Dr. Ulrich Kater, Chefvolswirt der DekaBank

Marktkommentar von Dr. Ulrich Kater

Lesen Sie jede Woche den aktuellen Marktkommentar von Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank.

Dr. Ulrich Kater studierte Volkswirtschaftslehre an den Universitäten Göttingen und Köln. 1995 promovierte er am Finanzwissenschaftlichen Seminar der Universität Köln und übte gleichzeitig eine Lehr- und Forschungstätigkeit an der Universität Köln, der Fachhochschule Köln und der European Business School aus.

Von 1995 bis 1999 war Herr Kater im Stab der „fünf Wirtschaftsweisen“ für die Themen Geldpolitik und Kapitalmarkt verantwortlich. Von 1999 an arbeitete er am Aufbau der Volkswirtschaftlichen Abteilung der DekaBank mit. Seit 2004 bekleidet er die Position als Chefvolkswirt der DekaBank und ist seit 2006 auch Vorsitzender der Kommission für Wirtschaft und Finanzen im Verband Öffentlicher Banken.

Darüber hinaus folgte er Lehraufträgen an der Universität Witten-Herdecke, der Zeppelin University Friedrichshafen sowie an der Hochschule der S-Finanzgruppe. Nebenbei ist Ulrich Kater auch als Autor zahlreicher Veröffentlichungen über Geldpolitik, Währungspolitik, internationale Kapitalmärkte, Finanzpolitik, Alterssicherungssysteme und Globalisierung in Erscheinung getreten.

09.08.2019, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Pause in der Abwärtsbewegung

Bis in die zweite Juli-Hälfte hinein überwog der positive Einfluss der Geldpolitik mit ihren immer niedrigeren Zinsen auf die Aktienmärkte. Nun brechen sich mit den Ängsten um die Konjunktur die negativen Einflüsse Bahn. Die deutsche Konjunktur könnte noch in diesem Jahr eine leichte Rezession erleben, die europäische Wirtschaft läuft ebenfalls schwächer als erwartet. Dahinter steckt die verbreitete Verunsicherung über die Zukunft des Welthandels, was auch den Rückgang der Aktienkurse in den vergangenen Wochen erklärt. Selbst wenn sich die Kurse zum Ende dieser Woche wieder etwas stabilisierten, wird die Verunsicherung auch die kommende Zeit bestimmen. Spiegelbildlich stiegen die Anleihekurse in ungeahnte Höhen. Das bedeutet, dass Marktteilnehmer mit noch niedrigeren Notenbankzinsen rechnen – und dies für einen langen Zeitraum.

Deutsche Konjunkturzahlen im MiIttelpunkt

Die trübe Verfassung der deutschen Konjunktur wird in der kommenden Woche durch die Veröffentlichung einer rückläufigen BIP-Entwicklung im zweiten Quartal untermauert werden. Die Stunde der Wahrheit schlägt dann in drei Monaten. Sollte dann auch noch das dritte Quartal negativ ausfallen, ist die deutsche Wirtschaft in eine Rezession gerutscht. Hinweise auf die konjunkturelle Entwicklung in den kommenden Monaten gibt die ZEW-Konjunkturumfrage. Alles andere als ein weiterer Rückgang wäre allerdings vor dem Hintergrund der tristen Lage in der Industrie eine Überraschung.

02.08.2019, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Zinsen sinken weiter

Nach der Europäischen Zentralbank (EZB) hat sich nun auch die US-Notenbank Fed in Richtung einer lockereren Geldpolitik bewegt. Im Gegensatz zur bloßen Ankündigung hat die Fed auch schon gehandelt und den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte gesenkt. Die Fed schätzt zwar die Konjunktur in den USA als gar nicht so schlecht ein, sieht jedoch Gefahren der Abschwächung. Dem will sie mit einem frühen Zinsschritt entgegentreten. Die Aktienmärkte hatten bereits mit dieser Maßnahme gerechnet, jedoch fragen sich die Marktteilnehmer, wie stark denn angesichts von Handelsstreit und Problemen in der chinesischen Wirtschaft eine Eintrübung der US-Konjunktur ausfallen könnte. Auch in Europa wartet man auf bessere Konjunkturzahlen, bevor sich der Rückenwind der EZB für die Börse auch tatsächlich in höheren Kursen umsetzt. An den Anleihemärkten notieren mittlerweile fast alle deutschen Staatsanleihen zu negativen Renditen.

Abkühlung der Wirtschaft

Die kommenden Handelstage werden kaum von Konjunkturdaten beeinträchtigt. Am spannendsten sind noch die neuen Produktionszahlen aus Deutschland. Hier leiden die Unternehmen unter einem Rückgang der globalen Nachfrage nach Investitionsgütern. Zwar ist die Auslastung der Volkswirtschaft immer noch hoch, dies sagt allerdings mehr darüber aus, wie außerordentlich stark die weltweite Nachfrage in den vergangenen Jahren gewesen ist. Eine Abkühlung ist da eher als Normalisierung anzusehen. Je stärker jedoch die US-Regierung mit dem Zollschwert fuchtelt, desto schwieriger wird es für die Börsianer, Lichtblicke einer Stabilisierung zu finden.

26.07.2019, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Treibstoff für die Börse

Die Finanzmärkte schauten in der vergangenen Woche vor allem auf ein Ereignis: die Sitzung des Rates der Europäischen Zentralbank (EZB). Zwar wurden noch keine konkreten neuen Maßnahmen beschlossen, aber die Absichtserklärung der Notenbanker war unmissverständlich. Ab September ist mit weiteren Zinssenkungen und einer Wiederaufnahme der Anleihekäufe zu rechnen. Hintergrund sind die schwachen Konjunkturdaten, die gerade auch in Deutschland in den vergangenen Tagen mit einem leichteren ifo-Geschäftsklimaindex unterstrichen wurden. An den Aktienmärkten wurden die geldpolitischen Signale begrüßt, allerdings halten die besorgniserregenden Konjunkturdaten die Kurse noch in Schach. Wenn allerdings die konjunkturelle Schwächephase überwunden ist, werden sich die geldpolitischen Impulse als weiterer Treibstoff für die Börse herausstellen.

 

Notenbanken im Lockerungsmodus

Zwei ökonomische Ereignisse stehen im Mittelpunkt der kommenden Woche. Zunächst wird die Wachstumszahl für den Euroraum für das zweite Quartal gemeldet. Daraus können Rückschlüsse auf die offiziellen deutschen Daten gezogen werden. Zwar steht deren Veröffentlichung erst Mitte August an. Doch bereits jetzt ist klar, dass die Daten eine sehr schwache Konjunkturentwicklung anzeigen werden Die Frage lautet nur noch, wie schwach sie ausfallen. Am Mittwoch dann sind alle Augen auf die US-Notenbank gerichtet, die wahrscheinlich ebenso wie die EZB weitere geldpolitische Lockerungen signalisieren wird.

19.07.2019, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Sommerflaute

An den Aktien- und Anleihemärkten geht das fröhliche Rätselraten weiter. Erraten werden soll, wann und wieviel zusätzlichen Treibstoff die Notenbanken in den kommenden Wochen für Märkte und Wirtschaft bereitstellen. Unterdessen berichten die Unternehmen weltweit über ihre Geschäftsentwicklung im zweiten Quartal. Dabei stellt sich heraus, dass die Gewinne kaum mehr ansteigen. Zahlreiche Gewinnwarnungen etwa von deutschen Unternehmen dokumentieren die Schwierigkeiten, welche die Firmen mit der weltweit schwachen Industrienachfrage haben. Solange jedoch die Zinsen so niedrig bleiben, stellen die Aktiendividenden eine der wenigen Alternativen für positive Ausschüttungen aus Wertpapieranlagen dar.

