Marktkommentar von Dr. Ulrich Kater

Marktkommentar von Dr. Ulrich Kater

Jede Woche lesen Sie hier den aktuellen Marktkommentar von Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank.

Dr. Ulrich Kater studierte Volkswirtschaftslehre an den Universitäten Göttingen und Köln. 1995 promovierte er am Finanzwissenschaftlichen Seminar der Universität Köln und übte gleichzeitig eine Lehr- und Forschungstätigkeit an der Universität Köln, der Fachhochschule Köln und der European Business School aus.

Von 1995 bis 1999 war Herr Kater im Stab der „fünf Wirtschaftsweisen“ für die Themen Geldpolitik und Kapitalmarkt verantwortlich. Von 1999 an arbeitete er am Aufbau der Volkswirtschaftlichen Abteilung der DekaBank mit. Seit 2004 bekleidet er die Position als Chefvolkswirt der DekaBank und ist seit 2006 auch Vorsitzender der Kommission für Wirtschaft und Finanzen im Verband Öffentlicher Banken.

Darüber hinaus folgte er Lehraufträgen an der Universität Witten-Herdecke, der Zeppelin University Friedrichshafen sowie an der Hochschule der S-Finanzgruppe. Nebenbei ist Ulrich Kater auch als Autor zahlreicher Veröffentlichungen über Geldpolitik, Währungspolitik, internationale Kapitalmärkte, Finanzpolitik, Alterssicherungssysteme und Globalisierung in Erscheinung getreten.

07.12.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Öl ins Feuer

Die zurückliegenden Handelstage waren nichts für schwache Nerven. War der G20-Gipfel mit Blick auf die Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China noch halbwegs konstruktiv ausgegangen, blieb das Aufatmen an den Börsen nur von sehr kurzer Dauer. Mit der Verhaftung der Finanzchefin des chinesischen Telekommunikationsausrüsters Huawei in Kanada auf Geheiß der USA, wird deutlich, dass die USA bereit sind, Öl ins Feuer zu gießen und den Konflikt mit China auf eine neue Ebene zu heben. Es sind die Sorgen vor einer Eskalation des Konflikts, die die Nervosität an den Märkten hoch halten. Auch der Ölpreis geriet unter Druck. Der Grund: Die OPEC konnte sich am Donnerstag nicht auf ein festes Kürzungsziel einigen. Die USA bringen mehr Angebot an den Ölmarkt. Ende November sind die Amerikaner zum ersten Mal seit 70 Jahren zu einem Öl-Nettoexporteur geworden, was den Ölpreis zusätzlich belastet.


Blick richtet sich Richtung London und Brüssel

Vermutlich bietet die Europäische Zentralbank am bevorstehenden Donnerstag etwas Ruhe für die Märkte. Wenn sie bei den Stabsprojektionen allein energiepreisbedingt ihre Inflationsprognosen reduziert, ansonsten aber ihren hinreichend gelassenen Konjunkturausblick bestätigt, würde das schon guttun. Von anderen Stimmungsindikatoren wie Einkaufsmanagerindizes wird der Marktfokus indes in Richtung London und Brüssel gelenkt: Das britische Parlament soll bei aller Zerstrittenheit bezüglich des Brexits am Dienstag über das Austrittsabkommen abstimmen. Am Donnerstag dürfte die italienische Finanzpolitik ein sensibler Diskussionspunkt sein.

30.11.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Hört, hört, die US-Notenbank hat gesprochen!

Die abgelaufene Woche bot tendenziell freundliche Aktienmärkte und geringere Renditen an den Rentenmärkten. In den vergangenen Monaten waren in der Regel politische Risiken – stichwortartig hier nur ein paar Beispiele: Handelskonflikt, Brexit und Italien – marktbewegend. Nun hat sich die US-amerikanische Notenbank, die Fed, einmal in den Vordergrund gerückt. Der Ton des Protokolls der letzten Sitzung knüpft an die Kommentare von Fed-Chef Jerome Powell vom Mittwoch an, wonach die Normalisierung der US-Geldpolitik die Leitzinsen schon recht nahe an das neutrale Zinsniveau gebracht hat. Dies wurde an den Märkten derart interpretiert, dass weniger Zinserhöhungen noch bevorstehen als bislang erwartet. Dazu passte ergänzend, dass auch im Geleit der gesunkenen Ölpreise die Inflationserwartungen an den Märkten zurückgegangen sind. Dies wurde an den Börsen wohlwollend aufgenommen.

G20 Gipfel und OPEC-Treffen werfen ihre Schatten voraus

In den nächsten Tagen gibt es für die Finanzmärkte viel zu verarbeiten. Schon allein der G20-Gipfel wird speziell mit Blick auf den Handelskonflikt zwischen den USA und China aufmerksam beäugt, ob der Eskalationszug beschleunigt oder etwas Fahrt rausnimmt. Aufmerksamkeit wird auch dem OPEC-Treffen am Donnerstag geschenkt werden, wenn Förderkürzungen beschlossen werden, um den Ölpreis zu stabilisieren. Durchaus gewichtige Konjunkturindikatoren von Einkaufsmanagerindizes bis hin zum US-Arbeitsmarktbericht dürften zu einem moderaten konjunkturellen Expansionstempo passen und auch deshalb an den Märkten vermutlich nicht so stark wahrgenommen werden.

23.11.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Noch keine Entwarnung

Trotz der versöhnlichen Töne der Präsidenten der USA und Chinas mit Blick auf ihr Treffen beim G20-Gipfel in Buenos Aires herrscht am Markt weiterhin Skepsis, dass der Handelskonflikt entschärft werden kann. Aus Marktsicht könnte eine positive Überraschung auf diesem Feld der entscheidende Katalysator sein, um zum Jahresende hin noch eine anhaltende Stimmungsverbesserung an den Aktienmärkten auszulösen. Der starke Rückgang beim Rohölpreis geht weiter: Er ist auf einen neuen Tiefpunkt gefallen und liegt knapp 30 Prozent unter dem Stand von Anfang Oktober. Dies wird sich in den kommenden Monaten stark dämpfend auf die globale Inflation auswirken und damit die Zinserhöhungsängste an den Kapitalmärkten beruhigen. Steigende Besorgnis dagegen löst die staatliche Finanzlage in Italien aus, wo Auktionen von Staatsanleihen nur noch schleppend vorangehen.

Die europäischen Frühindikatoren deuten eine deutliche Abkühlung der Stimmung im verarbeitenden Sektor an. Das gilt auch für China. Allerdings profitiert dort die Exportwirtschaft noch von vorgezogenen Bestellungen, um den befürchteten Zollerhöhungen in den USA zu Jahresbeginn zu entgehen. Die weiterhin solide Investitionstätigkeit im verarbeitenden Gewerbe spricht auch dafür, dass die Geschäftsaussichten noch immer als solide eingeschätzt werden. Die Inflation im Euroraum dürfte im November nur geringfügig auf 2,1 Prozent zurückgegangen sein. Der gesunkene Ölpreis hat sich bei den Verbrauchern bislang zwar erst in geringem Ausmaß bemerkbar gemacht, mit weiteren Rückgängen bei Preisen für Benzin und Heizöl ist jedoch zu rechnen.

16.11.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Im Bann des Brexit

Der Brexit-Deal zwischen der britischen Regierung und der EU-Kommission bestimmte in dieser Woche die Schlagzeilen und den Kurs des Britischen Pfundes. Die Ereignisse zeigen, wie schwierig es für einen kleineren Partner ist, wirtschaftliche Interessen gegenüber einem mehrfach größeren Markt durchzusetzen. Wirtschaftliche Offenheit schränkt die eigene Souveränität ein, und zwar unabhängig von der Mitgliedschaft in einer Union – das ist die Lehre des bisherigen Brexit-Projekts. Neben der Abwertung des Pfundes tragen die unsicheren Perspektiven rund um den Brexit nicht gerade zur Risikobereitschaft bei. Zusammen mit dem ebenfalls unsicheren Konjunkturausblick führten sie zu weiteren Kursrückgängen bei europäischen Aktien und vor allem Unternehmensanleihen. Darin spiegeln sich insbesondere die drohenden Belastungen für das europäische Bankensystem wider.

Die Entwicklung in Euroland hat im dritten Quartal enttäuscht, wie der jüngst gemeldete Rückgang des deutschen Bruttoinlandsprodukts deutlich machte. In der kommenden Woche werden die Einkaufsmanagerindizes zeigen, wie es weitergeht mit der europäischen Konjunktur. Nach den Rückgängen in den Vormonaten ist mit einer Konsolidierung zu rechnen, insbesondere bei den Teilindizes für Dienstleister und Industrie. Die Konjunktureintrübung bildet sich mittlerweile ausreichend in den Stimmungsindikatoren wie in den Kursen ab. Daneben wird die kommende Woche selbstverständlich weiterhin unter dem Eindruck der Entwicklung im Vereinigten Königreich stehen: Shakespeare hätte es nicht spannender gemacht.

 

09.11.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Zögerliche Erholung

Investoren schätzen den Wahlausgang in den USA als positiv für Unternehmenswerte ein, wobei Technologieaktien in den USA verlorenes Terrain zurückgewinnen konnten. In Europa war die Kurserholung angesichts vielfältiger Risikofaktoren weitaus zäher. Hauptrisiko bleibt der steigende US-Zinstrend. Zwar beließ die Fed die Leitzinsen unverändert, aber die Erwartungen auf weitere Zinsschritte wurden bestätigt. In Italien geht die unheilvolle Entwicklung weiter: Die Eurogruppe fordert Rom auf, bis zum 13. November einen revidierten Haushaltsplan bei der EU-Kommission einzureichen. Sollte Italien an der aktuellen Politik festhalten, kann ab der ersten Dezemberhälfte ein Defizitverfahren gegen das Land eröffnet werden. Prekärer allerdings wird in den kommenden Monaten die Bereitschaft der Finanzmärkte sein, den enormen Finanzbedarf des italienischen Staates wie der Banken zu erfüllen.

Deutsches Bruttoinlandsprodukt im Fokus

In der kommenden Woche steht Deutschland im Mittelpunkt der Datenveröffentlichungen. Die Steigerungsrate des Bruttoinlandsprodukts wird für das dritte Quartal einen Einbruch aufweisen. Die Gründe: eine enttäuschende außenwirtschaftliche Nachfrage und Produktionsdrosselungen der deutschen Automobilindustrie. In den USA steht die Entwicklung der Inflation im Mittelpunkt. Die US-Verbraucherpreise dürften im Oktober relativ kräftig gegenüber dem Vormonat angestiegen sein. Knapp die Hälfte des Anstiegs beruht auf volatilen Energiepreisen, die aktuell schon wieder deutlich zurückgehen. Insgesamt werden die Daten bestätigen, dass die grundsätzliche Inflationsentwicklung im Zielbereich der amerikanischen Notenbank liegt.

 

02.11.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Erholung an den Aktienmärkten

Nach den schmerzhaften Verlusten an den Aktienmärkten im Oktober setzte in dieser Woche die Erholung ein. Die Risikowahrnehmung ging zurück. Die Erholung der Aktienkurse basiert neben technischen Faktoren auf weiterhin guten Unternehmensberichten im dritten Quartal. Wirtschaftsdaten spielten hingegen eine eher geringe Rolle. Einige Frühindikatoren bestätigten die begonnene langsame und moderate Abkühlung der Konjunktur, ohne dass dabei mit stärkeren Einbrüchen bei der Wirtschaftsaktivität zu rechnen ist. Auch der Ölpreis gab weiter nach. Die Notenbanken bekundeten erneut, von ihren angekündigten Maßnahmenpfaden nicht abweichen zu wollen. Auch die Risiken um die italienischen Staatsfinanzen kümmerten in dieser Woche wenig, selbst wenn nach dem Nullwachstum im dritten Quartal die Wachstumsziele im kommenden Jahr kaum mehr erreichbar erscheinen.

