Dr. Ulrich Kater, Chefvolswirt der DekaBank

Marktkommentar von Dr. Ulrich Kater

Lesen Sie jede Woche den aktuellen Marktkommentar von Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank.

Dr. Ulrich Kater studierte Volkswirtschaftslehre an den Universitäten Göttingen und Köln. 1995 promovierte er am Finanzwissenschaftlichen Seminar der Universität Köln und übte gleichzeitig eine Lehr- und Forschungstätigkeit an der Universität Köln, der Fachhochschule Köln und der European Business School aus.

Von 1995 bis 1999 war Herr Kater im Stab der „fünf Wirtschaftsweisen“ für die Themen Geldpolitik und Kapitalmarkt verantwortlich. Von 1999 an arbeitete er am Aufbau der Volkswirtschaftlichen Abteilung der DekaBank mit. Seit 2004 bekleidet er die Position als Chefvolkswirt der DekaBank und ist seit 2006 auch Vorsitzender der Kommission für Wirtschaft und Finanzen im Verband Öffentlicher Banken.

Darüber hinaus folgte er Lehraufträgen an der Universität Witten-Herdecke, der Zeppelin University Friedrichshafen sowie an der Hochschule der S-Finanzgruppe. Nebenbei ist Ulrich Kater auch als Autor zahlreicher Veröffentlichungen über Geldpolitik, Währungspolitik, internationale Kapitalmärkte, Finanzpolitik, Alterssicherungssysteme und Globalisierung in Erscheinung getreten.

17.06.2022, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Anti-Inflationskurs wirbelt Kapitalmarkt auf

Die Serie brutaler Kursbewegungen an Aktien- und Rentenmärkten setzt sich fort. Der Dax verlor in der zurückliegenden Woche nochmals mehr als 7 Prozent. Die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen schoss zeitweise auf 1,8 Prozent nach oben. Relativ gesehen ist das der stärkste Zinsanstieg aller Zeiten, nachdem das Zinsniveau Ende 2021 in der Eurozone noch bei minus 0,2 Prozent gelegen hatte. Der Grund für diese spektakulären Kursbewegungen liegt darin, dass die Notenbanken beim Thema der Inflationsbekämpfung endlich aufgewacht sind. Hohe Inflationsraten lassen sich eben nur mit der Geldpolitik bekämpfen und nicht mit 9-EuroTickets oder Tankrabatten. Dementsprechend hatte die Europäische Zentralbank (EZB) schon Anfang Juni eine Serie von Zinserhöhungen angekündigt, die bereits in diesem Jahr die Zinsen auf Bankeinlagen wieder zurückkehren lassen werden.

Am vergangenen Mittwoch setzte die US-Notenbank Fed mit der Erhöhung ihres Leitzinses um 0,75 Prozentpunkte auf 1,5 Prozent noch einen drauf. Das war der größte Zinsschritt seit fast 30 Jahren und unterstreicht, dass die Fed Ernst macht mit der Inflationseindämmung. Dass der Gefahr einer Verfestigung der gegenwärtigen Inflation nun endlich entgegengewirkt wird, ist eine gute Nachricht. Die Maßnahmen haben jedoch ihren Preis. Steigende Zinsen wirken konjunkturbremsend und üben Druck aus auf Staatshaushalte und andere hoch verschuldete Wirtschaftsteilnehmer.

Die nun absehbare Wirtschaftsschwäche ist es, die an den Aktienmärkten die Kurse nach unten drückt. Im Wirtschaftsablauf stellen solche Schwankungen eigentlich den Normalfall dar. Die Corona-Pandemie sowie der Krieg in Osteuropa sorgen allerdings dafür, dass die Unsicherheiten gegenwärtig doppelt hoch sind. Aber gerade in inflationären Zeiten bleiben Aktien ein aussichtsreiches Anlageinstrument zum Vermögenserhalt. Dies ist in langfristiger Perspektive zu sehen: Aktienkurse erholen sich, wenn sich die wirtschaftlichen Aussichten wieder verbessern und gleichen dabei die zwischenzeitliche Inflation mit aus.

10.06.2022, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Leitzinswende

Die Europäische Zentralbank hat die Zinswende eingeläutet. In der kommenden Julisitzung wird der EZB-Rat nach mittlerweile elf Jahren erstmals wieder die Leitzinsen anheben. Zunächst vorsichtig um 0,25 Prozent, danach im September möglicherweise auch um 0,5 Prozent. Bei den nachfolgenden Sitzungen wird es voraussichtlich weitere Anhebungen geben. Diese späte, aber deutliche Umkehr ist einer weiteren Wende der Notenbanker geschuldet, denn sie mussten eingestehen, dass die sehr hohen Inflationsraten nicht kurzer, vorübergehender Natur sind, sondern erschreckend ausdauernd. An den Kapitalmärkten war diese Erkenntnis schon vorweggenommen worden. Die Inflationserwartungen sind in den vergangenen Monaten sehr stark angesprungen und haben die Renditen an den Rentenmärkten dramatisch nach oben gezogen - in der abgelaufenen Woche nochmals sehr kräftig. Auch die Aktienmärkte ächzen unter den Inflationssorgen, ebenso unter Lieferkettenproblemen und schwindender Konjunkturzuversicht.

In der neuen Woche steht weiterhin die Notenbankpolitik im Mittelpunkt, denn nun wird die Fed in den USA den Zinsvorsprung voraussichtlich mit einer erneuten Leitzinsanhebung um 0,5 Prozent ausbauen. Hierbei wird besonderes Augenmerk auf den nachfolgendend avisierten Zinspfad gelegt werden. Aufgrund nachlassender Konjunkturdynamik, die nicht zuletzt von schwindender Kaufkraft der Verbraucher ausgebremst wird, glauben manche Marktbeobachter, die US-Notenbanker könnten bereits im Herbst ihren Zinspfad abflachen.