Wichtige Daten bei geringen Umsätzen

Mit Spannung wird erwartet, ob die Europäische Zentralbank bereits geldpolitische Beschlüsse im Köcher hat oder diese für den Herbst vorbereitet. Wichtige Konjunktursignale wird das deutsche ifo-Geschäftsklima aussenden – allzu euphorisch werden diese wohl nicht ausfallen. In Großbritannien werden nach Abschluss der parteiinternen Wahl bei den Konservativen die Weichen für einen neuen Premierminister gestellt. Außerhalb der britischen Finanzmärkte sind die Marktreaktionen auf neue Wendungen beim Brexit jedoch äußerst begrenzt.

12.07.2019, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Sorglosigkeit

Die Geldpolitik wird es schon richten, irgendwie und auf jeden Fall. Zumindest US-Börsen feierten sich in dieser Woche, was sich am Aktienindexverlauf des S&P500 ablesen lässt. Das Börsenbarometer stieg über 3.000 und der Dow Jones-Index kletterte über die Marke von 27.000 Punkten. Zinssenkungserwartungen an die US-Notenbank begründet diese mit der Verunsicherung um die Weltkonjunktur vor allem aus den Handelsstreitigkeiten. Scheinbar macht sich Sorglosigkeit an den Märkten breit, der die Aktienmärkte trägt und Zinsaufschläge an Anleihemärkten drückt. Risiko wurde in den letzten Tagen gesucht: Die Emission der 50-jährigen italienischen Staatsanleihe war bei einer Rendite von lediglich 2,84 Prozent vielfach überzeichnet. Immerhin, Produktionsdaten aus der Eurozone sowie Inflations- und Arbeitsmarktindikatoren aus den USA fielen ordentlich aus. Kein Grund zur Sorge um einen freien Fall der Konjunktur.

Blick ‘gen Osten: Wie geht‘s China?

Gleich am Montag werden wir erfahren, wie stark die chinesische Volkswirtschaft im zweiten Quartal gewachsen ist. Es sollte ein Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von mehr als 6 Prozent gemeldet werden. Ein solides Resultat, das trotz aller Unsicherheiten im Handelskonflikt mit den USA wahrscheinlich ist. Zumindest wird dort wieder miteinander verhandelt. Zur Wochenmitte erfahren wir dann, wie es um die amerikanische Industrie und den Einzelhandel bestellt ist. Den US-Daten kommt im Hinblick auf die Zinssenkungsphantasien eine hohe Bedeutung zu. Nicht zu vergessen ist, dass die Berichtssaison in den USA in der kommenden Woche startet.

05.07.2019, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Notenbanken stehen Gewehr bei Fuß

Die Aktienmärkte stehen weiterhin unter widerstreitenden Einflüssen. So fällt die Konjunkturentwicklung enttäuschend aus. In Deutschland klagt die Industrie über abschmelzende Auftragsbücher und kündigt Produktionseinschränkungen an. Im europäischen Maßstab sieht es zwar etwas freundlicher aus, aber unter der weltweiten Flaute im Industriesektor leiden auch andere Länder. Dagegen stehen die mehr oder weniger angekündigten weiteren Lockerungsschritte der Notenbanken. Im Euroraum wurde die Nominierung der gegenwärtigen IWF-Chefin Christine Lagarde zur künftigen EZB-Chefin als Signal für eine Fortsetzung der lockeren Geldpolitik gesehen. Dies unterstützt die Aktienmärkte, insbesondere dann, wenn sich die Konjunktur in den kommenden Monaten wieder etwas fangen sollte.

Wichtige Daten bei dünnen Märkten

Produktionszahlen aus Deutschland werden wohl zunächst noch die generell schwache Verfassung der weltweiten Industrie bestätigen. Diese Schwäche betrifft allerdings nicht die Binnenwirtschaft, wo noch immer kräftige Nachfrage herrscht. Langsam wandert dann der Fokus der Märkte in die USA, wo Notenbankchef Powell in der kommenden Woche vor dem Kongress Hinweise auf die Absichten der Fed geben könnte, ob die Zinsen bald wieder gesenkt werden.

28.06.2019, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Im Fokus: Geldpolitik und Handelsstreit

Obwohl die Renditen an den Anleihemärkten in Deutschland in dieser Woche wieder leicht angestiegen sind, steht der Kapitalmarkt immer noch unter dem Eindruck der Äußerungen von Mario Draghi. Der EZB-Präsident hatte vor zwei Wochen weitere zinssenkende Maßnahmen angekündigt. Es ist eine sehr in die Zukunft weisende Strategie, denn noch läuft die Konjunktur gut, wenngleich mit abnehmender Tendenz. Den Aktienmärkten bekam es gut, sie setzen auf die heilende Wirkung der Geldpolitik sowohl in Europa als auch in den USA. Daneben hören die Aktienmarktteilnehmer natürlich auch auf jede Äußerung aus der Politik zum Handelsstreit zwischen den USA und China. Eine Einigung auf dem G-20-Treffen in Osaka würde die Märkte deutlich beflügeln, schon die Aussicht auf weitere Verhandlungen wäre ein Signal der Hoffnung.

Und wenn die Konjunktur doch hält?

Die Konjunkturdaten der kommenden Woche dürften an den Finanzmärkten stark beachtet werden. Im Euroraum steht die Veröffentlichung der neuesten Umfragen unter Einkäufern auf dem Programm. Dabei liegt die Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer vor allem auf den Dienstleistungsunternehmen, die bislang der konjunkturellen Abkühlung trotzen konnten, jetzt aber auch in einen Abwärtstrend geraten könnten. In den USA werden die neuesten Zahlen zum Arbeitsmarkt veröffentlicht, der als wichtiger Gradmesser für die Entwicklung der US-Konjunktur gilt.

14.06.2019, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Seitwärtsmodus

Es war eine weitere Woche im Seitwärtsmodus an den Aktienbörsen. Kleine Gewinne zu Beginn der verkürzten Handelswoche gingen später wieder verloren. Bemerkenswert: Die Finanzmärkte reagieren zurzeit wenig auf Konjunktursignale. Mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass das zweite Quartal ein Totalausfall wird – zumindest was die Konjunktur in Deutschland angeht. Wahrscheinlich hat hier das gute erste Quartal einiges vorweggenommen. Doch die Aussicht auf noch niedrigere Zinsen kompensiert in den Augen der Börsianer das konjunkturelle Zwischentief. Ebenso haben die Marktteilnehmer akzeptiert, dass eine Einigung im Handelsstreit zwischen den USA und China noch in weiter Ferne liegt und dass ein harter Brexit wahrscheinlicher wird. Keine guten Aussichten, aber die Börsianer sind mittlerweile daran gewöhnt.

