Dr. Ulrich Kater, Chefvolswirt der DekaBank

Marktkommentar von Dr. Ulrich Kater

Lesen Sie jede Woche den aktuellen Marktkommentar von Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank.

Dr. Ulrich Kater studierte Volkswirtschaftslehre an den Universitäten Göttingen und Köln. 1995 promovierte er am Finanzwissenschaftlichen Seminar der Universität Köln und übte gleichzeitig eine Lehr- und Forschungstätigkeit an der Universität Köln, der Fachhochschule Köln und der European Business School aus.

Von 1995 bis 1999 war Herr Kater im Stab der „fünf Wirtschaftsweisen“ für die Themen Geldpolitik und Kapitalmarkt verantwortlich. Von 1999 an arbeitete er am Aufbau der Volkswirtschaftlichen Abteilung der DekaBank mit. Seit 2004 bekleidet er die Position als Chefvolkswirt der DekaBank und ist seit 2006 auch Vorsitzender der Kommission für Wirtschaft und Finanzen im Verband Öffentlicher Banken.

Darüber hinaus folgte er Lehraufträgen an der Universität Witten-Herdecke, der Zeppelin University Friedrichshafen sowie an der Hochschule der S-Finanzgruppe. Nebenbei ist Ulrich Kater auch als Autor zahlreicher Veröffentlichungen über Geldpolitik, Währungspolitik, internationale Kapitalmärkte, Finanzpolitik, Alterssicherungssysteme und Globalisierung in Erscheinung getreten.

10.09.2021, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Unternehmensstimmung sinkt

Unternehmensstimmung sinkt

Die Aktienmärkte zeigten sich in der abgelaufenen Woche etwas verstimmt. Der deutsche Aktienindex Dax gab vorübergehend über 2,5 Prozent nach, nachdem er zu Beginn der Woche noch einmal an seinem historischen Höchststand gekratzt hatte. Die Wirtschaftsdaten waren nicht dazu angetan, Euphorie zu erzeugen. Die Stimmung in den Unternehmen ist auch in diesem Monat weiter abgekühlt. Vielfältige Produktionshürden hindern die Unternehmen am Abarbeiten der hohen Auftragsbestände. Die neuesten Exportzahlen für die deutsche Wirtschaft waren zwar auf den ersten Blick erfreulich. Zieht man aber die Preissteigerungen bei Vorleistungsgütern ab, wird aus dem Exportanstieg ein Rückgang. Dies ist ein weiteres Zeichen dafür, dass es in der Weltwirtschaft nicht rund läuft. Die Entscheidung der EZB für eine sehr moderate Reduzierung ihres Anleihe-Kaufvolumens war an den Finanzmärkten erwartet worden und führte daher nicht zu Irritationen.

Inflation bleibt Top-Thema

Im Zentrum des Interesses an den Finanzmärkten stehen in der kommenden Woche die Preisdaten aus den USA. Fast überall haben in den vergangenen Monaten die Inflationszahlen stets nach oben hin überrascht. Insbesondere bei Rohstoff-, Transport- und Erzeugerpreisen ist der Druck hoch. Eine Überwälzung in die Verbraucherpreise haben viele Unternehmen angekündigt. Auch bei den jetzt anstehenden Zahlen für den Monat August dürfte die Inflationsrate in den USA weiter über fünf Prozent verharren. Eine neuerliche negative Überraschung könnte die US-Geldpolitik weiter unter Druck setzen, ihren laxen Kurs zu korrigieren.

03.09.2021, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Schwächere Konjunkturdaten werden hingenommen

Bei allen konjunkturellen Unwägbarkeiten im Detail nehmen die Finanzmärkte das große Bild gelassen hin. Denn das Niedrigzinsumfeld wird von den Notenbanken unverändert gewährleistet. Von den hohen Inflationsraten für Deutschland und Euroland zeigten sich die Finanzmarktteilnehmer unbeeindruckt. Dass Stimmungsindikatoren von im Sommer sehr hohen Niveaus kommend nachgeben, wie für August beim europäischen Wirtschaftsvertrauen geschehen, passt ebenfalls ins Bild. Selbst überraschend schwache Einkaufsmanagerindizes aus China, oder das enttäuschende Bruttoinlandsprodukt Indiens im zweiten Quartal wurde an den Börsen in dieser Woche hingenommen. Dazu trägt bei, dass trotz coronabedingten Lieferengpässen bei Unternehmen die Gewinnperspektiven für dieses Jahr als nach wie vor gut eingeschätzt werden.

Taktgebende Notenbanken im Fokus

Der Datenkalender hält in der kommenden Woche weniger gehaltvolle Veröffentlichungen parat als in der vorigen. Umso wichtiger werden die Notenbanksitzungen der Bank of England am Mittwoch und der Europäischen Zentralbank am Donnerstag sein, die den Märkten ihre maßgebliche Einschätzung zur aktuellen Lage offenbaren werden. Die nach wie vor bestehenden coronabedingten Risiken für die Konjunktur dürften die Zentralbanker leiten, die weiterhin günstigen Finanzierungsbedingungen aufrechtzuerhalten und die Geldpolitik nicht zu verändern. Die Notenbanken fungieren damit weiter als Felsen in der wirtschaftlichen Brandung und wirken mithin unterstützend für die Kapitalmärkte.

27.08.2021, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Aktienmärkte schlagen sich wacker

Es war keine leichte Woche, die es an den Börsen zu verarbeiten galt: Die schlechten Nachrichten aus Afghanistan, die steigenden Corona-Inzidenzwerte, Sorgen zu höheren Inflationsraten und auch rückläufige Konjunkturindikatoren. Diese Gemengelage hat den ifo Geschäftsklimaindex für August sinken lassen. Die Erwartungen der Unternehmen haben für den weiteren Konjunkturverlauf deutlich nachgegeben. Die Gründe dafür liegen darin begründet, dass mit Aktivitätseinschränkungen bei den Dienstleistern durch neuerliche Corona-Hemmnisse zu rechnen ist und es seitens der Industrie zu Lieferengpässe bei Vorprodukten kommt. Für das dritte Quartal ist die Konjunkturdynamik indes klar aufwärtsgerichtet und auch die Gewinnsituation in den Unternehmen gut. Vor diesem Hintergrund haben sich die Aktienmärkte nahe ihrer Höchststände wacker geschlagen.

Marktrelevante Konjunkturdaten voraus

Die nächste Woche hat es in sich. Am Dienstag dürfte sich beim Einkaufsmanagerindex in China zeigen, welche aktuellen Belastungen aus der fortgesetzten No-Covid-Strategie mit erheblichen Restriktionen schon bei Einzelfällen entstehen. Wenige Stunden später werden die Preisdaten für Euroland mit einem Anstieg der Inflationsrate im August bekannt gegeben. Basis- und Sondereffekte sind hier maßgeblich, doch bleiben für die Europäische Zentralbank die Unwägbarkeiten über die weitere Inflationsdynamik unter besonderer Beobachtung. Die kommende Woche schließt mit dem US-Arbeitsmarktbericht, also der marktrelevanten Beschäftigungsentwicklung, die Raum für Enttäuschungen bietet.

20.08.2021, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Konjunkturängste an der Börse

An den Aktienmärkten legte der Dax in der zurückliegenden Woche den Rückwärtsgang ein. Die Gründe hierfür lagen zum ersten in Gewinnmitnahmen nach den Rekordständen der Vorwochen. Dazu kommen Befürchtungen über die konjunkturellen Auswirkungen der nunmehr anlaufenden vierten Coronawelle, die sich mehr und mehr abzeichnet. Eine Reihe von Unternehmen kündigte deswegen an, die Rückkehr ihrer Beschäftigten in die Büros bis mindestens Januar zu verschieben. Diese Skepsis spiegelte sich auch im Rohölpreis wider, der deutlich unter die Marke von 70 US-Dollar pro Barrel zurückfiel. Die Ereignisse in Afghanistan erreichten die internationalen Kapitalmärkte kaum. Die geopolitischen Auswirkungen dieser Entwicklung erscheinen zwar immens, sind jedoch eher langfristig angelegt.

US-Geldpolitik im Fokus

Die Aufmerksamkeit der Kapitalmarktteilnehmer richtet sich in den kommenden Wochen auf die US-Geldpolitik der Notenbank. Laut den Protokollen des Offenmarktausschusses der US-Notenbank wurde darüber diskutiert die Anleihekäufe früher als erwartet zu drosseln. Aufschlüsse über die nächsten Schritte der Fed werden von der geldpolitischen Konferenz in Jackson Hole erwartet, die Ende der kommenden Woche stattfindet. Im Euroraum stehen Konjunkturmeldungen im Vordergrund: Die Umfragen unter den Einkaufsmanagern werden Hinweise geben, ob sich das starke Wachstum aus dem zweiten Quartal fortsetzt.