03.06.2022, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Aktienmärkte weichen dem Zinsschock

Eine Woche ohne weitere ökonomische Hiobsbotschaften ließ den Aktienmärkten weltweit Raum zur Erholung. In Shanghai und anderen chinesischen Städten konnten die immer noch andauernden Corona-Lockdowns wieder etwas gelockert werden. Damit wird am größten Industriestandort der Welt die Produktion zumindest für die Sommermonate wieder hochgefahren. Gleichzeitig entschieden auch die in der OPEC organisierten großen Ölproduzenten, das Angebot an Erdöl in den kommenden Monaten zu erhöhen. Paradoxerweise waren auch einige schwächere Konjunkturindikatoren aus den USA positiv für die Finanzmärkte. In den USA gibt es nun erste Anzeichen für wirtschaftliche Belastungen durch höhere Zinsen. Das betrifft vor allem den Immobilienmarkt. Und auch die in den letzten beiden Jahren notorisch zu hohe Konsumnachfrage beruhigt sich vor dem Hintergrund hoher Preissteigerungen. Das wiederum führte zu sinkenden Kapitalmarktzinsen und Leitzinserhöhungserwartungen. Die Straffung der Geldpolitik, die an den Aktienmärkten viel Besorgnis ausgelöst hat, könnte etwas milder ausfallen. Allerdings ändert dies nichts an dem großen Konjunkturbild, in dem Prognoserevisionen in der Tendenz abwärtsgerichtet bleiben. Es bleibt ungewiss, ob Fed und EZB ein „soft landing“, also ein Abbremsen der Nachfrage ohne allzu große Zinsanhebungen und ohne eine Rezession, ermöglichen können. Dies wird von vielen Marktteilnehmern weiterhin angezweifelt, zumal der Inflationsdruck in den USA und Euroland weiterhin stärker als erwartet ausfällt und die Prognosen auch in dieser Woche erneut nach oben geschraubt werden mussten. Insofern wird wohl die Kursentwicklung in den kommenden Monaten weiterhin Spielball positiver und negativer Meldungen bleiben, bis sich neue Trends verfestigt haben.

27.05.2022, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Gedämpfte Konjunktur

Die letzten Monate folgten die Prognoserevisionen von Volkswirtinnen und Volkswirten einem klaren Muster: Abwärts für die Konjunktur und aufwärts für die Inflation. Dies hat die Notenbanken die Zinswende einläuten, mithin Kapitalmarktrenditen steigen und Aktienindizes sinken lassen. Nun scheint der Revisionszug zum Halten zu kommen. Damit könnte für die Finanzmärkte etwas Ruhe einziehen, wenn es stabilere Erwartungen für die makroökonomischen Rahmenbedingungen gibt. So einfach ist es freilich nicht. Denn nun müssen erst einmal die sich tatsächlich abschwächenden Konjunkturdaten verdaut werden. Wenn nun die gedämpfte Konjunktur den Rückgang der Inflationsraten unterstützt, können sich die Erwartungen an die geldpolitische Straffung der Notenbanken auch wieder zurückbilden. Kurzum: Diese Unwägbarkeiten ergänzt um die geopolitischen Risiken halten die Schwankungsanfälligkeit an den Finanzmärkten aufrecht.

In der neuen Woche sind gewichtige Konjunkturdaten zu verarbeiten. Die Europäische Zentralbank wird mit Zinserhöhungen schon im Juli starten. Die Inflationsrate im Euroraum dürfte im Mai mit 7,8 % einen neuen Höchststand erreicht haben. Der Lockdown in China hatte im April zu einem Einbruch der chinesischen Einkaufsmanagerindizes geführt, die sich im Mai nur begrenzt erholt haben dürften. Und am Freitag wird der Arbeitsmarktbericht wohl die gedämpfte Konjunktur in den USA belegen. Für klare und ruhige neue Trends an den Börsen spricht das noch nicht.

20.05.2022, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Trübe Aussichten

Es sind trübe Zeiten an den Kapitalmärkten. In diesem Jahr verdüsterte sich der Konjunkturhorizont von Woche zu Woche weiter, und wann es wieder aufhellt, ist noch nicht abzusehen. In China kämpfen die Behörden mit einer falschen Strategie gegen die Corona-Pandemie, weil die politische Führung dies so festgelegt hat. Eine wirkliche Diskussion hierüber ist verboten. Damit läuft die Produktion weltweit weiterhin nicht rund. Wenn jetzt zwischenzeitlich sowohl die Herstellung von Waren als auch deren Transport doch wieder möglich ist, dann werden in einigen Wochen die Häfen der Welt von einer Armada von Containerschiffen aus Asien überrollt, die wiederum für neue Staus und Verzögerungen sorgen werden. Immer stärker machen sich auch die Beeinträchtigungen durch die Inflation bemerkbar. Zwar hält sich die Konsumnachfrage trotz Preiserhöhungen auf hohem Niveau, inzwischen behindert jedoch die Teuerung auch die Angebotsseite der Wirtschaft.

In Deutschland erwartet die Bauindustrie für 2022 mittlerweile einen Rückgang ihrer Wirtschaftsleistungen. Bauprojekte werden reihenweise abgesagt, weil sie preislich und terminlich nicht mehr planbar sind. Dazu kommt der bange Blick auf die Geldpolitik. Diese muss sich künftig auf die Bekämpfung der hohen Inflation konzentrieren. Dabei bleibt kein Raum mehr für die Unterstützung der Aktienmärkte, wie sie indirekt in den vergangenen Jahren stets in Schwächephasen erfolgt ist. Das Ergebnis all dieser Belastungen sind bislang abbröckelnde Aktienkurse rund um die Welt. Dabei verbessern sich andererseits aber die Bewertungen dieser Anlageklasse. Gab es im vergangenen Jahr immer mehr Befürchtungen über zu hoch bewertete Aktienkurse so haben die Rückgänge dazu geführt, dass zu den heutigen Zinsbedingungen Aktien fundamental nicht zu teuer sind.

13.05.2022, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Aberwitzige Bewegungen

Die Finanzmarktteilnehmer haben sich in der zurückliegenden Woche offenkundig schwergetan, einen gemeinsamen Anker für die neuen Niveaus von Zinsen und Aktienmärkten zu finden. Eine immense Schwankungs-intensivität war Ausdruck dessen. Innerhalb eines Tages zeigten sich Richtungswechsel und starke Ausschläge nach oben und unten. Über die vergangene Woche gesehen, gab es eine gewisse Erleichterung über die Inflationsdaten in den USA und Äußerungen von US-Notenbank-Chef Powell sowie aufflackernde Konjunktursorgen, die die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen und amerikanischer Staatsanleihen um gut einen Viertelprozentpunkt sinken ließen. An den Börsen gab es ebenfalls erhebliche Schwankungen. Am Aktienmarkt standen speziell Technologiewerte – angesichts der geldpolitischen Straffung der Notenbanken – unter Druck. Dies nimmt Luft aus den noch zu Jahresbeginn sehr hohen Bewertungen.