Im Fokus: Notenbanken und Konjunkturdaten

In der nächsten Woche schauen die Börsianer auf die Sitzung des Notenbankrates der US-Zentralbank Fed sowie die neuesten konjunkturellen Stimmungsdaten für Deutschland und den Euroraum. Die US-Notenbank hat in diesem Jahr bereits signalisiert, dass ihr die Entwicklung der Aktienmärkte nicht gleichgültig ist. Bleibt sie diesem Kurs treu, dürfte das den Märkten Unterstützung geben. Die Konjunkturdaten aus Europa geben erste Auskünfte darüber, wie es in der zweiten Jahreshälfte weitergeht. Nach dem enttäuschenden ersten Halbjahr wäre eine kleine Stimmungsaufhellung sehr erwünscht. Leider stehen die Vorzeichen dafür nicht besonders gut.

21.06.2019, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Normal war gestern – extrem ist heute

Eine gelungene Börsenwoche liegt hinter uns. In den USA hat der S&P 500-Index sogar ein Allzeithoch erreicht. Auch der Deutsche Aktienindex schaffte ein Plus, hingegen fiel die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen unter die Marke von minus 0,3 Prozent, ein Niveau rund um das bisherige Allzeittief. Das ist bemerkenswert und kann durchaus auf die aktuelle Kommunikation der Notenbanken zurückgeführt werden. Am Mittwoch hat die amerikanische Notenbank Fed eine präventive Zinssenkung ins Spiel gebracht, falls es nicht zu einer (überraschenden) Einigung im Handelsstreit zwischen den USA und China kommt. Auch EZB-Präsident Draghi ist zuletzt offen für neuerliche geldpolitische Unterstützung wahrgenommen worden. Kurzum: Aus Sicht der Finanzmärkte sind die Notenbanken aktuell absolut dominierend, so dass trotz politischer Risiken die Aktienmärkte freundlich tendierten.

Hohe Erwartungen an den G20-Gipfel

Die kommende Woche beginnt mit der Veröffentlichung eines wohl gesunkenen ifo Geschäftsklimas: Die globale Abschwächung, heimische Probleme und die zahlreichen Unsicherheitsfaktoren vom internationalen Handelsstreit über den Brexit bis hin zur Haushaltsdiskussion in Italien scheinen der deutschen Wirtschaft doch stärker und nachhaltiger zuzusetzen als bislang erwartet. Überragende Bedeutung wird dem G20-Gipfel in Japan Ende der Woche beigemessen. Ob die USA und China miteinander reden und konstruktive Signale für eine Einigung im Handelskonflikt senden, dürfte marktbewegend sein, und zwar sowohl für die Aktien- als auch die Rentenmärkte.

07.06.2019, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Besorgte Notenbanken

Die Börsen präsentierten sich in der zurückliegenden Woche uneinheitlich. Insgesamt überwogen negative Neuigkeiten. Das große politische Risiko durch die anhaltendenden Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China wurde erneut durch Drohungen des US-Präsidenten befeuert. Erschwerend kamen Zollankündigungen gegenüber Mexiko hinzu. Und doch gab es Halt für die Aktienmärkte. Er kam von den Notenbanken, deren Besorgnisse über die sich verdüsternden Konjunktur- und Inflationsperspektiven Hoffnung auf Unterstützung der Geldpolitik nährt. Der US-Notenbank Fed werden baldige Zinssenkungen unterstellt. Passend dazu kommunizierte die Europäische Zentralbank bei ihrer Sitzung am Donnerstag, dass sie bereit steht zusätzliche expansive Maßnahmen zu ergreifen, wenn sich die Perspektiven weiter eintrüben.

Wenig Inflation, noch geringere Zinsen

Die Inflationserwartungen sind wieder zurückgegangen. Gepaart mit der erkennbaren Bereitschaft der Notenbanken, konjunkturellem Ungemach bei Bedarf entgegenzuwirken, ist die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe auf ein Rekordtief von unter minus 0,2 Prozent gefallen. Die zur Veröffentlichung anstehenden Konjunkturdaten werden an dieser Situation kaum etwas ändern. Der Stimmungsindikator Sentix dürfte dank der Zolldrohungen nachgeben, und die Industrieproduktion der Eurozone war im April schwach. Vermutlich werden eher überraschende politische Nachrichten die Aufmerksamkeit der Aktienmärkte auf sich ziehen.

31.05.2019, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Es läuft nicht wie geschmiert

Wieder durchlebten die Börsen eine Woche mit wenig hilfreichen Nachrichten aus der Politik. Die chinesische Regierung droht, Lieferungen von wichtigen Rohstoffen wie Seltenen Erden in die USA zu begrenzen. Für die High-Tech-Industrien sind diese essenziell. US-Präsident Trump weitet seine Zollpolitik auf Mexiko aus. Hier geht es um die Sanktionierung illegaler Immigration. In Europa steht die italienische Regierungskoalition kurz vor dem Platzen. Es läuft also vieles nicht wie geschmiert, obwohl sich der Rohölpreis, ein Schmiermittel der Weltwirtschaft, in dieser Woche rutschartig weiter verbilligte. All dies bestätigt, dass die Notenbanken tendenziell weiter marktstützend und expansiv wirken wollen. So gaben die Renditen deutscher und amerikanischer Staatsanleihen noch einmal spürbar nach, während das Minus an den Aktienmärkten moderat ausfiel.

Weiterhin expansiver Kurs der EZB

Am Donnerstag wird die Europäische Zentralbank (EZB) auf ihrer Sitzung Farbe bekennen und zeigen müssen, wie sie die Perspektiven im Umfeld der politischen Risiken bewertet. Sie wird auch Vorhersagen für das Wirtschaftswachstum und die Inflation veröffentlichen. Die Märkte dürften in ihrer Auffassung bestätigt werden, dass die Leitzinsen mindestens bis zum Jahresende auf ihren derzeitigen Niveaus bleiben – ohne eine nachhaltige Zunahme der Inflation möglicherweise auch weit darüber hinaus. Zum Wochenschluss sollte der amerikanische Arbeitsmarktbericht von solidem Beschäftigungsaufbau und unauffälliger Stärke der Binnenwirtschaft in den USA zeugen.

24.05.2019, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Kapitalmärkte schlagen sich wacker

Politische Themen und Risiken drängten sich in den vergangenen Tagen mit aller Macht immer mehr in den Vordergrund der Börsen. Allein in Europa sind die Regierungskrise in Österreich und der angekündigte Rücktritt der britischen Regierungschefin May wenig hilfreich für die Kapitalmärkte. Überschattet wird dies freilich noch von der Verschärfung des Handelsstreits der USA mit China durch Präsident Trump. Dabei bestätigen sich erstmals die Belastungen für die US-Wirtschaft: Nun soll den von bilateralen Zöllen geschädigten Farmern mit einem 16-Mrd.-USD-Hilfspaket unter die Arme gegriffen werden. Kurzum: die Nachrichtenlage ist desaströs, und doch haben sich die Aktienmärkte insgesamt wacker geschlagen. Bei allenfalls gemischt ausgefallenen Konjunkturindikatoren lassen sich die Börsen weiter von der Hoffnung auf unterstützende Notenbanken tragen.