13.08.2021, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Kursrallye geht weiter

Kursrallye geht weiter

Und wieder neue Rekorde: An den europäischen Aktienmärkten wurden auch in dieser Woche neue Höchststände erreicht. Vorausgegangen war die Erleichterung, dass bei der US-amerikanischen Inflation für den Juli „nur“ eine Rate von 5,4 Prozent herausgekommen war. Das bedeutete zumindest keine Beschleunigung des Preisauftriebs, der die US-Notenbank zu Bremsmanövern zwingen könnte. Zudem deutete die Struktur der Preisbewegungen auf einen Rückgang der stark gestiegenen Inflationszahlen in den kommenden Monaten hin. Auch die US-Aktienmärkte präsentierten sich stark, lediglich Asien hinkte etwas hinterher. Das hat zum Teil mit wieder aufkommenden coronabedingten Einschränkungen in der Produktion und beim Transport zu tun. Wesentlicher allerdings sind hier die neu auferlegten Beschränkungen für chinesische Internetfirmen. Die neue Industriepolitik der chinesischen Regierung schränkt einige Unternehmen deutlich ein, und auch die Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft werden kritisch gesehen.

Zahlen aus den USA und China

Daten aus Asien und den Vereinigten Staaten dominieren das Geschehen in der bevorstehenden Woche. In den USA werden die Einzelhandelsumsätze für den Juli veröffentlicht, die wahrscheinlich weiter angestiegen sind. Die Luft dürfte jedoch in den kommenden Monaten dünner werden, weil die staatlichen Transferleistungen langsam abnehmen. China wird die Industrieproduktion veröffentlichen. Hier ist die Nach-Corona-Aufholjagd schon wieder vorbei, und die Zuwächse haben sich normalisiert. Die Analysten werden eher besonders auf Schwächesignale in der chinesischen Wirtschaft achten. Eine Verlangsamung des Wachstums der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft wird zwar bereits erwartet, das Ausmaß ist jedoch unsicher.

06.08.2021, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Widerstandsfähiger Aktienmarkt

Widerstandsfähiger Aktienmarkt

Obwohl die Produktionsengpässe infolge der schleppenden Wiedereröffnung der Wirtschaften nach den Corona-bedingten Schließungen weltweit anhalten, halten sich die Aktienmärkte auf hohen Kursniveaus. Der enttäuschende Wert für die deutsche Industrieproduktion im Juni war da nur das jüngste Beispiel. Die Gründe für die relativ starke Börsenkonstitution liegen zum einen in den hohen Unternehmensgewinnen, die viele börsennotierte Gesellschaften trotz schwieriger Umstände vermeldeten. Zum anderen sind es die Notenbanken, die in den vergangenen Wochen ihre Niedrigzinspolitik weiter bekräftigt haben. Letzteres ist auch der Grund dafür, dass die europäischen Anleihekurse in der zurückliegenden Woche weiter anstiegen. Darüber hinaus wird allgemein erwartet, dass die Produktion, die in diesem Jahr etwa wegen Materialmangel ausfällt, im kommenden Jahr nachgeholt wird. Nicht zuletzt deswegen bewegen sich die Auftragseingänge für die deutschen Unternehmen gegenwärtig auf einem historischen Höchststand.

Inflation bleibt im Fokus

Die Inflationsdiskussion wird auch in der nächsten Woche nicht zum Erliegen kommen. In den Vereinigten Staaten von Amerika werden die Verbraucherpreise für den Monat Juli gemeldet. Diese waren bereits im Vormonat durchschnittlich um mehr als fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr angestiegen. Großhandelspreise deuten allerdings an, dass die Preisspitze im Juli erreicht wurde und in den Folgemonaten Preisrückgänge gemeldet werden könnten. Erst zu Beginn des nächsten Jahres wird sich jedoch herauskristallisieren, ob die großen Notenbanken mit ihrer Meinung recht behalten, dass es sich eher um eine einmalige Preiswelle als um den Beginn eines dauerhaften Inflationsprozesses handelt.

30.07.2021, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Sommerhoch hält an

Sommerhoch hält an

Vor dem Hintergrund kräftiger Unternehmensgewinne hielten sich Aktienkurse in der zurückliegenden Handelswoche weiterhin auf hohem Niveau. Dadurch, dass sich die Unternehmensgewinne nach dem Corona-Einbruch wieder sprunghaft erhöhen, gehen damit automatisch die hohen Aktienbewertungen wieder etwas zurück. Zusammen mit dem extrem niedrigen Zinsniveau und einer trotz Produktionshemmnissen kräftigen Konjunktur ergibt sich für die Aktienmärkte sogar noch weiteres Potenzial. Auch in den USA hat es die Notenbank mit höheren Zinsen nicht eilig. In der jüngsten Sitzung diskutierten die Mitglieder des Zinsausschusses zwar über eine Drosselung der Wertpapierankaufprogramme. Angesichts der weiterhin vorhandenen Corona-Unsicherheiten sei es für solche zinssteigernden Maßnahmen jedoch noch zu früh. Selbst aktuell hohe Inflationsraten wie die in dieser Woche aus Deutschland gemeldeten 3,8 Prozent bringen die Notenbanken nicht aus dem Tritt. Erst wenn sich solche Zahlen im kommenden Jahr verhärten sollten, schrillen in den Zentralbanketagen die Alarmglocken.

Mehr Jobs in den USA

Die wichtigsten Zahlen der neuen Börsenwoche kommen aus den USA. Der Bericht vom Arbeitsmarkt wird Aufschluss über das Tempo des dortigen Beschäftigungsaufbaus in der Wirtschaft nach der Corona-Krise geben. Bislang hinkte der Aufbau neuer Jobs noch dem rasanten Erholungstempo bei der Produktion hinterher. Das lag daran, dass in den Dienstleistungsbereichen viele Tätigkeiten noch gar nicht wieder benötigt wurden. Nach weiteren Öffnungsschritten sind diese nun jedoch wieder erlaubt. Insofern sollte sich der Jobaufbau im Juli kräftig fortgesetzt haben. Darüber hinaus verdichten sich die Hinweise, dass das US-Parlament sich wohl in diesem Jahr noch über ein neues Infrastruktur-Ausgabeprogramm verständigen wird.

23.07.2021, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Bemerkenswerte Börsenerholung

Bemerkenswerte Börsenerholung

Es war eine interessante Handelswoche, die den deutschen Aktienindex DAX zunächst absacken ließ. Gewinnmitnahmen und Sorgen um die Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus‘ waren hierfür verantwortlich. Der DAX erschien vielen Finanzmarktteilnehmern bei unter 15.100 Punkten dann doch so günstig zu sein, dass im Wochenverlauf die Börsenerholung einsetzte und die kurzfristigen Kurseinbußen wettgemacht wurden. Die mit Spannung erwartete Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) brachte am Donnerstag letztlich wenig Überraschungen. Doch in Verbindung mit der neuen geldpolitischen Strategie, die eher noch längere Zeit niedrige Zinsen und günstige Finanzierungsbedingungen impliziert, bot Unterstützung für die Aktienmärkte. Die Unternehmensberichtssaison ist gut gestartet, und auch die gemeldeten Konjunkturdaten passten insgesamt zu der aktienfreundlichen Stimmung an den Märkten.

Hingucker deutsche Inflationsrate

Die anstehende Woche startet fulminant mit der Veröffentlichung des ifo Geschäftsklimas für Juli. Die Stimmung der Unternehmen strebt ihrem Höhepunkt entgegen. Wir erwarten einen weiteren Anstieg des ifo Geschäftsklimas, trotz Lieferengpässen in der Industrie und Delta-Sorgen. Ebenfalls für Juli wird die Inflationsrate in Deutschland bekannt gegeben. Die Mehrwertsteuer sorgt für einen sprunghaften Anstieg des Preisniveaus gegenüber dem Vorjahresmonat auf mehr als 3 Prozent. Der Mehrwertsteuersatz lag vor einem Jahr auf 16 Prozent und ist nun wieder auf altem Niveau. Daher handelt es sich, wie auch von der Deutschen Bundesbank betont, nur um einen vorübergehenden Effekt auf die Inflationsrate. Dies sollte die Finanzmärkte nicht mehr erschrecken.

