne größere Einschränkungen läuft. Insofern lautet die gute Nachricht, dass die Pandemie derzeit die Wirtschaft deutlich weniger bremst als im Frühjahr 2020.

Weihnachtliche Langeweile

Es ist weiterhin nicht klar, ob das Vereinigte Königreich zum 31.12.2020 die EU mit oder ohne Austrittsvertrag verlässt. Die kurzfristigen Grenzschließungen haben jedoch einen gewissen Vorgeschmack darauf gegeben, wie schwierig der Grenzverkehr bei einem harten Brexit werden könnte. Ansonsten stehen in der Nachweihnachtswoche nur wenige Daten zur Veröffentlichung an. Der offizielle chinesische Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe könnte mit einem leichten Rückgang aufwarten, jedoch auch dann noch ein anhaltend solides Wachstum signalisieren.

18.12.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Ausrufezeichen der US-Notenbank

Die Corona-Pandemie weitet sich in diesen Tagen weiter aus, ob es uns gefällt oder nicht. Die Neuinfektionszahlen und Sterbefälle sind hoch, in Europa und nicht zuletzt in Deutschland leider auf Rekordniveau. Die Konsequenz daraus: Europa fährt das öffentliche Leben wieder herunter. Die Konjunkturdaten für November fallen insofern trist aus. Das war zwar zu erwarten, und ist doch nicht schön. In diesem Umfeld werden Konjunkturprognosen eher reduziert – nicht so bei der US-Notenbank Fed. Sie zeigte sich in ihrer Sitzung am Mittwoch überraschenderweise extrem zuversichtlich bezüglich des zukünftigen US-Wachstums. Dabei möchte sie zunächst weiter im aktuellen Tempo Anleihen kaufen und nicht vor Ende 2023 die Leitzinsen anheben. Dies stimulierte die Börsen: S&P 500, Nasdaq und auch der deutsche M-Dax erzielten neue Allzeithochs.

Dax vor Weihnachten mit neuen Allzeithoch?

Haben die Aktienmärkte noch Puste? Dem stehen freilich die negativen Auswirkungen des Lockdowns in Europa sowie das Zitterspiel beim Thema Brexit – vor dem Hintergrund der in der Silvesternacht endenden Übergangsfrist beim EU-Austritt – entgegen. Auch von den Konsumdaten aus den USA muss man am kommenden Mittwoch keinen Stimulus erwarten. So dürfte bei schwindenden Handelsumsätzen möglicherweise noch die grundsätzliche und bestätigte geldpolitische Unterstützung der Notenbanken für freundliche Märkte sorgen. So kann es auch für den Deutschen Aktienindex Dax am Ende eines turbulenten Jahres zum Allzeithoch reichen.

11.12.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Corona belastet weiterhin

Die Stimmung an den Aktienmärkten ist in der zurückliegenden Woche etwas angespannter geworden. Erneute Rekorde bei den Covid19-Ansteckungen und Todesfällen in Deutschland machten es in den Augen der Börsenteilnehmer immer mehr fraglich, ob mit einem harten Lockdown bis nach Weihnachten gewartet werden kann. In den USA ging es zudem nicht voran mit weiteren Fiskalhilfen. An der Mollstimmung konnte auch die Zulassung des Impfstoffs von Biontech/Pfizer in den USA nichts ändern. Auch dort leidet die Wirtschaft nun langsam unter den steigenden Fallzahlen und den damit einhergehenden regionalen Restriktionen für die Wirtschaft. Zwar werden die hohen Kursniveaus grundsätzlich wohl Bestand haben, aber auch die Börse könnte auf ein etwas trübes Jahresende zusteuern.

Stimmung in der zweiten Welle

Europa leidet unter hohen Covid-19-Infektionszahlen und den damit verbundenen Lockdown-Maßnahmen. Das geht an der Wirtschaft nicht spurlos vorüber. Dies dürften auch die Einkaufsmanagerindizes für Euroland im Dezember zeigen, ebenso wie das in der kommenden Woche veröffentliche ifo-Geschäftsklima. Allerdings bleibt es dabei: Der Wirtschaftseinbruch im vierten Quartal wird in Euroland wesentlich geringer ausfallen, als der Einbruch im Frühjahr. Denn die europäische Industrie, darunter insbesondere die deutsche, ist im vierten Quartal eine wichtige Stütze für die Gesamtwirtschaft geworden, während hingegen die Dienstleister besonders stark durch die Lockdown-Maßnahmen belastet werden.

04.12.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Jahresendrallye nicht mehr nötig

Kommt sie oder kommt sie nicht, die Jahresendrallye an den Aktienmärkten? Angesichts des mit dem November erfolgreichsten Börsenmonats aller Zeiten sind vielleicht eher einige Gewinnmitnahmen angezeigt, wie dies in dieser Woche am deutschen Aktienmarkt zu verzeichnen war. Doch selbst wenn die Marktteilnehmer ihr Pulver für dieses Jahr bereits verschossen haben sollten, bleiben die Bedingungen für Unternehmenswerte sehr günstig. Denn mit den weiteren Fortschritten bei der Impfstoffstoffzulassung, rückt eine Normalisierung des wirtschaftlichen Lebens ganz allmählich näher. In der Wirtschaftspolitik besteht darüber hinaus Einigkeit, die Stützungsprogramme noch eine Weile lang weiter laufen zu lassen, um die erreichten Erfolge nicht zu gefährden. Trotz aller verbliebenen Risiken ist die Zuversicht an den Finanzmärkten groß, dass die Wirtschaft die extremen Herausforderungen insgesamt meistern wird.

Arbeitsmarkt läuft

Wesentliches Ereignis der kommenden Börsenwoche ist die Sitzung des Zentralbankrates der Europäischen Zentralbank (EZB). Die neu vorgestellten makroökonomischen Projektionen dürften zeigen, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie noch lange nicht vorbei sind. Dies sollte durch die Produktionsdaten aus der deutschen Industrie untermauert werden. Entsprechend dürfte die EZB ihren Instrumenteneinsatz hochhalten. Um die geldpolitischen Impulse für Wirtschaft und Kreditmärkte noch für eine lange Zeit aufrechtzuerhalten. So sollte das Wertpapierkaufprogramm der EZB aufgestockt und verlängert sowie dem Bankensektor weitere langfristige Refinanzierung zur Verfügung gestellt werden.

27.11.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Dax hält das Tempo

Der Dax hielt in dieser Woche nicht nur die Kursgewinne der vergangenen Wochen, er baute sie sogar noch aus. Weiterhin prallen alle Corona-Einschränkungen an den Märkten ab. Die wirtschaftlichen Einbußen der zweiten Welle sind zwar vorhanden. Dies bestätigten in den letzten Tagen die jüngsten Stimmungsumfragen bei den Unternehmen. Aber sie fallen bei weitem nicht so drastisch aus wie im Frühjahr. Mittlerweile haben fast alle Aktiengesellschaften über die Gewinnentwicklung im dritten Quartal berichtet. Mehr Unternehmen als sonst haben dabei positiv überrascht. Dies ist auch ein Zeichen dafür, dass die Wirtschaft ein großes Maß an Anpassungsfähigkeit an den Tag legt. Selbst in den Branchen, die von Corona besonders hart betroffen sind, wie etwa der Verkehrssektor, regen sich Hoffnungen auf wieder bessere Geschäfte im kommenden Jahr.

Arbeitsmarkt läuft

Im Mittelpunkt der Wirtschaftsdaten steht in der kommenden Woche der Bericht vom US-amerikanischen Arbeitsmarkt. Für den November ist ein weiterer deutlich überdurchschnittlicher Beschäftigsaufbau zu erwarten. Zwar kann dadurch die durch die Corona-Krise entstandene Beschäftigungslücke noch längst nicht geschlossen werden. Trotzdem hat sich die Arbeitslosenquote in den USA in den vergangenen Monaten erstaunlich gut entwickelt. Sie sank von knapp 15 Prozent auf zuletzt knapp 7 Prozent und verdeutlich damit die ungewöhnlich rasante Dynamik des Corona-Konjunkturmusters. Ein Hingucker könnte auch das Treffen der OPEC werden. Der zuletzt wieder leicht angestiegene Ölpreis wird jedoch eher noch nicht dazu führen, dass die Fördermengen wieder erhöht werden.

20.11.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Die Luft ist erstmal raus

Die Corona-Infektionszahlen steigen in den USA weiter an, und auch dort greifen die Behörden zu neuen Beschränkungen, um eine Überforderung der Krankenhäuser zu verhindern. Das hat in dieser Woche nach den jüngsten Erfolgsmeldungen aus den Impfstofflaboren wieder zu einer leicht verstärkten Risikowahrnehmung an den Finanzmärkten geführt. Die Aktienmärkte konsolidierten, die Kurse von deutschen Bundesanleihen und US-Staatsanleihen legten leicht zu. Insgesamt hielten die Aktienkurse jedoch ihr hohes Niveau. Die überwiegenden Erwartungen lauten weiterhin, dass sich im Verlauf des kommenden Jahres allmählich eine Erleichterung an der Corona-Front einstellt. Gleichzeitig haben auch in dieser Woche die Notenbanken signalisiert, die monetären Bedingungen unverändert expansiv bestehen zu lassen.

Stimmungstest

Ganz gespannt warten die Finanzmarktteilnehmer auf die Konjunkturdaten der kommenden Woche. In Deutschland werden Befragungen der Unternehmen, etwa der Einkaufsmanagerindex oder der ifo-Geschäftsklimaindex, erste Aufschlüsse über die Folgen der neuerlichen Corona-Beschränkungen geben. Zwar werden die Einbußen nicht so hoch sein wie im Frühjahr, die Befragungsergebnisse dürften jedoch hinreichend schlecht ausfallen, um auf einen neuerlichen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts in diesem Quartal schließen zu lassen. An den Märkten wird dies jedoch bereits erwartet, so dass die Kursreaktionen begrenzt ausfallen dürften. Mindestens genauso wichtig für das Marktgeschehen ist jedoch das Infektionsentwicklung in den USA.

13.11.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Licht am Ende des Corona-Tunnels

Wie schnell sich in diesem Jahr die Megathemen an den Finanzmärkten die Klinke in die Hand geben, war in dieser Woche einmal mehr zu bestaunen.

In den USA wurden noch Stimmzettel gezählt, da platzte die Nachricht von BionTech/Pfizer in die sowieso schon gut gelaunten Aktienmärkte. Das Pharma-Duo will nach einer erfolgreichen Corona-Impfstoff-Studie eine baldige Zulassung beantragen.

Dies bringt keine grundsätzlich neuen Perspektiven in die Corona-Krise und macht auch die jetzigen Belastungen der zweiten Welle nicht leichter. Es reduziert aber die Risiken für das kommende Jahr erheblich. Zusammen mit der Erkenntnis, dass die konjunkturellen Beeinträchtigungen der neuerlichen Maßnahmen geringer als befürchtet ausfallen, stiegen die Aktienkurse weltweit an. Dabei wurden neben den Technologiewerten nun auch wieder verstärkt zyklische Unternehmenswerte gesucht.

Deal or No Deal?

In der kommenden Woche liefern die beiden größten Volkswirtschaften Daten über den Zustand ihrer Wirtschaften. In China lag die Industrieproduktion bereits in den ersten neun Monaten des Jahres wieder leicht über dem Niveau des Vorjahres. Diese starke Dynamik der Vormonate wird sich wohl im Oktober fortgesetzt haben. In den USA hinkt die Industrieproduktion dagegen ihrem Vorjahresstand noch hinterher. An diesem grundsätzlichen Bild dürfte sich auch mit den Oktoberzahlen nichts Wesentliches ändern. In Europa steht der letzte und endgültige Showdown für die Brexit-Verhandlungen bevor. Wird bis Ende kommender Woche kein Durchbruch erzielt, war es das mit dem Deal.