Europawahl verarbeiten

Auch in der kommenden Woche dürften die Märkte eher weniger von Konjunkturdaten getrieben werden als den von politischen Ereignissen. Es gibt immerhin am Freitag Inflationsdaten, die die Markterwartungen an die Notenbanken auffrischen können. Wichtiger dürften die Ergebnisse der Europawahl sein, was die Märkte erst einmal verarbeiten müssen. Bedeutsam wird sein, wie stark rechtspopulistische Parteien abschneiden werden und ob handlungsfähige Koalitionen rasch zusammenfinden. Unabhängig davon lasten politische Risiken auf den Unternehmensgewinnen. Analysten dürften ihre Gewinnschätzungen für das zweite Quartal tendenziell zurücknehmen. Allerdings zeigte sich in der Vergangenheit stets: politische Börsen haben kurze Beine. Das sollte auch dieses Mal der Fall sein.

17.05.2019, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Kernthema Risiko ist zurück

Für die Börsen ist tatsächlich die relative Ruhe, die die Osterzeit über herrschte, passé. Dabei sind es keine neuen und schon gar keine erfreulichen Geschichten, die die Finanzmarktteilnehmer aktuell erzählt bekommen: Der Konflikt zwischen den USA und China verschärft sich weiter – nicht zuletzt dadurch, dass nun der chinesische Telefonriese Huawei auf einer schwarzen Liste der Amerikaner steht. In Europa lässt die italienische Regierung ihr Haushaltsdefizit aus dem Ruder laufen. Die Briten ringen mit einer geschwächten Regierungschefin May beinahe verzweifelt um Lösungen für den Brexit. Verschärftes Säbelrasseln gegenüber dem Iran schürt ebenfalls Unsicherheiten. Aber: Die europäischen Börsen weisen eine positive Wochenbilanz auf. Die internationalen Notenbanken sollen es richten, so die Markteinschätzung. Die Renditen von Bundesanleihen gaben entsprechend weiter nach.

Politik bestimmt das Geschehen

Dominierend für die Finanzmärkte werden in der kommenden Woche die Schlagzeilen zu allen politischen Risiken sein. Passend dazu stehen für den deutschen Aktienmarkt frische Stimmungsindikatoren zur Veröffentlichung an. Wahrscheinlich sind einige Antworten für das ifo Geschäftsklima und die Einkaufsmanagerindizes vor den allerjüngsten politischen Eskalationen abgegeben worden. Insofern sollte es nicht überraschen, wenn die Stimmung in den Unternehmen sich schlechter zeigt als vor einem Monat. Ob die Notenbankphantasie oder die festeren Frühindikatoren der OECD die Märkte weiter tragen, bleibt abzuwarten.

10.05.2019, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Zölle blockieren Aktienkurse

Es war eine dramatische Woche an den Börsen, die ganz im Zeichen des Handelskonflikts zwischen den USA und China stand. Mitten in den laufenden Verhandlungen hat US-Präsident Trump angekündigt, bei einem unbefriedigenden Verhandlungsverlauf den Zollsatz für chinesische Importe von 10 auf 25 Prozent zu erhöhen. Bereits am Donnerstag trat diese Maßnahme in Kraft. Die Börsen reagierten mit deutlichen Abschlägen. In Asien war schon während der vergangenen Woche ein Abwärtstrend zu verzeichnen gewesen, deshalb fielen die Reaktionen auf die Umsetzung der Zollankündigung in den vergangenen Tagen nicht mehr sehr heftig aus. Die Märkte in den USA und in Europa reagierten mit Abschlägen in der Größenordnung von etwa 5 Prozent. Von Panik konnte jedoch keine Rede sein, zumal die Märkte nach einem langen Aufwärtstrend in diesem Jahr ohnehin reif für eine Korrektur waren.

Mit Spannung erwartet: Wachstumszahlen für Deutschland

Kurzfristig hängt die weitere Entwicklung an den Aktienmärkten natürlich am Fortgang der Handelsgespräche. Die Möglichkeit einer Einigung ist auch nach den jüngsten Ereignissen längst nicht vom Tisch. Mittelfristig werden allerdings – unabhängig vom Ausgang der Gespräche – andere Einflussfaktoren wieder die Regie an den Märkten übernehmen. Zwar sind neue Handelsschranken auch für den Wirtschaftsverlauf nicht hilfreich, entscheidend verändern dürften sie die Konjunkturentwicklung allerdings nicht. Wie weit sich diese weltweit weiter stabilisiert, werden in der kommenden Woche die Daten zum Wachstum in Deutschland und die Frühindikatoren der OECD anzeigen.

03.05.2019, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Aufbruchsstimmung Fehlanzeige

Für die Aktienmärkte sind die konjunkturellen Aussichten stets ein wichtiger Orientierungsmaßstab. Ebenso wichtig ist aber auch, was die Unternehmen daraus machen. In dieser Woche gab es da gemischte Informationen. Weiterhin dümpeln die konjunkturellen Umfragewerte in den Industrieunternehmen lustlos vor sich hin. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in den meisten anderen Ländern kommt keine rechte Aufbruchsstimmung auf. Glücklicherweise laufen in den Dienstleistungssektoren die Geschäfte gut, sodass im Euroraum und in den USA das Wachstum ordentlich ausfällt. Mittlerweile haben viele Unternehmen ihre Berichte über das erste Quartal vorgelegt. Dabei schlagen zwar viele die gesetzten Erwartungen, allerdings waren diese durch die Konjunkturdiskussion bereits relativ niedrig. Alles in allem quittierte der DAX diese Entwicklungen mit einem weiteren moderaten Anstieg.

Inflationsdaten im Fokus

Der Dreh- und Angelpunkt der gegenwärtigen Kapitalmarktentwicklungen liegt in der weltweit sehr niedrigen Inflation. Würde diese ansteigen, kämen Kurse von Aktien und Anleihen ins Trudeln. Allerdings sieht es danach nicht aus, wie auch die Inflationszahlen aus den USA in der kommenden Woche bestätigen werden. Die Inflationsrate der US-Verbraucherpreise lag zu Beginn des Jahres mit 1,5 % unter der Zielmarke der Notenbank. Insbesondere die Energiepreise waren hierfür maßgeblich verantwortlich. Lässt man Energie- sowie Nahrungs-mittelpreise außen vor, dann dürfte der Preisanstieg weiterhin sehr moderat ausfallen.

 

26.04.2019, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Gemischte Signale und neue Rekorde

Positive Unternehmensberichte

Die nachösterliche Woche hatte es in sich: Eine Fülle von Daten prasselte auf die Märkte ein – mit unterschiedlichen Signalen. In der laufenden Berichtssaison zum ersten Quartal erreichte der US-Technologieindex NASDAQ nach starken Ergebnissen von Microsoft und Facebook ein neues Allzeithoch. Allerdings kamen viele positive Überraschungen eher dadurch zustande, dass die Erwartungen im Vorfeld deutlich niedriger waren. Alles in allem können die Unternehmensergebnisse die schlimmsten Befürchtungen einer weltweiten Konjunkturabkühlung entkräften, allzu viel Optimismus ist aus ihnen jedoch nicht herauszulesen. In diese Richtung deutete auch die neue Stimmungslage in den deutschen Unternehmen. Der ifo Geschäftsklimaindex ging entgegen den Erwartungen leicht zurück und dämpfte damit Hoffnungen auf eine schnelle Konjunkturbelebung.