16.07.2021, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Trotz Nervosität zu neuen Rekordständen

Trotz Nervosität zu neuen Rekordständen

Noch einmal schwang sich der deutsche Aktienindex DAX in dieser Woche zu einem neuen Rekordhoch auf. Dies kann auch als Reaktion auf die neue geldpolitische Strategie der Europäischen Zentralbank (EZB) gesehen werden. Weitere Impulse für Unternehmenswerte blieben jedoch aus. Die Unternehmen melden zwar hohe Gewinnsteigerungen, es fällt ihnen jedoch schwer, die bereits sehr hohen Erwartungen der Märkte noch zu toppen. Eine wieder steigende Anzahl von Covid-Infektionen sowie die anhaltenden Produktionsbehinderungen in den weltweiten Wertschöpfungsketten tragen auch nicht gerade zu Konjunkturoptimismus bei. Dies war ebenso an den Anleihemärkten zu beobachten, wo die Renditen bereits seit mehreren Wochen wieder deutlich sanken. Wieder wurde mit einer Rate von 5,4 Prozent eine hohe Inflationszahl aus den USA gemeldet. Diese führt jedoch solange nicht zu größerer Unruhe, wie sowohl die Marktteilnehmer als auch die US-Notenbank diese Zahlen als vorübergehend ansehen.

EZB mit neuer Systematik

Trotz zunehmender Sommerruhe wird es in der kommenden Woche durchaus spannend: Zum ersten Mal legt die EZB die Geldpolitik in ihrer turnusgemäßen Sitzung nach den neuen Strategieregeln fest. Dabei könnten sich die ohnehin schon geringen Zinserwartungen der Marktteilnehmer abermals abflachen. Von Seiten der Konjunktur geben die Einkaufmanagerindizes Aufschluss über die Stimmung in den Unternehmen. Und mit dem CPB-Welthandelsmonitor werden die Zahlen für die globale Industrieproduktion und den Welthandel für Mai veröffentlicht. Bereits Ende 2020 wurde das Vorkrisenniveau erreicht. Inzwischen stellt sich die Frage, wann die Dynamik an Kraft verliert.

09.07.2021, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Inflationsgefahren abgeblasen

Von sommerlicher Ferienruhe konnte an den Aktienmärkten in der zurückliegenden Woche keine Rede sein. Wirtschaftspolitisches Highlight war die Verkündung der neuen geldpolitischen Strategie durch die Europäische Zentralbank (EZB). Ein symmetrisches Inflationsziel von zwei Prozent soll die Einschätzbarkeit der Geldpolitik erleichtern. Dabei betonte die neue Strategie vor allem die Notwendigkeit energischer Maßnahmen im Fall von Unterschreitungen des Inflationsziels. Insgesamt deutet alles auf die Fortsetzung des bisherigen Kurses hin: Zinsen bleiben niedrig, die Liquidität üppig, und das für lange Zeit. An den Finanzmärkten erscheinen auf einmal die Inflationssorgen des ersten Halbjahres wie weggeblasen. Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Corona-Delta-Welle werden die bisherigen Wachstumsschätzungen wieder heruntergenommen. Das ließ die Renditen an den Anleihemärkten deutlich nach unten gehen. Den Aktien bekam dieser Erwartungs-Schwenk nicht gut, der Dax verlor spürbar an Schwung.

Preiszahlen aus den USA

Im Gegensatz zum langfristigen Ausblick wird die Inflation in den USA wohl kurzfristig nochmal deutlich anziehen. Dies sollten die Zahlen in der kommenden Woche zeigen. In den Produktionswirren nach der Lockdown-Öffnung passen in vielen Volkswirtschaften Angebot und Nachfrage einfach noch nicht zusammen. Dies sollte im Juni zu einem weiteren kräftigen Preisschub geführt haben. Allerdings ist langsam die Erkenntnis gereift, dass diese Entwicklungen vorrübergehender Natur sind. Es kommen sogar schon erste Erwartungen auf, dass in den kommenden Monaten auch wieder Preissenkungen vorkommen können. Hierdurch würde die Inflationsrate dann relativ deutlich fallen.

02.07.2021, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Abwartende Vorfreude

An den Aktienmärkten herrschte zuletzt abwartende Vorfreude auf die in Kürze startende Berichtssaison. Die Einkaufsmanagerindizes für Juni bestätigten das anhaltend günstige fundamentale Umfeld. Trotz ihres leichten Rückgangs – der unter anderem durch lokale Corona-Ausbrüche bedingt war – ist die Stimmung in den Unternehmen weiterhin prächtig. Dass der konjunkturelle Neustart zwar kurzzeitig höhere Inflationsraten mit sich bringt, die Teuerung aber nicht ausufern wird, diese Einsicht setzte sich zuletzt insbesondere an den Anleihemärkten durch. Die Renditen für US-amerikanische und deutsche Anleihen gingen daher etwas zurück, obwohl in den USA mal wieder lauter darüber geredet wird, dass der Ausstieg aus der ultra-lockeren Geldpolitik naht. Vom steigenden Ölpreis und dem Gezerre der OPEC+ um höhere Förderquoten ließen sich die Märkte wenig beirren.

Dreiklang aus Deutschland

In der kommenden Woche wird aus Deutschland der monatliche „Dreiklang“ von Auftragseingängen, Nettoproduktion und Außenhandelsdaten gemeldet. Auch die Mai-Daten werden geprägt sein von einem enormen Plus gegenüber dem Vorjahr. Sie werden aber auch Produktionsprobleme aufgrund der Lieferengpässe signalisieren. Am Mittwochabend lohnt sich die Lektüre des Protokolls der US-Notenbank-Sitzung von Mitte Juni, in der sicherlich über den Ausstiegspfad aus den Anleihekäufen gesprochen wurde. Bei den chinesischen Inflationsdaten dürfte sich im Juni nicht allzu viel getan haben, sie sollten im Wohlfühlbereich verharren. Die Aktienmärkte könnten im Vorfeld der Berichtssaison von Aufwärtsrevisionen der Gewinnprognosen der Analysten und positiven Vorankündigungen einiger Unternehmen profitieren.

25.06.2021, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Gute Nachrichten für die Aktien

Gute Nachrichten für die Aktien

Es war eine gute Woche für die Aktienmärkte. In den USA einigte sich der Senat auf ein mittelgroßes Infrastrukturprogramm und machte damit einen Schritt Richtung weiterer konjunktureller Dynamik in den kommenden Jahren. Die US-Notenbank bescheinigte den heimischen Banken grundsätzlich stabile Bilanzen, was den Kreditinstituten auch wieder Dividendenzahlungen an ihre Aktionäre ermöglichen wird. In Deutschland zeigten die Unternehmens-umfragen noch mehr Aufbruchstimmung nach der Coronazeit an – und das, trotz der vielfachen Produktionsbehinderungen durch die Knappheit von Vorprodukten und Materialien. Insbesondere die Lagebeurteilung beim Ifo-Geschäftsklimaindex nahm rekordverdächtig zu. Insgesamt also kein Wunder, dass eine Reihe von Aktienindizes in dieser Woche wieder neue historische Höchststände erreichten.

Inflation im Fokus

Obwohl im Juni sogar ein leichter Rückgang der Inflation im Euroraum möglich ist, bleibt die Inflationsrate im Fokus der Finanzmärkte. So holen die Unternehmen teilweise ausgefallene Preissteigerungen aus dem vergangenen Jahr nach. Dazu kommen Engpässe bei Material und Personal, welche die Vorleistungspreise bereits seit einiger Zeit stark steigen lassen. Hiervon könnte in den kommenden Monaten ein etwas größerer Teil als sonst üblich an die Verbraucherpreise weitergegeben werden. Ein solcher Preisschub ist jedoch noch kein Inflationsprozess. Hierfür müssten insbesondere die Löhne nachziehen. Darüber könnte der in der kommenden Woche erscheinende Arbeitsmarktbericht für die USA weiteren Aufschluss geben.

17.06.2021, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Resiliente Märkte

Resiliente Märkte

Das Highlight der Börsenwoche war die Sitzung der US-amerikanischen Notenbank. Vor dem Hintergrund steigender Inflation waren die Marktteilnehmer gespannt, wie die Währungshüter auf das unruhige Umfeld reagieren würden. Nachdem die Fed lange Zeit die Inflationsgefahren mehr oder weniger ignoriert hatte, wurde diesmal eine wachsamere Einstellung deutlich. Zwar änderte sie ihren geldpolitischen Kurs nicht augenblicklich, aber aus den Sitzungsergebnissen wurde doch deutlich, dass eine Diskussion über die Rückführung der immer noch üppigen Anleihekäufe innerhalb der Notenbank begonnen hat. Auch eine erste Zinserhöhung könnte nun bereits Ende des kommenden Jahres im Bereich des Möglichen liegen. Obwohl eine näher rückende Perspektive steigender Zinsen für die Aktienmärkte ungünstig ist, steckten diese die Ergebnisse der Fed-Sitzung locker weg. Auch die Zinsmärkte selber reagierten sehr moderat. Dies ist ein Zeichen dafür, dass die US-Notenbanker genau richtig gehandelt haben.