 

06.11.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Aktienmärkte im US-Wahlchaos robust

Zu der wichtigsten Frage der Woche – wer künftiger US-Präsident sein wird –gesellte sich schnell eine weitere Frage, nämlich: Warum zeigen sich die Aktienmärkte trotz des Wahlchaos‘ so robust? Noch während der Auszählungsphase stieg der US-amerikanische Aktienindex Dow Jones um gut sieben, der US-Technologieindex NASDAQ sowie der deutsche Leitindex DAX um acht Prozent an. Womöglich zeigt aber gerade die gründliche und im wesentlichen friedliche Ausführung der Wahl, dass wichtige demokratische Institutionen abseits des umstrittenen Verhaltens des amtierenden US-Präsidenten eben doch funktionieren. Daneben bietet die Aussicht auf einen gespaltenen Kongress aus Sicht der Kapitalmärkte die Garantie dafür, dass es nicht zu wirtschaftspolitischen Radikalentscheidungen kommt. Und dazu kommt, dass die wirtschaftlichen Fundamentaldaten in den USA trotz ansteigender Coronazahlen ordentlich ausfallen.

Keine Ruhe nach dem Sturm

Selbst wenn eine Mehrheit im US-Präsidentschaftsrennen feststeht, haben die Märkte diese Wahl noch nicht abgehakt. Überraschungsmöglichkeiten reichen vom Abstimmungsverhalten der Wahlmänner und -frauen, über Gerichtsentscheidungen zu Einwänden oder Nachzählungen bis hin zu Nachwahlen im Bundesstaat Georgia im Januar. Die Finanzmärkte werden daher auch in den kommenden Wochen wachsam auf Nachrichten aus dem Hexenkessel der Präsidentschaftswahl achten, bevor sie wieder zur Tagesordnung der Wirtschaftsdaten übergehen.

30.10.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Gleiches Muster, anderes Ausmaß

Eine rote Woche liegt hinter den Aktienmärkten. Die neuerlichen Corona-Beschränkungen sowie die Unsicherheiten rund um den Ausgang der US-Präsidentschaftswahl ließen viele Marktteilnehmer die Verkaufstaste drücken. Deutliche Kursverluste waren die Folge. Vom Ausmaß her erheblich geringer als im Frühjahr erinnert das zeitliche Muster jedoch an den Kursrückgang im März: Auch hier waren die Unsicherheiten zu Beginn des Lockdowns am größten, bevor dann eine deutliche Erholung einsetzte. In abgeschwächter Form könnte es diesmal ähnlich sein. Der Konjunkturrückgang wird durch die jüngsten Maßnahmen in Europa nicht so heftig ausfallen wie vor einem halben Jahr. Dafür wird aber wohl auch die Erholung aus dieser zweiten Delle etwas mühsamer ausfallen. Mit Ausnahme der Aktienmärkte hielt sich das Finanzmarktgeschehen relativ stabil. Lediglich der Euro gab nach, weil die Wachstumsaussichten für die USA auf einmal deutlich besser aussehen als in Europa.

Hauptsache kein Wahlchaos

Sinkende Arbeitslosenzahlen, gute Produktionsdaten, stark steigendes Bruttoinlandsprodukt. Noch fallen die Wirtschaftsdaten alle sehr positiv aus. Das liegt daran, dass sie die Folgen der zweiten Corona-Welle noch nicht greifen. Das wird auch in der kommenden Woche keine Rolle spielen, denn das Mega-Ereignis ist die US-Präsidentschaftswahl. Je weniger Auszählungschaos, desto besser für die Aktienmärkte – unabhängig davon, wer am Ende Präsident wird.

23.10.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Aktienmärkte mit Nehmerqualität

Die Kapitalmärkte blieben auch in dieser Woche angesichts der immer neuen Maßnahmen zur Eindämmung der steigenden Infektionszahlen sehr verhalten. Allerdings beweisen die Aktienmärkte erhebliche Nehmerqualitäten. Trotz der neuerlichen Rückschläge bei der Erholung der Wirtschaft setzen sie auf eine Besserung im kommenden Jahr. Die erfreulicher als erwarteten Bilanzzahlen für das dritte Quartal zeigen, dass die Unternehmen zu Beginn der zweiten Jahreshälfte zumindest wieder einmal durchatmen konnten. Die gegenwärtigen neuen Beschränkungen treffen insbesondere die bereits bislang am meisten geschädigten Dienstleistungsbranchen, wo es bei immer mehr Unternehmen um die Existenz geht. Damit bleiben Aktien mittelfristig aussichtsreiche Anlagen, selbst oder gerade wenn die bis zum Jahresende auch noch einmal nachlassen könnten.

USA und China besser als Europa

Sowohl aus den USA als auch aus Deutschland sollten in der kommenden Woche sehr starke Wachstumszahlen gemeldet werden. Leider betreffen sie das dritte Quartal und greifen damit die zweite Corona-Welle, insbesondere in Europa, noch nicht ab. In den USA jedoch läuft, genauso wie in China, die Erholung auch im vierten Quartal weiter. Dies ist etwa für die Nachfrage nach deutschen Exportgütern vorteilhaft. Trotzdem wird die Europäische Zentralbank bei der turnusgemäßen Ratssitzung einen vorsichtig-besorgten Ton zu den Auswirkungen der neuerlichen Beschränkungen anschlagen. Mit neuen Maßnahmen rechnet der Markt indes erst im Dezember.

16.10.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Vorsicht an den Finanzmärkten

An den Aktienmärkten war es eine Woche der Zurückhaltung. Die Dynamik der zweiten Corona-Welle überrascht auch die Börsianer. Zwar scheint das Infektionsgeschehen in Europa am stärksten zu sein, aber auch in den USA steigen die Zahlen weiter. Damit wird es wieder wirtschaftliche Rückschläge im letzten Quartal des Jahres geben. Ein Einbruch wie im Frühjahr ist zwar nicht zu befürchten, denn die Wirtschaft ist flexibler geworden. Aber erneute Rückgänge in der gesamtwirtschaftlichen Aktivität sind möglich. Für die Kapitalmärkte ändert sich dadurch die grundlegende Perspektive nicht, nach der die Gesundheitskrise sich im kommenden Jahr langsam entspannt. Aber die Risiken nehmen zu, und in einer solchen Lage werden die Marktteilnehmer vorsichtiger. Die US-Wahl hat dagegen noch keine Marktauswirkungen, denn durch den Vorsprung von Joe Biden in den Umfragen erscheint ein unentschiedener Wahlausgang gegenwärtig weniger wahrscheinlich als noch vor einigen Wochen.

Lichtblick China

Ein Lichtblick für den deutschen Export ist China, das auch in der kommenden Woche gute Zahlen vorlegen sollte. Die Industrieproduktion hält ihr solides Wachstumstempo, während der private Verbrauch langsam an Dynamik gewinnt. Das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal dürfte um 3,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen sein. China dürfte eines der wenigen Länder der Weltwirtschaft sein, welches das Jahr mit einem Wachstum abschließen kann. Das zweite und letzte TV-Duell zur US-Wahl vor dem Wahltermin am 3. November findet in der kommenden Woche statt. Nach der hitzigen ersten TV-Debatte konnte Biden seinen Vorsprung in den Umfragen weiter ausbauen. Das zweite TV-Duell dürfte kaum etwas daran ändern, der Wahlausgang ist allerdings noch längst nicht sicher.

09.10.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Finanzmärkte weiter standhaft

Corona hat wieder die Herrschaft über die Schlagzeilen übernommen: Die zweite Infektionswelle führt zwar nicht zu einem vergleichbaren Einbruch der Wirtschaft wie im Frühjahr. Aber die Erholung wird doch empfindlich beeinträchtigt. Nach den stürmischen Zuwachsraten in vielen Bereichen nach dem Wiederanlaufen der Wirtschaft sind jetzt die ersten Rückgänge zu verzeichnen. Das spüren etwa die Automobilproduktion und auch die Industrie generell. Solange es bei diesen erwarteten Belastungen bleibt, werden die Aktienmärkte ihre Seitwärtsbewegung wie in dieser Woche fortsetzen. Erst zusätzliche Unsicherheiten wie zum Beispiel stärkere Insolvenzzahlen als prognostiziert, können Abwärtsdruck auf die Finanzmärkte ausüben.

Schwache Verbraucherpreise

Die Wirtschaftszahlen der kommenden Wochen werden sich eintrüben. Das beginnt in der kommenden Woche mit den US-Daten zur Industrieproduktion und zum Einzelhandel. Allerdings übertreffen die Umsätze bereits das Vorkrisenniveau. Dabei verfügen die Haushalte über genügend finanzielle Mittel, um die Konsumaktivität auszuweiten, sobald die Gesundheitskrise wieder zurückgedrängt sein wird. Ein Hingucker sind auch die Inflationszahlen. In Deutschland sind die Preise im September voraussichtlich im Durchschnitt über alle Waren und alle Haushalte gesunken. Dies ist eine unmittelbare Reaktion auf die Corona-Wirtschaftsschwäche.

02.10.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: US-Kapriolen bestimmen das Marktgeschehen

Der Paukenschlag kam zum Wochenschluss: Die Corona-Erkrankung des US-Präsidenten verunsicherte die Märkte zwischenzeitlich dann doch. Nach dem denkwürdigen, aber unentschiedenen TV-Duell erhöht diese Nachricht die Wahrscheinlichkeit eines Chaos-Wahlszenarios, in dem am Ende gar nichts feststeht. Hinter diesen spektakulären Entwicklungen ging das Tauziehen an den Märkten weiter. Auf der einen Seite beeinträchtigen weiter steigende Covid-19-Infektionsfälle den wirtschaftlichen Ausblick. Unternehmen, Konsumenten und die Wirtschaftspolitik versuchen mit den Auswirkungen der andauernden Pandemie so gut es geht umzugehen. Aus der europäischen Zentralbank verlautete, dass ihre strategischen Überlegungen in eine ähnliche Richtung wie die der US-Notenbank gingen. Das würde eine noch länger anhaltende Phase von ultraniedrigen Zinsen bedeuten. Trotz dieser Unterstützung werden wohl in den kommenden Wochen weitere Marktschwankungen auftreten, ohne jedoch wirklich neue Trends auszubilden.

Konjunktur in der zweiten Welle

Bislang haben die steigenden Fallzahlen die Wirtschaft weniger beeinträchtigt als bei der ersten Welle. Nachdem die Stimmungsumfragen aus dem September weiterhin positive Überraschungen brachten, richten sich nun die Blicke mit dem sentix-Finanzmarktindikator auf die ersten Indikatoren für Oktober. Auch die US-Notenbank hat bei ihrer letzten Sitzung des Offenmarktausschusses eigentlich kaum Fragen offengelassen: Die Leitzinswende liegt in weiter Ferne, erst recht nachdem die neue Strategie verkündet wurde, nach der auch eine Überschreitung des Inflationsziels von zwei Prozent temporär zulässig ist.

25.09.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Zweite Welle belastet

In der zurückliegenden Woche kam es an den Aktienmärkten zu Verkäufen. Der Grund: Die stellenweise drastisch angestiegenen Covid-19-Neuinfektionen in vielen Staaten rund um den Globus. Die zweite Welle der Pandemie ist damit auch an den Finanzmärkten spürbar. Der deutsche Leitindex, Dax, gab fünf Prozent nach, weltweit lagen die Kursrückgänge im Schnitt bei rund drei Prozent. Zwar ist eine zweite Welle in den Szenarien der Analysten enthalten, allerdings kommt sie früher als erwartet. Die Befürchtungen, dass im Herbst die wirtschaftlichen Einschränkungen wieder zunehmen werden, lassen die Marktteilnehmer vorsichtig werden. Dazu kommen die politischen Risiken der US-Präsidentschaftswahl. Den „Worst Case“ stellt ein unklarer Wahlausgang, verbunden mit einer Staatskrise in den USA dar. Trotz dieser Belastungen schreitet die Wirtschaftserholung weiter voran. Zwar stieg in Deutschland der Ifo-Geschäftsklimaindex weiter an, er legt aber eine Spaltung der Wirtschaft offen: die Industrie funktioniert wieder relativ gut, die Dienstleistungsbranchen bleiben pessimistisch.