US-Daten stehen im Mittelpunkt

Der US-Arbeitsmarktbericht für April dürfte erneut zeigen, dass die Wirtschaft dort unverändert gut wächst. Die jüngsten Arbeitsmarktindikatoren haben sich im Vergleich zum Vormonat sogar wieder etwas verbessern können. Der vergangene Winter hat die Beschäftigungsentwicklung netto stärker als sonst üblich belastet. Deshalb dürfte ein Nachholeffekt für einen leicht überdurchschnittlichen Beschäftigungsaufbau sorgen. Im Vergleich zu dem Wirbel, den der Kurswechsel der US-Notenbank in den vergangenen Monaten ausgelöst hat, wird der Zinsentscheid in der kommenden Woche eher von Langeweile geprägt sein. Ebenfalls unspektakulär dürften die BIP-Zahlen im Euroraum ausfallen, die weiterhin auf moderates Wachstum hindeuten.

 

18.04.2019, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Frühlingserwachen an der Börse

Ein Großteil der Einbußen an den Aktienmärkten ist inzwischen wieder wettgemacht. Dazu hat auch die letzte Handelswoche vor Ostern beigetragen. Der DAX etablierte sich über der Marke von 12.000 Punkten, in den USA gerieten die historischen Höchststände ins Blickfeld. Unterstützt wird diese Erholung von wieder kräftigeren Konjunktursignalen. In China, von wo die weltweiten Konjunkturängste ausgegangen waren, zeigt mittlerweile die Industrieproduktion wieder aufwärts. In Europa allerdings gestaltet sich diese Stimmungsaufhellung nur schleppend, wie die Einkaufsmanagerindizes für April zeigten. Zwar sind Risikothemen wie Brexit oder die Handelsbeziehungen der USA mit China zumindest vorübergehend entschärft, und die Niedrigzins-Perspektiven der Geldpolitik unterstützen die Kurse. Allerdings sind die Konjunktursignale noch nicht überzeugend genug, um die Börsenampeln eindeutig auf Grün zu stellen.

Wichtige Daten bei dünnen Märkten

Die Osterwoche wird geringe Umsätze an den Finanzmärkten und damit auch nur beschränkte Aussagekraft der Kursentwicklung mit sich bringen. In so einer Umgebung können Wirtschaftsdaten allerdings auch zu größeren Ausschlägen führen. Der in der kommenden Woche veröffentlichte ifo Geschäftsklimaindex für April ist ein geeigneter Kandidat hierfür. Die Vorzeichen sind gemischt, ob der deutschen Wirtschaft ein Stimmungsumschwung gelingt. Ein weiterer Rückschlag würde an den Aktienmärkten Spuren hinterlassen. Dagegen werden schwache US-Wachstumszahlen für das erste Quartal die Börsianer kaum schocken. Vor dem Hintergrund des Behördenstillstands im Januar gilt dies als Ausrutscher.

12.04.2019, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Geruhsam, gemächlich, gelassen

Es macht offenkundig überhaupt keinen Sinn, sich aufzuregen. Weder über die Briten noch über die Europäische Zentralbank. Das haben sich auch die Aktienmärkte gedacht und verlebten eine relativ ruhige und richtungslose Woche. Denn die beiden „Hingucker“ mahnten zur Geduld. Zum einen hat die Europäische Zentralbank bestätigt, dass die Wartezeit bis zur ersten Zinserhöhung ergiebig ausfallen wird. Auch ohne hektische Ankündigung neuer Maßnahmen bleibt doch die Gewissheit, dass die Euro-Währungshüter noch längere Zeit eher auf der unterstützenden, also börsenberuhigenden Seite bleiben wollen. Geduld haben auch die EU-Politiker auf ihrem Gipfel mit den Briten bewiesen. Der Geduldsfaden reißt nun frühestens am 31. Oktober, dem neuen (spätesten) Termin für den EU-Austritt des Vereinigten Königreichs.

Und wenn die Konjunktur doch hält?

In der kommenden Woche dürften Konjunkturindikatoren und die beginnende Berichtssaison in den USA im Fokus der Aktienmärkte stehen. Und das verspricht insofern Spannung, als dass Rückgänge und Abwärtsrevisionen sowohl bei den Wirtschaftsdaten als auch bei den Unternehmensgewinnen allmählich an ein Ende kommen sollten. Zumindest dann, wenn unser Hauptszenario eintritt und sich die globale Expansion fortsetzt – zwar mit geringerem Schwung, aber ohne Rezession. So sind die Augen der Marktteilnehmer auf die ZEW-Konjunkturerwartungen, das chinesische Bruttoinlandsprodukt und die US-Einzelhandelsumsätze gerichtet.

04.04.2019, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Aufwärts … trotz schlechter Daten

Die Erholung geht weiter: Der Dax hat die 12.000er Marke wieder geknackt. Und das trotz des Einbruchs der Auftragseingänge in der deutschen Industrie, der insbesondere aus dem Ausland kam und damit die Sorgen vor der internationalen Industrierezession weiter schürte. Die Auflösung liegt darin, dass die jetzt veröffentlichten Daten für den Februar gelten. Mittlerweile ist die Wirtschaft jedoch mehr als einen Monat weiter und viele Marktteilnehmer meinen, bereits Stabilisierungssignale aufgefangen zu haben. Zudem haben inzwischen die Notenbanken Unterstützung für Wirtschaft und Märkte angedeutet. Es spricht also viel für eine weitere Erholung der Kurse im Jahresverlauf. Allerdings könnte die Entwicklung bis dahin noch das eine oder andere Schlagloch aufweisen, wenn eine der kommenden Konjunkturzahlen auch mal wieder schlechter ausfällt.

Brexit: Der Augenblick der Wahrheit naht

Ein Sondergipfel der Europäischen Union könnte in der kommenden Woche die Voraussetzungen für eine nochmalige Verschiebung der Brexit-Entscheidung legen. Sollte das britische Parlament einem Verbleib in der Zollunion zustimmen, könnte es mit dem Austritt zügig vorangehen. Anderenfalls könnte es auch eine lange Verschiebung um etwa ein Jahr geben, um eine neue Austrittsstrategie zu finden. In beiden Fällen wird das Thema für Wirtschaft und Märkte jedoch als Risiko deutlich heruntergestuft werden. Von der Sitzung der Europäischen Zentralbank ist nicht allzu viel Neues zu erwarten, nachdem die Perspektive einer Zinswende gerade im vergangenen Monat nach hinten verschoben worden war.

22.03.2019, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Die US-Notenbank hat sich entschieden

Konjunkturindikatoren hatten es diese Woche schwer, an den Finanzmärkten durchzudringen. Unerfreulich sind die am Freitag gemeldeten deutlichen Rückgange bei den europäischen Einkaufsmanagerindizes dennoch. Hingucker war indes die amerikanische Notenbank: Die Fed hat sich entschieden, den amerikanischen Leitzins in diesem Jahr nicht mehr anzuheben. Auch die Reduzierung der Zentralbankbilanz soll schon ab Oktober eingestellt werden. Die Anleihen- und Devisenmärkte reagierten lehrbuchmäßig auf diesen ersten Schritt einer geldpolitischen Normalisierung: Die Renditen kurzläufiger Staatsanleihen gaben nach und der US-Dollar verlor gegenüber dem Euro. Damit trägt die Notenbank den vielen Risikothemen Rechnung. Die Aktienmärkte kamen letztlich eher uneinheitlich durch die Woche.