Konjunkturdaten spiegeln weitere Öffnung

Die kommende Woche steht im Zeichen wichtiger Konjunkturzahlen aus Europa und aus Deutschland. Die monatliche Umfrage unter Europas Einkaufsmanagern sowie der Ifo-Geschäftsklimaindex sind Frühindikatoren für das Wirtschaftsgeschehen in den kommenden Monaten. Die Industrie profitiert gegenwärtig von der kräftigen globalen Konjunktur, leidet aber andererseits unter Engpässen bei Vorprodukten und Transportkapazitäten. Ganz anders die Dienstleister und der Handel. Befreit von den Fesseln des Lockdowns und in der Erwartung eines lebhaften Sommers wird sich deren Stimmung merklich verbessert haben.

11.06.2021, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Alle Augen auf die US-Notenbank

Alle Augen auf die US-Notenbank

Die Aktienmärkte starteten die vergangene Woche etwas nervös, nachdem die US-Zentralbank etwas lauter über die Notwendigkeit eines steigenden Zinsniveaus nachgedacht hatten. Im Laufe der Woche beruhigten sich die Gemüter wieder, nicht zuletzt, weil die Europäische Zentralbank in ihrer Sitzung am Donnerstag deutlich machte, wie weit sie noch von einer Straffung der monetären Bedingungen entfernt ist. Es erscheint so, als haben die Finanzmärkte die starke Konjunkturerholung bei vorübergehend höheren Inflationsraten mittlerweile eingepreist und warteten jetzt auf neue Impulse. Eine positive Nachricht für die Staatshaushalte vieler Länder bedeutete die internationale Einigung auf Mindeststeuersätze für Unternehmen. Allerdings wird deren Umsetzung noch viel Zeit in Anspruch nehmen. Auf Unternehmensseite sind hiervon eine begrenzte Anzahl von Großunternehmen betroffen, deren Gewinnperspektiven sich dadurch etwas eintrüben. Angesicht der gegenwärtigen guten Bedingungen für die Aktienmärkte kam es jedoch nicht zu spürbaren Auswirkungen.

Behutsames Vorgehen

Impulse könnte den Märkten die anstehende Sitzung der US-Notenbank Fed geben. Die Erholung der US-Wirtschaft von der Corona-Krise ist bereits weiter vorangeschritten als in Europa. Die Inflationsrate liegt mittlerweile deutlich oberhalb der von der Fed angestrebten Marke. Die Währungshüter müssen die Entwicklung der Inflationserwartungen genau beobachten, denn Inflation beginnt in den Köpfen der Akteure in den Unternehmen, in den Haushalten und an den Finanzmärkten. Die Kunst der Notenbanker besteht vor allem darin, den Märkten ein behutsames Vorgehen bei der Normalisierung der Geldpolitik nach der Corona-Pandemie zu vermitteln.

04.06.2021, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Börsen folgen den Notenbanken

Weltweit wurden mittlerweile mehr als zwei Milliarden Impfungen durchgeführt. Damit bestätigen sich zusehends die Erwartungen der Finanzmärkte und Unternehmen, dass die Rückkehr aus dem Lockdown hin zur Normalität gelingen kann. Die Konjunkturperspektiven verbessern sich. Die Einkaufsmanagerindizes in den USA sind für Mai abermals angestiegen. Auch die Preise legen weiter zu: Die Inflationsrate im Euroraum hat im Mai die Marke von zwei Prozent erreicht. Hauptverursacher des Preisanstiegs sind die Energiegüter, bei denen vor allem Basiseffekte die Rate im Jahresvergleich auf 13,1 Prozent nach oben schnellen ließen. Wichtig hierbei ist, dass die Finanzmarktteilnehmer weiterhin dem Narrativ der Notenbanken folgen, nach dem die Inflationsbewegung dieses Jahres nur vorrübergehender Natur ist. Entsprechend gering fielen in der zurückliegenden Woche die Bewegungen an den Aktien- und Rentenmärkten aus.

Lockerungen treiben Preise nach oben

In der kommenden Woche wird den Konjunkturdaten von den Finanzmarktteilnehmern wohl wenig Aufmerksamkeit geschenkt werden. Zu sehr richten sich am Donnerstag die Blicke auf die Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB). Und am Freitag richtet sich der Blick über den Atlantik, denn dann werden die US-Inflationsraten für Mai bekannt gegeben. Für die amerikanische Notenbank Fed wird es im Vorfeld ihrer Sitzung am 16. Juni ungemütlicher, weil mit einer Inflationsrate von klar über vier Prozent zu rechnen ist. Die Nachfrage nach Waren nahm aufgrund von Lockerungen stark zu, während die Unternehmen mit der Produktion nicht hinterherkamen. Die Rückwirkung der Inflationsdaten auf die Geldpolitik wird an den Börsen sehr aufmerksam verfolgt.

28.05.2021, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Stabile Aktienmärkte

In der zurückliegenden Börsenwoche machten verschiedene Stimmen aus der Europäischen Zentralbank deutlich, dass die Geldpolitik trotz der anhaltenden Inflationsdiskussion keine Eile verspürt zu bremsen. Daraufhin gingen die Anleiherenditen wieder leicht zurück. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren damit immer noch deutlich im negativen Bereich. Für die Finanzmärkte ist es wichtig, dass eine Normalisierung des Zinsniveaus sehr langsam und graduell stattfindet. Bislang ist dies den Notenbanken sehr gut gelungen. Da gleichzeitig die Wirtschaft im Zuge des Aufholprozesses nach Corona immer mehr Aufträge erhält, zeigten sich die Aktienmärkte sehr stabil. Eine Gefahr für die Aktien liegt allerdings darin, dass die Inflationsraten in den kommenden Monaten zu stark ansteigen, denn es mehren sich allerorten die Anzeichen von Knappheit und Überauslastung in den Unternehmen.

Inflationsdaten im Zentrum

Wichtige Konjunkturdaten stehen in der kommenden Woche an. Beim Europäischen Statistikamt in Luxemburg wird die Inflationsrate für den Monat Mai gemeldet. Diese ist im Vorfeld mit besonderer Unsicherheit behaftet. Vor allem in den Bereichen Tourismus und Verkehr mussten viele Preise bis zuletzt mangels zuverlässiger Daten geschätzt werden. Die Lockerung der Kontaktbeschränkungen und die wieder zunehmende Verfügbarkeit von Preisdaten könnte zu abrupten Sprüngen einzelner Teuerungsraten führen. In den USA kommen am Freitag die neuesten Informationen zum Arbeitsmarkt: Ein zu starker Beschäftigungsaufbau könnte die Sorge vor einer Überhitzung der Wirtschaft schüren.

21.05.2021, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Bitcoin im freien Fall

In dieser Börsenwoche musste der Bitcoin Kursverluste von vorübergehend mehr als 30 Prozent auf US-Dollar-Basis einstecken. Die Aktienmärkte dagegen erwiesen sich auch in dieser Woche weiter robust gegenüber der anhaltenden Inflationsdebatte.


Die starken Kursanstiege der digitalen Währungen der vergangenen Monate hatten zu einseitigen Positionierungen der Marktteilnehmer geführt, da brauchte es nur einen Auslöser, um eine heftige Gegenbewegung auszulösen. Dieser kam in Gestalt einer US-Regulierungsvorschrift, nach der Bitcoin-Transaktionen künftig nicht länger anonym bleiben sollen. Dies wird die Faszination vieler Fans nicht stoppen, zeigt aber einmal mehr, welche Risiken in diesem digitalen Neuland der Finanzen auf Anleger warten. Digitale Prozesse und Produkte werden auch im Finanzsektor weiter voranschreiten, aber welche Vehikel dabei am Ende erfolgreich sein werden, ist höchst ungewiss.

Zuversicht nach Corona

In der realen Welt hält die positive Stimmung in der Wirtschaft an. Der Erfolg der fortschreitenden Impfkampagnen in den Industrieländern wird bisher glücklicherweise durch neu auftretende Formen des Coronavirus nicht infrage gestellt. Liefer- und Transportengpässe dagegen halten die Erholung weiterhin zurück. Zuletzt war hiervon in Deutschland auch die Bauwirtschaft betroffen. Alles in allem wird der in der kommenden Woche gemeldete Ifo-Geschäftsklimaindex mit einem weiteren Anstieg jedoch wohl die Zuversicht der deutschen Wirtschaft für die Zeit nach der abklingenden dritten Coronawelle ausdrücken.

