Börse Stuttgart-News: bonds weekly

Datum: 14.06.19
Uhrzeit: 15:19

STUTTGART (BOERSE STUTTGART GMBH) - Anleihenmarktbericht der Börse Stuttgart

MARKTBERICHT

Negativrekord bei Bundesanleihen

Woche für Woche berichten wir im Bonds Weekly auch über die Bundesanleihen und deren Rendite.

Lange Zeit galt der Sommer 2016 dabei als untere Grenze an möglichen negativen Zinsen. Damals

drückte die Entscheidung Großbritanniens, die EU zu verlassen, auf die Stimmung an den Märkten.

Deshalb waren sichere Anleihen wie die Bundesanleihen gefragt - die Kurse stiegen, die Renditen

fielen, damals bis auf -0,205 Prozent.

Nun fielen die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen, die als Maßstab vieler weiterer Zinsen

gelten, letzten Freitag auf ein Allzeittief von -0,26 Prozent und bewegen sich seither auf

ähnlichem Niveau. Damit nicht genug: Seit Anfang Mai ist die Rendite durchgängig negativ, die

einstmalige Untergrenze aus dem Jahre 2016 beständig unterschritten. Was treibt die Anleger

dazu, vermehrt Bundeanleihen nachzufragen und somit die Renditen derart absinken zu lassen?

Ein wichtiger Faktor ist die Politik: Woche für Woche sendet der US-Präsident Drohungen und

Ähnliches an China, Mexiko oder die EU aus und sorgt für Unsicherheit an den Finanzmärkten.

Auch der kürzlich wieder aufkeimende Haushaltsstreit zwischen Italien und der EU gibt Anlass

zur Sorge. Zusammen mit dem Faktor, dass sich die Konjunkturaussichten weltweit einzutrüben

scheinen, steigt die Risikoscheu bei Anlegern. Diese wenden sich bei ihrer Anlage dann an

sichere Häfen wie eben die Bundesanleihen, aber auch Gold - ein Trend, der sich übrigens

nicht nur bei kleineren Anlegern, sondern auch bei großen Finanzinvestoren beobachten lässt.

Davon profitiert vor allem der deutsche Staat, der sozusagen Geld dafür bekommt, wenn er sich

verschuldet. Doch auch Unternehmen oder Privatpersonen kommt die niedrige Rendite in gewisser

Weise zugute, da sich Kapitalmarktzinsen in Deutschland am Maßstab der Bundeanleihen

orientieren und so beispielsweise günstige Baukredite nach sich ziehen. Negative Auswirkungen

hat diese Entwicklung hingegen auf Sparer von Festgeldanlagen, die kaum noch mit Zinsen rechnen

können.

Was ebenfalls problematisch scheint: Die Rendite langfristiger Anleihen liegt derzeit unter der

Rendite kurzfristiger Anleihen - eine sogenannte inverse Zinsstrukturkurve. In der

Vergangenheit galt das stets als Signal einer nahenden Rezession. Zusammen mit den vielen

Unwägbarkeiten des politischen Parketts bleibt es also spannend.

Türkei: Leitzins unverändert

Nachdem letzte Woche sowohl die US-Notenbank Fed als auch die Europäische Zentralbank

entschieden, nicht an ihrem Leitzins zu rütteln, zog diese Woche auch die türkische Notenbank

nach. Sie belässt ihren Leitzins unverändert bei 24 Prozent. Auf dieses Niveau war der Leitzins

im September letzten Jahres angehoben worden.

Damit zollt die türkische Notenbank ihrer derzeitigen Situation Tribut: Einerseits versucht

sie, den Kurs der türkischen Lira durch eine straffe Geldpolitik zu stützen. Die Währung büßte

seit Ende 2017 gegenüber dem Dollar mehr als ein Drittel ihres Wertes ein. Zudem liegt die

Inflationsrate nach einem Höchststand letzten Oktober von 25,24 Prozent trotz eines deutlichen

Rückgangs nach wie vor bei 18,71 Prozent. Andererseits strebt die türkische Notenbank eine

Ankurbelung der dortigen Wirtschaft an, nachdem der Kurs der Lira diese in eine Rezession

stürzen ließ. So sank das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal diesen Jahres im Vergleich zum

Vorjahr um 2,8 Prozent.