Kaugummi-Strategie beim Brexitvorgehen

Man mag kaum mehr zusehen, aber sowohl der Brexit als auch die Handelsgespräche zwischen den USA und China ziehen sich wie Kaugummi in die Länge. Damit lösen sich die Risikothemen eben auch nicht schon bald auf, die Unsicherheiten bleiben für die Börse erhalten. Einmal mehr stehen in den nächsten Tagen die Abstimmungen im britischen Parlament im Fokus. Die eigentliche Deadline, der 29. März, ist zwar mit dem jüngsten EU-Gipfel Makulatur geworden, nun ist der 12. April der neue 29. März. Am Montag könnte zunächst aber das ifo Geschäftsklima die Stimmung am Frankfurter Börsenparkett vorgeben, Rückgänge sind hier wahrscheinlich.

15.03.2019, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Politikchaos ohne Einflüsse auf die Märkte

Wer will was im politischen Chaosbetrieb in London? Für das britische Unterhaus ist bloß eine Sache klar, die aber an den Finanzmärkten die einzig wichtige Botschaft ist: Es gibt keinen Brexit ohne Austrittsvertrag. Damit bestätigte sich, was an den Märkten in den vergangenen Wochen schon zunehmend in den Kursen eingepreist wurde. Insbesondere an der Aufwertung des britischen Pfundes konnte dies abgelesen werden. Wie es nun genau mit den Austrittsbemühungen der Briten weitergeht, ist für die Wertpapierkurse nicht mehr so wichtig. An einer anderen Politikfront dagegen gab es keine Fortschritte. Im Handelsstreit zwischen den USA und China wurden die Entscheidungsfristen verlängert. Zwar gibt es erst einmal keine Zollerhöhungen seitens der USA gegenüber chinesischen Importen, eine Einigung ist aber noch weit entfernt. Die Finanzmärkte nahmen es gelassen: Aktien und Anleihen beenden die Woche leicht erholt.

Brexit: Eine Frage des Wann …

Der Alptraum geht weiter: Theresa May wird die EU um eine Verlängerung der Austrittsfrist über den 29. März hinaus bitten. Bis spätestens 20. März will die britische Regierung den ‚May-Deal‘ dem Parlament zur dritten Abstimmung vorlegen. Wird ihr ‚Deal‘ angenommen, strebt May eine Verschiebung des Austritts bis zum 30. Juni an. Andernfalls will sie um eine längere Verschiebung bitten. In der kommenden Woche werden die Marktteilnehmer jedoch mehr auf die Zinsentscheidung der US-Notenbank (Fed) schauen und wie diese die wirtschaftliche Lage in den USA bewertet. Ein Indiz zur europäischen Stimmung in der Wirtschaft liefern am Freitag die Einkaufsmanagerindizes. Hier erhoffen sich die Beobachter Antwort auf die Frage, ob es mit den negativen Konjunkturnachrichten langsam ein Ende hat.

08.03.2019, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: EZB schickt Renditen in den Keller

Überraschung am Donnerstag beim Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB): Nicht, dass die Leitzinsen angepasst worden wären. Jedoch hat die EZB ihre Projektionen für das Wirtschaftswachstum und die Inflationsrate deutlich nach unten korrigiert und geht deshalb auch von einer langsameren Annäherung an das Inflationsziel von 2 Prozent aus. War dies tendenziell so erwartet worden, ließen neue langfristige Refinanzierungsgeschäfte die Renditen an den Rentenmärkten fallen. Auch der Euro notierte schwächer. Die Konjunktursorgen sind bei den Notenbanken jüngst gestiegen, obwohl die in dieser Woche veröffentlichten Konjunkturdaten keineswegs einheitlich ausgefallen sind. Positiv zu erwähnen sind hier insbesondere die Einkaufsmanagerindizes für das nicht-verarbeitende Gewerbe. Gegenüber der Industrie sieht es bei den Dienstleistern ordentlich aus.

Nächste Abstimmungsrunde zum Brexit

Jetzt haben die britischen Parlamentarier es wieder einmal in der Hand, den Brexit termingerecht zum 29. März zu vollziehen. Dafür müssten sie am Dienstag dem ‚Deal‘ mit der EU zustimmen. Dies bleibt unwahrscheinlich, denn die Anpassungen am ‚Deal‘ seit der letzten Ablehnung waren eher kosmetischer Natur. Daher wird an den beiden folgenden Tagen wohl derart weiter abgestimmt, bis es vermutlich zu einer Verschiebung des Austrittstermins kommt. Die Unsicherheit für die Märkte zieht sich in die Länge, aber ein harter Brexit wird unwahrscheinlicher. Dennoch dürfte die aktuelle Konjunkturskepsis der Notenbanken die Börsen weiterhin beschäftigen.

 

01.03.2019, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Angespannte Ruhe / Die EZB gibt ein Stimmungsbild ab

Angespannte Ruhe

An den Finanzmärkten sind in diesen Wochen viele Bälle in der Luft. Alle wollen beobachtet werden, und so herrschte in den vergangenen Tagen angespannte Ruhe. Bundesanleihen legten in der Rendite etwas zu und die Bewegungen an den Aktienmärkten fielen leicht positiv aus. Die gemeldeten Stimmungsindikatoren boten ein gemischtes Bild mit teils leichten Rückgängen, aber auch einzelnen positiven Überraschungen. Ähnlich verhielt es sich bei den diversen politischen Themen. Das Treffen zwischen US-Präsident Trump und dem nordkoreanischen Machthaber Kim ging aus wie das Hornberger Schießen. Im britischen Polittheater zum Brexit sieht es etwas besser aus. Nach Einlassungen von EU-Seite und den Abstimmungen in dieser Woche hat sich die Wahrscheinlichkeit für einen ungeordneten harten Brexit nennenswert verringert.

Die EZB gibt ein Stimmungsbild ab

Am Donnerstag tagt der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) und befindet über die weitere Geldpolitik. Hierzu liegen ihm neue makroökonomische Projektionen vor. Abwärtsrevisionen beim erwarteten Wirtschaftswachstum sollten den Notenbankern genügen, um ihre Kommunikation dahingehend anzupassen, dass die Leitzinsen mindestens bis Ende des Jahres auf ihren derzeitigen Niveaus bleiben werden. Am Freitag richtet sich der Blick dann auf die Veröffentlichung des US-Arbeitsmarktberichts. Bei soliden Beschäftigungszuwächsen könnte sich die Furcht vor einer Rezession – und damit auch die Anspannung an den Märkten – etwas legen.

22.02.2019, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Nicht zu früh freuen!

Das grundsätzlich freundliche Marktumfeld hielt auch in den vergangenen Tagen an. Bei den veröffentlichten Konjunkturdaten ist nach Monaten des Rückgangs vor allem bei den Stimmungsindikatoren – wohlwollend betrachtet – eine Art Bodenbildung erkennbar. So legte der Einkaufsmanagerindex für Deutschland leicht zu. Der ifo Geschäftsklimaindex hat hingegen noch einmal leicht nachgegeben. Dieses uneinheitliche Bild und die damit verbundenen verhaltenen Inflationsperspektiven lassen die Notenbanken zunächst etwas geduldiger agieren, was die weitere Normalisierung der Geldpolitik angeht. Dies nehmen die Akteure am Aktienmarkt positiv zur Kenntnis. Zu früh freuen sollte man sich indes nicht. Denn ob die Konjunktur tatsächlich allen Risiken standhält, ist final noch nicht geklärt. Es dürfte noch einmal etwas ruppiger an den Märkten werden.