Säbelrasseln in den USA: Duell im Fernsehen

Das politische Highlight der anstehenden Woche ist das erste Fernsehduell zwischen Donald Trump und seinem Herausforderer Joe Biden. Für die Kapitalmärkte stellen alle Ergebnisse, die den bisherigen Vorsprung von Biden in den Wahlumfragen schrumpfen lässt, eine Belastung dar. Denn damit würde das Risiko eines Patts ansteigen. Wesentlich für den Wahlausgang dürften auch die Arbeitsmarktzahlen am kommenden Freitag sein. Noch gibt es in den USA Corona-bedingt etwa acht Millionen Jobs weniger als vor dem Ausbruch der Pandemie. Zwar wird wohl auch für den September ein weiterer kräftiger Arbeitsplatzaufbau gemeldet werden, aber die Dynamik dürfte sich angesichts der zweiten Infektionswelle abgeschwächt haben.

18.09.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Richtungslos

Die Ereignisse und Daten aus der zurückliegenden Woche gaben den Kapitalmärkten kaum Impulse – eine richtungslose Woche an den Aktienmärkten. Die Europäische Union verkündete ein neues Klimaziel, aus den Brexit-Verhandlungen drangen etwas versöhnlichere Töne nach außen und die US-amerikanische Notenbank setzte ihre vorsichtige Beurteilung des Erholungszustandes in der amerikanischen Wirtschaft fort. Dazu passten die neuesten Informationen vom US-Arbeitsmarkt, die weiterhin nur eine moderate Entspannung bei der durch Corona stark angestiegenen Arbeitslosigkeit anzeigten. Die weiterhin steigenden Infektionszahlen der zweiten Welle in Europa beunruhigen die Marktteilnehmer. Eine deutliche Reaktion wird es wahrscheinlich jedoch nur im Falle von neuerlichen landesweiten Stilllegungen des Wirtschaftslebens geben. Das wird von den allermeisten Marktteilnehmern gleichwohl als sehr unwahrscheinlich angesehen.

Stimmungstest für die Erholung

In der kommenden Woche stehen die neuesten Stimmungsumfragen zum Zustand der europäischen Konjunktur im Zentrum des Geschehens. Insbesondere die Einschätzung der augenblicklichen Lage sollte die Einkaufsmanager–Umfrage und den Ifo-Geschäftsklima Index weiter stabilisieren. Dagegen könnten sich die Unternehmenserwartungen über die kommenden Monate etwas eingetrübt haben. Ein Grund dafür liegt in den ansteigenden Covid-19-Infektionen. Weiterhin werden Daten zur Industrieproduktion veröffentlicht. Diese werden bestätigen, dass der weltweite coronabedingte Wirtschaftseinbruch wieder wettgemacht ist, wenngleich mit starken regionalen Unterschieden: Asien liegt hier weit vor den USA, Europa im Mittelfeld.

11.09.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Korrektur hält an

Die Korrektur an den Aktienmärkten, die sich in der Vorwoche insbesondere bei US-amerikanischen Hightech-Werten andeutete, hielt an. Nachdem der Technologieindex Nasdaq von seinem letzten Höchststand knapp 10 Prozent nachgegeben hatte, setzen zwar zur Wochenmitte wieder Käufe ein. Eine nachhaltige Erholung war dies aber nicht. Die Kursbewegungen zeigen, dass es in den letzten Wochen mit dem Börsenaufschwung einfach zu schnell ging. Hier zeigt sich aber auch wieder, dass viele Anleger noch an der Seitenlinie stehen und ihre Aktienbestände aufstocken wollen. Das K.o.-Kriterium für die Aktienmärkte wäre jedoch wohl ein neuerlicher Stillstand der Wirtschaft etwa aufgrund von erneuten landesweiten Schulschließungen. Nach der US-Fed hat nun auch die EZB deutlich gemacht, dass sie noch sehr lange an ihrem ultralockeren geldpolitischen Kurs festhalten wird. Auch dies ist eine starke Stütze für die Märkte.

Starkes drittes Quartal

Die Konjunkturerholung verlangsamt sich zwar gerade. Das Wachstum der deutschen Wirtschaft sollte mit 6 Prozent im dritten Quartal dennoch kräftig ausfallen. Das dürfte auch die Konjunkturumfrage des ZEW-Instituts aus Mannheim für den September feststellen. Die Ergebnisse werden in der kommenden Woche veröffentlicht. Ebenfalls in den nächsten Tagen tagt die US-Notenbank. Wie bei der EZB erwarten die Beobachter keinen Wechsel der konjunkturfreundlichen Politik. Ob die laufende Verhandlungsrunde über den Brexit tatsächlich so aussichtslos verläuft, wie es zu Beginn ausgesehen hat, erweckt außerhalb des Vereinigten Königreichs schon kaum mehr Aufmerksamkeit.

04.09.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Tech-Werte: Dämpfer zum Wochenschluss

Nachdem die Technologiewerte noch bis zur Wochenmitte immer neue Höchststände erreicht hatten, ging der Rallye zum Ende der Woche die Puste aus. Mit immer größerer Skepsis war in den letzten Wochen insbesondere der Aufstieg der Internet-Unternehmen beobachtet worden. Für die übrigen Aktienunternehmen hatte dieser Rücksetzer jedoch nur milde Folgen. Sie waren beim bisherigen Börsenaufschwung kaum dabei gewesen. Insgesamt wird das Börsenumfeld etwas rauer. Während in den vergangenen Wochen die Auslastung in vielen Bereichen der Wirtschaft stark zunahm, wird die Luft nun dünner. Die weitere Erholung wird deutlich langsamer vorangehen.

Gemischte Signale

Die Daten zur deutschen Industrieproduktion für den Juli werden in der kommenden Woche weiteren Aufschluss über die wirtschaftliche Erholung nach der Corona-Krise liefern. Das wirtschaftspolitische Highlight der nächsten Woche ist die Sitzung des Rates der Europäischen Zentralbank. Nachdem die US-Notenbank in der vergangenen Woche ihre Strategie geändert hat, wird gespannt auf die Kommentare aus der europäischen Notenbank gewartet. Zwar ist bei dieser Sitzung noch nicht mit der Ankündigung einer neuen Strategie im Euroraum zu rechnen, aber Signale in Richtung einer Verlängerung der bisherigen Niedrigzins und Anleihepolitik sind wahrscheinlich.

28.08.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Geldpolitik bleibt länger expansiv

Eine wichtige Weichenstellung gab es in Washington: Die US-Notenbank hat ihre geldpolitische Strategie geändert. Hatte man bislang das einfache Ziel, eine Inflationsrate von zwei Prozent anzusteuern, so wird man dieses Ziel jetzt über den Durchschnitt eines längeren Zeitraums verfolgen. Anlass hierfür sind die zu niedrigen Inflationsraten der vergangenen Jahre, die nun durch etwas höhere Raten in der Zukunft ausgeglichen werden dürfen. Das bedeutet eine noch längere Ausdehnung der expansiven Politik mit ultraniedrigen Zinsen und hohen Geldmengen als ohnehin bereits erwartet. Aktienkurse werden durch diesen Schwenk weiter unterstützt. Der US-Dollar dürfte durch diese Strategieänderung eher weiter leicht geschwächt werden.

Inflation gering – Erholung läuft

Auch im Euroraum ist die Teuerungsrate sehr gering: nur noch 0,1 Prozent werden für die kommende Veröffentlichung der Inflationsrate im August erwartet. Die wichtigsten Indikatoren zur weltweiten Konjunkturerholung kommen in der nächsten Woche aus China und aus den USA. In China werden die Stimmungswerte der Industrie gemessen. Da es dort bislang nicht zu einer zweiten Infektionswelle gekommen ist, bleibt die Wirtschaft weiter auf Wachstumskurs. In den Vereinigten Staaten wird der monatliche Arbeitsmarktbericht zwar wieder einen Stellenaufbau in Millionenhöhe ausweisen, die gesamtwirtschaftliche Erholung verläuft allerdings nicht ganz so glatt wie beim asiatischen Konkurrenten.

 

21.08.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Konsolidierung geht weiter

Die Konsolidierung am Aktienmarkt schreitet voran. Nach dem spektakulären Einbruch infolge der weltweiten Corona-Shutdowns im März hatten die Aktienmärkte in den USA wie auch in Europa eine der schnellsten Erholungen ihrer Geschichte hingelegt. Die Aussicht auf eine wirtschaftliche Entspannung wie auch die hohe Liquiditätsbereitstellung durch die Notenbanken waren hier die treibenden Kräfte. Seit Mitte Juli herrscht nun – bis auf die weiter ansteigende amerikanische Technologiebörse Nasdaq – eine Konsolidierungsphase an den Weltbörsen, die sich auch in der vergangenen Woche fortsetzte. Unsicherheiten wie die US-Präsidentschaftswahlen oder die Entwicklung der Corona-Pandemie werden diese Konsolidierung auch in den kommenden Wochen anhalten lassen. Perspektivisch ist das Umfeld für Unternehmenswerte weiterhin gut: Die geld- und fiskalpolitischen Rahmenbedingungen bleiben erhalten und die US-Wahlen werden die Wirtschaftspolitik der USA am Ende auch nicht wirklich ändern.

Signale aus Konjunktur und Geldpolitik

Durch die Corona-Pandemie erlebte die deutsche Wirtschaft im ersten Halbjahr 2020 einen schweren Wirtschaftseinbruch. Die Corona-Rezession scheint gleichwohl ihr Ende erreicht zu haben. Im dritten Quartal ist davon auszugehen, dass Deutschland wieder auf den Wachstumspfad zurückfindet. Darauf dürfte auch das ifo Geschäftsklima im August hindeuten. Bislang sind es eher die Hoffnungen an die Zukunft, die das deutsche Wirtschaftsbarometer wieder aufgerichtet haben. Die gegenwärtige Lage halten die Unternehmenslenker immer noch für sehr unbefriedigend. Spannend wird es in der kommenden Woche auch rund um die US-Gelpolitik. Auf der jährlichen Fed-Konferenz in Jackson Hole erwarten die Marktteilnehmer Aufschlüsse über die Ausrichtung der mächtigsten Notenbank der Welt in den zwanziger Jahren.

14.08.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Die zweite Welle ist da

Mehr als 50 Länder weltweit verzeichnen gegenwärtig wieder mehr als 20 Prozent tägliche Neuinfektionen auf dem Hochpunkt der ersten Welle. Wir sind also schon mitten drin in der zweiten Corona-Welle. Der Aktienmarkt steckt diese Entwicklung gut weg, denn die Infektionszahlen bleiben auf deutlich niedrigerem Niveau als noch im März und April. Mit dieser Gelassenheit dürfte es erst dann vorbei sein, wenn die Kurven wieder exponentiell nach oben zeigen, weil damit das Szenario eines zweiten flächendeckenden Shutdowns heraufbeschworen würde. Die Wirtschaft lernt langsam, mit dem Virus zu leben. Die Erholung in Produktion und Einzelhandel geht weiter, und die Geschäftsergebnisse der Unternehmen aus dem zweiten Quartal fielen zwar historisch schlecht aus, allerdings waren die Erwartungen im Vorfeld noch pessimistischer. Vor diesem Hintergrund kämpfte der deutsche Aktienmarkt in dieser Woche mit der Marke von 13.000 Punkten, ohne diese allerdings nachhaltig überwinden zu können.