US-Kongresswahlen beeinflussen Handelspolitik wenig

Die positive Reaktion der Aktienmärkte auf den Kommentar von US-Präsident Trump, dass er eine Übereinkunft im Handelskonflikt mit China anstrebe, unterstreicht die hohe Bedeutung des Treffens zwischen Trump und dem chinesischen Präsidenten Xi beim G20-Gipfel in Buenos Aires Ende November. Auch wenn ein schneller Vertragsabschluss illusorisch erscheint, würde der Beginn von Verhandlungen im Markt zumindest die Sorgen vor einer Verschärfung der Handelssanktionen und den damit verbundenen Konjunkturrisiken dämpfen. Die in der kommenden Woche anstehende Kongresswahl in den USA wird die Handelspolitik des Präsidenten wenig beeinflussen, denn selbst wenn die Demokraten die Mehrheit erobern, kann Trump in Handelsfragen weitgehend autonom entscheiden.

 

26.10.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Konjunktursorgen lasten auf den Aktienmärkten

Der Oktober macht seinem Image an den Aktienmärkten alle Ehre. Auch in der zweiten Hälfte setzten sich die Kursverluste international fort. Die Renditen gaben leicht nach, der US-Dollar tendierte fester. Hinter diesen Bewegungen stecken Unsicherheiten um den Fortgang der Konjunktur. Das ist nach einem fast ein Jahrzehnt andauernden Aufschwung in den USA und in Europa nichts Ungewöhnliches und war eigentlich auch erwartet worden. In einer solchen Lage wirken sich jedoch politische Unsicherheiten wie Handelsstreit, Brexit oder Italien doppelt negativ aus. Die Diskussion um die Konjunktur wird anhalten, allerdings sind die Aussichten für das kommende Jahr weiterhin solide. Auch das Verhalten der Notenbanken wird jetzt aufmerksam beobachtet. Anders als früher hat aber die US-Fed bereits signalisiert, dass die Stabilisierung der Aktienmärkte nicht zu ihren Aufgaben zählt.

Gerade in unsicheren Phasen können Wirtschaftsdaten an den Aktienmärkten besonders wichtig werden. Hier liegt in der kommenden Woche das Augenmerk insbesondere auf den US-amerikanischen Arbeitsmarktzahlen, die als zuverlässiger Gradmesser für die US-Konjunktur gelten. Eine negative Überraschung würde den Konjunkturpessimisten neue Nahrung verleihen. Auf der anderen Seite arbeitet die US-Wirtschaft immer noch unter Hochdruck, wie die Veröffentlichung des Bruttoinlandsprodukts für das dritte Quartal bestätigt hat. Insgesamt hat der Aktienmarkt jetzt bereits viel, vielleicht zu viel an Risiken eingepreist.

19.10.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Märkte mit italienischen Kopfschmerzen

Die Liste der politischen Risiken bleibt lang, und so konnten sich die Finanzmärkte in den vergangenen Tagen am ergebnisarmen EU-Gipfel zum Brexit oder auch an Saudi-Arabien abarbeiten. In den Vordergrund drängt sich aus Marktsicht freilich Italien, genauer der ausgabenfreudige Haushaltsentwurf, den die Regierung der EU-Kommission vorgelegt hat. Erste Reaktionen aus Brüssel deuten darauf hin, dass der Haushaltsplan mit hoher Wahrscheinlichkeit zurückgewiesen wird. Da die EU-Kommission diesmal offensichtlich kein „Auge zudrücken“ wird, belastet der politische Konflikt die Marktstimmung. Auch wenn am Ende die steigenden italienischen Finanzierungskosten die Regierung dazu bewegen dürften, Anpassungen am Haushalt vorzunehmen, fiel die Erholung der Aktienmärkte nach der deutlichen Korrektur Anfang Oktober bislang sehr verhalten aus.

Zwischen Anspannung und Gelassenheit

In der anstehenden Woche werden wir sehen, ob und welche Spuren die politischen Risiken bei der Konjunktur hinterlassen. Die Einkaufsmanagerindizes und vor allem das ifo Geschäftsklima werden veröffentlicht. Die Rückgänge der Indikatoren in den vergangenen Monaten hatten mit schon mehr Realismus bei der Unternehmensstimmung einziehen lassen. Weitere Rückgänge müssen vom Markt erst einmal verdaut werden. Die Europäische Zentralbank wird sich am Donnerstag mit ihrer Politik und den Perspektiven für die Inflation wohl gelassen zeigen. Wenn am Wochenschluss dann noch ordentliches Wachstum aus den USA vermeldet wird, dürfte dies die Konjunktursorgen etwas dämpfen.

 

12.10.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Korrekturwelle aus Amerika

In der zweiten Oktoberwoche sind die weltweiten Aktienmärkte in Bewegung gekommen, dieses Mal ging es nach unten. Der US-amerikanische S&P-Index verlor teilweise mehr als 6 Prozent, der europäische Eurostoxx mehr als 4 Prozent, der Dax ebenfalls. Die Bewegung ging von den Vereinigten Staaten aus und hatte keinen erkennbaren Anlass. Trotz des Rückwärtsgangs liegen die Kurse in den USA seit Jahresbeginn immer noch mit einem Plus von etwa 2 Prozent vorn. Der US-Dollar tendierte etwas schwächer, was gegen eine gesteigerte Risikowahrnehmung mit Flucht in die sicheren Häfen spricht. Die Anleihemärkte reagierten mit einem Rückgang der Renditen in einem in den letzten Wochen deutlich ansteigenden Trend. Es gab keine Ansteckungseffekte in Richtung Schwellenländer. Die Tatsache, dass der IWF seine Konjunkturprognose für die Weltwirtschaft um zwei Zehntel heruntergenommen und die weltweite Verschuldung als zu hoch bezeichnet hat, war keine Neuigkeit und war insofern nicht der Grund für die Kursbewegungen. Die fundamentale Umgebung der Finanzmärkte bleibt unverändert: Weder gibt es neue Informationen zur Konjunktur noch zur Politik der Notenbanken, die ihren seit langem angekündigten geldpolitischen Pfad planmäßig beschreiten.

Wirtschaftliche Verfassung besser als die aktuelle Stimmung

Größere Konjunkturdaten stehen in der kommenden Woche nicht an. In bewegteren Zeiten an den Aktienbörsen können jedoch alle Arten von Daten vorübergehend marktbewegend wirken. In der kommenden Woche wird das chinesische Bruttoinlandsprodukt erwartet. Obwohl viele Indikatoren auf eine Abschwächung auch in China hinweisen, werden die Zahlen dies nicht widerspiegeln. Insgesamt ist die fundamentale Lage allerdings nicht so schlecht, wie es die Stimmung nahelegt. Ob es ein freundliches Jahresende an den Märkten gibt, hängt auch vom Ausblick der Unternehmen in der Quartalsberichterstattung an, die gerade begonnen hat. Schließlich werden auch die politischen Themen, wie der Haushaltsstreit in Italien oder die Handelskonfrontation mit China immer wieder Schlagzeilen liefern, die ihre Spuren in den Kursverläufen zeigen.

 

05.10.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Politik treibt Märkte vor sich her

Einmal mehr waren die Märkte in dieser Woche Spielball der Politik. Insbesondere der Haushaltsstreit mit Italien belastete die Stimmung. Nachdem die EU-Kommission klar gemacht hatte, dass sie den italienischen Haushaltsentwurf in der vorliegenden Form ablehnen würde, sprach Regierungschef Di Maio von „Marktterrorismus“, der von der EU geschürt würde. Ein Berater der rechtspopulistischen Lega spekulierte gar über eine eigene Währung. Doch schon einen Tag später schien Rom um Deeskalation bemüht und brachte eine verringerte Defizitprognose ins Spiel. Erfreulich war aus Marktsicht die Einigung der USA mit Kanada und Mexiko auf eine NAFTA-Reform. Auch die US-Konjunktur läuft weiter prächtig. Vom Arbeitsmarkt kamen starke Signale, und entsprechend schätzte US-Notenbankchef Powell die Entwicklung der Konjunktur als „bemerkenswert positiv“ ein, was die Anleihemärkte mit merklichen Renditeanstiegen quittierten.

IWF-Tagung wartet mit aktualisierten Konjunktur-Prognosen auf

In der kommenden Woche müssen die Märkte die Wahlergebnisse aus Brasilien einordnen. Dort macht sich der rechtspopulistische Kandidat Bolsonaro Hoffnungen, in die zweite Runde der Präsidentschaftswahl zu ziehen und Präsident Temer abzulösen. Interessant wird auch die Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds in Indonesien ab Montag werden. Dabei werden die aktualisierten Konjunkturprognosen für die Weltwirtschaft veröffentlicht. Bei den Gesprächen zwischen Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Notenbanken dürften die Handelsstreitigkeiten eine wichtige Rolle spielen.

 

28.09.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Zinsen steigen – zumindest in den USA

In den Vereinigten Staaten steigen die Zinsen. Die Notenbank Fed hob wie erwartet die Zinssätze um einen Viertelprozentpunkt auf 2,25 Prozent und zog damit die finanziellen Umfeldbedingungen für die US-Volkswirtschaft weiter an. Doch damit wahrscheinlich noch nicht genug für 2018: Der Markt taxiert die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Zinsschritts im Dezember auf etwa 80 Prozent. Auch im kommenden Jahr wird die Fed die Zinsen weiter anheben. Darauf müssen sich die Akteure erst noch einstellen, denn viele waren von dauerhaft niedrigen Zinsen ausgegangen. In Europa kam keine Euphorie über die Finanzpläne der neuen italienischen Regierung auf. Ein klar über 2 Prozent liegendes Haushaltsdefizit anzustreben, und das für die nächsten Jahre, ließ Befürchtungen vor neuen Querelen an den europäischen Finanzmärkten aufkommen. Zusätzlich verhagelte der weiter steigende Ölpreis den Börsianern etwas die Laune. Die Inflationserwartungen dürften energiebedingt leicht nach oben revidiert werden.

In der kommenden Woche dürfte sich der Aktienmarkt mit weiter abkühlenden Konjunkturdaten aus Europa herumschlagen. Der Einkaufsmanagerindex als konjunktureller Frühindikator könnte für Italien sogar unter die wichtige 50-Punkte-Marke fallen. In den USA dürfte der Arbeitsmarktbericht für September unterstreichen, dass sich die Wirtschaft weiterhin auf einem kräftigen Wachstumspfad befindet. Seit Beginn des Jahres wurden dort durchschnittlich gut 200.000 Stellen pro Monat geschaffen. Mit ähnlicher Dynamik kann man auch für den September rechnen, und das trotz der Flutkatastrophe durch Hurrican Florence. Mit größerer Spannung beobachten Marktteilnehmer die Lohndaten. Im Schnitt dürften die Stundenlöhne um 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat überdurchschnittlich ansteigen.

21.09.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Feierlaune an den Börsen?