 

14.05.2021, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Aktienmärkte trotzen Inflationserwartungen

Es ist klar, dass in diesem Jahr die Inflationsraten weiter steigen werden. Nach dem coronabedingten Preisdämpfer im letzten Jahr gibt es nun aufgrund von Impferfolgen und Lockerungen preistreibende Sondereffekte. Wenn nun diese Preissteigerungen tatsächlich gemeldet werden und sogar stärker als erwartet ausfallen, dann steigen die Inflationserwartungen spürbar an. Insoweit waren die US-Inflationsdaten am Mittwoch ein echter Hingucker: Die Preise sind im April gegenüber dem Vormonat um 4,2 Prozent überraschend stark angestiegen. Das macht es der US-Notenbank nicht leichter ihren expansiven Kurs fortzusetzen. Noch bleiben die Aktienmärkte recht gelassen. Die Berichtssaison ist sehr gut ausgefallen, und die Aussichten auf gute Unternehmensgewinne im weiteren Jahresverlauf stützen die Börsen.

Ruhigere Datenwoche zum Nachdenken

In den kommenden Tagen fehlt es an echten marktbewegenden frischen Indikatoren. Chinesische Konjunkturdaten werden am Montag für den April beeindruckende zweistellige Zuwächse gegenüber dem Vorjahresniveau bei Einzelhandelsumsätzen und Industrieproduktion zeigen. Das ist ebenso wenig eine Überraschung wie die Einkaufsmanagerindizes in Euroland am Freitag, die für die Industrie kaum von ihren extrem hohen Niveaus nachgeben dürften. So bleibt an den Aktienmärkten Zeit, über die Inflationsentwicklung nachzudenken und der Frage nachzugehen, wann die US-Notenbank Fed beginnen mag, aus ihrem Anleiheankaufprogramm auszusteigen. Hier wird am kommenden Mittwoch das Sitzungsprotokoll zum April-Zinsentscheid der Fed Einblicke liefern.

07.05.2021, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Schrecksekunde an den Börsen

Die Schrecksekunde der abgelaufenen Börsenwoche löste eine Äußerung der US-Finanzministerin Janet Yellen aus. Die frühere Notenbankchefin sagte in einem Interview, dass irgendwann die Zinsen in den USA auch einmal wieder steigen müssten, wenn sich die Wirtschaft nach der Coronakrise zunehmend stabilisiere. Dies sorgte für einen Tagesverlust von über zwei Prozent beim deutschen Leitindex Dax. Steigende Zinsen sind nicht förderlich für die Aktienkurse, da Alternativanlagen zu Aktien damit attraktiver werden. Zudem werden steigende Zinsen regelmäßig mit einer Konjunkturabschwächung in Verbindung gebracht. Die heftige Reaktion der Aktienmärkte auf die eigentlich nicht besonders überraschenden Aussagen der Finanzministerin verdeutlicht, wie sehr die Aktienmärkte durch die expansive Geldpolitik der Notenbanken unterstützt werden. Ein wesentlicher Grund für die hohen Bewertungen liegt in dem extrem niedrigen Zinsniveau. Dieses wird jedoch trotz der Kommentare Yellens noch lange bestehen bleiben. Das sah der Markt auch so, weswegen sich die Aktienkurse im Wochenverlauf sehr schnell erholten.

Positive Überraschungen werden seltener

In der kommenden Börsenwoche trudeln die ersten Wirtschaftsindikatoren zum Monat Mai ein. Die ZEW-Konjunkturerwartungen werden durch das spürbar angezogene Tempo der Corona-Impfungen und die damit verbundenen Hoffnungen auf Lockerungen der wirtschaftlichen Beschränkungen weiter befeuert werden. Allerdings sind diese Verbesserungen für die Aktienmärkte nichts Neues mehr. Damit dürfte die Zeit positiver Überraschungen bei gesamtwirtschaftlichen Daten wie auch bei Unternehmensgewinnen langsam vorbei sein. Dies sollte zu einer Beruhigung der starken Kursanstiege bei Aktien in den kommenden Monaten beitragen.

30.04.2021, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Geduldiges Abwarten

An den Kapitalmärkten herrscht geduldiges Abwarten der Impfprogramme vor. Während in Schwellenländern wie Indien die Pandemie einen schlimmen Höhepunkt erreichte, machen die Impfkampagnen in Europa stetige Fortschritte. Die USA sind sogar noch weiter und können nun sogar an den Export von Impfstoffen denken. Die ökonomischen Daten dieser Woche wie etwa das ifo Geschäftsklima bestätigten, dass die Wirtschaft im weiteren Jahresverlauf mächtig auf Touren kommen sollte. Teilweise ist das schon der Fall: Rekord-Auftragseingänge sowie Lieferengpässe bei zahlreichen Produktionsvorgängen zeigen, dass außerhalb der Dienstleistungsbranchen schon kräftig aufgeholt wird. Eine wichtige Stütze der Aktienmärkte ist weiterhin die Wirtschaftspolitik. Die US-Notenbank bekräftigte bei ihrer jüngsten Sitzung ihren expansiven Kurs und die Regierung Biden kündigte weitere konjunkturfördernde Maßnahmen an. Vor diesem Hintergrund verharrten die Aktienkurse in Europa und in den USA auf ihren hohen Niveaus.

Arbeitsmarkt im Mittelpunkt

Die wichtigsten Wirtschaftsinformationen in der bevorstehenden Woche kommen aus den USA. Der monatliche Arbeitsmarktbericht informiert darüber, wie viele neue Jobs im Zuge der Wirtschaftserholung im April entstanden sind. Nachdem vor einem Jahr Corona-bedingt in kurzer Zeit über zwanzig Millionen Arbeitsplätze verloren gegangen waren, hat die US-Wirtschaft mittlerweile weit mehr als die Hälfte dieses Verlusts wieder wettgemacht. Eine zu starke Aufwärtsdynamik könnte aber für die Aktienmärkte auch zum Bumerang werden. Denn wenn es am Arbeitsmarkt wieder enger wird, rückt die Fed einer geldpolitischen Straffung näher.

23.04.2021, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Steuerpläne sorgen für Verstimmung

Die Europäische Zentralbank kam bei ihrer jüngsten Sitzung zu einem unveränderten wirtschaftlichen Bild. Danach leide die europäische Wirtschaft zwar nach wie vor unter den Belastungen der Gesundheitskrise, trotzdem sei ab dem zweiten Quartal mit einer deutlichen Erholung zu rechnen. Da sich die gegenwärtig höheren Inflationsraten wahrscheinlich nicht als nachhaltig erweisen werden, wird die Anhebung der Notenbankzinsen in Europa noch Jahre auf sich warten lassen. Am Geldmarkt wird ein positiver Leitzins gegenwärtig erst für 2027 erwartet. Einen negativen Schlusspunkt für Aktienmärkte wie auch für Krypto-Vehikel setzten in dieser Woche die Steuerpläne der US-Regierung. Die geplante Erhöhung der Kapitalsteuer belastete die Kurse. Allerdings wird dies nicht von Dauer sein. Die Zinsperspektive, genauso wie viele positive Überraschungen bei den Unternehmensgewinnen, bieten den Aktienmärkten nachhaltige Unterstützung.

US-Wirtschaft hellt sich weiter auf

Zwar wird der Ifo-Geschäftsklimaindex in der kommenden Woche wohl weiter ansteigen. Dies ist jedoch eher ein Zeichen dafür, dass die Unternehmen mit den immer noch bestehenden Beschränkungen besser umgehen können als im vergangenen Jahr. Das ändert nichts daran, dass insbesondere im Dienstleistungsbereich eine nachhaltige Konjunkturerholung erst mit dem Abflauen der Corona-Maßnahmen einsetzen kann. Das wird sich auch in den Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt für das erste Quartal zeigen, die negativ ausfallen sollten – hoffentlich zum letzten Mal während der Pandemie. Die USA sind da schon einen Schritt weiter. Hier sollten die Wachstumszahlen für das erste Quartal bereits die Dynamik ausweisen, die für die europäischen Volkswirtschaften erst ab dem zweiten Quartal erwartet werden.

16.04.2021, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Gipfelstürmer

Kräftige Wirtschaftsdaten aus den USA bestätigen, dass die Aufholjagd der Wirtschaft nach den Corona Einbrüchen im vollen Gang ist. Obwohl in den Dienstleistungsbranchen noch mannigfaltige Einschränkungen gelten, ist die Wirtschaft als Ganzes dabei, wieder an den Vor-Corona-Wachstumspfad anzuknüpfen. Nachdem die US-Notenbank in der zurückliegenden Woche signalisierte, mit geldpolitischen Bremsmanövern noch so lange zu warten, bis auch am Arbeitsmarkt die Corona-Schäden wieder weitgehend ausgeglichen sein würden, stiegen die Aktienkurse an den US-Börsen auf neue Rekordstände. Selbst in Europa, wo die Impfprogramme durch immer neue Schwierigkeiten mit einigen Impfstoffen weiterhin nur schleppend vorankommen, sieht sich die Industrie einer kräftigen Auftragslage gegenüber. Diese führt vielerorts zu Engpässen bei Vorleistungsgütern und Transportkapazitäten. Trotzdem sind die Gefahren von wieder härteren Lockdown-Maßnahmen angesichts der Belastungen durch die dritte Welle – insbesondere in Europa – alles andere als gebannt.