Wieder Wachstum in Sicht

Die Europäische Währungsunion durchläuft die schwerste Wirtschaftskrise seit ihrem Bestehen. Im zweiten Quartal ist die Wirtschaftsleistung um mehr als 10 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zurückgegangen. Die Corona-Rezession dürfte aber dennoch nicht in das zweite Halbjahr hineinreichen. Bereits im dritten Quartal ist in Euroland wieder mit der Rückkehr auf den Wachstumspfad zu rechnen. Darauf dürften auch die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes für den August hinweisen, die in der kommenden Woche veröffentlicht werden. Ein weiterer Hingucker für die Kapitalmärkte ist Mitte der Woche das Protokoll der Fed-Sitzung. Die US-Notenbank ist auf der Suche nach einer neuen geldpolitischen Strategie, und die Märkte erhoffen sich Einblicke in den Diskussionsstand bei den Währungshütern.

07.08.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Gold glänzt in der Brandung

In der zurückliegenden Woche überraschten die Konjunkturindikatoren mit positiven Nachrichten, wie etwa die Auftragseingangs- und Produktionsdaten der deutschen Industrie. Doch es wäre an dieser Stelle zu einfach, lediglich von erfreulichen Nachrichten zu sprechen, die Nachrichtenlage ist zunehmend unterschiedlich. So wurden in der Eurozone Einbrüche des Bruttoinlandsprodukts im zweiten Quartal im mittleren einstelligen Bereich bei den baltischen Volkswirtschaften und mehr als minus 18 Prozent in Spanien gemeldet. Zudem nehmen die politischen Spannungen zwischen den USA und China erneut zu und die Corona-Infektionen rücken sowohl in Nah als auch in Fern wieder stärker ins Bewusstsein auch der Investoren. Gold glänzt in der von Unsicherheit geprägten Situation als Fels in der Brandung. Der Preis je Feinunze stieg über die 2.000-US-Dollar-Marke und markierte damit einen neuen Höchststand.

Wirtschaft tut sich schwer mit der Pandemie

Die in der kommenden Woche anstehenden Konjunkturdaten versprechen Spannung. Die Umfragen bei Finanzanalysten von Sentix und dem ZEW können zu Wochenbeginn die Sorgen um die zweiten Wellen der Corona-Pandemie reflektieren. Am Mittwoch steht das britische Bruttoinlandsprodukt des zweiten Quartals zur Veröffentlichung an. Experten prognostizieren nichts Gutes. So liegen die Schätzungen bei einem gravierenden Minus von rund 20 Prozent, was auch mit dem Brexit zu tun hat. Zum Wochenschluss kommen immerhin versöhnliche Signale aus den USA seitens der Einzelhandelsumsätze und der Industrieproduktion.

31.07.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Mühsame Vergangenheitsbewältigung

Auch wenn an den Börsen die Zukunft gehandelt wird, kann manchmal der Blick in den Rückspiegel schmerzlich sein. Als am Donnerstag der historische Rückgang des Bruttoinlandsprodukts im zweiten Quartal mit einem Minus von 10,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal bekannt gegeben wurde, gaben die europäischen Aktienmärkte spürbar nach. Obwohl dieser Rückgang Corona-bedingt erwartet wurde, tut diese Vergangenheitsbewältigung trotzdem weh. Bei der laufenden Quartalsberichtssaison der Unternehmen werden die Erwartungen zwar tendenziell positiv übertroffen, Kursphantasie erwächst daraus kurzfristig aber kaum. Auch die weltweit anhaltend hohen Corona-Infektionszahlen tragen nicht zur Zuversicht bei.

Im Fokus: Nachrichten aus den USA

Von Ruhe oder Sommerloch kann auch in der nächsten Woche nicht die Rede sein. Neben den Unternehmensberichten stehen viele Konjunkturindikatoren auf der Agenda. Der Fokus dürfte sich am Montag auf die USA richten, wenn der ISM-Index von einer Besserung im dortigen Verarbeitenden Gewerbe künden dürfte und am Freitag ein weiterer nennenswerter Beschäftigungs-aufbau die dringend notwendige Erholung am US-Arbeitsmarkt im Juli bekannt gegeben wird. Markteinflüsse können auch von der Innenpolitik der USA ausgehen, wie die schwierigen Gespräche um die konkrete Ausgestaltung des neuen Konjunkturpakets zeigen.

24.07.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Frohes neues Börsenjahr?

Die Kapitalmärkte standen in den vergangenen Tagen ganz unter dem Eindruck der neuesten politischen Vereinbarungen in der Europäischen Union (EU). Mit dem Wiederaufbaufonds wird zum ersten Mal eine finanziell bedeutende Aufgabe – die Erholung der europäischen Wirtschaft nach der Corona-Krise – gemeinschaftlich angegangen. Das bietet Chancen, wenn denn eine gestärkte Wirtschaft auch den europäischen Zusammenhalt fördert. Dem stehen jedoch Risiken gegenüber, sollten eine schlechte Verwaltung der Mittel und fehlende Reformbereitschaft das gigantische Projekt verpuffen lassen. An den Finanzmärkten wird die Einigung der europäischen Staats- und Regierungschefs als ein mächtiges Signal für die Weiterentwicklung der EU begriffen. Deutlich wurde dies unter anderem durch die Aufwertung des Euros, aber auch anhand der gestiegenen Preise von Anleihen der Peripheriestaaten. Zudem profitierten die Aktienmärkte. Der Dax hielt sich größtenteils über der Marke von 13.000 Punkten. Erst zum Wochenende schwächelte das deutsche Börsenbarometer vor dem Hintergrund weiter ansteigender Infektionszahlen in den USA.

Erholung geht weiter

Zwar fallen die Unternehmensberichte über das abgelaufene zweite Quartal zufriedenstellend aus und auch die Wirtschaftsindikatoren zeigen weiterhin nach oben. Trotzdem gibt es Risse in diesem Erholungsbild. So wurden in vielen Branchen erst 20 bis 30 Prozent der coronabedingten Einbrüche wieder aufgeholt. Viele Unternehmen müssen deutliche Kostensenkungen angehen. In der kommenden Woche werden die Zahlen zum deutschen Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal noch einmal die Tiefe des Corona-Einbruchs verdeutlichen. Das ifo-Geschäftsklima sollte jedoch weiterhin positiv ausfallen, da die Erholung weitergeht. Die Inflation ist weiterhin auf dem Rückzug: Dank der Mehrwertsteuersenkung geht die Teuerung auf nur noch etwa ein halbes Prozent zurück.

17.07.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Hoffnungen auf Impfstoff

Die Fortschritte bei der Entwicklung eines Impfstoffes gegen das CoV-SARS-2-Virus waren das beherrschende Thema an der Börse in der vergangenen Woche. Die guten Nachrichten bestärkten die Börsianer in ihren Erwartungen auf einen langfristigen Wirtschaftsaufschwung ab dem kommenden Jahr. Hinter diesem Vertrauen in die Zukunft verblassten zahlreiche negative Meldungen. So deuteten die Quartalsberichte großer US-Banken auf einen hohen Abschreibungsbedarf aus Kreditausfällen durch die Corona-Krise hin. Das Verhältnis zwischen den USA und China verschlechterte sich auch durch die politische Behandlung Hong Kongs. Und auch die aktuellen Daten zur wirtschaftlichen Erholung gaben keinen Anlass zu Euphorie. Es ist gut möglich, dass diese Themen in den kommenden Monaten die gute Kapitalmarktentwicklung wieder etwas eintrüben.

Stimmungstests

Gemessen an der Entwicklung des deutschen Einzelhandelsumsatzes ist die Konsumwelt wieder in Ordnung: Der Corona-Kollaps wurde im Mai nicht nur ausgeglichen, sondern es wurde noch einiges obendrauf gelegt. Möglicherweise handelte es sich hierbei um einen Nachholeffekt. Einschränkungen wie die Maskenpflicht oder die Abstandsregeln, aber auch eine steigende Arbeitslosenquote und schwächere Lohanstiege, sollten sich mittelfristig wieder dämpfend auf die Konsumlaune auswirken. Aufschluss darüber wird das GfK-Konsumklima in der kommenden Woche geben. Es ist für den Juli der dritte Anstieg in Folge und damit die Bestätigung des Aufwärtstrends zu erwarten. Die Stimmung der Unternehmen dagegen ist unklar. Die Erwartungen dürften sich weiter nach oben bewegen, aber es darf nicht übersehen werden, dass die erreichten Werte immer noch eine sehr schwache konjunkturelle Dynamik anzeigen.

10.07.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Stockende Erholung

Kriegt Corona die Börsen noch mal klein? Nach einem starken Wochenbeginn an den Aktienmärkten machten sich zum Ende der Woche doch Besorgnisse bemerkbar. Grund dafür sind die weiter steigenden Ansteckungszahlen in den USA. Das Land hatte gehofft, mit einem Lockdown in der light-Variante davonzukommen. Inzwischen sind aber in vielen Bundestaaten wieder neue Beschränkungen notwendig. Diese werden in den kommenden Monaten auch die wirtschaftliche Erholung beeinträchtigen. In Deutschland ist demgegenüber zwar das Infektionsgeschehen im Griff und der Anstieg bei Auftragseingängen, Exporten oder Einzelhandelsumsätzen liegt im zweistelligen Prozentbereich. Trotzdem sind auch hierzulande erst etwa 30 Prozent der durch die Corona-Krise gerissenen Lücken wieder aufgefüllt.

Spannende Berichtssaison

In der kommenden Woche beginnt die mit Spannung erwartete zweite Quartalsberichtssaison der Unternehmen. Sie beinhaltet den bisherigen Hochpunkt der Corona-Krise. Deshalb wird sie als Gradmesser gesehen, ob das Vertrauen in die Zukunft berechtigt ist, das in der starken Erholung am Aktienmarkt zum Ausdruck kommt. Die Aktienmarktteilnehmer erwarten zwar einen Rückgang der Unternehmensgewinne um etwa 40 Prozent. Wesentlich wird jetzt sein, ob diese Einschätzung realistisch ist und ob die Ausblicke der Unternehmen die These von der raschen Erholung im kommenden Jahr bestätigen. Ergänzt wird die Lageeinschätzung Ende kommender Woche durch die Zahlen zum chinesischen Bruttoinlandsprodukt für das zweite Quartal. Ein Anstieg von fast 10 Prozent dürfte anzeigen, dass die chinesische Wirtschaft die akute Corona-Krise überwunden hat.

03.07.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Eine kurze Krise

Es lief wieder rund am Aktienmarkt in der zurückliegenden Woche. Trotz aller Ängste vor weiterem Arbeitsplatzabbau oder Befürchtungen möglicher Firmeninsolvenzen aufgrund der Coronakrise, legten die Aktienkurse erneut zu. Beflügelt wurden die Kurse von guten Wirtschaftsdaten aus Europa und den USA. Die Stimmungswerte steigen überall weiter deutlich an und auch der Arbeitsmarkt in den USA verbesserte sich mit vier Millionen Wiedereinstellungen – mehr als erwartet. All diese Daten unterstützen die These von der heftigen, aber kurzen Wirtschaftskrise. Das ist zwar grundsätzlich plausibel, wird gleichwohl in den kommenden Wochen – insbesondere vor dem Hintergrund der deutlich steigenden Ansteckungszahlen in den Vereinigten Staaten – wieder auf den Prüfstand gestellt. Der schwierigste Teil wird die spätere Phase der Erholung, in der zunächst das Vorkrisen-Niveau erreicht werden soll und dann ein neuer Aufschwungszyklus erwartet wird.