Man soll Feste feiern wie sie fallen, sagt der Volksmund. Unmittelbar nach dem zehnten „Geburtstag“ der Lehman-Pleite erreichten der S&P 500 sowie der Dow Jones neue Höchststände. Da mussten wohl einige Investoren den amerikanischen Märkten hinterhergelaufen und eingestiegen sein, wo doch Aktienrückkäufe die US-Börsen ohnehin seit Monaten treiben. Trotz der Zollentscheidungen der US-Regierung kann die dortige Konjunktur mit soliden Daten aufwarten. Die amerikanische Notenbank ist in ihrem Zinserhöhungszyklus schon sehr weit vorangeschritten, und die Unternehmen überstehen dies offenbar recht gut. Dies ist generell ein positives Signal für die Finanzmärkte, nicht nur in den USA. Und es ist auch ein Hinweis darauf, dass bei fortgesetzter globaler Expansion die anderen Notenbanken tatsächlich den Weg der geldpolitischen Normalisierung gehen können und werden.

Über die Stimmung in Europa werden wir in der kommenden Woche durch verschiedene Indikatoren informiert. Schon am Montag darf man gespannt sein, ob der ifo Geschäftsklimaindex den überraschenden jüngsten Anstieg bestätigen kann. Der Euro festigt sich ein wenig, und die Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China belasten die Märkte weiterhin. Da der Ölpreis auf hohem Niveau bleibt, wird die Inflationsrate in der Eurozone im September wohl zunächst bei über 2 Prozent verharren. Dies setzt die Europäische Zentralbank nicht spontan unter Druck, wird aber dennoch ein Hingucker für die Finanzmärkte sein.

14.09.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Durchatmen in bewegten Zeiten

Entspannung an den Finanzmärkten. Eine konstruktive Pause bei den Zollverhandlungen zwischen den USA und China, gute Wirtschaftsdaten und keine weitere Zuspitzung der angespannten finanziellen Lage einiger Schwellenländer haben die Märkte durchatmen lassen. Aus Italien kamen gemischte Zeichen für den anstehenden Haushaltsentwurf, allerdings bemüht sich die Regierung darum, den finanzpolitischen Rahmen so gut es geht einzuhalten. Selbst bei den lange Zeit festgefahrenen Brexit-Verhandlungen machen Beobachter zarte weiße Wölkchen aus. Ein harter Brexit kann vermieden werden, wenngleich die Austrittsvereinbarung viele strittige Punkte offen lassen könnte. Doch summa summarum wurden einige angespannte Marktsegmente wie die Schwellenländerwährungen, italienische Staatsanleihen oder auch der breite Aktienmarkt in Europa etwas entlastet.

Dennoch bleibt das weltwirtschaftliche Umfeld sehr unruhig. Beruhigungen bei den Risikothemen können schnell wieder neuen Stressphasen weichen, die hakenschlagende Verhandlungsführung der US-Regierung in Handelsfragen ist hierfür nur ein Beispiel. Von harten wirtschaftlichen Daten werden in der neuen Woche kaum Impulse ausgehen. In Europa werden die die Einkaufsmanagerindizes für den September keine Beschleunigung der wirtschaftlichen Aktivität im dritten Quartal 2018 andeuten. Bereits im ersten Halbjahr hatte die Wirtschaft in Euroland an Dynamik verloren. Allerdings lassen die jüngsten gemäßigten Töne aus Italien zur geplanten Haushaltsentwicklung und die zunächst stabilisierte Lage in der Türkei auch keinen spürbaren Rückgang der Einkaufsmanagerindizes erwarten.

 

31.08.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Trump macht die Börse

Licht und Schatten an den Aktienbörsen weltweit: Die Rekordjagd der US-Aktien ging in dieser Woche weiter und wurde von Fortschritten bei den Handelsgesprächen zwischen den USA und Mexiko sowie Kanada unterstützt. Gegen Ende der Woche dann ein „typischer Trump“: In einem Interview deutete er an, dass er in der kommenden Woche beschließen werde, chinesische Exporte in Höhe von 200 Mrd. USD mit Zöllen zu belegen. Dies ließ die Risikowahrnehmung an den Finanzmärkten wieder deutlich ansteigen. Gleiches galt für seine Reaktion auf den Vorschlag der EU, Zölle auf Autos generell abzuschaffen, den er als „nicht gut genug“ bezeichnete. Die Folge: Die Rendite 10-jähriger Bunds prallte deutlich an der Marke von 0,40 % ab, Schwellenländer-Anlagen, Anleihen aus europäischen Peripheriestaaten und Rohstoffe verloren deutlich. Europäische Aktien gaben ihre Wochengewinne wieder ab.

Insbesondere die Lage in einigen Schwellenländern beunruhigt die Marktteilnehmer. Die Türkei und Argentinien werden mehr und mehr als Spitze eines Eisbergs wahrgenommen. Auch zahlreiche andere Schwellenländer haben Probleme mit steigenden Zinsen und sinkenden Wechselkursen. In der kommenden Woche stehen Daten aus den USA im Fokus: Im August dürfte der Einkaufsmanagerindex ISM für das verarbeitende Gewerbe nach einem Rücksetzer im Juli wieder etwas ansteigen. Für den US-Arbeitsmarkt deuten die Frühindikatoren zwar auf einen etwas schwächeren Beschäftigungsaufbau hin. Gleichwohl dürfte dieser hinreichend hoch sein, um einen weiteren Rückgang der Arbeitslosenquote zu erreichen.

 

24.08.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Atempause an den Börsen

Für die Finanzmärkte war es eine ruhige Woche inmitten des politischen Getöses. Die türkischen Märkte waren feiertagsbedingt geschlossen, im Handelsstreit zwischen den USA und China gab es Verhandlungen hinter verschlossenen Türen, und das gab dem DAX Gelegenheit zu einer leichten Kurserholung. Unterstützend wirkte sich aus, dass die Einkaufmanagerindizes für die großen europäischen Länder in dieser Woche nach den Verlusten der Vormonate wieder angestiegen sind und damit auf eine Fortsetzung der guten Konjunktur auch bei eingetrübtem Handelsklima hindeuteten. Vor dem Hintergrund guter Konjunkturzahlen holte auch der Euro gegenüber dem US-Dollar wieder etwas auf. Hier kam hinzu, dass der US-Präsident ziemlich offen die eigene Notenbank wegen steigender Leitzinsen kritisierte. Da der Präsident die Geldpolitik jedoch wohl kaum beeinflussen können wird, sollte sich dieser Effekt als kurzlebig erweisen.


Absehbar: Abbröckelnde Inflationszahlen

In den kommenden Tagen dürften die alten Themen auf die finanzielle Agenda zurückkommen. Die Währungskrise in der Türkei ist alles andere als gelöst. Und die Diskussion um weitere Strafzölle dürfte weitergehen. Unterdessen darf auch die Entwicklung von Wirtschaft und Inflation nicht aus den Augen gelassen werden. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sollte die wieder aufgehellten Konjunkturperspektiven durch einen leichten Wiederanstieg bestätigen. Schließlich wird Ende der Woche die Veröffentlichung der neuesten Inflationsraten einen Preisanstieg von knapp über zwei Prozent ausweisen. Dies reicht allerdings noch nicht aus, um auch in Europa höhere Zinsen hervorzurufen. Ein Abbröckeln der Inflationszahlen in den kommenden Monaten ist jetzt bereits absehbar.

 

17.08.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Türkische Woche

Die wirtschaftliche und politische Entwicklung in der Türkei hielt die Märkte in dieser Woche in Atem. Die erneute Stärke des US-Dollars setzt die Finanzsysteme vieler Schwellenländer unter Druck, und zwar umso mehr, je höher deren Verschuldung in harter Währung ist und je mehr ein Land mit eigenen Zinserhöhungen gegensteuern muss. Von der Türkei gingen hauptsächlich Signale aus, dass man sich der Logik der Finanzmärkte nicht anschließen wolle. Die eingeleiteten Stabilisierungsmaßnahmen werden an den Märkten als nicht nachhaltig angesehen. Als Handelspartner für Europa ist die Türkei mit einem Anteil an den Exporten von knapp 3 Prozent nicht sehr groß, und für das europäische Finanzsystem sind die Risiken verkraftbar. Diese Haltung setzte sich zum Ende der Woche durch und führte zu Kurserholungen an den Aktienmärkten, unterstützt durch positive Zeichen im Handelsstreit zwischen den USA und China.


Jackson Hole – Notenbank Symposium in den USA

Zunehmend rückt die finanzpolitische Lage in Italien in den Fokus der Märkte. Sollte der Haushaltsplan, zusätzlich getrieben von den tragischen Ereignissen in Genua, gravierend von den Regeln der Währungsunion abweichen, drohen heftige Reaktionen an den Anleihemärkten mit Ausstrahlungen auf Aktien. In der kommenden Woche geben die Einkaufsmanagerindizes Auskunft über die aktuelle Konjunkturentwicklung. In der zweiten Wochenhälfte findet in Jackson Hole (USA) unter Beteiligung der amerikanischen Notenbank (Fed) die wichtigste geldpolitische Notenbankentagung des Jahres statt. Grundlegende Neuausrichtungen zu den US-Zinsen sind allerdings nicht zu erwarten.

 

10.08.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Aktienkurse trotz solider Unternehmensgewinne im Minus

Zwar hat die gerade abgelaufene Berichtssaison den Unternehmen solide Gewinnentwicklungen bescheinigt, was zur Wochenmitte für eine freundlichere Börsenstimmung sorgte. Doch wie das ganze Jahr über hat der politische Gegenwind die Aktien wieder ausgebremst. Neben weltweiten Handelsstreitigkeiten und geopolitischen Konflikten macht insbesondere die Währungskrise der Türkei Sorgen. Die türkische Lira ist gegenüber dem US-Dollar auf ein historisches Tief gefallen. Anders die USA: Zwar leidet auch die US-Wirtschaft unter den politischen Querelen, aber hier haben deutliche Steuersenkungen für eine binnenwirtschaftliche Euphorie und steigende Aktienkurse gesorgt. Doch auch dort wird sich die Stimmung eintrüben, sobald die Impulse der Steuerreform nachlassen, was im kommenden Jahr der Fall sein wird.

Dienstag: BIP-Zahlen für das zweite Quartal 2018

Die Turbulenzen um die türkische Lira sowie die Sorgen über die Währungen anderer Schwellenländer werden weiterhin auf den Börsen lasten. Der Handelsstreit mit den USA schwelt weiter. Und im Euroraum ist neuer Streit vorprogrammiert, wenn die neue italienische Regierung ihren Haushaltsentwurf vorlegt und dabei mehr oder weniger vorsätzlich die Defizitregeln bricht. Wie robust sich die Wirtschaft gegen die politischen Dauerrisiken verhält, wird sich in der kommenden Woche auch zeigen, wenn das deutsche Bruttoinlandsprodukt für das zweite Quartal veröffentlicht wird. Die konjunkturellen Frühindikatoren der vergangenen Monate waren sehr uneinheitlich, was die neuen Zahlen sehr spannend macht.