An den Kapitalmärkten geht die Suche nach Orientierung bezüglich des ‚neuen Normals‘ weiter. Geopolitisch halten die Unwägbarkeiten über die Gasversorgung in Europa an, sie werden von russischer Seite bewusst geschürt. Dies hält die Energiepreise in den kommenden Wochen hoch und belastet den Konsum über die Kaufkraftverringerung der privaten Haushalte. Konjunktursorgen sind insbesondere durch Lieferkettenprobleme, auch als Folge der umfangreichen Lockdowns in China, weiterhin begründet. Die dortigen Daten zu den Einzelhandelsumsätzen und der Industrieproduktion für April werden am Montag gemeldet und wahrscheinlich sehr schwach ausfallen. Sollten diese beiden Konjunkturdaten in den USA am Dienstag dann noch negativ überraschen, wird es sicherlich erneut eine bewegte Woche an den Finanzmärkten.

06.05.2022, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Steigende Zinsen verschrecken Aktienkurse

Das beherrschende Thema an den Finanzmärkten bleiben die Zinserhöhungen der großen Notenbanken in Europa und in den USA. In dieser Woche führte der Zinsschritt der US-Notenbank zu starken Schwankungen am Aktienmarkt. Eine Inflationsbewegung von der Heftigkeit und Länge, wie sie in den vergangenen Monaten aufgetreten ist, entwickelt stets eine Eigendynamik, der sich nur die Notenbanken entgegenstellen können. Ein Anziehen der monetären Zügel ist für die Wirtschaftsteilnehmer bereits ein wichtiges Signal, dass die Preissteigerungen ein Ende finden werden. Damit ist der erste Schritt zur Brechung weiterer Inflationserwartungen gemacht. Bei ihren Maßnahmen müssen die Zentralbanken in der jetzigen Situation auch schädliche Nebenwirkungen auf die Konjunktur in Kauf nehmen.

Die Inflationsbekämpfung hat jetzt Vorrang. Deswegen hat die US-Notenbank in der abgelaufenen Woche auch mit einer Anhebung ihrer Leitzinsen um gleich einen halben Prozentpunkt Tempo gemacht. Die Aktienmärkte waren zunächst erleichtert, dass der Zinsschritt nicht noch größer ausfiel. Dann aber kippte die Stimmung und die Vorsicht vor weiteren Wirkungen der Zinserhöhungen nahm überhand. Auch in die europäische Geldpolitik ist endlich Bewegung gekommen. Es zeichnet sich ab, dass Ende 2022 die negativen Zinsen der Europäischen Zentralbank der Vergangenheit angehören werden. Selbst wenn es im kommenden Jahr wieder minimale Zinsen auf dem Sparkonto geben sollte, reichen diese jedoch nicht aus, um die Inflation auszugleichen. Dies ist weiterhin nur mit höher rentierlichen Sparformen wie etwa langfristige Wertpapieranlagen möglich.

29.04.2022, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Finanzmärkte in der Zwickmühle

Die Wirtschaftsdaten des Monats April zeigen sehr deutlich, in welcher Zwickmühle die Finanzmärkte zurzeit stecken. Die Konjunkturdaten fielen durchweg schwach aus. Zwar konnte sich die Stimmung der Unternehmen in Deutschland nach dem Schock des Kriegsausbruchs im Februar einigermaßen erholen, das Konsumentenvertrauen erlebte jedoch einen historischen Einbruch. Zu sehr werden die Verbraucher durch den Krieg in der Ukraine, die Meldungen über coronabedingte Produktionsprobleme und die Inflationsentwicklung verunsichert. Doch auch bei einem Blick über den Atlantik scheint es nicht wesentlich besser: In den USA wird die Wirtschaftsleistung im ersten Halbjahr leicht schrumpfen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Corona-Hilfen der zurückliegenden Jahre bald auslaufen. Die Konjunktur läuft also schwächer als erhofft, aber gleichzeitig ziehen die Verbraucherpreise immer mehr an. Die Inflationsrate in Deutschland stieg im April nochmals auf 7,4 Prozent. Dass sich die Inflation beschleunigt, während die Konjunktur abkühlt, ist ungewöhnlich und hängt mit den Ereignissen der Pandemie, des Kriegs in der Ukraine und den Corona-Lockdowns in China zusammen. Trotzdem bringt es international die Notenbanken in eine schwierige Lage, denn die Inflation muss mit höheren Zinsen bekämpft werden, was die Konjunktur zusätzlich belastet. An den Aktien- und Anleihemärkte ist daher gegenwärtig der Wurm drin. Aktien treten seitwärts, Anleihen verlieren an Wert. Dieser Zustand wird noch eine Weile anhalten, die Unsicherheit der Marktteilnehmer bleibt hoch. Da die Unternehmen sich aber schnell an die veränderten Rahmenbedingungen anpassen, wird sich am Aktienmarkt mittelfristig wieder eine Aufwärtsbewegung etablieren.

22.04.2022, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Kapitalmarkt im Umbruch

Noch vor wenigen Monaten hätte sich kaum ein Teilnehmer an den Finanzmärkten vorstellen können, was sich heute mehr und mehr als neue Realität herausstellt. Der erwartete Aufschwung nach den Corona-Lockdowns ist zu einer weltweit kraftlosen Konjunkturerholung eingedampft worden. Aus den Deflationsbefürchtungen der zurückliegenden Jahre ist auf einmal eine ausgewachsene Inflation mit Teuerungsraten wie vor vierzig Jahren geworden. Die Notenbanken kommen mit ihren Zinssteigerungsabsichten zu spät. Die Ursachen hierfür sind schon während der Corona-Zeit durch eine Überhitzung der Nachfrage bei unterbrochenen Produktionsketten angelegt gewesen.