Selbsterfüllende Aufwärtsspiralen

Die Stimmungsaufhellung in der Wirtschaft wird sich auch in der kommenden Woche fortsetzen. Insbesondere durch die Umfragen-Ergebnisse der Finanzmarktanalysten entwickeln sich selbstverstärkende Aufwärtsspiralen. Die Stützungsprogramme der Notenbanken haben zu einer blitzartigen Erholung bei Aktien- und Anleihekursen geführt. Das verleitet die Marktteilnehmer zu einem positiveren Blick in die Zukunft, was wiederum die Aufwärtsbewegung verstärkt. Diese Signale strahlen auch in die Realwirtschaft ab und tragen hier ebenfalls zur Stabilisierung der Erwartungen bei. Dies ist ein Wirkungsweg der Geldpolitik in Krisenzeiten. Bis diese in der Industrieproduktion ankommt, wird es aber wohl noch einen oder zwei Monate dauern. Die Verbesserung bei der Industrieproduktion wird in Deutschland im Mai wohl noch bescheiden ausfallen.

26.06.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Schlag gegen Aktienkultur in Deutschland

Seit Monaten dominierte in der zurückliegenden Woche erstmalig nicht das Covid-19-Geschehen die Schlagzeilen, vielmehr bestimmte die Insolvenz des Dax-Unternehmens wirecard das Geschehen an den Aktienmärkten. Allerdings ist dieses Ereignis alles andere als erfreulich für den Finanzplatz Deutschland. Es zeigt vor allem, dass zu einer Aktienkultur nicht nur besonnenes Verhalten von Anlegern gehört, sondern ebenso Wachsamkeit seitens der Aufsichtsbehörden und der Kapitalmarktöffentlichkeit. Angesichts dieses Skandals, der bereits jetzt in die Geschichtsbücher eingegangen ist sowie angesichts der gemischten Signale aus der Wirtschaft, verlief der Ausbruchversuch des deutschen Leitindex, der kurzzeitig bis auf 12.600 Punkte stieg, im Sande. Zwar verzeichneten die Stimmungsumfragen unter den deutschen Unternehmen Rekordanstiege, aber die absoluten Werte liegen immer noch deutlich im Rezessionsbereich.

Wichtige Zahlen im Anmarsch

Mit Spannung richtet sich der Blick in der kommenden Woche auf wichtige Wirtschaftszahlen. In China werden die Daten zur Industrieproduktion darüber Auskunft geben, wie die Erholung in der Volkswirtschaft weitergeht. Aussagekräftig ist die nicht zuletzt deswegen, weil China die Covid-19-Infektionen am schnellsten eindämmen konnte. Zwischenzeitlich sind aber auch wieder erste lokale Ausbrüche nach den landesweiten Showdowns aufgetreten. Ebenfalls als entscheidendes Signal für die Kapitalmärkte gelten die Arbeitsmarktzahlen aus den USA. Nach den jüngsten positiven Überraschungen – die Arbeitslosenzahl stieg im Mai nicht so stark an wie befürchtet – könnte ein weiterer kräftiger Arbeitsmarktbericht das Vertrauen in die wirtschaftliche Erholung aufrechterhalten. Die Aktienmärkte könnten es brauchen.

19.06.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Aufwärts trotz Hindernissen

Der Dax erholte sich von seinem Schwächeanfall der Vorwoche und das, obwohl es eine Reihe schlechter Nachrichten gab. So flackert das Covid-19-Infektionsgeschehen immer wieder auf, ob in Deutschland oder – noch besorgniserregender – in den Vereinigten Staaten, wo viele Bundesländer auch bei noch hohen Ansteckungsraten Lockerungsmaßnahmen eingeführt hatten. Erschwerend kommt hinzu, dass die handelspolitische Rhetorik aus den USA angesichts des nahenden Präsidentschaftswahlkampfes wieder schriller wird. Und dann kam es mit dem Wirecard-Finanzskandal und dem darauffolgenden Kursrutsch der Aktie zu einer weiteren Belastung, die den deutschen Leitindex allein hundert Punkte kostete. Gesamtwirtschaftlich zeigt sich, dass sich die deutsche Konjunktur nach nun mehr als einem Monat seit dem Ende des Showdowns wieder erholt. Der Auslastungsgrad dürfte jedoch immer noch in dem Bereich liegen, der in normalen Zeiten als schwere Rezession gegolten hätte. Die Aktienmärkte leben von der Hoffnung, dass die Erholung weiter zügig voranschreitet.

Stimmungssignale – Rückkehr zur ‚normalen‘ Konjunktur?

In der kommenden Woche gibt es den allmonatlichen Stimmungstest bei den deutschen Unternehmen. Die Einkaufsmanagerindizes für den Juni werden dann wohl Licht am Ende des Tunnels andeuten, ebenfalls wie das ifo- Geschäftsklima. Dabei steht insbesondere die Beurteilung der aktuellen Lage im Mittelpunkt des Interesses. Nachdem bereits im Mai die Erwartungen der Wirtschaftsteilnehmer auf eine Verbesserung der Lage deutlich angezogen hatten, waren die Einschätzungen der aktuellen Geschäftstätigkeiten noch sehr verhalten ausgefallen. Letztere müsste sich nun langsam in der kommenden Woche ändern, um die Hoffnungen auf eine Rückkehr zu einer normalen Konjunktur aufrecht zu erhalten.

12.06.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Rekorde mitten in der Krise

An den Aktienmärkten wurde in dieser Woche wieder Rekordgeschichte geschrieben. Die US-amerikanische Technologiebörse NASDAQ erreichte einen neuen Rekordwert und überwand zum ersten Mal die Marke von 10.000 Punkten. Die Korrektur folgte jedoch auf dem Fuße, zum Donnerstag korrigierten die Aktienmärkte vor dem Hintergrund vorsichtiger Einschätzungen durch die US-Notenbank Fed wieder. Hinter der starken Erholung der zurückliegenden Wochen steckt zum einen der feste Glaube an eine Überwindung der wirtschaftlichen Bremseffekte durch die Covid-19-Krise. Zum anderen sind es aber auch die schwindelerregenden Stützungspakete von Notenbanken und Regierungen. Sie spülen neue Liquidität an die Anlagemärkte. Zuletzt kündigte nach der Europäischen Zentralbank (EZB) nun auch die US-Fed eine weitere Aufstockung der Anleihekäufe und damit eine weitere Bereitstellung von Basisgeld für die Wirtschaft an. Der Ernüchterung in dieser Woche werden weitere folgen. Auf die kommenden Jahre bleiben Aktien jedoch vielversprechende Anlagen, insbesondere im Vergleich zu anderen Anlagemöglichkeiten.

Wirtschaft schaltet Turbo ein

Die kommenden Wochen werden wieder von deutlich besseren Wirtschaftsdaten geprägt sein. Nachdem Produktions-, Auftrags- und Exportzahlen für März und April nun langsam gemeldet wurden, neigt sich die ökonomische Horrorshow langsam dem Ende zu. Aus zweistelligen Einbrüchen im Monatsvergleich werden zweistellige Zuwachsraten. Das ist der Charakter dieser Rezession, die gemessen an ihrer Tiefe die kürzeste der Wirtschaftsgeschichte sein wird. Darüber wird wahrscheinlich erst in zwei oder drei Monaten deutlich werden, dass dem Aufholen auf den letzten Metern die Puste ausgeht. Die Krise hat in vielen Branchen längerfristige Fragestellungen mit sich gebracht, die Lösungswege bedürfen.

 

05.06.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Der Euro strahlt

In dieser Woche lief es mal richtig gut für das alte Europa. Während US-Präsident Trump mit erheblichen innenpolitischen Problemen zu kämpfen hat, erlebte der Euro ein Comeback gegenüber dem US-Dollar und wertete erkennbar um über 2 Cent – auf 1,13 US-Dollar je Euro – auf. Die Marktimpulse für Europa kamen aus der Politik. So zeichnet sich ein Kompromiss für den Wiederaufbaufonds der Europäischen Union ab. Die deutsche Bundesregierung verkündete ein Konjunkturprogramm im Volumen von 130 Mrd. Euro. Das Corona-bedingt aufgelegte Anleiheankaufprogramm (PEPP) wurde auf der Sitzung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag erwartungsgemäß ausgeweitet (+600 Mrd. Euro) und verlängert (mind. Juni 2021). Es fließt wieder mehr Kapital nach Europa, sodass die Aktienmärkte hier mit einem deutlichen Plus in der abgelaufenen Woche die US-Börsen klar hinter sich ließen.

US-Notenbank mit sich im Reinen

Gleich zum Wochenstart werden wir vom Statistischen Bundesamt erfahren, was unübersehbar ist. Die deutsche Industrie leidet erheblich unter der Corona-Krise. Die Industrieproduktion dürfte im April weiter um ein Fünftel gegenüber dem Vormonat abgesackt sein. Da hilft nur der Blick nach vorn. In der sentix-Umfrage wird sich die Stimmungsaufhellung etwas fortsetzen. Die konjunkturelle Erholung ist fest eingeplant. Die amerikanische Notenbank Fed wird sich am Mittwoch auf ihrer Sitzung wohl recht zufrieden zeigen, mit ihren bisherigen Maßnahmen die Funktionsweise der Kapitalmärkte gewährleistet zu haben.

 

29.05.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Aktienmärkte blicken in bessere Zukunft

Obwohl sich die Konjunktur noch immer im Rezessionsmodus befindet, schauen die Aktienmärkte schon in eine bessere Zukunft. Das Risiko einer dauerhaften Depressionsphase in den Volkswirtschaften durch die Corona-Pandemie wird mittlerweile fast ausgeschlossen. Dazu kommt, dass Notenbanken und Regierungen das Geschehen weiterhin mit neuen Programmen begleiten. Hierzu gehört etwa das Wiederaufbauprogramm der Europäischen Union, in dem auch eine Solidarität der Mitgliedsländer zum Ausdruck kommt. Aber auch die Anleiheprogramme der Europäischen Zentralbank tragen weiterhin dazu bei, dass es nicht zu selbstverstärkenden Abwärtsspiralen kommt. Allerdings verläuft die Erholung am Aktienmarkt in den verschiedenen Sektoren sehr heterogen, da auch die Krisenauswirkungen in den verschiedenen Branchen unterschiedlich sind.

Wirtschaftsdaten weiterhin durchwachsen

Die schwierige Wirtschaftslage wird Anfang Juni durch den US-Arbeitsmarktbericht verdeutlicht werden: zwar wird die Arbeitslosigkeit in den kommenden Monaten auch wieder deutlich abgebaut, aber der Weg ist weit angesichts der Ausgangssituation von einer Arbeitslosenquote von fast 15 Prozent. Wichtig bleibt die Lage in China: hier ist die Industrieproduktion bereits im März wieder kräftig angelaufen. Sollten die Aprildaten dies bestätigen, dürfte dies als weiteres Anzeichen dafür gewertet werden, dass auch in Europa und in den USA die Normalisierung des Wirtschaftsgeschehens zügig weitergeht.

 

22.05.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Skepsis steigt

Die Aktienwoche endet mit einem negativen Unterton. Obwohl die wirtschaftlichen Öffnungen für jedermann sichtbar sind, häufen sich die skeptischen Einschätzungen über das Erholungspotenzial der Wirtschaft. Verbraucher und Unternehmen sind über die weiteren wirtschaftlichen Perspektiven verunsichert. Staatliche Hilfsprogramme sollen zwar die Rezession kurzhalten, aber es wächst die Einsicht, dass es nach einer ersten kräftigen Erholung immer mühsamer wird, die vorherigen Produktionszahlen zu erreichen. Zu viele Unternehmen müssen Kosten senken und zu viele Lieferketten sind noch länger gestört, angesichts der sich weiter ausbreitenden Infektionswelle in den Schwellenländern. Das alles lässt auch am Aktienmarkt wieder Rückschläge erwarten.