 

03.08.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Handelsstreit heizt auch im Sommer ein

Im Hochsommer erhitzt der von den USA initiierte Handelsstreit die Märkte zusätzlich. Herrschte zu Wochenbeginn noch eine freundlichere Tendenz als Reaktion auf die Einigung zwischen EU und USA vor, drehte diese Entwicklung, als US-Handelspolitiker eine mögliche Verschärfung geplanter Zollmaßnahmen gegenüber China andeuteten. Die US-Regierung ist überzeugt, im Handelspoker mit China die besseren Karten zu haben. Den Worten werden wohl Taten folgen, sofern China nicht bei den wichtigen Themen der geistigen Eigentumsrechte und der Wettbewerbsverzerrungen durch staatlich subventionierte Unternehmen Angebote macht. Eine Erhöhung der Zollmauern ist für Unternehmen weltweit ein Problem, wie jüngste Umfragen ergaben. Ein Umbau der weltweiten Produktionsstrukturen zur Umgehung neuer Handelshemmnisse wäre teuer und würde auf die Unternehmensgewinne drücken.

Inflationszahlen rücken in den Fokus

Vor dem Hintergrund der Handelsstreitigkeiten treten die wirtschaftlichen Daten in den Hintergrund. In der abgelaufenen Woche wurde die kräftige Konjunktur in den USA bestätigt. Deshalb richtet sich das Augenmerk nun immer mehr auf steigende Inflationszahlen, die den Notenbanken auf Dauer nicht gleichgültig sein können. In der kommenden Woche ist der ökonomische Kalender dünn besetzt. Zahlen zur Industrieproduktion geben einen Eindruck, ob sich auch die deutsche Konjunktur weiter von ihrer Formschwäche zu Jahresanfang erholt. Damit hängen die Börsen wohl kurzfristig auch weiterhin an den Fäden der Handelspolitik.

27.07.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Keine Überhitzung an den Märkten

Die erste große Hitzewelle zog in dieser Woche über Deutschland. Von durch Neuigkeiten erhitzten Märkten kann demgegenüber keine Rede sein: Das ifo-Geschäftsklima wurde kaum verändert gemeldet, bei den Brexit-Verhandlungen wird fast frostig auf die britischen Vorschläge reagiert, die EZB-Sitzung brachte keine neuen Impulse, und das Zusammentreffen von Juncker und Trump sollte euphoriebefreit kommentiert werden. Bezüglich der überraschenden Vereinbarung zwischen der Europäischen Union und den USA, auf weitere Zollanhebungen zunächst zu verzichten, bleibt abzuwarten, ob dieser konstruktive Kurswechsel des US-Präsidenten nachhaltig ist. Kritisch zu sehen ist aber, wenn durch den „Waffenstillstand“ zwischen den USA und der EU der Druck der Vereinigten Staaten auf China wächst. Dort könnte sich dann als Folge die Eskalationsspirale im Handelsstreit weiter drehen.

Bewegung an den Börsen voraus

Zu Unternehmensmeldungen gesellen sich in der kommenden Woche schwergewichtigere Konjunkturdaten, die die Börsen in Bewegung bringen können. Erste Meldungen zur Veränderung des Bruttoinlandsprodukts im zweiten Quartal werden ergänzt um aktuelle Stimmungsindikatoren in Europa. Von Interesse wird sein, wie sich das politische Umfeld der Handelszwistigkteiten niederschlägt. In den USA entscheidet die amerikanische Notenbank über ihren geldpolitischen Kurs, der unverändert beibehalten werden dürfte. Spannung kommt am Wochenschluss einmal mehr mit Blick auf den US-Arbeitsmarktbericht und mögliche inflationstreibende Entwicklungen auf.

 

20.07.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Freihändler zeigen Flagge

Beim ersten Gipfeltreffen der USA und Russlands seit acht Jahren nutzte US-Präsident Trump die Gelegenheit, um sich noch einmal deutlich von den westlichen Verbündeten und selbst von US-Institutionen abzuwenden. Das dortige negative Echo könnte nun dazu führen, dass er zumindest bis zu den Wahlen (Midterm-Elections) im November noch rigoroser in Sachen Protektionismus auftritt. Doch es gibt auch gute Nachrichten in Sachen Welthandel: Die EU und China bekräftigten auf ihrem Handelsgipfel die Bestrebungen, sowohl die Welthandelsorganisation WTO als auch den gegenseitigen Handel zu reformieren. Flagge zeigten die Freihändler auch mit der Unterzeichnung des Freihandelsabkommens JEFTA zwischen der EU und Japan. Dagegen zeichnete sich bei den Anhörungen zu möglichen US-Automobilzöllen keine Lösung ab, womit deren Einführung immer wahrscheinlicher wird.

Mit Spannung erwartet: Zusammentreffen von Juncker und Trump

In der kommenden Woche dürfte der deutsche ifo Geschäftsklimaindex die Konflikte in Handelsfragen widerspiegeln und demzufolge wohl weiter sinken. Gleiches gilt für die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes in Deutschland und Euroland. In den USA werden die Bruttoinlandsprodukts-Zahlen für das zweite Quartal ein kräftiges, vom privaten Konsum getragenes Wachstum anzeigen. Wenig Überraschendes ist von der Geldpolitik zu erwarten: Die EZB wird in ihrer Sitzung den Leitzins unverändert lassen. Spannend wird das Treffen von US-Präsident Trump und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, bei dem letzterer sich bemühen wird, die Wogen des Handelsstreits zu glätten.

 

13.07.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Politischer Circus Maximus

Die Konjunkturerwartungen nahmen in der zurückliegenden Woche weiter ab. Mit Blick auf das aktuelle politische Geschehen überrascht das kaum: So ist es der britischen Premierministerin Theresa May nur vorübergehend gelungen, ihre Kabinettsmitglieder auf das Ziel eines weichen Brexits zu verpflichten. In altbekannter Weise mischte auch US-Präsident Donald Trump die internationale Gemeinschaft auf. Blieb sein Auftritt beim NATO-Gipfel noch im Bereich des Erwarteten, stehen im Handelskrieg mit China nun neue Zölle auf ein Importvolumen von 200 Mrd. US-Dollar im Raum. Die Aussicht auf eine erneute Eskalation belastete zur Wochenmitte weltweit die Aktienmärkte. Obwohl die Konjunkturindikatoren für den Euroraum erstmals seit langem wieder positiv überraschten, überwogen stimmungsmäßig doch die Unsicherheiten über die weitere Entwicklung des Welthandels.

Im politischen Fokus: Treffen von Wladimir Putin und Donald Trump

In der kommenden Woche reißen die politischen Darbietungen nicht ab. Den Auftakt bildet das Treffen des US-Präsidenten mit seinem russischen Amtskollegen. Die deutschen Autobauer dürften interessiert verfolgen, wie die Ergebnisse der US-Beratungen über Zölle auf Kraftfahrzeuge ausgefallen sind. Bei den BIP-Zahlen aus China wird trotz aller negativen Nachrichten der vergangenen Wochen nur mit einer leichten Abschwächung gerechnet werden. Diese wiederum wird nicht vom Exportsektor getrieben, sondern durch nachlassenden Konsum und rückläufige Infrastrukturinvestitionen. Positive Arbeitsmarktzahlen im Vereinigten Königreich sollten zudem von den dunklen Wolken des Brexits ablenken.

06.07.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Streithähne

In diesen unruhigen Zeiten gibt es noch gute Nachrichten. Die Gefahr eines Bruchs der Regierungskoalition in Deutschland scheint vorerst gebannt, nachdem Innenminister Seehofer zu Beginn dieser Woche seinen Rücktritt vom Rücktritt erklärt hat. Dagegen ist beim globalen Handelsstreit weiterhin keine Lösung in Sicht. Während sich die Spirale von Zöllen und Gegenzöllen im Konflikt zwischen den USA und China zuletzt weiterdrehte, gibt es bezüglich der angedrohten Autozölle gegenüber der EU zwar ein Verhandlungsangebot aus den USA. Ob dieses jedoch praxistauglich ist, wird EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bei seinem Treffen mit US-Präsident Donald Trump in Washington diskutieren. Auch der gestiegene Ölpreis erregt Unmut beim US-Präsidenten. Die Analysten bezweifeln allerdings zu Recht, ob dessen Forderung nach einer höheren Produktion Saudi-Arabiens die drohende Ölknappheit infolge des Wegfalls des iranischen Öls verhindern kann.

Erwartet: Trotz gestiegenem Ölpreis unspektakuläre US-Inflation

In der kommenden Woche dürfte die britische Premierministerin Theresa May große Mühe haben, die angestrebten moderateren Positionen im Hinblick auf die Brexit-Verhandlungen bei den Hardlinern in ihrem Kabinett durchzusetzen. Am Donnerstag wird es dann von der US-Inflationsfront recht unspektakuläre Nachrichten geben. Die Kerninflation blieb im Juni wohl moderat, lediglich die Gesamtinflationsrate dürfte wegen gestiegener Benzinpreise leicht nach oben gegangen sein. Am Ende der Woche werden schließlich die ersten großen US-Banken ihre Zahlen für das zweite Quartal vorlegen. Die Bestätigung der Markterwartungen hinsichtlich kräftiger Gewinnzuwächse könnte den Märkten wieder etwas mehr Freude bringen.

 

29.06.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Grenzen setzen

Grenzen setzen, dieses pädagogische Prinzip kommt derzeit in der Weltpolitik verstärkt in Mode. Der US-Präsident bekräftigte zuletzt seinen Wunsch, die Zahl der Staaten, die iranisches Öl kaufen, am besten gleich auf Null zu begrenzen. Die Folge: Der Ölpreis stieg, und das, obwohl die OPEC und Russland zuvor eine spürbare Ausweitung ihrer Ölproduktion versprochen hatten. Die Europäische Union hat sich bei ihrem Gipfel mit Blick auf die Migrationsfragen zumindest ansatzweise geeinigt. Dagegen waren die Aktienmärkte in der zurückliegenden Woche weiter im Risikomodus unterwegs. Sie ängstigen sich vor dem Schreckgespenst einer möglicherweise nahenden Rezession. Grenzenlos war allerdings die Erschütterung, als „Die Mannschaft“ sich am Mittwoch vorzeitig aus der Fußball-Weltmeisterschaft verabschiedete.

Mit Spannung erwartet: deutsche Konjunkturdaten

Die Politik bleibt der große Markttreiber. Aber in der kommenden Woche gibt es bei den zur Veröffentlichung anstehenden Daten durchaus ein paar Hingucker. Allen voran wird am kommenden Freitag der US-Arbeitsmarktbericht weitere Indizien dafür liefern, ob in den USA tatsächlich die Inflation in den Wunschgrenzen der US-Notenbank Fed bleibt. Da die Löhne im Juni aber wohl nur moderat gestiegen sind, dürften die Märkte kaum auf die Daten reagieren. Spannend wird es mit Blick auf die deutsche Konjunktur. Enttäuschende Werte für die Auftragseingänge und die Produktion im Mai dürften unsere Erwartung bestätigen, dass die Wirtschaft hierzulande im zweiten Quartal nur stagnierte.

 

22.06.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Abwärts

Nein, mit „Abwärts“ soll nicht die Erinnerung an den Thriller mit Götz George geweckt werden, der klaustrophoben Menschen den Angstschweiß von der Stirn rinnen lässt. Abwärts ging es an den Börsen, denn die Risikowahrnehmung erhielt neue Nahrung und der monetäre Angstschweiß sorgte für schwache Märkte: neue Strafzolldrohungen der USA gegen China, europakritische Personalentscheidungen der neuen italienischen Regierung, politische Spannungen um die Flüchtlingspolitik in Europa mit Streitigkeiten in der deutschen Bundesregierung, nach unten revidierte Prognosen für Deutschland und eine Gewinnwarnung von Daimler, um nur die wichtigsten Quellen für die Verunsicherung zu nennen. Die gemeldeten Konjunkturdaten sowie die Notenbankkommentare waren vergleichsweise unaufgeregt. Scheinbar ist die Stimmung an den Finanzmärkten in diesen Tagen schlechter als die Lage.