Neue Kapitel im Brexit-Krimi: Das britische Parlament tagt am Mittwoch

Die Berichtssaison ist in den USA so gut wie abgeschlossen und in Europa zumindest so weit vorangeschritten, dass das Bild deutlich erkennbar ist: Die Gewinne der Unternehmen übertreffen die Vorjahresniveaus zum Teil deutlich, aber die Perspektiven werden nach wie vor noch nach unten revidiert. Ob sich hier die Gewinnschätzungen stabilisieren, hängt auch von den politischen Ereignissen ab. So wird am kommenden Mittwoch im britischen Parlament wieder zum Brexit diskutiert und über Anträge abgestimmt. Auch gilt es für die Märkte, die angekündigte Einigung zwischen den USA und China im Handelskonflikt zu bewerten.

15.02.2019, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Seitwärts – Stigma der Rezession vorerst gebannt

Die Aktienmärkte standen in den letzten Tagen ganz im Zeichen der Konjunkturnachrichten. So ging die Konsumnachfrage der privaten Haushalte in den USA im Dezember zurück. Allerdings sind es immer noch wenig Zahlen, die den verbreiteten Konjunkturängsten Nahrung geben. In Deutschland konzentrierte sich alles auf die Wachstumszahlen aus dem vierten Quartal 2018. Zwar fiel das Ergebnis mit einem Nullwachstum gegenüber dem Vorquartal mager aus, gleichwohl wurde immerhin das Stigma der Rezession – zwei negative Quartale in Folge – vermieden. Insgesamt fehlt es für dieses Jahr an einem klaren wirtschaftlichen Trend, weswegen es auch an den Märkten eher bei einer Seitwärtsbewegung bleiben sollte. Das gilt auch für die Zinsen, die fest an der Nulllinie kleben.

Ifo Geschäftsklima im Blickpunkt

Die Konjunktur bestimmt auch die Ereignisse in der bevorstehenden Börsenwoche. Die Stimmung bei den europäischen Unternehmen hat sich schon seit einiger Zeit deutlich verschlechtert. Es gibt vorsichtige Anzeichen einer Bodenbildung bei den Euroland-Einkaufsmanagerindizes im Februar, aber für viel mehr dürfte es nicht reichen, denn die Unsicherheitsfaktoren für die europäische Wirtschaft sind nach wie vor zahlreich. Das trifft auch auf die deutschen Unternehmen zu, daher sollte das deutsche ifo Geschäftsklima im Februar nochmals leicht nachgeben. In den USA werden die Protokolle der jüngsten Notenbanksitzung hoffentlich darüber Aufschluss geben, warum die US-Notenbank ihre Kommunikation seit der letzten Zinserhöhung Mitte Dezember vergangenen Jahres so drastisch aufgeweicht hat, dass die Märkte jetzt sogar Zinssenkungen erwarten.

08.02.2019, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Keine Entwarnung

Keine Entwarnung an den Aktienmärkten. Die anfänglich freundliche Entwicklung in den USA sowie in Europa in dieser Woche hielt nicht lange. Zu negativ waren die Meldungen aus der Konjunktur. In Deutschland steht es weiterhin Spitz auf Knopf, ob die Wirtschaft im vierten Quartal 2018 überhaupt gewachsen ist. Anderenfalls wäre es das zweite Quartal in Folge, in dem die Wirtschaft schrumpft, was eine technische Rezession bedeuten würde. Technisch deswegen, weil es Sonderfaktoren waren, die in Deutschland im vergangenen Jahr auf dem Wachstum lasteten. Ohne eine Verbesserung der konjunkturellen Stimmung und ohne Klarheit über den Ausgang des festgefahrenen Brexit-Verfahrens dürften alle Erholungsversuche an den Börsen wohl vergeblich bleiben.

Trübe Aussichten beim Brexit

Die Stunde der Wahrheit für die deutsche Konjunktur schlägt in den nächsten Tagen, denn am Donnerstag wird das Statistische Bundesamt die Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt für das vierte Quartal veröffentlichen. Ob das Wachstum nun negativ sein wird oder nicht: es wird schwach ausfallen. Die belastenden Sonderfaktoren, etwa in der Automobilproduktion, dürften jedoch langsam auslaufen, so dass die deutsche Konjunktur danach wieder Fahrt aufnehmen sollte. In den vergangenen Wochen haben mehr und mehr Unternehmen über die Unsicherheiten beim Brexit geklagt. Mit einer Zustimmung im britischen Parlament zum vielleicht noch etwas verbesserten Deal könnte diese Unsicherheit beendet werden. Die Aussichten dafür sind jedoch so undurchsichtig wie der berühmte Londoner Nebel.

 

01.02.2019, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Der Börsenhammer aus den USA

Der Börsenhammer der Woche schlug in den USA zu. Die US-amerikanische Notenbank (Fed) verkündete eine Zinspause und ließ damit ihren Leitzins unverändert. An den Aktienmärkten wurde dies bereits als Beendigung des gegenwärtigen Zinsstraffungskurses der Fed interpretiert. Entsprechend freundlich fiel die Kursreaktion an den US-Börsen aus. Hierzulande allerdings hielten sich die positiven Effekte in Grenzen. Obwohl auch die Europäische Zentralbank deutliche Signale in Richtung Verschiebung von Zinserhöhungen gegeben hat, belasten doch die dunklen konjunkturellen Regenwolken den Börsenhimmel. Die Stimmungsindikatoren in Euroland haben ihren Abwärtstrend noch nicht beendet. Für Deutschland deuten sie kaum noch einen Zuwachs der Wirtschaftsleistung an. Die Unsicherheiten rund um den Brexit tragen da auch nicht zur Stimmungsverbesserung bei.

Erster Stimmungstest im Februar: Sentix-Finanzumfrage

Nach enttäuschenden Umfrageindikatoren in der Eurozone im Januar richtet sich in der kommenden der Blick auf den Februar. Die Sentix-Finanzmarktumfrage zu Konjunkturlage und -erwartungen für die Eurozone eröffnet den Reigen der monatlichen Erhebungen und ist somit der erste Stimmungstest des Monats. Verglichen mit der vergangenen Umfrage zeigen sich die Aktienmärkte in merklich besserer Verfassung. Da allerdings zuletzt die Konjunkturindikatoren deutlich enttäuschten und die Prognosen spürbar nach unten korrigiert wurden, sollten die Erwartungen dennoch weiter fallen. Die Lageeinschätzung dürfte allein schon aufgrund ihres immer noch hohen Werts weiter nachgeben, sodass in der Summe das Sentix-Konjunkturklima abermals sinkt.

25.01.2019, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Durchwachsene Konjunktur und niedrigere Zinsen

Obwohl die großen politischen Themen Brexit und Handelsstreit eine Auszeit nehmen, war es eine ereignisreiche Woche an den Kapitalmärkten. Die Konjunktur im Euroraum überraschte weiterhin mit Negativmeldungen. Die Umfragen zur Stimmung in der deutschen Industrie deuteten erstmals auf eine Stagnation, wenn nicht gar Schrumpfung hin. Ursache ist insbesondere die schlechte Lage im Automobilsektor. Die deutschen Autobauer haben sich immer noch nicht vom herbstlichen Produktionseinbruch im Zusammenhang mit den neuen Umweltstandards erholt. Daneben wird immer mehr deutlich, dass die Bestellungen für deutsche Industriegüter aus China schwächeln. Dass der Dax in dieser Börsenwoche trotzdem recht freundlich dreinblickte, lag an etwas anderem. Als Reaktion auf die schwachen Konjunktur- und Inflationsdaten sagte die Europäische Zentralbank ihre erste Zinserhöhung für dieses Jahr quasi ab. Das trieb Anleihe- und Aktienkurse nach oben.