Der Ukrainekrieg hat das Problem der Materialknappheit noch einmal potenziert. An den Finanzmärkten sind die Reaktionen heftig. Anleihen verzeichnen starke Kursverluste, weil die Zinsen steigen. Aber selbst die Zinssteigerungen reichen nicht aus, um den Kaufkraftverlust durch die Inflation wettzumachen. Aktien haben zwar ebenfalls deutlich korrigiert, halten sich jedoch – wie auch in der zurückliegenden Woche – vergleichsweise gut. Zum einen erwirtschaften die Unternehmen hohe Erträge und schütten gute Dividenden aus. Zum anderen sind die Bewertungen der Unternehmen inzwischen wieder günstig geworden. Immobilien erwirtschaften zwar auch im Inflationsumfeld gute Erträge, werden mittelfristig allerdings durch den Zinsanstieg ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Am besten kommen Sparer durch diese Wirren mit einer möglichst breiten Vermögensaufstellung, in der weltweite Aktien sowie ausgewählte Anleihen und Immobilienanteile neben einer Rohstoffbeimischung und einer Liquiditätsposition enthalten sind.

15.04.2022, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Leitzinserhöhungen (fast) überall

Es scheint, dass die Notenbanken weltweit an der Normalisierung ihrer Geldpolitik arbeiten, und zwar recht unbeeindruckt von konjunktureller Unsicherheit durch den Krieg in der Ukraine. In der Karwoche gab es Zinserhöhungen in Südkorea und Kanada, dort sogar um 50 Basispunkte. Rundum den Globus zeigt sich insofern: Die Zinswende ist auf dem Weg. Das ist die maßgebliche Erkenntnis für die Finanzmärkte. Auf dem Aktienparkett ging es mit Schwankungen eher seitwärts.

Die Notenbanken haben in besonderem Maße die Inflationserwartungen im Auge. In den USA wurde für März ein Anstieg der Verbraucherpreise um 8,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gemeldet. Noch kann man die Inflationserwartungen als hinreichend verankert bezeichnen. Ein Kontrollverlust darüber soll auf jeden Fall vermieden werden. Deshalb wird etwa die US-amerikanische Zentralbank Fed einen forcierten Zinserhöhungspfad beschreiten und diesen wohl innerhalb eines Jahres abgeschlossen haben. Die Europäische Zentralbank (EZB) ist noch nicht so weit, bei ihrer Sitzung in dieser Woche ging es noch nicht um eine Zinserhöhung.

Zwar muss auch die EZB aufpassen, dass sich Inflationsprozesse nicht verfestigen. Jedoch spürt Europa viel stärker als andere Regionen die Auswirkungen des Ukraine-Krieges. Nach wie vor werden Konjunkturprognosen von den Forschungsinstituten in Deutschland nach unten korrigiert. Höhere Zinsniveaus, niedrigere Einkaufsmanagerindizes in der Eurozone und ein von Lockdowns belastetes Bruttoinlandsprodukt in China sind in der kommenden Woche an den Börsen erst einmal zu verarbeiten.

08.04.2022, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Sanktionsschatten über den Märkten

Es war erneut eine Börsenwoche, über der der Schatten weiterer wirtschaftlicher Sanktionen lag. Die meisten ökonomischen Szenarien ziehen eine deutliche Grenze zwischen einem Lieferstopp von Erdgas und einem Verzicht auf andere Roh- und Energiestoffe. Das liegt daran, dass der Ersatz des pipelinegebundenen Erdgases schwieriger zu bewältigen wäre als dies bei vielen anderen Rohstoffen – für die ein Weltmarkt sowie ausreichend Transportkapazitäten vorhanden sind – der Fall ist. Da die Folgeeffekte einer Rationierung von Erdgas in der industriellen Produktion sehr unsicher sind, lauern hier aus Sicht der Börsianer die größten Risiken für die deutsche Wirtschaft.

Zusätzliches Ungemach kommt aus den USA. Hier machte die Notenbank Fed auch in der zurückliegenden Woche wieder einmal klar, wie dringend die Inflationsbekämpfung für die US-Wirtschaft geworden ist. An den Finanzmärkten wird befürchtet, dass die angekündigten Zinserhöhungen eine Rezession in den Vereinigten Staaten auslösen könnten. An den Anleihemärkten weisen daher mittlerweile langlaufende Papiere schon wieder niedrigere Renditen auf als kürzere Laufzeiten. Dies spiegelt die Erwartung wider, dass die US-Notenbank den gegenwärtigen Aufschwung abwürgt und daher in zwei bis drei Jahren schon wieder mit Zinssenkungen gegensteuern muss. Solche Unsicherheit wird noch für einige Zeit einen eindeutigen Börsentrend verhindern.

In Europa ist der Lohndruck zwar nicht so stark wie in den USA und die für dieses Jahr in Deutschland absehbaren Tarifabschlüsse fallen angesichts der Umstände moderat aus. Trotzdem muss sich die Europäische Zentralbank einer Verfestigung der gegenwärtig hohen Inflationsraten entgegenstemmen. Somit ist es sehr wahrscheinlich, dass Ende des Jahres zumindest auf Zentralbankebene Negativzinsen abgeschafft werden.

01.04.2022, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Das Rubel-Chaos

An den Finanzmärkten liegen derzeit sehr gegensätzliche Szenarien anscheinend dicht nebeneinander. Auf der einen Seite kalkulieren Chemieunternehmen in Deutschland, wieviel ihrer Produktion sie im Falle eines Rohstoff- und Erdgas-Lieferstopps abschalten müssen, auf der anderen Seite kündigt Russland vertrauensbildende Maßnahmen an, und die Ukraine wartet gar mit einem Friedensplan auf. Trotzdem bleibt es für die meisten Marktteilnehmer dabei, dass diese Konfliktlage nicht einschätzbar ist und es daher notwendig ist, sich auf sehr unterschiedliche Szenarien vorzubereiten.