Schleppende Erholung

Die mühsame Erholung der deutschen Wirtschaft wird in der kommenden Woche voraussichtlich durch einen nur mäßig ansteigenden ifo-Geschäftsklima-Indikator untermauert werden. Die Inflationsrate im Euroraum dürfte im Mai auf null gefallen sein. Die Preise von Benzin, Diesel und Heizöl sind im Monatsvergleich weiter gesunken und übertönen den Preisanstieg bei frischen Lebensmitteln. Wie sehr die Corona-Krise auch in die Statistik eingreift, zeigt sich daran, dass angesichts der fehlenden Preisdaten aufgrund des Lockdowns ein großer Teil der Preise von den Statistikämtern geschätzt werden musste.

 

15.05.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Aktien im Rückwärtsgang

Der Rückschlag folgte auf dem Fuße: In dieser Woche schalteten die Aktienmärkte auch wieder mal in den Rückwärtsgang. Überschattet wurde das Börsengeschehen einmal mehr mit den Sorgen über den weiteren Verlauf der wirtschaftlichen Erholung. Die schwierige Aufgabe für die Volkswirtschaften liegt jetzt darin, soviel Öffnung wie möglich zuzulassen, aber einen zweiten Lockdown – im Herbst – zu vermeiden. Den meisten aktuellen Konjunkturprognosen liegen durchaus auch wieder einmal Verschärfungen der Beschränkungen auf lokaler Ebene, aber keine komplette Schließung der Wirtschaft – wie gerade erlebt, zugrunde. Eine zweite Besorgnis gilt der Frage, wann der Konsum wieder zurück kommt. Verängstige Konsumenten und vorsichtige Unternehmen können die wirtschaftliche Erholung sehr zäh gestalten. Hier sollen Programme zur Konjunkturankurbelung im kommenden Jahr nachhelfen.

Zahlen-Tsunami geht weiter

Die Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal, die nun aus verschiedenen Ländern einlaufen, zeugen von den historischen Einbrüchen durch die Corona-Krise. Dies ist jedoch soweit bekannt und auch, dass die Zahlen für das zweite Quartal nochmals schlechter ausfallen dürften, haben die Finanzmärkte bereits geschluckt. Mehr Informationsgehalt versprechen da die neuesten Stimmungsumfragen, die in der kommenden Woche veröffentlicht werden. Sie dürften allerdings nur begrenzte Erleichterung signalisieren, denn die Lockerungen der Corona-Beschränkungen haben ja gerade erst begonnen.

 

08.05.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Aktienmärkte schauen weit in die Zukunft

Trotz aller wirtschaftlichen Horrorzahlen und Widrigkeiten des täglichen Lebens versuchen die Börsianer durch die Corona-Krise durchzuschauen und vertrauen darauf, dass die Wirtschaft sich wieder berappelt. Das mag zwar noch länger dauern, denn nach den gegenwärtigen konjunkturellen Erwartungen produziert die deutsche Volkswirtschaft erst Ende 2021 wieder auf dem Niveau wie vor der Krise. Im Vergleich wäre dies aber tatsächlich besonders schnell, denn nach der Finanzkrise hat dieses Aufholen deutlich länger gedauert. Der Weg dahin wird jedoch mit vielen Steinen gepflastert sein, denn Rückschläge bei der Bekämpfung des Virus sowie eine Bestandsaufnahme der angerichteten Schäden in den Bilanzen und Geschäftsmodellen der Unternehmen werden in den kommenden Monaten auch wieder einmal für schlechtere Börsenstimmung sorgen.

Coronamäßig-verheerendes Zahlenwerk

Die gegenwärtigen Wirtschaftsdaten bezeugen das, was alle Marktteilnehmer bereits gewusst haben, nämlich einen Konjunktureinbruch, wie ihn niemand zu seinen Lebzeiten erlebt hat. Das wird auch noch eine Weile lang so weitergehen, bevor sich dieses Bild in einigen Wochen wieder deutlich aufhellen wird. Einen Vorgeschmack hierauf liefern die chinesischen Zahlen, die in vielen Feldern wieder Richtung Normalität streben, so etwa die in der kommenden Woche gemeldeten Zahlen zur Industrieproduktion. Dagegen werden die Zahlen zum deutschen BIP oder zur US-Produktion noch coronamäßig-verheerend ausfallen.

30.04.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Aktienerholung trotz schleppender Lockerung

Mittlerweile wird das traurige Rätselraten um die Tiefe des Konjunktureinbruchs durch immer mehr harte Wirtschaftszahlen erhellt. In den Vereinigten Staaten ging die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal – aufs Jahr gerechnet – knapp 5 Prozent zurück. Nimmt man entsprechende Annahmen für das zweite Quartal, so erhält man für das Gesamtjahr einen Konjunktureinbruch von mehr als 5 Prozent, der tiefste seit 100 Jahren. Für Europa dürfte er noch etwas tiefer ausfallen. Doch die Aktienmärkte scheint es nicht zu stören, auch in dieser Woche legten die Kurse weiter zu. Dieses Verhalten der Investoren ist vor allem eine Reaktion auf die Notenbankpolitik in der Krise. Viel neue Liquidität und noch länger extrem niedrige Zinsen treiben die Anleger an die Aktienmärkte. Der Grund: Sie sehen keinerlei Anlagealternativen mehr, vor allem dann nicht, wenn sich die Wirtschaft in den kommenden Jahren wieder normalisiert.

Wie schnell geht es wieder los?

Das Augenmerk der Finanzmärkte wird in den kommenden Wochen weiter darauf liegen, wie schnell die Wirtschaft nach der verordneten Zwangspause wieder Tritt fasst. Hierzu sind allerdings weniger die offiziellen Wirtschaftsdaten geeignet, da ihre Aufbereitung zu lange dauert. So berichten die Produktionsdaten für Deutschland in der kommenden Woche nur über den März. Hier sind eher Echtzeit-Daten gefragt, wie wöchentliche Umsätze im Einzelhandel, Restaurantbuchungen, Verkehrsbewegungen oder der Energieverbrauch. Bislang zeigen diese Daten zögerlich nach oben, aber die Lockerung der Restriktionen steht ja auch erst am Anfang.

24.04.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Erster Silberstreif

Die seit dieser Woche in Deutschland geltenden Lockerungen der Kontaktsperre und die aktuellen und geplanten Maßnahmen in anderen europäischen Ländern sind ein erster Silberstreif am Horizont der ökonomischen Corona-Krise. Nachdem der Dax noch in der Vorwoche Richtung 11.000 Punkten unterwegs gewesen war, kühlte sich der deutsche Aktienmarkt in dieser Woche wieder etwas ab. Mit seiner Erholungsbewegung seit Mitte März hat der Aktienmarkt bereits eine deutliche Aufwärtsbewegung der Konjunktur vorweggenommen. Die aktuellen Daten zeigen jedoch, dass die Wirtschaft gegenwärtig noch am Boden liegt und sich erst ganz allmählich wieder berappelt. Daher sieht es so aus, als hätte die Börse zu viele Vorschusslorbeeren verteilt. Allerdings berücksichtigt der aktuelle Aktienkurs eines Unternehmens nicht nur die augenblickliche Lage, sondern auch die Erwartungen für die kommenden Jahre.

Schlechte Wirtschaftszahlen

Zurzeit laufen die Wirtschaftsdaten ein, die über das ökonomische Geschehen im März Auskunft geben und damit ein erstes belastbares Abbild des wirtschaftlichen Einbruchs zeigen können. Die Zahlen für das Bruttoinlandsprodukt des ersten Quartals in den USA sowie im Euroraum sind jedoch nur bedingt aussagekräftig, da sie mit dem Januar und Februar noch die Vor-Corona-Zeit abdecken, in der die Weltwirtschaft gerade dabei war, Fahrt aufzunehmen. Trotzdem dürfte die Europäische Zentralbank auf ihrer anstehenden Sitzung ein düsteres Bild der europäischen Konjunktur zeichnen, das die Notwendigkeit des enormen Maßnahmenpakets der Notenbank unterstreichen wird.

17.04.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Aktienmärkte trotz Verlängerung des Stillstands stabil

Die Börsenwoche war von weiteren Kursgewinnen beim DAX gekennzeichnet. Von der Diskussion um ein Ende der Corona-Einschränkungen für die Wirtschaft hatten sich einige zwar mehr versprochen als die eher kosmetischen Lockerungen ab dem 20. April. Trotzdem sind die Zeichen gesetzt: Es geht wieder aufwärts mit der wirtschaftlichen Aktivität. Nicht nur in Europa, sondern auch in den USA, die im Infektionsverlauf den Europäern um etwa eine Woche hinterherhinken. Der Aktienmarkt wird trotzdem auch in dieser Phase keine Einbahnstraße sein, denn noch sind die Schäden, die die Corona-Pause bei Angebot und Nachfrage angerichtet hat, nicht abzuschätzen. Langsam beginnt sich jedoch eine Stimmung zu etablieren, dass die Krise bei aller Dramatik am Ende wirtschaftlich beherrschbar bleibt.

Unternehmensblick in die Zukunft

Im Fokus der Finanzmärkte stehen in den kommenden Wochen die Quartalsberichte der Unternehmen. Sie werden zusammen mit den Stimmungsumfragen wie dem ifo-Geschäftsklima einen Aufschluss darüber geben, in welcher Verfassung die Bilanzen nach einem knappen Monat der Corona-Pause sind und vor allem auch, welche Entwicklung die Akteure in der Wirtschaft für die kommenden Monate erwarten. Das politische Highlight ist die Haltung der Europäischen Regierungschefs zu den Eurofinanzen auf dem EU-Gipfel, der diesmal als Videokonferenz stattfindet. Trennt man sich im Streit, dürften die Kurse von italienischen oder spanischen Staatsanleihen leiden.

09.04.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Corona-Ostern

In den Wochen vor Ostern gab es eine nicht enden wollende Auflegung von Anti-Krisen-Programmen. Angefangen bei immer neuen Stützungsmaßnahmen in den USA bis hin zu ähnlichen Programmen in zahlreichen Schwellenländern, dort allerdings mangels Finanzkraft auf wesentlich geringeren Niveaus. In Europa stritten die Finanzminister lange Zeit um ein Solidaritätspaket, was auf eine generelle Reformnotwendigkeit der europäischen Finanzverfassung hindeutet. Zusammen mit den enormen Anstrengungen der Notenbanken führt dies weltweit dazu, dass die staatlichen Hilfspakete etwa doppelt so hoch ausfallen als wir dies in der Finanzkrise vor etwa zehn Jahren gesehen haben. Das Ergebnis ist eine Stabilisierung von Unternehmen und Haushalten in der einkommenslosen Zeit. Trotzdem wird die Normalisierung des Wirtschaftslebens ab Mai nur langsam vorangehen, denn sowohl das Angebot als auch die Nachfrageseite der Wirtschaft werden weiterhin durch die Pandemiebekämpfung deutlich eingeschränkt.

Zu früh gefreut

Die Aktienmärkte haben mit kräftigen Kurssteigerungen auf die ersten Erfolge einer langsameren Infektionsausbreitung infolge der Abschottungsmaßnahmen reagiert. Das mag etwas zu euphorisch sein, denn die Zweit- und Drittrundeneffekte auf die Unternehmenslandschaft, auf die Konsumbereitschaft sowie auf finanzielle und politische Folgewirkungen der harten wirtschaftlichen Einschnitte, stehen noch aus. Mehr und mehr wenden sich die Blicke auch auf die Folgen für das Finanzsystem: geringere Inflationsraten, steigende Verschuldung und deutlich mehr Liquidität werden die Nach-Corona-Zeit bestimmen. Die Zinsen sollten wegen der Notenbankeingriffe weiterhin nicht steigen und die Liquidität könnte sich bald wieder an den Anlagemärkten sammeln.