Konfrontiert sieht sich die Notenbank mit den Forderungen internationaler Ökonomen, die eine

Anhebung des Leitzins fordern, um die Inflation einzudämmen, und gleichzeitig den Rufen aus der

Türkei selbst, die eine Zinssenkung zur Ankurbelung der Konjunktur fordern. Eventuell

orientiert sich die türkische Notenbank dabei an der Fed. Sollte sich die US-Notenbank in den

kommenden Monaten zu einer Zinssenkung entscheiden, könnte auch die türkische Notenbank diesem

Schritt folgen.

Bundesanleihen

Der Euro-Bund Future (Verfall September 2019), der auch am Pfingstmontag gehandelt wurde,

notierte in der bisherigen Handelswoche (Stand: Donnerstagmittag) in einer sehr engen

Handelsspanne von 170,98 und 171,66 Prozentpunkten. Das bisherige Wochentief des Euro-Bund

Futures lag am Dienstagmorgen bei 170,98 Prozentpunkten. Zu Beginn der Handelswoche erreichte

der Euro-Bund Future sein bisheriges Hoch bei 171,66 Prozentpunkten.

Aktuell notiert der Euro-Bund Future bei 171,50 Prozentpunkten. Dies entspricht einer negativen

Rendite von -0,24 Prozent. Damit notiert die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihen in der Nähe

des Allzeittiefes der letzten Handelswoche.

ANLEGERTRENDS

BMW nimmt Kapital über zwei Anleihen auf

Der deutsche Autobauer BMW emittiert zwei neue Anleihen. Unter der WKN A2R3EZ findet sich eine

Anleihe mit einem Volumen von 1,00 Mrd. Euro, die bis zum 13.07.2022 datiert ist. Zu einem

Kupon von 0,125 % ist der Termin der nächsten Zinszahlung der 13.07.2020. Die zweite Anleihe

mit der WKN A2R3E0 verfügt über ein Emissionsvolumen von 750 Mio. Euro und eine Laufzweit bis

zum 13.07.2026. Der Zinssatz beträgt 0,75 %, nächster Zinszahlungstermin ist der 13.07.2020.

Bei beiden Anleihen ist der handelbare Mindestbetrag 1.000 Euro und die kleinste handelbare

Einheit ebenfalls 1.000 Euro. Das Unternehmen wird von S&P mit dem Langfrist Rating A+

bewertet.

USA begeben zweijährige US-Dollar Anleihe

Die USA begeben eine zweijährige Anleihe ( WKN: A2R25P ) mit einem Emissionsvolumen von 44,20

Mrd. US-Dollar. Der Zinssatz beträgt 2,125 % und wird erstmals anteilig halbjährlich am

30.11.2019 ausbezahlt. Die Fremdwährungsanleihe ist am 31.05.2021 fällig. Der Mindestbetrag der

handelbaren Einheit entspricht nur 100 USD in kleinsten handelbaren Einheiten von 100 USD. Die

USA werden von S&P mit einem Rating von AA+ versehen.

Landtechnik-Konzern John Deere begibt zwei US-Dollar Anleihen

Der amerikanische Landtechnik-Konzern John Deere Capital Corp. begibt zwei neue Anleihen. Die

zweijährige Anleihe ( WKN: A2R290 - Fälligkeit: 07.06.2021) mit einem Emissionsvolumen von 500

Mio. US-Dollar besitzt einen Kupon von 2,30 %. Erstmals wird der Kupon anteilig halbjährlich am

07.12.2019 ausbezahlt. Die zweite Anleihe ( WKN: A2R292 ) mit einem Emissionsvolumen von 600 Mio.

Euro läuft bis zum 07.03.2024. Der Kupon beträgt 2,60 % und wird erstmals anteilig am

07.09.2019 ausbezahlt. Für beide Anleihen ist der handelbare Mindestbetrag 1.000 US-Dollar und

die kleinste handelbare Einheit ebenfalls 1.000 US-Dollar. John Deere wird von S&P mit einem

Rating von A bewertet.

Disclaimer:

Der vorliegende Marktbericht dient lediglich der Information. Für die Vollständigkeit und

Richtigkeit übernimmt die Boerse Stuttgart GmbH keine Gewähr. Insbesondere wird keine Haftung

für die in diesem Marktbericht enthaltenen Informationen im Zusammenhang mit einem

Wertpapierinvestment übernommen. Hiervon ausgenommen ist die Haftung für Vorsatz und grobe

Fahrlässigkeit.

Quelle: Boerse Stuttgart GmbH

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Boerse Stuttgart GmbH verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

Quelle: dpa-AFX
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