EZB hält still

Eine Woche mit Notenbanksitzungen steht in Europa ins Haus: Die EZB dürfte – ähnlich wie die US-Fed – andeuten, dass sie angesichts der andauernden Pandemie weit von geldpolitischen Bremsmanövern entfernt ist. Der Europäische Zentralbankrat wird darauf hinweisen, dass nach einem temporären Anstieg die Inflationsrate im kommenden Jahr sehr wahrscheinlich wieder deutlich hinter den Zielwert von knapp zwei Prozent zurückfallen wird. Spannend werden die neuesten Umfrage-Ergebnisse aus der europäischen Wirtschaft zu Lage und Aussichten, insbesondere, ob sich die Unternehmen durch prekäre Gesundheitslagen und chaotische Corona-Politik in einigen Ländern verunsichern lassen.

09.04.2021, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Optimistisch wie noch nie

Trotz wieder steigender Ansteckungszahlen und schleppender Fortschritte bei den Impfungen in Europa bleibt die Stimmung in der Industrie optimistisch. Die Umfragewerte zu den wirtschaftlichen Erwartungen sind im März sogar auf Rekordniveaus angestiegen. Nachfrage sei genug vorhanden, die Probleme lägen eher bei mangelnden Produktions- und Transportkapazitäten. Diese Euphorie ist wohl vor allem der Erleichterung darüber geschuldet, dass die Einbrüche des zurückliegenden Jahres überwunden sind. Die harten Wirtschaftsdaten spiegeln diesen Optimismus nur teilweise wider, so gingen etwa die Autoverkäufe im März deutlich zurück. Die Finanzmärkte blicken durch die Vielzahl widersprüchlicher Informationen hindurch und schauen auf eine kräftige Erholungsphase in den kommenden Quartalen bei weiterhin niedrigen Zinsen. Beflügelt von diesem Optimismus erreichte der DAX weitere Allzeithochs.

Wirtschaftslokomotive China dampft kräftig

Gute Wirtschaftszahlen werden in der kommenden Woche auch aus China erwartet: Das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2021 dürfte wieder um etwa 20 Prozent über dem Coronatief des Vorjahresquartals liegen. Damit dokumentieren die Chinesen ihre weiterhin anhaltende Erholungsphase. Dies hat auch positive Effekte auf die europäischen Volkswirtschaften, was sich in der ZEW-Finanzmarktumfrage, die am Dienstag veröffentlicht wird, widerspiegeln sollte. Im Gegensatz zum Februar dürfte der März ein guter Monat für die Industrieproduktion gewesen sein, denn trotz der wieder steigenden Inzidenzzahlen waren insgesamt eher Lockerungen der Coronabeschränkungen umgesetzt worden.

 

01.04.2021, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Börse setzt auf Wachstum

Trotz des Kommunikationsdesasters rund um die Corona-Strategie in Deutschland sowie fortgesetzten Lockdown-Maßnahmen in anderen Ländern setzen die Aktienmärkte auf die wirtschaftliche Erholung im Jahresverlauf und im Folgejahr. Eine Schrecksekunde stellte der vorübergehende Stillstand des Schiffsverkehrs am Suezkanal dar, der die Empfindlichkeit des fein abgestimmten Räderwerks der Weltwirtschaft noch einmal deutlich machte. Das in den USA diskutierte Infrastrukturpaket weckte weitere Wachstumserwartungen, so dass beim deutschen Leitindex Dax neue Höchststände erreicht wurden. Das Momentum bleibt weiterhin kräftig. Dies dürften nicht die letzten Rekorde gewesen sein.

Diskrepanz zwischen Stimmung und Daten

Die Produktionszahlen dürften die guten Stimmungswerte der deutschen Industrie nicht widerspiegeln, wenn in der kommenden Woche die Industrieproduktion für den Februar gemeldet werden. Dazu sind Verkehrsbewegungen und Stromproduktion als Frühindikatoren einfach zu schwach ausgefallen. Diese Diskrepanz dürfte jedoch weitergehen. Der Sentix-Konjunkturindex im April sollte einen nochmals leicht verbesserten Wert aufweisen. Mit jedem Monat hat sich nicht nur die Anzahl der Pannenmeldungen, sondern auch die Anzahl der durch Corona-Impfungen geschützten Menschen erhöht.

 

26.03.2021, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Impfstoff ist Schmierstoff

Die neue US-Regierung unter Präsident Biden hat schon einige Duftmarken gesetzt. Sowohl das beschlossene sechste Hilfspaket mit einem Umfang von 1.900 Mrd. US-Dollar als auch das geplante 3.000 Mrd. US-Dollar Infrastrukturprogramm wecken Wachstumsphantasien an den Märkten. Für die positive Bilanz der zurückliegenden Börsenwoche sorgte letztlich der Impfstoff als Schmierstoff: Die Ankündigung von US-Präsident Biden lautete, in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit die Anzahl der Impfungen auf 200 Millionen zu verdoppeln! Auch wenn sich in Europa eine deutliche Beschleunigung der Impfkampagne für das zweite Quartal abzeichnet, stecken wir hierzulande noch fest in der dritten Corona-Welle mit teilweise erheblichen Lockdown-Maßnahmen. Ungeachtet dessen gab es bemerkenswerte Anstiege bei den Einkaufsmanagerindizes und dem am Freitag gemeldeten ifo Geschäftsklimaindex. Vor allem in der Industrie läuft es weiter gut.

Informationsflut vor Ostern

Ein Füllhorn an Konjunkturdaten liegen in der anstehenden Karwoche an. Doch bei der Interpretation ist Vorsicht geboten, denn die Statistiken im Vorjahresvergleich zeigen mit der Basis der Rezession des Frühjahrs 2020 vielfach erhebliche Wachstumssprünge. Ein aufmerksamer Blick lohnt sich daher auf die weiter steigenden Inflationsraten für Deutschland am Dienstag und für Euroland am Mittwoch. Der Höhepunkt steht Karfreitag mit dem US-Arbeitsmarktbericht an. Hier könnte ein für die Börsen überraschend hoher Beschäftigungsaufbau gemeldet werden, denn Corona-Restriktionen nahmen in den USA gegenüber dem Februar nennenswert ab.

19.03.2021, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Von Rekord zu Rekord

Die fortgesetzten Diskussionen um Impfstrategien sowie eine dritte Infektionswelle können dem Aktienmarkt offensichtlich nichts anhaben. Die temporäre Aussetzung des Astrazeneca-Impfstoffes ließ die Börsen vollkommen unbeeindruckt. Das wichtigste Thema an den Finanzmärkten bleibt der allmähliche Anstieg der Anleiherenditen. Die US-Notenbank vollbrachte in der zurückliegenden Woche das Kunststück, vorsichtig optimistisch in die Zukunft zu blicken, ohne dadurch den Renditeanstieg allzu sehr weiter zu befeuern. In einer sich normalisierenden Wirtschaft gehören leicht höhere Zinsen ebenfalls zur Normalität. Allerdings bleibt das Zinsniveau so niedrig, dass auf Aktien bei der Vermögensanlage weiterhin nicht verzichtet werden kann. Dies drückte sich mit neuen Rekordständen beim DAX aus.

Renditen in Schach halten

In der kommenden Woche stehen wichtige Konjunkturdaten aus Deutschland an. Das Ifo Geschäftsklima könnte leicht ansteigen, schließlich gab es Anfang März erste zaghafte Lockerungen der Corona-Restriktionen und Hoffnung auf weitere. Diese Aufhellung dürfte jedoch nicht von Dauer sein, denn mittlerweile ist die Gefahr eines dritten Lockdowns spürbar gestiegen. Dies wird dann spätestens bei der nächsten Umfrage im April wieder eine Belastung darstellen. Konjunkturumfragen in anderen europäischen Ländern werden voraussichtlich zeigen, dass die europäische Wirtschaft der weltweiten Wirtschaftserholung hinterherhinkt.