Neue Woche startet mit ifo Geschäftsklima

Besteht Hoffnung, dass in der kommenden Woche ein Stimmungsumschwung mit Besserung an den Märkten einsetzt? Vermutlich erwartet uns kein Feuerwerk an guten Nachrichten. Gleich am Montag dürfte in Deutschland das ifo Geschäftsklima eher mit einem Rückgang aufwarten. Aus politischer Sicht steht der EU-Gipfel am 28. und 29. Juni im Fokus. Man muss hier keine durchgreifenden Fortschritte und Lösungen erwarten. Allerdings können bereits das Ausbleiben einer Eskalation und ein Mindestmaß an Klarheit über den künftigen Kurs in der Flüchtlingsdebatte durchaus reichen, damit es an den Börsen nicht weiter abwärts geht.

 

15.06.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Märkte treten auf der Stelle

Die Woche stand im Zeichen des G7-Gipfels und seiner Nachwehen. Dass man sich nicht auf ein gemeinsames Abschlusspapier einigen konnte, zeigt das Ausmaß der momentanen Zerstrittenheit zwischen den USA und ihren Partnern. Zwar reagierten die Märkte kaum, doch bleibt die Gefahr von Kurzschlusshandlungen und negativen Überraschungen in diesem Umfeld bestehen, zumal auch mit Blick auf Europa die Risiken nicht gebannt sind. So führten widersprüchliche Aussagen italienischer Politiker zu heftigen Schwankungen bei den Renditen insbesondere italienischer Staatsanleihen, und auch der DAX trat auf der Stelle. Die Notenbanken bleiben unbeirrt und halten am Kurs der geldpolitischen Normalisierung fest: Die Fed vollzog eine weitere Zinserhöhung, eine stärkere Straffung der Geldpolitik bis Jahresende ist möglich. Die EZB wiederum kündigte an, ihre Anleihekäufe zum Ende des Jahres einzustellen.

In der kommenden Woche wird die Bank of England aller Voraussicht nach ihre Füße still halten, bevor sie im Spätsommer die nächste Chance für eine Leitzinserhöhung bekommt. Ansonsten dürfte die Politik weiterhin das Marktgeschehen bestimmen. Neben der Entwicklung des Handelsstreits zwischen den USA und China stehen die angekündigten Strafzölle der EU und Kanadas gegen die USA im Fokus. Daneben könnte die OPEC Ende kommender Woche die Förderquoten etwas erhöhen, um der Knappheit am Rohölmarkt zu begegnen. Die Frühindikatoren aus den USA dürften recht stabil bleiben, während aus Euroland und Deutschland erneut rückläufige Einkaufsmanagerindizes zu erwarten sind.

 

08.06.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Märkte einmal mehr im Bann der Politik

Das Hauptaugenmerk der Märkte lag in dieser Woche auf Spanien und Italien. Während in Spanien die Zeichen auf Neuwahlen stehen und der neue sozialistische Regierungschef Sánchez den wirtschaftspolitischen Kurs seines konservativen Vorgängers beibehalten will, wird die Lage in Italien die Entwicklung der nächsten Wochen bestimmen: Denn obwohl ein eher Euro-freundlicher Finanzminister installiert wurde, stehen die Zeichen auf Konfrontation mit den europäischen Partnern. Das Zurückdrehen von Strukturreformen, massive Ausgabensteigerungen sowie der deutliche Bruch mit der traditionell pro-europäischen Politik Italiens führen zu starken Verunsicherungen der Marktakteure. Es verwunderte daher nicht, dass der DAX unentschlossen um seine 200-Tage-Linie pendelte und positive Impulse – unter anderem durch US-Technologiewerte – nur geringe Auswirkungen hatten.

Die neue Börsenwoche wird bestimmt sein durch das G7-Treffen und den Handelsstreits zwischen USA und EU, in dem die Europäer Vergeltungszölle auf Whiskey, Jeans und Motorräder ab Juli angekündigt haben. Dies und die Lage in Italien werden sich in den Konjunkturerwartungen widerspiegeln. Darüber hinaus steht neben dem Fed-Zinsentscheid, bei dem mit einem weiteren Zinsschritt zu rechnen ist, die Diskussion des EZB-Rats über die Zukunft des Anleihekaufprogramms an. Wahrscheinlich wird eine Entscheidung dazu erst im Juli verkündet. Ein Ende der Käufe erscheint jedoch trotz – oder gerade wegen – der Unsicherheiten in Italien im vierten Quartal 2018 realistisch und würde auch den Markterwartungen entsprechen.

01.06.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Quo vadis, Roma?

An den Kapitalmärkten ist lange ignoriert worden, dass das Ergebnis der Parlamentswahl in Italien ein beträchtliches Gefahrenpotenzial in sich birgt. Nachdem sich dann die populistischen Parteien Lega und 5-Sterne-Bewegung auf ein extrem kostspieliges Regierungsprogramm geeinigt hatten, nahmen die Reaktionen panikartige Züge an. Die Renditen italienischer Staatsanleihen stiegen massiv an und Aktienkurse, allen voran Bankentitel, verzeichneten kräftige Verluste. Das vorgestellte Regierungsprogramm lässt eine starke Defizitausweitung befürchten und geht auf harten Konfrontationskurs zum EU-Stabilitätspakt. Die Furcht vor einer Neuauflage der Eurokrise hat auch zu Fluchtbewegungen aus anderen Peripherieländern der Eurozone sowie aus risikobehafteten Unternehmenswerten geführt. Im Gegenzug wurden vor allem sichere Häfen wie Bundesanleihen und US-Schuldverschreibungen nachgefragt.

Stimmungsindikatoren könnten weiterhin positive überraschen

Zuletzt hatte der Rückgang von Stimmungsindikatoren in Europa Fragen über die Stärke des aktuellen Aufschwungs aufgeworfen. Immerhin hat sich nun das sogenannte ‚Economic Sentiment‘ für die Eurozone stabilisiert und damit die Märkte positiv überrascht. Auch bei den kommenden Stimmungsindikatoren dürfte sich eine Stabilisierung abzeichnen und damit ein ordentliches Wachstum für das zweite Quartal andeuten. Der drohende Stress mit der neuen italienischen Regierung in Verbindung mit dem schwelenden Handelsstreit mit den USA lässt dennoch die Erwartung aufkommen, dass sich die Europäische Zentralbank mit ihrem geldpolitischen Rückzug nun noch mehr Zeit lassen könnte.

25.05.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Italienischer Blues

Nach den Zugewinnen in den vergangenen Wochen schlug der Dax jetzt wieder die Gegenrichtung ein. Ein Grund: die politische Entwicklung in Italien, wo sich eine Regierung aus Rechts- und Linkspopulisten abzeichnet. Da deren Vorhaben nur über erhebliche weitere Schuldenaufnahme umsetzbar sind, ist Streit mit den Euro-Partnerländern vorprogrammiert. Da es wiederum nur diese sind, die Italien im Falle einer Misstrauensattacke der Finanzmärkte beistehen können, machen sich Zweifel breit, ob die Währungszusammenarbeit mit Italien unter einer solchen Regierung noch funktionieren kann. Aber es gab in dieser Woche noch weitere unerfreuliche Botschaften für Aktien, denn die Konjunktur-Umfragewerte in den europäischen Volkswirtschaften sackten einmal mehr ab. Sollten die nächsten Werte keine Stabilisierung anzeigen, können ernsthafte Konjunkturängste geweckt werden.

 

Konjunkturdaten aus China und Inflationszahlen in Euroland prägen die nächste Datenwoche. Ihr Überraschungspotenzial ist aber begrenzt. Anders bei den US-Arbeitsmarktzahlen: Der Mai-Bericht dürfte bestätigten, dass sich die US-Wirtschaft weiterhin auf einem relativ guten Wachstumspfad befindet. Allerdings schlägt sich das inzwischen geringe Arbeitskräfteangebot in einer leichten Verlangsamung des monatlichen Beschäftigungsaufbaus nieder. Es überrascht auch, dass die Lohndynamik im Zuge einer etwas schwächeren Beschäftigungsentwicklung nur verhalten zunimmt. Die Frühindikatoren deuten hier eine im Vergleich zum Vormonat unveränderte Jahresveränderungsrate an.

 

18.05.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Aufschwung setzt sich fort

Wieder hatten die Aktienmärkte eine Reihe von politischen Pillen zu schlucken. Nach dem Ausstieg der USA aus dem Iran-Abkommen beschloss die Europäische Union, vorerst an den Vereinbarungen festzuhalten. Dem Rohölpreis kam dies kaum zugute. Noch können die Börsen dies ignorieren, denn die konjunkturellen Gefahren halten sich in Grenzen. Im Handelsstreit gingen die Verhandlungen weiter: China und Europa suchen nach Wegen, den US-amerikanischen Bedürfnissen nach mehr Auslandsgeschäft entgegenzukommen. Im Schatten einer recht freundlichen Börsenwoche stiegen am US-Anleihemarkt die Renditen 10-jähriger Staatsanleihen über die 3-Prozent-Grenze. Hintergrund hier: die Amerikanische Notenbank (Fed) sollte bei weiterhin anständigen konjunkturellen Zahlen aus den USA die Geldpolitik langsam und planmäßig weiter straffen.

Eurozone: Stimmung der Wirtschaft weiterhin gut

Die europäische Konjunktur hat im ersten Quartal spürbar an Schwung verloren. Die Stimmung in der Wirtschaft der Eurozone ist aber nach wie vor gut. Auch die Einkaufsmanagerindizes für den Mai dürften dies in der kommenden Woche wieder zum Ausdruck bringen. Dies gilt sowohl die Industrie als auch für die Dienstleister. Der wahrscheinliche erneute Rückgang ist jedoch in erster Linie als Normalisierung zu interpretieren und weniger den aktuellen Unsicherheitsfaktoren wie Protektionismus, Ölpreisanstieg, US-Dollar-Stärke oder mühsame italienische Regierungsfindung geschuldet. Ein gewisser Teil der Eintrübung resultiert auch daraus, dass in einigen europäischen Ländern Personalengpässe und lange Lieferzeiten bereits zentrale Themen der Wirtschaft sind. Das ifo Geschäftsklima wird freundlich genug ausfallen, um keine Konjunktursorgen auszulösen.