Die Frage der Rubel-Zahlungen für Erdgas-Lieferungen fällt wohl eher in den Bereich der politischen Propaganda als der ökonomischen Logik. Der Grund: Für Energielieferungen wurden in den bestehenden Sanktionen bereits Ausnahmen festgelegt. Schon heute wird der Großteil der Devisenzahlungen für Rohstoffe von russischer Seite in Rubel umgetauscht. Vor diesem Hintergrund sind die russischen Forderungen wohl eher Propaganda, die vor allem die eigene Währung attraktiver dastehen lassen soll, als sie eigentlich ist. Die westlichen Staaten haben sehr klug darauf reagiert, indem sie auf bestehende Verträge hingewiesen haben und die Rubel-Zahlung abgelehnt haben. Sollte dies die russische Seite zum Anlass nehmen, die Gaslieferungen vollständig zu kappen, würden die Lieferstopps von Russland ausgehen und nicht vom Westen. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass die Abnehmerländer weiter in US-Dollar und Euro bezahlen, die dann automatisch in Rubel konvertiert werden. Für die Aktienmärkte bedeutet das, dass derartige Unsicherheiten auch in den kommenden Wochen eine klare Bewegungsrichtung verhindern werden.

25.03.2022, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Notenbanken ziehen es durch

Die Corona-Pandemie lässt die Weltwirtschaft noch nicht los und der Ukraine-Krieg tobt mit unverminderter Härte. Grund für Konjunktursorgen und Rezessionsängste gibt es genug. Die Belastungen für die Unternehmen im Hinblick auf unterbrochene Lieferketten und stark gestiegene Rohstoffpreise sind offenkundig. Auf der Sanktionsseite gegenüber Russland droht weiteres Ungemach. Nach der Ankündigung Putins, sich seine Öl- und Gasrechnungen künftig in Rubel bezahlen zu lassen, scheint ein entsprechendes Embargo des Westens gegenüber Energielieferungen wahrscheinlicher geworden zu sein. Auf dem EU-Gipfel und G7-Treffen demonstrieren die westlichen Industrieländer Geschlossenheit. Die Aktienmärkte haben sich in der abgelaufenen Woche dennoch wacker gehalten. Die Märkte müssen mit den verhärteten Fronten zunächst weiter umgehen.

Relativ unbeeindruckt vollzieht sich indes die Zinswende. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren nunmehr über 0,5 Prozent. International stellen sich die Notenbanken gegen die hohen Inflationsraten und wollen entschieden steigende Inflationserwartungen vermeiden. Es ist nicht nur die amerikanische Notenbank Fed, sondern flächendeckend straffen die Notenbanken ihren geldpolitischen Kurs. So hoben etwa die Norweger, Mexikaner und Südafrikaner ihre Leitzinsen an. Die Europäische Zentralbank wird wohl vor dem Jahresende keine Zinserhöhung vornehmen, aber doch in Bälde die Anleiheankaufprogramme zurückfahren. In der kommenden Woche werden die Inflationsraten für März bekannt gegeben. Diese werden ansteigen und unterstreichen, dass die Notenbanken die Normalisierung der Geldpolitik in den kommenden Monaten durchziehen werden. Dies müssen die Finanzmärkte verarbeiten, was mit spürbarer Schwankungsintensität der Kurse einhergehen dürfte.

11.03.2022, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Sanktionen bewegen die Wirtschaft

Die Aktienmärkte stehen ganz im Zeichen der wirtschaftlichen Rückwirkungen der Russland-Sanktionen aufgrund des Ukraine-Kriegs. Die Auswirkungen dieser Maßnahmen treffen insbesondere die europäischen Volkswirtschaften und hier vor allem die deutsche. Die hohen Rohstoffpreise führen zu einem weiteren vorübergehenden Inflationsanstieg im Euroraum auf etwa sieben Prozent. Preissteigerungen reduzieren die reale gesamtwirtschaftliche Nachfrage, was das Wirtschaftswachstum dämpft. Noch stärker als diese würden physische Ausfälle von Rohstoff- oder Vorproduktlieferungen auf die Konjunktur einwirken, weil sich hieraus stellenweise Produktionsunterbrechungen ergeben können. Wie stark die Konjunktur auf all das reagiert, wird ab der kommenden Woche absehbar sein, wenn die ersten Konjunkturumfragen seit Kriegsausbruch veröffentlicht werden. Vieles spricht für eine deutliche Dämpfung des Wirtschaftswachstums. Dies trifft jedoch auf eine Konjunktur, die nach den Corona-Lockdowns in einer kräftigen Aufwärtsbewegung war. Daher sollte selbst unter den gegenwärtigen Sanktionen für das Gesamtjahr ein Pluszeichen vor der Wachstumszahl des Bruttoinlandsprodukts stehen.

Marktwirtschaften stellen sich schnell auf veränderte Rahmenbedingungen ein. Außerhalb des Energiesystems werden die neuerlich gestressten Lieferketten Schritt für Schritt wieder entspannt. Auch an den Finanzmärkten müssen die neuen Rahmenbedingungen noch verarbeitet werden. Dass der Stress im Bankensystem erträglich ist, zeigt die Reaktion der Europäischen Zentralbank, die trotz der gegenwärtigen Unsicherheiten an ihrem graduellen geldpolitischen Normalisierungskurs festhalten will. Das steht im starken Kontrast zur russischen Volkswirtschaft, in der Inflationsraten und Wirtschaftseinbrüche im zweistelligen Prozentbereich zu erwarten sind. An den europäischen Aktien- und Rentenmärkten sind bereits viele dieser Aspekte in der Kursentwicklung berücksichtigt.

04.03.2022, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Umbau der europäischen Wirtschaft

Nach wie vor befinden sich die Finanzmärkte im Bann des Ukraine-Krieges. Zwar liegen die weitreichendsten Umwälzungen auf dem Gebiet der Geopolitik, aber auch die Wirtschaft muss sich auf neue Rahmenbedingungen einstellen. Die Sanktionen gegen Russland als militärischer Aggressor fallen deutlich schärfer aus, als dies wohl auch von der russischen Regierung erwartet worden war. Die damit verbundene Isolierung Russlands vom Welthandel führt dort zu Wohlstandsverlusten, insbesondere langfristig wird das empfindlich schmerzen. Das Sanktionsregime gegen den Iran hat hier nach einigen Jahren das Pro-Kopf-Einkommen um fast ein Drittel gemindert. Anders als China hat Russland nie eine breite internationale Wettbewerbsfähigkeit bei Güterexporten entwickelt. Wirklich wirksam werden diese Sanktionen allerdings nur, wenn auch die bisher ausgenommenen Rohstoffe einbezogen werden.