12.03.2021, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Aktienampel steht auf Grün

Es bleiben gute Zeiten für Aktien. Dort, wo die Impfungen gegen das Coronavirus schnell vorangehen, zeigen sich sehr gute Ergebnisse bei der Eindämmung der Pandemie. Das befördert die Hoffnungen auf eine kräftige Konjunkturbelebung in diesem und im kommenden Jahr. Dazu kommt noch ein neues großes Konjunkturpaket in den USA, das die Wachstumserwartung für die dortige Wirtschaft in diesem Jahr auf mehr als sechs Prozent getrieben hat. Vor diesem Hintergrund haben die Aktienmärkte in der zurückliegenden Woche neue Höchststände erreicht. Die Sorge, dass die Notenbanken diese Perspektiven durch geldpolitische Straffung eintrüben würden, fand bislang keine Nahrung. So erklärte die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag, mit verstärkten Anleihekäufe einem Anstieg der Kapitalmarktrenditen entgegenwirken zu wollen.

Renditen in Schach halten

Nachdem die EZB ihre Unzufriedenheit mit dem Anstieg der Kapitalmarktrenditen geäußert hat, schauen die Finanzmärkte nun gespannt auf die US-Notenbank. Bei der Pressekonferenz in der kommenden Woche hat Fed-Chef Powell eine schwierige Aufgabe. Einerseits muss die US-Notenbank steigende Zinsen als Begleiterscheinung einer kräftigen Konjunktur anerkennen, andererseits darf sie diese Bewegung nicht allzu sehr befördern. Denn steigen die Renditen zu stark an, können sie die Konjunktur und damit die Aktienmärkte auch schnell wieder einbremsen.

05.03.2021, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Neuland

Die Finanzmärkte betreten Neuland und das mit unsicheren Schritten. Noch bis vor kurzem galt es als gesicherte Erkenntnis, dass die Geldpolitik der Notenbanken mit günstigen Finanzierungsbedingungen über lange Zeit stützen wird. Nun aber haben viele Sondereffekte die Inflationsraten anschwellen lassen. Im Februar stiegen die deutschen Verbraucherpreise um frisch gemeldete 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. In den USA wird jetzt wohl rasch das sechste Konjunkturpaket durch den Kongress gewunken. Mithin festigen sich die Konjunkturerwartungen im Zuge der Corona-Impfkampagnen. Renditen von Staatsanleihen steigen stärker als noch zu Jahresbeginn zu erwarten war. Die Aktienmärkte halten sich dabei noch recht gut. Eine Sektorrotation von hoch bewerteten Technologiewerten zu konjunkturreagibleren Branchen ist freilich im Gange.

Kommunikative Herkulesaufgabe für die Notenbanken

Die Notenbanken stehen in der nächsten Woche im Fokus. Am Mittwoch dürfte die Inflationsrate der US-Verbraucherpreise für Februar letztmalig unterhalb der geldpolitischen Zielmarke von 2 Prozent gemeldet werden. Der Notenbankchef deutete bereits an, dass er zunächst nichts gegen den Zinsanstieg bei US-Anleihen tun wolle. Kommunikative Spannung verspricht die Ratssitzung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag. Auf der Pressekonferenz dürfte Präsidentin Lagarde versuchen, den Erwartungen über die zukünftige Geldpolitik mehr Orientierung zu geben. Konkrete Maßnahmen erwarten wir nicht, aber an den Börsen wird genau hingehört werden.

26.02.2021, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Flächenbrand

Der Anstieg der Renditen an den Kapitalmärkten entwickelt sich zum Flächenbrand. Die sich immer klarer abzeichnende Normalisierung der Wirtschaft nach dem Corona-Einbruch lässt die ultraniedrigen Zinsen des vergangenen Jahres nicht mehr angemessen erscheinen. Deflationssorgen werden abgelöst durch Inflationsängste. Steigende Renditen verschlechtern die Finanzierungsbedingungen von Unternehmen und wirken sich daher negativ auf die Aktienmärkte aus. Der DAX schwächelte, ebenso die asiatischen Märkte sowie die Technologiewerte in den Vereinigten Staaten von Amerika. Die Belastungen werden bleiben bis sich der Renditeanstieg beruhigt. Dann könnten auch die Aktien wieder kräftig anspringen. Denn hinter diesen Marktbewegungen steht eine sich erholende Konjunktur, die für die kommenden zwei Jahre ein hohes Wachstum verspricht.

Im Fadenkreuz der Kapitalmärkte: Die Inflation

In der kommenden Woche werden in Europa die Inflationszahlen für den Februar gemeldet. Nach den für viele alarmierenden Januar-Zahlen werden die neuen Daten für Beruhigung sorgen, da ein Großteil des Januar-Anstiegs auf Einmalfaktoren zurückzuführen war. Im Februar sind diese nicht mehr vorhanden. Trotzdem bleibt die Inflation im Fadenkreuz der Kapitalmarktteilnehmer. Für die USA wird in der kommenden Woche der Arbeitsmarktbericht Hinweise darauf geben, ob die bislang sehr gute Wirtschaftserholung weitergeht.

 

19.02.2021, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Inflation beschäftigt Finanzmärkte

An den Finanzmärkten sorgt das Thema Inflation für Verunsicherung. Erwartet wird, dass die Verbraucherpreise nach Beendigung des Lockdowns weiter anziehen. Dazu kam, dass die Kältewelle in den USA die Rohölproduktion vorübergehend lahmlegte. Das führte in der zurückliegenden Woche beim Ölpreis zu einem 14-Monatshoch. Die auffälligsten Auswirkungen der Inflationsängste schlagen sich an den Anleihemärkten nieder. Hier stiegen die Umlaufrenditen weiter an. Noch ist das Zinsniveau derart niedrig, dass der leichte Anstieg keine Auswirkungen auf die Wirtschaft hat. Doch bei weiter steigenden Renditen könnten sich die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen verschlechtern. Das würde auch die Aktienmärkte nicht kalt lassen. Diese verharrten daher in Wartestellung.

Verfrühte Wiedereröffnungshoffnungen

Alle wirtschaftlichen Überhitzungs- und Inflationssorgen sollten in der kommenden Woche eine kalte Dusche bekommen, wenn der ifo Geschäftsklimaindex einen weiteren Rückgang der Unternehmensstimmung für den Februar anzeigt. Kein Wunder, geht doch der Lockdown in die Verlängerung. Es könnte nicht die letzte sein angesichts aggressiverer Virusformen und schleppender Impfkampagnen. Dagegen dürften Daten aus den Vereinigten Staaten anzeigen, dass die US-Wirtschaft weiter stramm auf Erholungskurs ist – vor dem Hintergrund geringerer Corona-Restriktionen, schnellerer Impf-Fortschritte und eines weiteren Konjunkturprogramms.

12.02.2021, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Ausgebremst

An den Aktienmärkten waren die neuen Beschlüsse zur Verlängerung des Lockdowns in Deutschland erwartet worden. Die Finanzmarkt-Teilnehmer rechnen weiterhin mit einer allmählichen Wiedereröffnung der Wirtschaft, was ab dem zweiten Quartal zu einem deutlichen Anstieg der Wirtschaftsaktivität führen sollte. Trotzdem konnte der DAX sein Anfang der Woche erreichtes Rekordniveau nicht halten. Die spekulativen Exzesse beim Bitcoin oder einigen Einzelwerten in den USA irritieren an den Aktienmärkten kaum, insbesondere weil die Notenbanken diesseits und jenseits des Atlantiks ankündigten, ihren expansiven Kurs beizubehalten. Die überraschend hohen Inflationszahlen aus Deutschland wurden an den Finanzmärkten nüchtern aufgenommen, denn sie sind sehr stark von Einmaleffekten geprägt, die sich binnen Jahresfrist wieder zurückbilden sollten.

US-Wirtschaftspakete kommen an

In der kommenden Woche sollten die US-Einzelhandelsumsätze für den Januar einen kräftigen Anstieg zeigen. Das dürfte zum einen ein Ergebnis der kurz vor Weihnachten beschlossenen Konjunkturmaßnahmen sein, zum anderen können die privaten Haushalte auf weitere Transfers aus der Staatskasse zählen. Ein weiteres Konjunkturpaket, das sechste, ist in der Pipeline. Ob diese Zuversicht in der Krise auch hierzulande weiterhin vorherrscht, werden die Einkaufsmanagerindizes für den Februar zeigen. Diese werden Ende der Woche veröffentlicht.

05.02.2021, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Unkaputtbarer Aktienmarkt

Die Aktienmärkte erscheinen unkaputtbar. Nachdem die Kurse an den weltweiten Börsen noch in der letzten Januarwoche schwächelten, setzte in dieser Handelswoche eine deutliche Erholung ein. In den USA kam es zu neuen historischen Höchstständen. Hierzulande kletterte der DAX wieder über die Marke von 14.000 Punkten und markierte am Freitag ein neues Allzeithoch. Den Hintergrund dieser Entwicklung bildeten die guten Unternehmensergebnisse aus dem vierten Quartal. Nach den bislang vorliegenden Zahlen stiegen in den USA trotz neuer Corona-Beeinträchtigungen die Unternehmensgewinne um ein Prozent an, nachdem noch vor einem Monat mit einem Rückgang um etwa 10 Prozent gerechnet worden war. Für Gold war es eine weitere schwierige Woche. Wirtschaftliche Erholungsperspektiven, steigende Renditen an den Anleihemärkten und ein stärkerer US-Dollar waren Gift für den Goldpreis, der von seinen Januar-Höchstständen etwa 8 Prozent abgegeben hat.