 

11.05.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Politik lässt Märkte kalt

Thema der Woche war der Rückzug der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran. Nach einer Frist von sechs Monaten sollen alle früheren Sanktionen wieder eingesetzt werden. Dies beinhaltet Maßnahmen zur Reduktion der Ölexporte genauso wie den Entzug der Lizenzen für Boeing und Airbus, Flugzeuge in den Iran zu liefern. Die Finanzmärkte nahmen scheinbar jedoch kaum Notiz von dieser Entwicklung, ebenso wie von den neu aufgekommenen militärischen Spannungen im Nahen Osten. Im Gegenteil: Der DAX konnte die Marke von 13.000 Punkten zurückerobern. Die politischen Entwicklungen sind denn auch noch sehr undurchsichtig. Iran und die anderen Unterzeichner des Abkommens wollen trotz der US-Entscheidung an der Abmachung festhalten. Ob dies angesichts der US-Sanktionen in der Praxis möglich ist, erscheint aber fraglich. Gleichzeitig hat die US-Regierung einmal mehr Gesprächsbereitschaft angedeutet: Auch bei dieser scheinbaren Aufkündigung internationaler Zusammenarbeit ist also das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Ölpreis findet zunehmende Beachtung

Wenn in der kommenden Woche das Wachstum des deutschen Bruttoinlandsprodukts im ersten Quartal veröffentlicht wird, dürfte es lange Gesichter geben: Statt des noch bis vor kurzem erwarteten Wachstums von 0,6 Prozent im Vorquartalsvergleich dürfte gerade einmal die Hälfte herauskommen. Vieles deutet allerdings auf eine temporäre Schwäche hin. So berichten die Unternehmen von starken Engpässen bei Material, Maschinen und Personal – bei gleichzeitig sehr hoher Nachfrage. Weiterhin im Fokus steht auch der Ölpreis: Aufgrund der politischen Unsicherheit waren die Preise gestiegen, aber noch befinden sie sich in einem konjunkturell verkraftbaren Bereich.

 

04.05.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Eine freundliche Aktienwoche

Die Aktienmärkte in Europa tendierten zuletzt freundlich. Vor allem der DAX konnte deutlich zulegen und die technisch wichtige 200-Tage-Linie überschreiten. Unterstützung kam aus den USA mit guten Quartalsberichten der Technologieunternehmen und soliden Auto-Absatzzahlen, zudem beflügelte der weiter schwächer tendierende Euro. Trotz ermutigender Kommentare von US-Finanzminister Steven Mnuchin zu den Handelsgesprächen mit China bleibt dieses Thema auf der Tagesordnung, denn der Weg zu fairen Handelsbeziehungen ist aus US-Sicht weit. Von den Zinsmärkten kam dagegen diesmal kein Störfeuer. Obwohl der Renditetrend nach oben zeigt, ist auch klar, dass er sich nur sehr allmählich und in vielen Vor- und Rückschritten vollzieht. Inflationszahlen und Zentralbankäußerungen sorgten in dieser Woche dafür, dass es bei den Marktrenditen erst einmal wieder nach unten ging.

Treibstoffzufuhr für steigende Renditen bleibt erhalten

Die nächste Konjunkturdiskussion findet in Deutschland statt: Die Zahlen für das erste Quartal werden enttäuschend ausfallen. Hierfür sind teilweise Sonderfaktoren wie die Grippewelle verantwortlich, jedoch auch Überlastungen, denn die deutsche Wirtschaft ist derart ausgelastet, dass weitere Zuwächse schwieriger werden. In der kommenden Woche steht die Inflation im Fokus: Am Feiertag werden die US-Verbraucherpreise für April veröffentlicht. Energiepreisbedingt dürften sie etwas stärker ansteigen und die Jahresteuerung auf 2,5 Prozent hieven. Die für die Geldpolitik wichtigere Rate ohne Energiegüter wird ebenfalls leicht auf 2,2 Prozent ansteigen. Damit bleibt die Treibstoffzufuhr für den Trend steigender Renditen erhalten.

27.04.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Hinhaltetaktik

Wer für die vergangene Woche auf konkrete Hinweise gehofft hatte, um damit mehr Sicherheit für die Zukunft zu bekommen, wurde schwer enttäuscht: EZB-Präsident Mario Draghi ließ sich am Donnerstag nach der Ratssitzung keine konkreten Aussagen dazu entlocken, wann denn nun die Anleihekäufe auf null zurückgeführt werden sollten. Und sosehr sich der französische Präsident Emmanuel Macron mühte, auch US-Präsident Donald Trump hält die Spannung hoch: Es ist durchaus möglich, dass die USA demnächst Zölle auf Stahl und Aluminiumimporte aus Europa erheben werden. Zusätzlich keimen, nicht zuletzt aufgrund des gestiegenen Ölpreises, neue Inflationsängste auf und sorgten für steigende Renditen in den USA wie auch in Euroland. Trotz all dieser Widrigkeiten haben sich die Aktienmärkte wacker geschlagen, den ordentlichen Unternehmensberichten sei Dank.

Viel frisches Datenfutter

Nächste Woche gibt es viel neues Futter: Die Unternehmensberichtssaison in den USA läuft auf Hochtouren, und auch in Europa kommt sie richtig ins Rollen. Hierzulande belastet der starke Euro die Gewinne, jenseits des Atlantiks stützen die Steuererleichterungen. Daneben liefert die amtliche Statistik neuen Stoff für die Inflationsdiskussion. Beim US-Arbeitsmarktbericht dürfte der Anstieg der Stundenlöhne im Fokus stehen, und in Euroland werden die April-Inflationszahlen veröffentlicht. Vor allem Letztere sollten bestätigen, dass hierzulande derzeit keine Inflationsgefahren drohen. Insofern ist also Gelassenheit angesagt, auch wenn die Informationen zum Euroland-Wachstum für das erste Quartal wohl eine leichte Schwäche signalisieren werden.

20.04.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Impulse lassen auf sich warten

Die Ankündigung Chinas, die Öffnung seiner Wirtschaft für ausländische Investitionen voranzutreiben, ließ die Erwartungen auf eine Verhandlungslösung im Handelsstreit zwischen den USA und China aufleben. Auch die ausgebliebene Konfrontation der USA mit Russland in Syrien spricht zunächst für eine eher geringe geopolitische Risikowahrnehmung. Im Fahrwasser dieser Entwicklungen stiegen die Kurse an den Aktienmärkten deutlich an. Allerdings geraten nun wieder die Fundamentaldaten in den Vordergrund. Steigende Rohölpreise lassen erneut Inflations- und Zinssorgen aufkeimen, und auch die konjunkturellen Frühindikatoren fielen zuletzt wieder mau aus. Dies ist immer noch ein Umfeld, in dem sich weder bei den Aktien- noch bei den Anleihekursen ein eindeutiger Trend herausbilden wird. Nachhaltige Impulse lassen also noch auf sich warten.

Im Fokus: Veröffentlichung des Ifo-Geschäftsklimaindexes

Eine aufregende Konjunkturwoche steht bevor: Zum einen wird der Flaggschiff-Indikator der deutschen Konjunktur, der ifo Geschäftsklimaindex, veröffentlicht. Hier sorgen zwar allein methodische Neuerungen dafür, dass der Index deutlicher rückläufig war als erwartet, das erhöht die Konjunkturirritationen jedoch eher noch. Aus den USA wird voraussichtlich ein solides Wachstums für das erste Quartal gemeldet werden. Und die Europäische Zentralbank wird mit ihren Einschätzungen zum Wirtschaftsgeschehen versuchen, den Märkten neue Führung zu geben. Angesichts der gegenwärtigen Unsicherheiten ist das schwierig, zumal die Notenbank voraussichtlich strikt an ihrem sehr behutsamen Ausstiegkurs festhalten dürfte.

13.04.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Donald Trump bewegt die Märkte

Selbst wenn ein begrenzter Militärschlag westlicher Staaten gegen Syrien weiterhin wahrscheinlich ist – die Finanzmärkte blieben in den vergangenen Tagen besonnen. Denn vor allem scheint die Gefahr eines Handelskriegs zwischen den USA und China nach den Kommentaren von US-Präsident Trump im Laufe der Woche deutlich zurückzugehen. Er stellte selbst die Rückkehr der Vereinigten Staaten zu den Verhandlungen über eine transpazifische Partnerschaft (TPP) in Aussicht. Es sollte nicht verwundern, wenn im Laufe der Zeit das bereits ausverhandelte Freihandelspaket TTIP mit den Europäern in abgespeckter Version auch wieder auf der Tagesordnung auftaucht. All dies wirkte sich positiv auf die Aktienmärkte aus. Die Marktteilnehmer warten jetzt auf positive Unternehmensberichte der anstehenden Berichtssaison in Europa und den USA.

Wenn die handels- und geopolitischen Themen zumindest zeitweise in den Hintergrund rücken, dürfte das fundamentale Bild in den kommenden Tagen verstärkt in den Fokus der Märkte geraten. In diesem Umfeld werden Anleihen als sicherer Hafen an Attraktivität verlieren, und die Aufwärtsrisiken bei Renditen nehmen wieder zu. Die Quartalsberichte der Unternehmen könnten positiv ausfallen. Gleichzeitig gerät die Konjunktur vorübergehend unter Druck, denn das Wachstum in Deutschland dürfte im ersten Quartal enttäuschend ausgefallen sein. In der kommenden Woche dürften weitere Frühindikatoren auf diese konjunkturelle Schwäche hindeuten. Alles in allem bedeutet dies jedoch immer noch ein gutes Umfeld für die Aktienmärkte.

06.04.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Achterbahnfahrt

Die Osterwoche brachte den internationalen Aktienbörsen einen weiteren Looping in der Kurs-Achterbahn. Der Handelsstreit zwischen den USA und China spitzte sich weiter zu. Und so brachten Ankündigungen und Gegenankündigungen von Zöllen die Aktienkurse zunächst wieder auf Talfahrt, bevor erneut eine kräftige Gegenbewegung einsetzte. Ob die Europäer in diesem Konflikt eine ausgleichende Rolle einnehmen können, ist fraglich. Zusätzlich sorgt wachsende Kritik an der gesellschaftlichen Verträglichkeit der Geschäftsmodelle großer Internetfirmen für Unsicherheit. Auch von der Konjunktur kommt gegenwärtig wenig Unterstützung. Die Stimmungsindikatoren für März haben weltweit mit Ausnahme Lateinamerikas spürbar nachgegeben, besonders in den Industrieländern. Dies alles deutet darauf hin, dass sich die Märkte noch für eine Weile wie Wackelpudding verhalten werden.

Ein Hingucker bei den Wirtschaftsdaten der kommenden Woche werden die US-Verbraucherpreise sein. Die Inflation dürfte im März gegenüber dem Vormonat energiepreisbedingt gesunken sein. Aber die Kernrate, bei der Energie und Lebensmittel außen vor gelassen werden, dürfte einen Sprung nach oben machen. In Deutschland steht die Industrieproduktion im Fokus. Die „harten“ Konjunkturindikatoren für die deutsche Wirtschaft haben in diesem Jahr durchweg enttäuscht. Nach einem äußerst schwachen Februar zogen die Auftragseingänge im März nur geringfügig an, und das auch nur dank weniger Großaufträge. Wenn die kommenden Daten keine Aufhellung bringen, wird es eine herbe Wachstumsenttäuschung in Deutschland im ersten Quartal geben.

29.03.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Märkte bleiben zögerlich

Spektakuläre Bewegungen an den Aktienmärkten gab es selbst in der österlich verkürzten Handelswoche: Um fast drei Prozent stiegen US-Aktien zu Wochenbeginn. Den Hintergrund bildeten die Verhandlungserfolge der Europäischen Union im Handelsstreit mit den USA. An dieser Stelle zeigen sich die Vorteile des europäischen Zusammenhalts, denn gemeinsam bilden die EU-Mitgliedsländer eine Marktgröße ab, die ihnen in internationalen Verhandlungen ausreichend Gewicht verleiht. Allerdings ist das letzte Wort in dieser Diskussion noch längst nicht gesprochen. Denn zunächst sind die von US-Präsident Trump angedrohten Zölle nur vorübergehend auf Eis gelegt. Und weiterhin stehen Maßnahmen gegen China aus, das die US-Regierung zunehmend als unfairen Konkurrenten auf der Bühne des Welthandels sieht. Daher geht die Erholung bei Aktien insgesamt auch nur zögerlich vonstatten. Eine Bereinigung des Kursgefüges hat noch nicht ausreichend stattgefunden, was auch an den fortgesetzten Diskussionen um die Technologiewerte deutlich wird.