Europäisches Wirtschaftswachstum für 2022 im Plus

Die Sanktionen bringen auch in den mittel- und westeuropäischen Marktwirtschaften erhebliche Anpassungen und Kosten mit sich: Steigende Rohstoffpreise wirken sich sehr schnell auf die Inflationsrate aus und vermindern somit unmittelbar die Kaufkraft für andere Konsumgüter. Erneut werden Lieferketten zerrissen, was – wie schon in der Corona-Pandemie – von den Unternehmen maximale Flexibilität verlangt, um die Produktion aufrechtzuerhalten. Aber diese Folgen verteilen sich in der Europäischen Union, also auf einen zehnmal so großen Wirtschaftsraum im Vergleich zu Russland. Hierzulande wird dadurch zwar das Wachstum für 2022 etwas vermindert, es bleibt jedoch vom Nach-Corona-Aufschwung in Europa weiterhin etwas übrig. In Russland hingegen ist allein in diesem Jahr mit einer Rezession mit einem Einbruch der Wirtschaftsleistung um mindestens 5 Prozent und zweistelligen Inflationsraten zu rechnen. Auch wenn die europäischen Aktienmärkte noch ganz im Zeichen des andauernden Krieges und der damit verbundenen Unsicherheiten stehen, sind die Fundamentaldaten der Wirtschaft besser, als es nach den bisherigen Kursrückgängen den Anschein hat.

25.02.2022, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Aktienmärkte unter Druck

Aktienmärkte unter Druck

Der Ausbruch des von Russland ausgehenden Angriffskrieges ändert die geopolitischen und ökonomischen Rahmenbedingungen für Europa grundlegend. Für die Wirtschaft bedeutet dies: Kurzfristig bremsen hohe Energiepreise und Handelsunterbrechungen durch Wirtschaftssanktionen die europäische Konjunkturerholung ab. Die Wachstumsaussichten für die europäischen Volkswirtschaften halbieren sich für das laufende Jahr. Die Inflation wird aufgrund höherer Erdöl- und Erdgaspreise in den kommenden Monaten auf etwa 6 Prozent ansteigen, bevor die Raten wieder abnehmen werden. Die Aktienmärkte reagierten mit deutlichen Kursverlusten. Dies insbesondere wegen der Fülle von weiterhin bestehenden Unsicherheiten über militärische Entwicklungen oder jetzt zu erwartenden Wirtschaftssanktionen und Gegensanktionen. Insbesondere ein abruptes Aussetzen von Rohstofflieferungen könnte die konjunkturellen Folgen bis hin zu einer kurzzeitigen Rezession in Westeuropa treiben.

 

Von Panik war allerdings in den vergangenen Tagen an den Finanzmärkten nichts zu bemerken, die grundsätzliche Stabilität von Banken und Wirtschaft stand nicht in Frage. Es dürfte jedoch noch einige Zeit dauern, bis sich die Konturen der unmittelbaren Auswirkungen dieses geopolitischen Schocks für die gesamte Wirtschaft und einzelne Branchen abzeichnen und die Markteinschätzungen wieder auf festerem Boden stehen. Mittelfristig wird die wirtschaftliche Aufwärtsbewegung weiterhin intakt bleiben und auch an den Finanzmärkten wieder die ökonomischen Themen wie hohe Inflation und Zinssteigerungen in den Vordergrund rücken lassen. Langfristig steht ein Umbau der europäischen Energieversorgung, eine Erhöhung der Verteidigungsausgaben und ein weiterer Rückbau der globalen Wirtschaftsverflechtung an. Das wird Konflikte mit anderen gesellschaftlichen Zielen wie Klimaschutz oder Schuldenbremse hervorrufen. Den Unternehmen wird weiterhin hohe Flexibilität abverlangt, die sie in der Corona-Krise bereits unter Beweis gestellt haben.

18.02.2022, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Im Bann der Geopolitik

Im Bann der Geopolitik

Der Ukraine-Konflikt hängt wie eine graue Wolke über den Aktienmärkten. Zwischenzeitliche Anzeichen einer Deeskalation durch einen angedeuteten teilweisen Truppenabzug brachten in der Wochenmitte kurzzeitig eine Entspannung der Kurse im DAX und in anderen Indizes mit sich. Die Entlastung währte jedoch nicht lange, denn in der Auseinandersetzung um geopolitische Einflusssphären gab es keine Lösungsansätze. Die Kursschwankungen an den Finanzmärkten erklären sich aus den ökonomischen Risiken einer Eskalation der Lage. Ein militärisches Vorgehen Russlands würde wirtschaftliche Sanktionen nach sich ziehen. Je nach militärischer Eskalationsstufe würden auch Sanktionen abgestuft zum Einsatz kommen. In einem ersten Schritt wären die Auswirkungen solcher Sanktionen und der russischen Gegensanktionen wohl noch überschaubar: Höhere Preise für Erdöl und Erdgas würden die Wirtschaftsentwicklung zwar etwas bremsen, wären für die Konjunktur jedoch verkraftbar. Erst wenn sich Sanktionen und Gegensanktionen aufschaukeln, könnten die konjunkturellen Folgen gravierend werden. Neben Erdgas ist Russland auch für viele Metalle ein entscheidender Anbieter.

 

Viel stärker als Preissteigerungen würde physische Knappheit, also das Ausbleiben von Lieferungen, die Produktion in den Abnehmerländern zum Erliegen bringen. Die Unternehmen würden sich nach und nach an die neuen Beschränkungen anpassen und langfristig umorientieren. Dieser Verlust an Glaubwürdigkeit als Anbieter wäre der hohe Preis, den Russland für seine Strategie bezahlen müsste. Aber eine solche Anpassung würde lange dauern und auch für Verbraucher und Unternehmen teuer werden. Daher hängt für die Börse viel am Fortgang des Konflikts. So lange die weiteren Entwicklungen so unsicher sind wie gegenwärtig, bleiben die Märkte im Bann der Geopolitik.