Inflation im Fokus

Die Inflationsentwicklung wird zum wirtschaftlichen Dauerbrenner des Jahres. Wenn nach der Corona-Krise ein neuer Konjunkturzyklus einsetzt, werden auch die Verbraucherpreise wieder stärker steigen. Zwar sollten die in der kommenden Woche gemeldeten Januarzahlen zur US-Inflation noch moderat ausfallen, aber ab März wird der Inflationszug richtig Fahrt aufnehmen. Inflationsraten von mehr als 3 Prozent sind zu erwarten. Das Gleiche gilt für Deutschland. Normalerweise wäre dies schlecht für die Aktienmärkte, weil die Notenbanken mit Zinserhöhungen reagieren müssten. Für dieses Jahr haben die Zentralbanker bereits Entwarnung signalisiert, da sie Preiserhöhungen für vorübergehend halten.

29.01.2021, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Spekulationen in Amerika

In den USA wurde das Börsengeschehen in dieser Woche insbesondere von starken Kursausschlägen einzelner Nebenwerte überschattet. Viele Privatanleger stemmten sich kollektiv gegen Strategien von Hedgefonds, die auf fallende Kurse setzen. Das führte teilweise zu heftigen Kursanstiegen. Die Bewegungen sind höchstwahrscheinlich sehr kurzfristig. Wertpapieraufsicht sowie Notenbank haben kein Interesse daran, dass die Kurse größere Wellen am US-Kapitalmarkt schlagen, weil dies für unnötige Unruhe sorgt. Für einige Investoren spiegelten die Kursausschläge die hohe Liquidität wider, mit denen die Kapitalmärkte seit einiger Zeit überflutet werden. von Seiten der Konjunktur gab es keine Entlastung: Aufgrund der Verzögerungen bei den landesweiten Impfkampagnen verlieren viele Akteure zusehends die Hoffnung auf eine baldige Senkung der coronabedingten Restriktionen.

Konjunkturelle Belastungen

Die maue Börsenentwicklung der vergangenen Woche könnte sich in den kommenden Tagen fortsetzen. Denn es werden eine Reihe von Konjunkturdaten aus Europa veröffentlicht, welche die Belastungen der Wirtschaft durch die zweite Corona-Welle widerspiegeln. Der Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Aktivität wird bei weitem nicht so schlimm ausfallen wie während der ersten Welle vor knapp einem Jahr. Dennoch sind mehr und mehr Ermüdungserscheinungen beim Umgang mit den Corona-Beschränkungen erkennbar, insbesondere in den am schlimmsten betroffenen Branchen der konsumnahen Dienstleistungen.

22.01.2021, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Börsen begrüßen neue US-Regierung freundlich

Mit der reibungslosen Amtseinführung des 46. US-Präsidenten Joe Biden verschwindet für die Finanzmärkte ein akuter Risikofaktor vom Radarschirm. In Deutschland verharrten die Aktienmärkte auf hohem Niveau. In den USA gab es sogar wieder neue Höchststände, obwohl über das angekündigte Konjunkturpaket der neuen US-Regierung noch große Unsicherheit herrscht. An den Börsen rücken mehr und mehr Szenarien für den weiteren Jahresverlauf in den Mittelpunkt, immer unter der Voraussetzung, dass die Corona-Beschränkungen langsam gelockert werden können. Eine Befürchtung dabei ist, dass es die betreffenden Volkswirtschaften nach einer möglichen Öffnung aufgrund eines Nachfrageansturms überfordern und deswegen die Inflation steigen könnte. Daraus folgte auch in dieser Woche eine gewisse Nervosität am Anleihemarkt, an dem zwischenzeitlich die Renditen spürbar angestiegen sind.

Belastungen der zweiten Welle

Eine Konjunkturwoche steht den Börsianern in den bevorstehenden Tagen ins Haus: In Deutschland wird der Ifo-Geschäftsklimaindex für den Januar veröffentlicht. Aus der Lagebeurteilung dürfte abzulesen sein, wie stark die Belastungen der Wirtschaft mit zunehmender Dauer der zweiten Lockdown-Maßnahmen zugenommen haben. Ferner werden in Deutschland wie auch in den USA die Wachstumszahlen aus dem vierten Quartal 2020 gemeldet. In Deutschland dürfte das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal zurückgegangen sein, allerdings weitaus weniger stark als beim Ausbruch der Corona-Krise vor nun bald einem Jahr.

15.01.2021, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Neues Konjunkturpaket in Amerika

Neues Konjunkturpaket in Amerika

Weniger spektakuläre Ereignisse als intensive Aktivitäten hinter den Kulissen bewegten die Finanzmärkte in der abgelaufenen Woche. In den USA arbeitet die neue Regierung Biden an einem weiteren, mittlerweile dem sechsten, Corona-Konjunkturpaket. Dies bedeutet einerseits eine Verbesserung des Wachstumsausblicks für die US-Wirtschaft, andererseits jedoch auch einen weiteren hohen Kapitalbedarf für den Staatshaushalt. Dies ließ die Renditen an den Anleihemärkten nach langer Zeit wieder ansteigen, was vorübergehend auch bei Bundesanleihen zu beobachten war. Für die Aktienmärkte wiederum sind steigende Zinsen Gift, allerdings war die Dosis noch zu gering, um Rückgänge bei Anteilsscheinen auszulösen. Dabei half auch, dass die Notenbanken sich sofort äußerten, ihre Geldpolitik aufrecht zu erhalten, was dämpfend auf den Renditeanstieg wirkte.

Geldpolitik nach der Krise

In der kommenden Woche tagt der Europäische Zentralbankrat. Mit neuen Maßnahmen angesichts der zu erwartenden Verschärfung des Lockdowns ist nicht zu rechnen, da die Notenbank bereits ein umfangreiches Paket auf den Weg gebracht hat. Trotz der schwierigen Umstände für die Wirtschaft schielen die Finanzmärkte bereits auf die Zeit nach Corona und erwarten Aufschlüsse über die künftige Geldpolitik. Ferner werden Stimmungsumfragen aus der europäischen Wirtschaft veröffentlicht. Diese werden zeigen, dass eine robuste Industrie sich zur wichtigen Stütze für die europäische Gesamtwirtschaft entwickelt hat.

08.01.2021, Kolumne von Dr. Ulrich Kater: Politischer Schock und steigende Märkte

Politischer Schock und steigende Märkte

Die Erstürmung des US-amerikanischen Parlaments durch fanatische Trump-Anhänger markiert einen weiteren Höhepunkt in der Sorge um die politische Zukunft des Landes. An den Finanzmärkten bildete sich dies jedoch nicht ab, da es sich um eine schleichende Entwicklung handelt, deren Gewicht bei aller gegenwärtigen Dramatik in der Zukunft ungewiss bleibt. Dagegen brachte das Ergebnis der Senats-Nachwahlen in Georgia eine neue handfeste Perspektive für die kommende US-Regierung. Mit einer, wenn auch nur hauchdünnen, Mehrheit nun auch im Senat werden die Demokraten sehr viel mehr Durchsetzungsmöglichkeiten haben, etwa bei Wirtschaftsmaßnahmen. So sollte das neue Konjunkturprogramm kräftiger ausfallen als bislang erwartet. Die Aktienmärkte quittierten dies mit neuen Höchstständen. In Deutschland ging es für den Dax hinauf auf 14.000 Punkte. An den Anleihemärkten gab es demgegenüber leichte Kursrückgänge, weil der Finanzierungsbedarf des Staates noch weiter ansteigen wird.

Auswirkungen von Corona

Insbesondere für die US-Wirtschaft wird in der kommenden Woche eine Fülle von Konjunkturdaten gemeldet werden, so etwa der Einzelhandelsumsatz oder die Industrieproduktion. Sie können weiteren Aufschluss geben über die Auswirkungen der neuerlichen Lockdown-Bedingungen auf die US-Volkswirtschaft, die bislang verhältnismäßig gering geblieben sind. Für Europa steht mit dem Sentix-Indikator der Beginn der monatlichen Stimmungsumfragen auf dem Programm. Auch hier steht im Vordergrund, wie sich die zweite Corona-Welle auf die Unternehmen niederschlägt.



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