Die in der Osterwoche erwarteten Inflationsdaten in Euroland werden wenig Anlass zu Marktreaktionen bieten. Die Kerninflation wird wohl vorübergehend auf immer noch niedrige 1,1 Prozent steigen, die Gesamtrate einschließlich der Energiepreise läge dann bei 1,3 Prozent. Produktionszahlen aus der deutschen Wirtschaft werden Aufschluss geben, ob der schleppende Konjunkturverlauf anhält. Das stärkste Interesse wird zum Wochenende der US-Arbeitsmarktbericht hervorrufen. Nachdem der Beschäftigungsaufbau in den USA vor einem Monat überraschend stark ausfiel, werden die März-Zahlen wohl nicht an diese hohe Dynamik anknüpfen können. Die vorliegenden Frühindikatoren sowie witterungsbedingte Verzerrungen deuten eine Abschwächung des Jobaufbaus an, allerdings zeigt die Kurve neuer Arbeitsplätze in der US-Wirtschaft immer noch nach oben.

23.03.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Stimmung getrübt

Vorsicht zieht ein an den Aktienbörsen: Steigende US-Leitzinsen, ein drohender Handelskrieg und die Eintrübung der Stimmungsindikatoren in Europa ließen Anleger ihre Risikopositionen spürbar verringern und die Kurse sinken. Hingegen stiegen sichere Anlagen wie Bundesanleihen und US-amerikanische Treasuries, obwohl die Fed einen recht klaren Plan zur weiteren Anhebung der Leitzinsen vorgelegt hat. Bei Aktien ist wohl erstmal die Luft raus, viele Indizes handeln nahe wichtiger Unterstützungslinien. Beschleunigt wurde die Talfahrt dadurch, dass die Stimmungsindikatoren noch etwas stärker zurückgekommen sind als erwartet. Es sind keine echten Konjunktursorgen, die die Märkte hier bewegen, sondern wohl schlicht die Erkenntnis, dass der Höhepunkt konjunktureller Überraschungen überschritten ist und die Unterstützung durch Notenbanken auf Sicht zurückgefahren wird.

Die Konjunktur in Euroland läuft dennoch gut. Das Economic Sentiment, das das Wirtschaftsvertrauen in Euroland misst, dürfte zwar im März eine Eintrübung anzeigen, aber gleichzeitig weiterhin auf sehr hohem Niveau ein klares Wachstumssignal geben. Sowohl in Euroland als auch in den USA werden Inflationszahlen veröffentlicht – derzeit das wichtigste Datum für die Kapitalmärkte. Mit einem leichten Anstieg wird gerechnet, stärkere Werte könnten die Spirale des Misstrauens an den Aktienmärkten weiter drehen. Weiter hält der Streit um den Welthandel die Märkte in Atem: Nachdem die EU von den US-Zollplänen ausgenommen wurde, ist nun die Frage, ob auch China eine Verhandlungslösung erreichen kann.

16.03.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Wirtschaftsdaten stützen Börsen

Gute Wirtschaftsdaten haben in dieser Woche das protektionistische Störfeuer aus den Vereinigten Staaten abgefangen und damit die Aktienmärkte unterstützt. Die extrem guten US-Arbeitsmarktdaten noch aus der Vorwoche mit weiterhin kräftigem Arbeitsplatzaufbau bei gleichzeitig kaum ausgeprägtem Lohndruck sind ideal für die Aktienmärkte. In dieser Woche zeigte sich die Inflationsentwicklung in den Vereinigten Staaten unauffällig und linderte damit vorerst die größten Ängste an den Finanzmärkten – etwa vor deutlichen Preissteigerungen, auf die dann wiederum die Notenbanken mit einer konjunkturschädlichen Straffung der Geldpolitik reagieren müssten. Aber auch aus dieser Ecke kam eher Entwarnung, denn der Präsident der Europäischen Zentralbank äußerte sich in dieser Woche eher vorsichtig über einen Kurswechsel in der Geldpolitik.

Woche der Wahrheit für die europäische Industrie: Hat der Streit um den Welthandel Auswirkungen auf die Stimmung der Unternehmen? Aufschluss darüber werden die Umfrageergebnisse des ifo Instituts sowie der europäische Einkaufsmanagerindex geben. Im Euroraum hat sich die Stimmung seit Jahresanfang leicht verschlechtert. Jedoch liegen die Indikatoren weiter auf sehr hohem Niveau, so auch der Einkaufsmanagerindex und seine zwei Teilindizes für Industrie und Dienstleister. Mit den Daten für März dürften diese Indizes in der kommenden Woche leicht zurückgehen. Eine spürbare konjunkturelle Abkühlung ist damit aber nicht verbunden. Die Protektionismus-Debatte mag auf die Stimmung drücken, ein Rezessionsgrund ist sie aber keineswegs.

09.03.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Im Bann der Schutzzölle

Eine Woche voller Politik: die internationalen Aktienmärkten standen vollständig im Bann der protektionistischen Ankündigungen durch US-Präsident Donald Trump. Ausgehend von den Vereinigten Staaten sollten erstmals nicht nur einzelne Länder bestraft werden, sondern mit dem Stahl- und Aluminiumsektor ganze Branchen durch neue Zölle geschützt werden. Die Angst vor einer Ausweitung der Handelshemmnisse durch sich aufschaukelnde Gegenmaßnahmen ließ die Aktienkurse zu Beginn der Woche noch einmal empfindlich einknicken. Aufgrund der politischen Reaktionen weltweit und in den USA selbst machte die US-Regierung im Laufe der Woche Konzessionen bei Ausnahmen von den geplanten Zöllen. Dies wurde an den Märkten als zumindest vorläufige Entwarnung vor einem weltweiten Handelskrieg gesehen, was in der zweiten Wochenhälfte eine Erholung in Gang setzte. Eine Rezession kann durch einzelne Zölle nicht ausgelöst werden. Die Diskussion fällt jedoch in ein Umfeld, in dem die Konjunktur sowieso etwas nachlässt und die Notenbanken weiter an Zinserhöhungen arbeiten. Alles zusammen erklärt die Schwankungen an den Börsen.

Nach den wichtigen Arbeitsmarktzahlen vom Freitag geht es in der kommenden Woche weiter mit Wirtschaftsdaten aus den USA. Die US-Inflation dürfte im Februar auf 2,3 Prozent ansteigen. Ausschlaggebend sind hierfür die Energiepreise. Dies sollte die Sorgen der Märkte vor weiteren Renditeanstiegen nicht dämpfen können. Weiterhin wird auch die Handelspolitik von den Marktteilnehmern aufmerksam verfolgt werden, insbesondere welche Ausnahmen nach der Ankündigung des Präsidenten zur Erhebung von Zöllen auf Stahl und Aluminium gemacht werden. Und Mitte der Woche werden die Einzelhandelsumsätze einen Hinweis darauf geben, wie die US-Verbraucher auf die Steuererleichterungen reagieren, die die Börsen in den vergangenen Monaten so stark bejubelt haben.

02.03.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Börse: Für Spannung ist gesorgt

Das Jahr 2017 hatte uns gezeigt, dass politische Risiken an der Weltkonjunktur und mithin an den Kapitalmärkten quasi abperlen können. In diesen Tagen erleben wir das gegenteilige Phänomen: US-Präsident Donald Trump verschaffte sich mit seiner Ankündigung von Strafzöllen auf Stahl- und Aluminiumimporte Gehör. Dies geht nicht spurlos an den Kapitalmärkten vorbei. Auch wenn diese Zölle weit unter der – zu seinem Amtsantritt angedrohten – 45 Prozentmarke liegen sollten, dürften sie mit Gegenmaßnahmen von Europa und anderen Teilen der Welt beantwortet werden. Das Risiko eines breiten Handelskonflikts nimmt also zu. Auch innerhalb Europas verschafft sich die Politik Aufmerksamkeit und deren Finanzmärkte halten leicht den Atem an. So steht am Sonntag der Ausgang italienischen Wahlen an und hierzulande verkündet die SPD das Ergebnis der Mitgliederbefragung zur Großen Koalition. Die zurück gekommene Unsicherheit an den Aktienmärkten war auch vor diesen Hintergründen in der zurückliegenden Woche spürbar.

Sollte der Wahlsonntag ohne negative Überraschungen überstanden werden, bleibt es wohl beim kurzen Aufbäumen der politischen Risiken und die Kurse an den Kapitalmärkten hätten eine Chance auf Beruhigung. Dann kann der Marktfokus wieder auf die Notenbanken fallen. Bereits am Donnerstag steht die EZB-Ratssitzung an, in der jedoch keine geldpolitischen Entscheidungen anstehen und daher die komplette Aufmerksamkeit auf die Kommunikation hinsichtlich der künftigen Notenbankpolitik gerichtet sein wird. Zum Wochenschluss erhalten wir Auskunft darüber wie es um den US-Arbeitsmarkt bestellt ist. Vor einem Monat hatten stärkere Lohnzuwächse die Börsenkorrektur mit ausgelöst. Für Spannung ist also gesorgt.

 

23.02.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Keine positiven Überraschungen mehr

Ernüchterung machte sich diese Woche breit. Der Grund: Sowohl der vorläufige Euroland-Einkaufsmanagerindex als auch der ifo-Geschäftsklima-Index für Deutschland überraschten im Februar. Dieses Mal jedoch nicht positiv. Vielmehr geht die Tendenz nach unten. Doch: Das absolute Niveau der wirtschaftlichen Stimmung bleibt sehr hoch. Von Rezession kann also keine Rede sein. Aber es hagelt eben keine positiven Überraschungen mehr, und die Konjunktur eilt nicht mehr von Rekord zu Rekord. Aus Marktsicht dürfte sich damit der Eindruck verfestigen, dass das Wachstum seinen Höhepunkt erst einmal überschritten hat. Dementsprechend beruhigte sich der Zinsanstieg bei Anleihen. Die Aktienmärkte nahmen es gefasst auf, denn an den grundsätzlich robusten Wachstumsaussichten hat sich nichts geändert.

In der kommenden Woche blickt die Finanzwelt in die Vereinigten Staaten: Jerome Powell darf erstmals als neuer US-Notenbank-Chef dem Bankenausschuss des Senats Rede und Antwort stehen. Trotz zuletzt turbulenter Aktienmärkte haben in den vergangenen Wochen die Spekulationen an den Finanzmärkten darüber zugenommen, dass die Federal Reserve in diesem Jahr nicht nur drei-, sondern sogar viermal ihr Leitzinsintervall anheben könnte. Jegliche Hinweise Powells, die diese Spekulationen unterstützen, dürften an den US-Rentenmärkten mit entsprechenden Renditesteigerungen begleitet werden.