11.02.2022, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Hartnäckige Inflationsschmerzen

Hartnäckige Inflationsschmerzen

Es war eine weitere schwierige Woche für die Aktien- und Anleihemärkte. Nach dem Euroraum meldeten jetzt auch die USA für den Januar eine Fortsetzung der hohen Inflationsraten. Für die Kapitalmärkte bedeutet dies, dass sie mit stärkeren Gegenmaßnahmen der US-Notenbank rechnen müssen. Die Anzahl der erwarteten Zinsanhebungen für die USA erhöhte sich von vier auf sieben Schritte für dieses Jahr. Normalerweise würde eine solche Straffung eine deutliche Korrektur an den Aktienmärkten wie auch am Markt für Unternehmensanleihen mit sich bringen. Heftige Korrekturen hat es auch bereits gegeben, allerdings nur in Teilbereichen, etwa im Technologiesektor oder anderen hochbewerteten Branchen. Viele andere Marktsegmente halten sich wacker gegen die Perspektiven einer Verteuerung des Geldes. Das gibt auch für die europäischen Märkte. Hier konnte etwa der DAX in der zurückliegenden Woche sogar etwas Boden gutmachen, und auch die negativen Kursreaktionen bei Anleihen halten sich noch in Grenzen.

 

Dahinter stehen weiterhin die Erwartungen, dass sich die Inflationsraten für Deutschland im Jahresverlauf wieder deutlich zurückbilden werden. Hier haben die europäischen Volkswirtschaften bessere Karten, denn der Inflationsdruck durch Löhne und Mieten ist deutlich niedriger als in den Vereinigten Staaten. Und so geht das größte Risiko für die weltweiten Aktienmärkte wohl auch von der US-Wirtschaft aus: Sollte die US-Notenbank zu sehr drastischen Maßnahmen zur Inflationseindämmung gezwungen sein, wäre eine Rezession in der größten Volkswirtschaft der Welt die Folge. Das würde an den Aktienmärkten für eine längere Zeit zu einer Kurspause auf niedrigeren Niveaus führen. Für den langfristigen Aktienanleger wäre eine solche Phasen jedoch nichts Neues, und er würde sie aussitzen, weil der nächste Aufschwung dann meistens ebenfalls schneller kommt als erwartet.

04.02.2022, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Wo bitte geht‘s zur Normalität?

Wo bitte geht‘s zur Normalität?

Den größten Einfluss auf den deutschen Aktienmarkt hatte in dieser Woche ein Nicht-Ereignis. Bei der Sitzung des Europäischen Zentralbankrates gab es keine neuen Beschlüsse, und auch die Aussichten, die Präsidentin Lagarde auf der anschließenden Pressekonferenz präsentierte, unterschieden sich zunächst nicht von früheren Aussagen. Erst bei der Beantwortung von Journalistenfragen ließ die Präsidentin durchblicken, dass der geldpolitische Kurs endlich auf dem Prüfstand stehe. Das ließ den Aktienmarkt um mehr als ein Prozent einknicken und die Rendite von Anleihen schoss nach oben. Eigentlich haben sich die Finanzmärkte längst ihre eigene Meinung über die notwendige Geldpolitik der kommenden Quartale gebildet. Eine sich erholende Konjunktur sowie aufkommende Inflationsgefahren verlangen nach einer Straffung der Geldpolitik. Bei der US-Notenbank Fed und nun auch bei der britischen Notenbank ist dieser restriktivere Kurs schon eingeschlagen worden. Bei allen Unterschieden in den Volkswirtschaften übt diese weltweite Zinswende auch Druck auf die europäischen Währungshüter aus. Und so wurden die leisen Andeutungen der EZB-Chefin auch als Vorboten eines baldigen Richtungswechsels in Europa gedeutet.

 

Die Aktienkurse reagierten zwar verschnupft. Aber bis auf die offensichtlich überbewerteten Sektoren, etwa im Technologiebereich, werden die Aktienmärkte die Zinserhöhungen gut verkraften können, denn das Zinssteigerungspotenzial ist begrenzt. Zudem verdienen die Unternehmen teils sehr kräftig. Bei Anleihen wird man sich in diesem Jahr auf eine Durststrecke einstellen müssen. Danach werden diese Anlagen aber wieder attraktiver sein als zu Zeiten negativer Renditen.

28.01.2022, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Börsen mit versöhnlicher Wochenbilanz

Börsen mit versöhnlicher Wochenbilanz

Die abgelaufene Woche begann mit einem gravierenden Rücksetzer an den Aktienmärkten. Dies hatte einen geopolitischen Grund: Die Sorgen vor einer Eskalation zwischen Russland und der Ukraine belasteten. Zeitweilig machte sich am Montag sogar Panik bei den Marktteilnehmern breit. Doch die diplomatischen Kanäle bleiben offen. Am Mittwoch gab es in den von Deutschland und Frankreich moderierten Beratungen – im Rahmen des sogenannten Normandie-Formats – zwischen den Konfliktparteien zwar erwartungsgemäß noch keinen Durchbruch, allerdings einigten sich die Parteien darauf, die Gespräche in Berlin fortzusetzen. Die Folge: Die Aktienkurse erholten sich von dem Schrecken, auch weil Konjunkturdaten gut ausfielen. Beim ifo Geschäftsklima für Januar drückten die befragten Unternehmen in Deutschland Zuversicht aus, das die Corona-bedingten Liefer- und Transportengpässe nachlassen werden. Die Geschäftserwartungen legten deutlicher als erwartet zu. Relativ stabil haben die Finanzmärkte die Sitzung der US-Notenbank Fed weggesteckt. Vor allem in der Pressekonferenz von Fed-Chef Powell gab es eine durchaus klare Offerte auf einen zügigeren Zinserhöhungspfad als bislang gedacht. Mit Argusaugen verfolgen die Marktteilnehmer die begonnene Berichtssaison in den USA und nahmen beispielsweise die starken Quartalszahlen von Apple wohlwollend zu Kenntnis.

 

In den nächsten Tagen buhlen äußerst viele Konjunkturdaten um die Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer. Einkaufsmanagerindizes offenbaren die Stimmung in der Welt. Der US-Arbeitsmarktbericht mag Informationen über potentiellen Lohndruck und Konsumperspektiven liefern. In Europa richtet sich der Blick auf die neuen – wohl etwas geringeren – Inflationsraten für Januar am Montag in Deutschland und am Mittwoch in der Eurozone. Wie das zu interpretieren ist, darauf wird die Europäische Zentralbank auf ihrer Sitzung am Donnerstag mit Spannung erwartete Antworten geben dürfen.