Inflationsrückgang im Euroraum

Bedingt durch den Shutdown in den USA werden dort zurzeit nur wenige makroökonomische Daten veröffentlicht. Der Arbeitsmarktbericht für Januar ist hiervon jedoch nicht betroffen. In den Vereinigten Staaten gilt als beschäftigt, wer bezahlt wird oder arbeitet. Im Falle von 380.000 Staatsdienern ist dies durch den erzwungenen Stopp vieler Regierungsgeschäfte im vergangenen Monat nicht der Fall. Daher werden die Jobzahlen am Freitag deutlich nach unten verzerrt sein. Auch die US-Notenbank wird sich nach ihrem Zinsentscheid am Mittwoch schwertun, eine eindeutige Einschätzung zu geben. Und es gibt gute Nachrichten für die Verbraucher im Euroraum: Die Inflation wird wieder deutlich zurückgehen – auf einen Wert von knapp über einem Prozent.

 

18.01.2019, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Politische Lösungen gesucht

Politische Hängepartien, gegenseitige Schuldzuweisungen und Unklarheiten wo man nur hinschaut. Am Dienstag erlitt Premierministerin May eine laute Absage für ihren Deal eines geordneten Brexits. Aber schon am Folgetag erhielt sie das Vertrauen ihrer Partei als Regierungschefin geschenkt. Weiter so! Nur wie? Der Plan B soll in den nächsten Tagen präsentiert werden. Ein weiteres politisches Zerwürfnis sorgt in den USA dafür, dass die Behörden weiter geschlossen bleiben (Shutdown). Dass die Bevölkerung den Republikanern den Schwarzen Peter hierfür gibt, ficht Präsident Trump nicht an. Zurück in die EU: Ein mühevoll überstandenes Misstrauensvotum gegen den griechischen Regierungschef Tsipras hat den Finanzmärkten ebenfalls wenig Anlass gegeben, den guten Jahresstart unbekümmert fortzusetzen. Seitwärts ging es beim Deutschen Aktienindex und auch bei den Renditen von Bundesanleihen.

US-Berichtsaison könnte Impulse für die Börse liefern

Impulse für die Börsen könnten in der nächsten Woche, neben den politischen Risiken, von den Berichten der US-Unternehmen ausgehen. Mit starken Zahlen wartete der Bankensektor auf. US-Konjunkturdaten sind durch den Shutdown Mangelware. Weil die Angestellten nicht entlohnt werden, gehen sie auch nicht zur Arbeit. So richtet sich der Blick auf die Veröffentlichung des Bruttoinlandsprodukts in China und das ifo Geschäftsklima in Deutschland. Mögliche Belastungen aus dem Handelskonflikt zwischen den USA und China werden beäugt, mögliche Rezessionssorgen dort hineininterpretiert. Ihre Sicht der Dinge wird uns die Europäische Zentralbank am Donnerstag mitteilen und für Aufmerksamkeit an den Märkten sorgen.

 

11.01.2019, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Deal or No Deal

Die Aktienmärkte starten erste Erholungsversuche. Nach fulminantem Beginn in der Vorwoche konnte sich der Dax um einige Prozent verbessern und das erhöhte Niveau halten – ohne allerdings zu einer kräftigen Erholungsrallye anzusetzen. Aber dies kann noch kommen, denn mittlerweile sind die Enttäuschungen der Konjunktur an den Aktienmärkten verarbeitet worden. Diese Enttäuschungen haben sich mit den jüngsten Daten fortgesetzt: Ein weiter zurückgehendes Wirtschaftsvertrauen von Unternehmen und Konsumenten im Euroraum und rückläufige Produktionszahlen aus dem gerade beendeten Kalenderjahr prägten das Bild. Die Konsequenz daraus: Wenn es ganz dumm läuft, dann muss Deutschland Ende Januar eine sogenannte technische Rezession melden. Rezession deswegen, weil das Wachstum zwei Quartale hintereinander im negativen Bereich lag, technisch, weil diese Rückgänge aus Sonderfaktoren wie den Produktionsverzerrungen im Automobilsektor herrührten und nicht von Dauer sind.

Der bange Blick Richtung Großbritannien

„Deal or No Deal, das ist hier die Frage“ – so lautet das Motto einer spannenden neuen Börsenwoche. Das britische Parlament stimmt über den von der britischen Regierung mit der Europäischen Union ausgehandelten Austrittsvertrag ab. Dieser Vertrag legt lediglich die Bedingungen für die danach beginnenden Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen fest. Diese von der Regierung May ausgehandelten Bedingungen sind aber vielen Parlamentariern zu strikt. Eine Ablehnung ist daher sehr wahrscheinlich. Dann geht es in die erste Verlängerung mit weiteren Abstimmungen. Sollte bis Ende März keine Einigung erzielt werden, ist der harte Brexit automatisch da. Das würde vorübergehend an den Börsen deutliche Reaktionen hervorrufen.

04.01.2019, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Keine guten Vorsätze

Zumindest an der Börse hält sich die Einlösung guter Vorsätze für das neue Jahr zu Beginn [noch] in Grenzen. Die Kurse für Staatsanleihen schossen nach oben, das bedeutet allerdings nur, dass die Zinserwartungen aufgrund von Konjunkturängsten weiter nach unten gerichtet sind. An den Aktienmärkten waren die alten Probleme auch die neuen: Unternehmen berichten jetzt von den Auswirkungen der im vergangenen Jahr erlassenen Handelsbeschränkungen, die Konjunkturausblicke bleiben mit Unsicherheit behaftet und im Vereinigten Königreich wird weiterhin der harte Brexit geprobt. Dass hierüber keine rechte Stimmung aufkommen will, ist verständlich. Irgendwann wird auffallen, dass die Welt nun wiederum auch nicht so schwarz ist, wie sie jetzt gemalt wird. Wann die Buntstifte wieder ausgepackt werden ist allerdings noch nicht gewiss.

Stimmung im Euroraum taucht in den Normalbereich ein

Die bevorstehenden Wirtschaftsdaten dürften nicht dazu angezeigt sein, die gegenwärtige Negativspirale zu durchbrechen. Aus dem November 2018 gibt es deutsche Produktionsdaten, die wahrscheinlich einen Rückgang der hiesigen Leistung im produzierenden Gewerbe ausweisen werden. Das Economic Sentiment, ein Stimmungstest bei Verbrauchen und Unternehmen im Euroraum, dürfte im Dezember einen guten Teil der Abwärtsbewegung anderer Stimmungsindikatoren nachgeholt haben und in den Normalbereich eingetaucht sein. In den USA ist die Inflationsrate der Verbraucherpreise im Dezember 2018 – erstmals seit Sommer 2017 – unter das Inflationsziel der US-Notenbank in Höhe von 2,0 Prozent gerutscht.



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