 

16.02.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Durchatmen an den Aktienmärkten

Die Nervosität an den Aktienmärkten scheint wieder verflogen zu sein. Dax & Co erholten sich in der zurückliegenden Woche – nach den großen Kursverlusten Anfang Februar – wieder, und selbst die höher als erwartet ausgefallene Inflation in den Vereinigten Staaten konnte die Aktienmärkte davon nicht abhalten. Dabei war es gerade die Anfang des Monats gemeldete Lohnentwicklung, die die Korrektur an den Aktienmärkten auslöste. Doch jetzt alles auf die gestiegenen Gehälter zu schieben, erscheint allerdings nur als eine vorgeschobene Erklärung. Plausibler ist vielmehr, dass die Aktienmärkte in diesem Jahr erst einmal eine generelle Normalisierung des Zinsniveaus verkraften müssen. Außerdem sollten wir nicht vergessen, dass die Kurse im vergangenen Jahr eigentlich nur eine Richtung kannten, die nach oben. Eine Konsolidierung war längst nötig. Unwahrscheinlich also, dass die Märkte jetzt schnell wieder an ihre Aufwärtstrends der vergangenen Jahre anschließen.

In der nächsten Woche kommen mit den Stimmungsindizes wichtige Hinweise darauf, ob die ausgezeichnete wirtschaftliche Lage weiter anhalten wird. Ein leichter Rückgang der Werte aus der Einkaufsmanager-Umfrage oder des ifo-Geschäftsklima-Index im Februar dürfte dabei weniger an den Finanzmarktturbulenzen der vergangenen Wochen oder den bevorstehenden italienischen Parlamentswahlen liegen. Es dürfte vielmehr erneut einiges für eine leichte Korrektur nach der vergangenen guten Entwicklung der Stimmungsindikatoren sprechen.

 

09.02.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Aktienmarkt: Korrektur mit Ansage

Korrektur mit Ansage

Es kam dann doch schneller als es ohnehin erwartet worden war. Ausgehend von den USA verzeichneten die globalen Aktienmärkte zuletzt deutliche Rückgänge. Der S&P 500-Index brach im Tagesverlauf des 5. Februar um über 4 % ein und steht damit jetzt auch seit Jahresanfang im Minus. In Asien setzte sich am 6. Februar die Verkaufswelle fort, und auch die europäischen Märkte, die bereits am 5. Februar unter Verkaufsdruck gestanden hatten, verzeichnen am 6. Februar erneut spürbare Abschläge. Mit dem Kurssturz geht ein sprunghafter Anstieg der Nervosität der Marktteilnehmer einher. Überraschend kommt dieser nicht. Denn nach der ungewöhnlich schwankungsarmen Marktentwicklung der vergangenen Monate war es nur eine Frage der Zeit, dass eine stärkere Nervosität an die Märkte zurückkehrt. Daran dürfte sich so schnell nichts ändern. In den kommenden Wochen muss zunächst weiter mit stärkeren Kursschwankungen gerechnet werden, die dann aber wieder moderater werden und den Weg für eine Konsolidierung der Aktienkurse frei machen.

Kein konkreter Anlass – viele Ursachen

Der Kurseinbruch hatte keinen konkreten Anlass. Die neuen Höchstkurse, die der US-Aktienmarkt seit Anfang des Jahres hervor-gebracht hatte, waren noch im Zusammenhang mit der US-Steuerreform und der daraus resultierenden Konjunkturstimulierung zusehen. Doch bereits diese Kurse standen unter dem Damoklesschwert der steigenden Zinsen: Mit dem Fortschreiten des kon-junkturellen Booms kommt inzwischen die Lohnentwicklung ins Rollen. Das schürt Ängste vor weiteren kräftigen Leitzinsanhe-bungen durch die US-Notenbank Fed. Dies wäre für Konjunktur und Aktienmärkte keine günstige Perspektive, denn stärkere Zinsanstiege können leicht den Aufschwung abbremsen bzw. sogar zu einem Abschwung führen. Dazu kommen mehr und mehr Zweifel am langfristigen Erfolg der derzeitigen US-Wirtschaftspolitik. Die jüngste US-Steuerreform ist neben der Stärkung des Standortes USA auch ein Aufruf zum weltweiten Steuerwettbewerb und eine Absage an eine wirtschaftliche Kooperation der Volkswirtschaften. In die gleiche Richtung gehen die Regierungsäußerungen zum Außenwert des US-Dollar, die vor allem in Europa als möglicher Auftakt eines Währungskrieges gesehen wurden. Dies vermiest die Stimmung, was die langfristige weltwirtschaftliche Entwicklung angeht.

Längst überfällige Korrektur, aber kein Beginn des Bärenmarktes

Eine Korrektur der langen Aufschwungsbewegung war überfällig. Nachdem wir im letzten Jahr noch kurzfristige Spielräume nach oben gesehen hatten, war unser Ausblick auf 2018 gemischt. Mit einer Korrektur war zu rechnen, ohne dass wir hieraus einen Bärenmärkt mit dauerhaft sinkenden Kursen abgeleitet hätten. Bei dieser Einschätzung bleiben wir. Sowohl die konjunkturellen als auch die unternehmerischen Rahmenbedingungen sind intakt. Der für die Märkte so wichtige fundamentale Ankerpunkt ist durch die Kurskorrektur nicht ins Rutschen geraten. Dies spricht dafür, dass sich am Markt recht bald ein Boden ausbilden kann und Käufer wieder zurück an den Markt gelockt werden. Allerdings, und das zeigt die derzeitige Marktbewegung auch, nehmen die Unwägbarkeiten mit Blick auf das sich verändernde geldpolitische Umfeld und die Möglichkeit einer zumindest leichten Belebung der Inflation zu, was im gesamten Jahresverlauf 2018 zu erhöhten Schwankungen an den Märkten führen dürfte.

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26.01.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: 1799Fed-Chefin Yellen sagt Bye-Bye

Die letzte Sitzung von Janet Yellen an der Spitze der US-amerikanischen Notenbank (Fed) führte zu höheren Zinserwartungen in den Vereinigten Staaten. So wird zunehmend von den Marktteilnehmern angenommen, dass die Fed in diesem Jahr die Zinsen in vier Schritten anheben wird. Die 10-jährigen Renditen der Staatsanleihen jenseits und diesseits des Atlantiks reagierten mit einem deutlichen Anstieg. Gleichzeitig bewegte sich der Euro-Dollar-Kurs nur wenig. Die negative Reaktion der US-Aktienmärkte auf die steigenden Zinserwartungen wurde diese Woche durch die Anhebung der Gewinnerwartungen aufgrund der US-Steuerreform gedämpft. Europäische Aktien litten dagegen stärker, weil das Gewinnwachstum bei europäischen Unternehmen wohl zunehmend durch die Euro-Aufwertung belastet werden dürfte.

Im Vereinigten Königreich hat Handelsminister Liam Fox klargestellt, dass das Land nach dem Brexit nicht in der EU-Zollunion verbleiben könne. Insofern scheint es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis der Konflikt innerhalb der Konservativen Partei über den Brexit offen ausbricht. Die Bank of England kündigte derweil an, die jüngsten Entwicklungen in den Brexit-Verhandlungen näher in Augenschein zu nehmen. In der kommenden Woche stehen rund um den Globus Zinsentscheide an: Die australische, die polnische, die indische, die brasilianische, die mexikanische und die russische Notenbank werden über ihr jeweiliges Zinsniveau entscheiden.

19.01.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Anleihemarkt im Fokus: Renditen steigen

Die Schwäche an den globalen Anleihemärkten hält an. So testeten die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen jetzt die alten Höchststände von März 2017. Das starke globale Wachstum sowie die grundsätzlich weniger expansiv werdende Geldpolitik sind die Hauptgründe dafür. In den USA hinterlassen zudem die geringer werdenden Wertpapier-Käufe der Notenbank ihre Spuren. Bei einem solchen Umfeld bleiben weitere Renditeanstiege in Amerika aber auch an andern Orten der Welt in den kommenden Monaten wahrscheinlich. In diesem Maße sind europäische Staatsanleihen hiervon noch nicht betroffen. Ein Grund: Die bisherigen europafreundlichen Signale aus der deutschen Politik hatten positive Wirkungen auf die Staatsanleihen anderer EU-Länder.

Abseits von der weiteren Entwicklung zur Regierungsbildung in Deutschland werden die Aktienmärkte in der nächsten Woche überwiegend von den Quartalsergebnissen der Unternehmen weltweit beeinflusst. In den USA steht weiterhin im Vordergrund, wie die Aktienunternehmen ihre im Zuge der Steuerreform aus dem Ausland zurückgeführten Gewinne verwenden. Schließlich sollte Hierzulande das ifo-Geschäftsklima Aufschluss darüber geben, ob sich die gute Wirtschaftslage fortsetzt.

12.01.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Europas Börsen im Bann der Geldpolitik

Während US-Aktien neue Höchststände verzeichneten, gerieten europäische Aktien aufgrund von Kommentaren aus der Europäischen Zentralbank, die auf erste Diskussionen über eine Straffung der Geldpolitik hindeuten, unter Druck. Das beflügelte auch den Euro gegenüber dem US-Dollar. Weltweit konnten vor allem Bankaktien zulegen, weil die Renditekurven steiler verlaufen und somit höhere Erträge für die krisengebeutelte Branche möglich sind. An den Kapitalmärkten wird nun die Entwicklung der Inflation in den USA genau beobachtet: Sollten die beschlossenen Steuersenkungen zu einer Überhitzung der Wirtschaft führen, wird die Notwendigkeit von Zinserhöhungen zunehmen.

Mit den in den vergangenen Tagen vorgelegten Zahlen zum deutschen Bruttoinlandsprodukt für das Gesamtjahr 2017 machen die Konjunkturdaten erst einmal eine Pause. In der kommenden Woche blicken die Märkte zum einen nach China: Obwohl die chinesische Führung mit der Eindämmung des Schattenbankenmarktes und dem Abbau von Überkapazitäten in der Industrie eher restriktiv agiert, blieb die konjunkturelle Dynamik im vierten Quartal robust. Nach inoffiziellen Informationen soll das Wachstumsziel für 2018 erneut bei 6,5 Prozent liegen. Zum anderen werden die Marktteilnehmer aufmerksam die neuesten Quartalsergebnisse der Aktiengesellschaften registrieren, deren aktuelle Berichtsperiode jetzt beginnt.

 

05.01.2018, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Glänzender Jahresauftakt an der Börse

Das Feuerwerk vom Jahreswechsel ist kaum verklungen, da zündet die Börse schon das nächste. In den USA hat der Dow Jones Index die Marke von 25.000 Punkten glatt nach oben durchbrochen. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass in den ersten drei Handelstagen des neuen Jahres jeweils ein neuer historischer Rekordstand erreicht wurde. Getrieben werden die Aktienkurse in den Vereinigten Staaten von guten Konjunkturnachrichten und vor allem der Hoffnung auf eine noch bessere Entwicklung aufgrund der großen Steuerreform. Gleichzeitig bleibt die Inflation überraschend niedrig, und die Notenbank Fed hält sich mit zinssteigernden Kommentaren zurück. Dies alles trägt dazu bei, dass sich die Rentenmärkte weiterhin sehr ruhig verhalten.

Auch der DAX ist im neuen Jahr locker wieder über die Marke von 13.000 Punkten gesprungen. Nach einer alten Börsenregel soll die Entwicklung in der ersten Handelswoche richtungsweisend für das ganze Jahr sein. Allerdings teilt diese Regel das Schicksal aller Börsenweisheiten: Sie stimmt nur in der Hälfte aller Fälle. Deshalb richten sich die Blicke der Marktteilnehmer doch lieber auf die harten Fakten: In der kommenden Woche werden die Inflationszahlen aus den USA zeigen, ob die laxe Haltung der Fed und der Märkte gegenüber Zinssteigerungen gerechtfertigt ist.



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