21.01.2022, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Zinssorgen an den Aktienmärkten

Zinssorgen an den Aktienmärkten

Die Aussichten auf steigende Zinsen setzten die Aktienmärkte in der abgelaufenen Handelswoche weltweit unter Druck. Neue Informationen aus den USA zeigten, dass die Inflationsentwicklung weiterhin angespannt bleibt und dass damit die US-Geldpolitik restriktiver werden wird. An den Märkten für Rohöl und Erdgas stiegen die Preise ebenfalls weiter. Beim Erdgas spielen auch die Spannungen zwischen Russland und der Ukraine sowie der NATO eine Rolle. Erdöl dagegen wird deswegen teurer, weil trotz einer Fördererhöhung der OPEC-Länder das Angebot an Rohöl mit der Nachfrage nicht Schritt hält. Es bestätigen sich Aussagen, dass Rohöl eher knapper wird, da der Ausbau der nachhaltigen Energieerzeugung zu langsam voranschreitet, um die steigende Energienachfrage zu bedienen. Gleichzeitig wird nicht mehr in neue Lagerstätten investiert, da deren Zukunft langfristig ungewiss ist. Alles zusammen hält die Energiepreise hoch und verdüstert den Inflationsausblick. Zwar werden die Inflationsraten ab Januar wieder sinken, aber die Teilnehmer an den Finanzmärkten werden sehr genau hinschauen, in welchem Tempo dies geschieht. Selbst wenn im Euroraum keine Zinssteigerungen wie in den USA anstehen, wird auch die Europäische Zentralbank ihre Liquiditätsbereitstellung herunterfahren. Das müssen die Aktienmärkte erst einmal verkraften. Ein Lichtblick dabei ist jedoch, dass viele Unternehmen mit den Kostensteigerungen umgehen können. Die ersten Ergebnisse der laufenden Berichtssaison zeigten, dass außerhalb des Technologiesektors Preisüberwälzungen an die Verbraucher möglich sind und dabei sogar die Gewinnmargen der Unternehmen teilweise gestiegen sind.

14.01.2022, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Aktionäre im Bann der Inflation

Aktionäre im Bann der Inflation

Aktien bleiben teuer. In der abgelaufenen Handelswoche gingen die großen Indizes in Europa und in den USA zwar seitwärts, dies aber auf hohem Niveau. Im vergangenen Jahr waren die Kurse noch je nach Region 15 bis 30 Prozent angestiegen. Aber es rumort im Maschinenraum der Finanzmärkte. Dabei geht es vor allem um die Leitzinsen. Ein Teil der guten Entwicklung an den Aktienmärkten in den letzten Jahren ist auf die niedrigen Zinsen zurückzuführen. Niedrige Zinsen auf dem Sparbuch und bei Bundesanleihen trieben viele Marktteilnehmer in Anlagen mit besseren Aussichten. Diese erfüllten etwa deutsche Aktien allein schon mit der Dividende, die im Durchschnitt etwa drei Prozent beträgt, Kurssteigerungen waren da eher ein zusätzlicher Bonus.

 

Ob die Zinsen auch weiterhin so niedrig bleiben können, wird von immer mehr Akteuren angezweifelt. Treiber für das Zinsniveau sind die Notenbanken, selbst wenn auch diese nicht allmächtig sind und nicht jeden beliebigen Zinssatz wählen können. Notenbanken werden danach beurteilt, ob sie ihren Auftrag erfüllen, den Geldwert stabil zu halten. Zurzeit ist dies nicht der Fall, wie die in dieser Woche veröffentlichten US-Inflationsdaten von 7 Prozent eindrücklich zeigen. Allgemein wird die Bereitschaft der Notenbanken, etwas gegen zu hohe Inflation zu tun, an ihren Leitzinsen abgelesen. Zu starke Inflation verlangt nach höheren Zinsen. Angeführt von der US-Notenbank werden die Leitzinsen in Europa in diesem und wahrscheinlich auch im kommenden Jahr steigen. Wieviel, das hängt von der Beruhigung bei der Inflation ab. An den Aktienmärkten wird daher die Inflationsrate zum wichtigsten Wirtschaftsindikator in diesem Jahr.

07.01.2022, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Jahresstart mit Hindernissen

Jahresstart mit Hindernissen

Der Jahresstart an den Kapitalmärkten hat es in sich. Bereits im abgelaufenen Jahr hatte man die Inflation als neue Bedrohung für Wirtschaft und Kapitalmärkte ausgemacht. Jetzt fangen die Marktteilnehmer an, sich mit den Konsequenzen auseinanderzusetzen. Eine dieser Konsequenzen ist, dass die Zinssätze schneller ansteigen könnten als erwartet. Die US-Notenbank hat in dieser Woche bei der Veröffentlichung ihrer jüngsten Sitzungsprotokolle deutlich gemacht, wie ernst sie das Thema nimmt. Nun kommt auch noch ein technisches Problem hinzu. Zinserhöhungen wirken nur dann, wenn gleichzeitig auch die enorme Liquidität wieder abgeschöpft wird, die in den vergangenen Jahren geschaffen worden ist.

 

Höhere Zinsniveaus und schrumpfende Geldmengen sind nicht der Stoff, aus dem weitere Kurssteigerungen gemacht werden. Folgerichtig zogen sich die Kurse an den Aktienmärkten in der zweiten Wochenhälfte wieder zurück, nachdem sie in den ersten Geschäftstagen des Jahres noch Kurs auf neue Höchststände genommen hatten. Interessant ist auch, was unter der Oberfläche der breiten Indizes wie DAX oder Dow Jones stattfindet. Technologieaktien reagieren aufgrund der hohen Bewertungen am empfindlichsten auf steigende Zinsen, wogegen Bankaktien am Beginn einer großen Renaissance stehen könnten.

 

Dass in der zweiten Wochenhälfte dann aus Deutschland Inflationszahlen kamen, die entgegen aller Hoffnungen für den Dezember nochmals einen leichten Anstieg der Teuerung anzeigten, zahlte auf die Skepsis vieler Marktteilnehmer weiter ein. Die Inflation ist der Schlüssel zur Kapitalmarktentwicklung des Jahres 2022.

 



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