03.04.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Flut schlechter Daten

Zu den Besonderheiten der gegenwärtigen tiefen Corona-Rezession gehört, dass sie erkannt worden war, noch bevor die Wirtschaftsdaten überhaupt etwas anzeigten. Da sich ökonomische Zahlen immer auf einen Zeitraum beziehen, der einen bis drei Monate zurückliegt, laufen jetzt erst die ersten Daten ein, die den Zeitraum der Pandemie abdecken. Diese rauschen zwar in historischem Ausmaß nach unten, etwa die Arbeitsplatzverluste in den USA, die in die Millionen gehen sollten, oder die Stimmungswerte in der Industrie, die teilweise historische Tiefstände erreichen. An den Aktienmärkten war das alles jedoch schon erwartet worden, daher gab es kaum noch weitere Kursreaktionen. An den Finanzmärkten liegt das Augenmerk insbesondere darauf, ob genügend finanzielle Mittel aus den staatlichen Programmen bereitgestellt werden können, um Unternehmenspleiten zu verhindern.

Warten auf Besserungssignale

Mit schlechten Zahlen wird es noch eine Weile lang weitergehen. Auch in der kommenden Woche werden Umfrageergebnisse die gedrückte Stimmung an den Finanzmärkten bestätigen. In Deutschland wird die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe gemeldet. Da sich diese Daten jedoch erst auf den Februar beziehen, dürfte hier der Corona-Effekt immer noch nicht sichtbar sein. Zur Diagnose der gegenwärtigen Lage sind sogenannte Echtzeitdaten, also etwa Verkehrsbewegungen oder Energieverbrauch wesentlich hilfreicher. Sie werden auch als erstes wieder nach oben zeigen, wenn ab Mai, wie es gegenwärtig wahrscheinlich ist, die Produktion in Europa allmählich wieder angefahren wird.

27.03.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Finanzmärkte - erster Schock verarbeitet

Von den coronageplagten Finanzmärkten kamen in dieser Woche Entspannungssignale. Die Aktienmärkte legten kräftig zu, sowohl in Asien als auch in den USA, der DAX kletterte zeitweilig wieder über die 10.000-Punkte-Marke. Das entspricht einem Plus von zehn Prozent gegenüber der Vorwoche. An den Anleihemärkten trat Entspannung ein, nachdem die Käufe der EZB bei Staats- und Unternehmensadressen eingesetzt hatten. Sogar Neuemissionen konnten reibungslos platziert werden. Das alles deutet daraufhin, dass die erste Schockwelle von den Finanzmärkten ohne nachhaltige Krisensymptome verkraftet wurde. Jedoch sind die Folgen der Krise noch längst nicht alle verarbeitet. Unterdes spiegeln die ersten Wirtschaftsdaten aus den USA, wie etwa die Arbeitsmarktzahlen, den dortigen tiefen Wirtschaftseinbruch wider.

Märkte und Wirtschaft müssen sich in Geduld üben

Mit hohen Schwankungen an den Finanzmärkten wird es wohl noch eine ganze Weile weitergehen. Nicht vor Ostern ist mit einer Lockerung der Einschränkungen für Wirtschaft und Gesellschaft zu rechnen. Auch danach werden weitreichende Beschränkungen aufrecht erhalten bleiben. Die Aktienmärke haben einen Boden gefunden, sollte es bei den gegenwärtig absehbaren Wirtschaftseinbußen bleiben. Ein nachhaltiger Anstieg ist jedoch erst mittelfristig zu erwarten, wenn sich die Wirtschaftsdaten wieder verbessern. Zunächst ist jedoch das Gegenteil der Fall: Bei dem in der nächsten Woche erscheinenden Arbeitsmarktbericht aus den USA wird voraussichtlich ein Verlust von circa einer Million Jobs verkündet.

20.03.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Corona: Herausforderungen werden angegangen

Die Einschränkungen der Weltwirtschaft durch das Coronavirus nähern sich ihrem Höhepunkt. In Europa ist die Produktion in einem bisher nicht dagewesenen Umfang angehalten worden. Das Ausmaß von Ausgangssperren wird sich vermutlich noch erhöhen. In den USA stehen ähnliche Maßnahmen unmittelbar bevor. Die neue Lage hat der Finanzmarkt mit heftigen Preiskorrekturen bei Aktien und Renten begleitet. Dank der flexiblen Reaktion der Notenbanken bleibt das Bankensystem stabil, selbst wenn in den USA in den kommenden Tagen noch weitere Belastungen aufschlagen werden. Langsam laufen erste harte Wirtschaftsdaten aus der Krisenzeit ein, die auf einen Lehman-ähnlichen Einbruch der Konjunktur schließen lassen. Trotzdem bleibt die Erwartung erhalten, dass selbst bei längeren Corona-Vorkehrungen in der Wirtschaft die Produktion deutlich schneller wieder anziehen sollte als nach der Finanzkrise.

Viele schlimme Nachrichten bereits im Markt verarbeitet

Die Aktienmärkte in Europa haben auf die Verschärfungen der Pandemie-Maßnahmen in dieser Woche kaum noch reagiert. Das ist ein Zeichen dafür, dass die Marktteilnehmer hierzulande die neue Lage eingepreist haben. Nachholbedarf haben noch die USA. Ebenfalls schwer haben es die Anleihemärkte, denn der zusätzliche Kreditbedarf in der Wirtschaft ist nicht leicht abzuschätzen. Hier hat aber das große Anleihekaufprogramm geholfen, das die EZB in dieser Woche angekündigt hat. Nachdem sich in den vergangenen Wochen die Negativmeldungen überschlagen haben, ist nun langsam das Feld für entlastende Nachrichten und Entwicklungen bereitet – selbst wenn die Dauer der Einschränkungen für Wirtschaft und Finanzmärkte nicht unterschätzt werden sollte.

13.03.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Corona-Panik an den Börsen

Jetzt ist sie in offene Panik übergegangen, die Angst vor den wirtschaftlichen Folgen des Corona-Virus. Diese Panik bescherte den Börsen eine schwarze Aktienwoche: Der weltweite Index (MSCI-Welt) gab fast 20 Prozent nach, in Deutschland sank der DAX von den niedrigen Anfangsniveaus nochmals um fast 15 Prozent. Härter traf es die Italiener: die Mailänder Börse gab mehr als 30 Prozent ab. Sogar die Krisenwährung Gold wurde verkauft. Der Grund: die meisten Marktteilnehmer wollen jetzt Liquidität aufbauen. Es wird wahrscheinlicher, dass Notenbanken und Regierungen über die bisherigen Maßnahmen hinaus zu einer konzertierten Aktion greifen, um den Abwärtsstrudel zu stoppen. Der Hintergrund liegt natürlich weiterhin in den Beeinträchtigungen der Wirtschaft durch die Pandemie. Daher wird der eigentliche Schlüssel zur Beruhigung im Verlauf der Ansteckungszahlen liegen.

Eine weitere Krisenwoche

Die klassischen Wirtschaftsdaten werden in der kommenden Woche an den Märkten keine Rolle spielen, da sie lediglich zurückschauen. Vielmehr wird die Entwicklung der Corona-Krise zur Messlatte für die Finanzmärkte. Da ist einmal die Ausbreitung der Krankheit selber. Dabei sollte in Europa der Höhepunkt der Fallzahlen eher erreicht werden als in den USA. Aber auch in China wird sorgfältig beobachtet werden, ob die bisherige Beruhigung anhält. Als zweites stehen die Finanzmarktentwicklungen im Mittelpunkt. Hier sind bei weiterem Abwärtsdruck an den Märkten größere Maßnahmenpakete von Notenbanken und Regierungen zu erwarten, um die Verkaufsspiralen zu unterbrechen.

06.03.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Corona-Ängste dominieren den Aktienmarkt

Eine weitere schlechte Woche für die Aktienmärkte, die weltweit um mehr als 5 Prozent nachgaben. Nachdem die Konjunkturexperten die neue Realität einer extrem schnellen weltweiten Verbreitung des Corona-Virus in ihre Berechnungen eingebaut hatten, kam für viele Regionen der Welt eine leichte Rezession für die erste Jahreshälfte heraus. Das gilt auch für Deutschland. Dies wäre generell verkraftbar, sofern es danach wieder deutlich nach oben ginge. Wie sich die Märkte jedoch weiterentwickeln, ist derzeit noch ungewiss. Zum einen weisen die Ansteckungszahlen außerhalb Chinas noch nicht auf den Höhepunkt der Verbreitung hin, zum anderen geht die Furcht vor einer Selbstverstärkung der negativen ökonomischen Folgen durch Kursrückgänge und weiteren Finanzstress um. Daher werden die kommenden Tage von weiterer Zurückhaltung an den Aktienmärkten und weiter sinkenden Renditen geprägt sein.

Märkte suchen neues Gleichgewicht

Die Sentix-Stimmungsumfrage unter Finanzmarktteilnehmern wird in der kommenden Woche die Besorgnisse der Marktteilnehmer in einem deutlichen Rückgang des Indexwertes zusammenfassen. Viel mehr interessiert allerdings, was für Kauf- und Verkaufsentscheidungen die Finanzmanager gegenwärtig ableiten. Erfahrungsgemäß streben viele große Marktteilnehmer zuerst nach einer Reduktion ihrer Risiken, was den Druck auf Wertpapierkurse zunächst erhöht, bevor wieder eine Umkehrbewegung einsetzt. Auf die Wahrnehmung der Risiken kann auch die Europäische Zentralbank in den kommenden Tagen einwirken, die bei ihrer turnusgemäßen Sitzung vorsorgliche Maßnahmen zur Abmilderung der Finanzmarktbewegungen beschließen wird.

28.02.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Aktienmärkte krankgeschrieben

Weltweit korrigieren die Aktienkurse auch in dieser Woche weiter nach unten. Den Hintergrund dafür bildet die Ausbreitung des Corona-Virus in vielen Ländern auch außerhalb Asiens. Dies lässt ähnliche Einschränkungen des Wirtschaftslebens befürchten wie dies in China in den vergangenen Wochen der Fall war, mit ähnlichen negativen Auswirkungen für Wachstumszahlen, Umsätze und Produktion bei Unternehmen und damit verbundenen Gewinneinbußen. Selbst bei einem milderen Verlauf der Epidemie in anderen Regionen der Welt als in China wären die wirtschaftlichen Erwartungen vom Jahresanfang Makulatur. In der Abwärtsdynamik kann es zudem zu Übertreibungen kommen. Eine Erholung an den Börsen hängt jetzt zusätzlich sehr davon ab, dass sich keine negativen Eigendynamiken innerhalb des Finanzsystems herausbilden.

Stimmungstest in China

Wirtschaftsdaten sind in Zeiten einer drohenden Pandemie wenig aussagekräftig. Sie messen das wirtschaftliche Geschehen ein oder zwei Monate in der Vergangenheit, und dies wird einem hoch dynamischen Geschehen einer sich rasant ausbreitenden Viruskrankheit nicht gerecht. Gerade deswegen liegt die Aufmerksamkeit in der kommenden Woche auf den Ergebnissen der Stimmungsumfrage in der chinesischen Wirtschaft. In den USA dagegen steigt das Wahlfieber mit der Nominierung der demokratischen Präsidentschaftskandidaten in zwölf Bundesstaaten. Direkte Auswirkungen auf die Aktienmärkte sind jedoch nicht zu erwarten, da sich inzwischen die Chancen des Amtsinhaber Trump auf eine Wiederwahl verstetigt haben.

21.02.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Der Euro schwächelt

Der Euro hat sich gegenüber dem US-Dollar abgeschwächt. Dabei handelt es sich aber um keine starke Bewegung und auch um keine neue Skepsis gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung. Um allerdings in unangemessener Weise einen künstlichen Superlativ zu benutzen: Der Euro ist so schwach wie seit sieben Jahren nicht mehr. Für die zu attestierende US-Dollar-Stärke haben freilich verschiedene einzelne Bausteine gesorgt: Die positive Zinsdifferenz von US-Anleihen wirkt bei niedriger Volatilität attraktiv für internationale Anleger, das Coronavirus belastet das exportorientierte Europa stärker als die relativ geschlossene US-Volkswirtschaft und die generell gestiegene Risikowahrnehmung wirkt traditionell US-Dollar-freundlich. Gemessen daran haben sich die Aktienmärkte wacker geschlagen, trotz Gewinnmitnahmen zum Wochenschluss.

Infizierte Stimmung

Die Auswirkungen des Coronavirus bleiben hinreichend unsicher. Am Montag wird dies auch die Kommentierung des ifo-Geschäftsklimas für Februar ausmachen. Ein Stimmungsrückgang ist zu erwarten und vermutlich wird dieser wegen des anhaltenden Stillstands in chinesischen Betrieben nicht der letzte sein. Ebenfalls interessant ist die unterschiedliche Inflationsentwicklung dies- und jenseits des Atlantiks. Während die Europäische Zentralbank am Freitag eher nachgebende Inflationsraten zur Kenntnis nehmen dürfte, blickt die amerikanische Notenbank Fed zum Wochenschluss auf stabilere Inflationsdaten, die wiederum Zinssenkungsphantasien im Weg stehen.

14.02.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Der Kampf mit dem Virus geht weiter

Entgegen vieler Erwartungen beruhigt sich die Lage beim Covid-19-Virus in Asien nicht. Im Gegenteil: Die Dimension der Epidemie hat sich in dieser Woche durch neue Messverfahren noch einmal vervielfacht. Die Konsequenz: Die Produktionsunterbrechungen in China halten an. Die Börsen beweisen immer noch eine bemerkenswerte Robustheit. Sollte es nicht noch zu einer weltweiten Eskalation der Krankheit kommen, erscheint diese auf längere Sicht auch angemessen. Kurzfristig könnten jedoch Meldungen von Produktionsunterbrechungen durch Knappheiten von Vorleistungsgütern weltweit zu Kurskorrekturen führen. Der wirtschaftliche Ausblick leidet unter dieser Unsicherheit ebenfalls, insbesondere in Europa, wo die Konjunktur ohnehin nicht besonders kräftig ist. Dies hat auch den Euro gegenüber dem US-Dollar etwas günstiger werden lassen.

Kalte Dusche

Eine kalte Dusche steht den Finanzmarktteilnehmern bevor: die Stimmungsumfragen unter Finanzmarktteilnehmern und Einkaufsmanagern werden in der kommenden Woche nach unten gehen. Damit würde der Erholungstrend der vergangenen Monate erst einmal unterbrochen. Ob dadurch auch die allseits für dieses Jahr erwartete Konjunkturerholung abgesagt werden muss, hängt wesentlich von der Entwicklung der (gesundheitlichen) Bedrohungen und der wirtschaftlichen Einschränkungen in Asien ab. Für die Finanzmarktteilnehmer stehen daher diese Entwicklungen ganz oben auf der Beobachtungsliste.

31.01.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Der Coronavirus überschattet alles

Es war extrem viel los und die Märkte hatten in der zurückliegenden Woche viel zu verarbeiten. Ein leicht enttäuschender ifo Geschäftsklimaindex in Deutschland machte den Auftakt, die amerikanische Notenbank Fed präsentierte sich zur Wochenmitte unaufgeregt und zum Wochenschluss tritt das Vereinigte Königreich aus der Europäischen Union aus (Brexit). Dies und die ordentlichen Meldungen aus der Unternehmensberichtssaison hätten schon für unterschiedliche und auch spürbare Marktbewegungen sorgen können. Doch zumindest medial dominant war unzweifelhaft der Coronavirus. Die Ansteckungszahlen in China sind weiter spürbar angestiegen. Dies hat in der Wochenbilanz Aktienkurse, Staatsanleiherenditen und den Rohölpreis mit gedrückt. Indes sind die Marktreaktionen begrenzt, weil auch die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft als zeitlich wie im Ausmaß begrenzt zu erachten sind.

US-Präsidentschaftswahl wirft Schatten voraus

Die anstehende Börsenwoche wird abermals von der medialen Aufmerksamkeit für den Coronavirus begleitet sein. Nicht zuletzt aufgrund der sehr strikten Maßnahmen zur Eindämmung des Virus in China, wird davon ausgegangen, dass bis Ende der Woche der Höhepunkt der Ansteckungen erreicht wird. Ein Blick der Anleger gen Westen in die USA lohnt sich in anderer Hinsicht: Dort beginnt der eigentliche Vorwahlkampf der Demokraten um die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten. Ergänzend schauen Börsianer auf die Veröffentlichung der Einkaufsmanagerindizes sowie den Arbeitsmarktbericht, um die Einschätzung zum konjunkturellen Fortgang in den USA zu überprüfen.

24.01.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Wie gewonnen, so zerronnen

Die Aktienwoche begann mit einem Paukenschlag. Mit 13.640 Punkten erreichte der DAX im Handelsverlauf ein neues Allzeithoch. Jedoch war der Jubel noch nicht verklungen, da zog sich das Börsenbarometer auch schon wieder zurück. Auch die Renditen an den Anleihemärkten sanken als Ausdruck von Flucht der Anleger in sichere Häfen. Die Ängste vor den Auswirkungen der hoch ansteckenden Lungenkrankheit aus China überschatteten den sonst eigentlich positiven Wirtschaftsausblick. Man dachte zurück an die Pandemie der SARS-Krankheit aus dem Jahr 2003, die in einigen asiatischen Ländern sogar die gesamtwirtschaftliche Entwicklung abgebremst hatte. Zum Wochenausklang erholten sich die Märkte allerdings wieder.

Neues Kapitel

Die Nachrichten aus China über die gesundheitliche Bedrohungslage werden von den Börsianern weiterhin aufmerksam verfolgt werden, wenngleich die Wahrscheinlichkeit für eine allenfalls geringe mögliche Beeinträchtigung der wirtschaftlichen Aussichten spricht. Ein weiteres Thema der kommenden Woche wird die Veröffentlichung des wichtigsten deutschen Wirtschaftsbarometers, des ifo-Geschäftsklimas sein. Dieses wird voraussichtlich eine weitere Erholung anzeigen. Und am Freitag ist dann endlich der Austrittstermin des Vereinigten Königreichs aus der EU erreicht und damit der Beginn eines neuen Kapitels britischer und europäischer Geschichte.

17.01.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Optimisten bekommen Recht

Der Konjunkturhimmel hellt sich auf. Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes deuten darauf hin, dass das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland auf den letzten Metern des vergangenen Jahres nicht mehr gesunken ist. Die Stimmungsindikatoren zeigen erstmals seit gut einem Jahr wieder nach oben und selbst für das gebeutelte Exportgeschäft gibt es erste Anzeichen der Besserung. Dies nicht zuletzt, weil sich auch in den jüngsten Zahlen aus der chinesischen Volkswirtschaft ein stabiles Wachstum – verbunden mit mehr Investitionen – herauslesen lässt. Alles zusammen bestätigt die Arbeitshypothese der Börsianer, dass zum anhaltenden Niedrigzinsumfeld auch ein solides wirtschaftliches Fundament hinzukommt. Aus dieser Kombination ergeben sich gute Aussichten für die Aktienmärkte.

Freundliche Konjunktursignale bitte

Die Handelsvereinbarung zwischen den USA und China ist von den Börsen schon vor der Unterzeichnung honoriert worden. Nun schauen die Marktteilnehmer auf die Großwetterlage. In der kommenden Woche stehen hier die Stimmungsindikatoren im Mittelpunkt des Interesses. Neben dem Einkaufsmanagerindex der europäischen Industrie, steht als zweites Highlight die Sitzung des EZB-Rates, bei der über die Neuausrichtung der geldpolitischen Strategie beraten wird, auf der Agenda.

10.01.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Turbulent, aber erfolgreich

Bereits zu Beginn des Jahres spiegelten sich an den Finanzmärkten wesentliche Themen des Jahres: In den USA markierte der Aktienleitindex Dow Jones in den ersten Handelstagen gleich mehrere neue Allzeithochs, in Australien gerieten die Buschfeuer außer Kontrolle und mit der Attacke auf den wichtigsten General des Irans hatte die Welt ihre erste geopolitische Krise des neuen Jahres. Jeder dieser Vorfälle deuten auf breitere Trends, die die Märkte im gesamten Jahresverlauf beschäftigen werden, hin: Die hohe Bewertung von Aktien setzt sich fort. Angesichts eines möglichen Politikwechsels in den USA häufen sich die politischen Börsen. Schließlich greifen Klima- und Nachhaltigkeitsthemen immer stärker in die Veränderungen von Vermögenswerten und damit ins Marktgeschehen ein. In dieser Woche ging es gut aus: Der Dax näherte sich seinem Allzeithoch von 13.597 Punkten.

„Kleine“ Einigung im Handelsstreit

Die schrittweise Einigung zur Deeskalation des Handelskonflikts zwischen den USA und China soll am 15. Januar besiegelt werden. Die Aussicht darauf hat in den vergangenen Wochen an den Finanzmärkten bereits für Erleichterung gesorgt. Das Wachstum in Deutschland ist dadurch 2019 trotzdem verhagelt worden. In der kommenden Woche wird die Veröffentlichung des Bruttoinlandsprodukts zeigen wie stark. In den USA dürfte die Jahresteuerungsrate im Dezember mit 2,3 Prozent ihren höchsten Stand seit gut einem Jahr erreicht haben – einen Wechsel hin zu einer strafferen Geldpolitik und damit höheren Zinsen bedeutet dies jedoch nicht.

03.01.2020, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Frohes neues Börsenjahr?

Nach dem grandiosen Börsenjahr 2019 wäre es für die Aktienmärkte hilfreich, wenn eher ruhigere Töne in der Geopolitik angeschlagen würden und die Konjunkturindikatoren wieder etwas mehr Zuversicht ausstrahlen. Dazu passen die Verlautbarungen von US-Präsident Trump, Mitte Januar ein erstes Handelsabkommen mit China unterzeichnen zu wollen sowie seine Reiseabsichten zum Weltwirtschaftsforum nach Davos. Sah dies zunächst nach kooperativeren Schritten aus, so hat doch die amerikanische Militärattacke im Iran die politische Risikowahrnehmung an den Märkten schlagartig wieder anspringen lassen. Der schwelende Konflikt in der Region könnte mit weiteren Eskalationen zumindest kurzfristig eine Belastung für die Aktienmärkte werden.

Freundliche Konjunktursignale gewünscht

Für das neue Jahr spielen an den Finanzmärkten die Konjunkturperspektiven eine zunehmende Rolle. Denn die Erwartungen, dass eine Rezession vermieden wird, sollten Bestätigung finden. Zur Veröffentlichung steht insbesondere der US-Arbeitsmarktbericht an, der ebenso wie der ISM-Index für das Nicht-verarbeitende Gewerbe von Robustheit zeugen dürfte. Die deutschen Produktionsdaten fallen für November zwar leicht positiv aus, ändern aber nichts an der Schwäche in der Industrie. Weder für die Aktien- noch für die Zinsmärkte sind wesentliche Impulse von den Inflationsdaten in Euroland abzusehen. Die Geopolitik dürfte kommende Woche die Märkte eher bewegen.



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